31.07.2019, Backstage (Halle), München

CYPECORE + KNAAT + AMPLIFIED MEMORY + ASMODAY

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 03.08.2019

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Alles Free & Easy in München! Am 14. Tag der kultigen Gratis-Konzertreihe lockte die Backstage-Halle mit einem heißen schwermetallischen Stilmix, der es in sich hatte. Wer auch immer das Billing aus Black Metal, Progressive Extreme, Party-Folk und Industrial Death zusammen gestellt hat, hat wohl vorher einige verdammt gute psychoaktive Kräuter geraucht – Hochachtung, dass vier Bands mit dem einzigen gemeinsamen Nenner als Abstinenz von cleanen Vocals, unterm Strich einen so harmonischen Abend kreieren konnten.


Der Auflauf der letzten Überlebenden der Apokalypse erwies sich in der Halle als einigermaßen überschaubar, doch bei den Temperaturen war man gegen Ende hin dann doch froh, dass die Halle etwa halb voll blieb. Bei ASMODAY herrschte dann naturgemäß noch etwas Respektabstand zwischen Bühne und Publikum, wollte doch der Funke angesichts des qualitativ zwar hochwertigen, aber unterm Strich doch eher generischen Schwarzwurzel-Krawalls noch nicht so recht überspringen. Einige Fans der Münchner gaben sich zu den hämmernden, von elegischen Gitarrenmelodien getragenen Klängen ordentlich die Kante und wedelten hingebungsvoll mit ihren Matten, während der Rest der Zuschauer sich eher stoisch von einem mit kräftigem Organ gesegneten Sänger ankreischen ließ.


Freunde der feineren Klinge kamen bei AMPLIFIED MEMORY auf ihre Kosten, die nicht nur eine ausladende Keyboard-Burg auf die Bühne setzten, sondern sich auch augenscheinlich den Drummer mit NOTHGARD teilen. Einheitlich in weiße Kittel mit Rohrschach-Test-artigen Mustern gekleidet, fühlte man sich ein wenig in ein verrücktes Soundlabor versetzt, doch der musikalische Bastard aus Melodic, Extreme und Progressive Metal den es hier auf die Ohren gab, der hatte es wirklich in sich! Der ebenfalls aus München stammende Sechser konnte die Lücke zwischen Bühne und Publikum schnell schließen und Interesse beim Publikum generieren, dass sich von den komplexen und ausladenden Titeln schnell mitreißen ließ, sodass die Zeit wie im Fluge verging.  Fast war man versucht zu sagen „Was, schon?!“ als AMPLIFIED MEMORY ihren letzten, nicht minder umfangreichen Titel ankündigten – doch es standen ja noch zwei weitere Acts auf dem Plan...


Und immer wenn man meint, schon alles gesehen zu haben – dann kommt eine Band wie KNAAT daher und macht auf der Bühne einen Saunaaufguss. Aufmerksame Leser von Stormbringer kennen ja bereits den Hashtag #aufgussbitte, der zum Thema eines ganzen Festivals umfunktioniert wurde – die Münchner Folk-Metaller gehen dabei noch einen Schritt weiter und machen es gleich richtig. Zugegeben, man schaut momentan schon ziemlich dumm aus der Wäsche, wenn die sechsköpfige Band mitten im spaßig-beschwingten Set von der Bühne verschwindet, um wenig später nur in Handtücher gehüllt und mit echt-finnischem Saunaequipment zurückzukehren, mit gebührender Hingabe einen Aufguss zu zelebrieren und die Halle in den Duft von Saunakräutern zu hüllen. Dass anschließend noch (musikalisch) die Sau geschlachtet wurde und irgend jemand „Kräuter im Arsch“ hatte, war dann noch das Tüpfelchen auf dem i, des höchst unterhaltsamen Auftritts von KNAAT. Einen kleiner (nicht ganz ernst gemeinten) Kritikpunkt des durchwegs begeisterten Publikums darf man sich aber dennoch gefallen lassen – Jungs, in der Sauna trägt man aber keine Unterhosen!


Bei einer solchen Vorbehandlung konnte, trotz wüstem stilistischen Mix, kaum noch etwas schiefgehen für CYPECORE. Und die Cyber-Endzeit-Metaller, die schon bei ihrem letzten Headliner-Gig im kleineren Club auf voller Länge überzeugen konnten, lieferten dann auch pflichtschuldig ab. Die Soundwand riss die Halle schier ein und spornte das inzwischen amtlich im Ausrastmodus befindliche Publikum immer wieder zu wahren Höchstleistungen an – Moshpits, Circlepits, Wall Of Death – die Zuschauer zogen gnadenlos das volle Programm durch, während es in der Halle bereits von der Decke tropfte. Die von der Band immer wieder ins Auditorium gereichten Wasserflaschen wurden dankend angenommen und die Brachial-Hymnen des entfesselt agierenden Vierers aus blutigen Kehlen mitgegrölt. Die dystopischen Zukunftsvisionen von CYPECORE entfalteten, getragen von hämmernden Riffs und maschinell ratternden Drums ihre volle Durchschlagskraft und hinterließen an diesem Abend im Backstage nur noch verbrannte Erde und ein sichtlich zerstörtes Publikum, welches die Nachwehen der endzeitlichen Schlacht wohl noch einige Zeit in diversen Körperteilen spüren sollte...
 

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • The Alliance
  • Where The World Makes Sense
  • Reject The Stream
  • Leviathan
  • Identity
  • Values Of Life
  • Dreamsmasher
  • A New Dawn
  • Values Of Death
  • Remembrance
  • My Confession
  • The Hills Have Eyes
  • Lie Of Redemption
  • Dissatisfactory
  • Saint Of Zion


Mehr Fotos findet ihr in Kürze wieder einmal bei Images Of Pain And Pleasure!


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