27.07.2019, Brauereigutshof Pyras,

PYRASER CLASSIC ROCK NIGHT 2019

Veröffentlicht am 06.08.2019

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Die PYRASER CLASSIC ROCK NIGHT ist schon seit vielen Jahren eine Institution und das völlig zu Recht. Selten gibt es ein entspannteres und  besser organisiertes Festival als im wunderschön gelegenen Pyraser Brauereigutshof. Während man bei anderen, größeren Festivals oftmals nur noch das Gefühl hat mit etlichen Extras wie Gebühren fürs Flatrateduschen (!! - gesehen bei Rock Im Park) oder exorbitanten Ticketpreisen, die nur schwer zu rechtfertigen sind, abgezockt zu werden gibt es hier für den mehr als fairen Preis von 60 Euro "Value for Money" im Überfluss. Zudem merkt man, dass die Macher mit Herzblut dabei sind und dabei nicht nur den schnöden Mammon im Kopf haben.
Auch anno 2019 war das Lineup wieder äußerst hochwertig. Neben den Headlinern von ROSE TATTOO waren UFO im Rahmen ihrer Abschiedstour am Start, GLENN HUGHES wurde mit einem DEEP PURPLE-Set gebucht und für die jüngere Generation gab es die Schwabenpfeile von KISSIN DYNAMITE und die Skandinavierinnen von THUNDERMOTHER. Als Anheizer waren die alten Recken von TALON am Start.
Im Folgenden ein paar Eindrücke der beteiligten Bands in Wort und (z.T. bewegtem) Bild:

TALON:
TALON hatten ihre Hochphase in den 1980ern, wo sie kurz vor dem Durchbruch standen, diesen dann aber leider doch nicht ganz packten. Im Jahr 2016 erfolgte eine Reunion, bei der fast die komplette Urbesetzung wieder am Start war. Ich muss gestehen, dass ich mit ihren drei von 1984 bis 1986 veröffentlichten Alben nicht so wirklich vertraut bin und somit auch nicht viel zur Setlist sagen kann, die wohl zwangsläufig aus ihrer recht kurzen Discographie bestehen musste.
Soundtechnisch fiel auf, dass es ganz schön laut im Vergleich zum Vorjahr war, fast schon zu laut (ich weiß:  „If it is too loud you are too old“) was sich aber bei den folgenden Bands wieder zugunsten eines filigraneren Sounds besserte. Die meist recht undankbare Aufgabe der ersten Festivalband des Tages meisterten die Jungs jedoch ausgesprochen gut und die bereits zum jetzigen Zeitpunkt vertretenen Fans haben es sicher nicht bereut, TALON angesehen zu haben.

THUNDERMOTHER:
Die Ladies von THUNDERMOTHER konnte ich bereits vor ein paar Jahren einmal im Hirschen in Nürnberg im Vorprogramm der DEAD DAISIES sehen, wo sie mich nur bedingt überzeugt haben, was wohl auch am erst unmittelbar zuvor stattgefundenem Besetzungswechsel von vier der fünf Bandmitglieder gelegen hat. Seitdem gab es ein neues selbstbetiteltes Album und auch live wirkten die Mädels um einiges eingespielter und konnten  gut abräumen. Der knapp einstündige Gig war sehr kurzweilig, die Band hatte sichtlich Spielfreude und war wohl selber etwas überrascht, wie gut sie ankamen. Können gerne wiederkommen.

KISSIN‘ DYNAMITE:
KISSIN‘ DYNAMITE waren mittlerweile schon zum vierten Mal in Pyras am Start und sind somit Rekordhalter was die Teilnahmen angeht. Die sympathischen Schwaben hatten im Frühjahr eine ausgesprochen erfolgreiche Headlinertour absolviert, die nach der Festivalsaison im Herbst wegen des großen Erfolgs noch einmal fortgesetzt wird. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Bei KISSIN' DYNAMITE läuft eben vieles richtig: Man hat gute, eingängige Songs im Gepäck, ist musikalisch über alle Zweifel erhaben und die Band macht live einfach tierisch Laune. Die Setlist war im Vergleich zur Frühjahrstour natürlich etwas abgekürzt aber brachte eine gute Mischung aus flotten und langsameren Tracks. Die „Krönungszeremonie“ war bei „I Will Be King“ genauso dabei wie das Fahnenschwingen. Cheesy aber mit Stil. Die Band gab sich volksnah und man konnte im Biergarten das eine oder andere Bandmitglied ausfindig mache. Der Auftritt war sicher nicht der letzte in Pyras.

                                

                    

UFO:
UFO befinden sich im fünfzigsten Karrierejahr und das einzig verbliebene Urmitglied in Form von Phil Mogg hat seinen Abschied angekündigt. Mit 71 Jahren natürlich mehr als legitim. In Pyras gab es kaum Altersabnutzungen zu verzeichnen. Die Band spielte ein gut 75-minütiges Set, das keine Wünsche übrig ließ. Für den im Lauf der 2019er-Tour leider verstorbenen Gitarristen und Keyboarder Paul Raymond war Neil Carter (u.a. Gary Moore) dabei, der sich an sich schon länger aus dem Musikgeschäft verabschiedet hatte und bereits Anfang der Achtziger bei UFO beschäftigt war. Wenig überraschend, dass die alten Mega-Klassiker wie „Love To Love“, „Too Hot To Handle“ und natürlich „Doctor Doctor“ am besten ankamen. Der Sound auch hier tadellos und mit der Rhythmustruppe begnadete Musiker am Start, allen voran natürlich Vinnie Moore, der seit seinen seligen Zeiten als Mike-Varney-Gitarrenheld in vorderster Front der Gitarrengilde spielt und nun auch schon seit 2004 dabei ist. Ob es nach Phil Mogg mit UFO weitergeht steht in den Sternen, aber irgendwie nicht wirklich vorstellbar prägt sein ausdrucksstarker charismatischer Gesang doch die gesamte Band.

                    

GLENN HUGHES:
GLENN HUGHES wurde angekündigt, ein DEEP PURPLE Old-School Set zu spielen und das wurde auch eingehalten. Ich bin nicht gerade der größte Fan der selbsternannten „Voice of Rock“, denn für meinen Geschmack schreit er zu viel und genau das war auch in Pyras für mich das Hauptmanko seines Auftritts. Wo bei anderen weniger mehr ist hält es der gute Glenn leider andersrum und zieht zum einen manche Songs endlos hinaus um sie mit seinen kreischenden Tonleitern rauf und runter zu „veredeln“. Das kann man bei manchen Songs sicher machen aber nicht bei fast jedem so wie hier. Zudem zählen die Songs der Alben „Stormbringer“ und „Come Taste The Band“ (für mich das übelste PURPLE-Album überhaupt) nicht für jeden zu den Highlights. Bei „Burn“, „Smoke On The Water“ und „Highway Star“ kam schon gut Stimmung auf, allerdings war auch zu beobachten, dass nicht jeder ein Freund der Tonleiter-Orgien von Mr. Hughes war und dann eher die Essensstände aufgesucht wurde. Sicherlich kein schlechter Auftritt aber dennoch für mich das Lowlight des gesamten Abends.

                                    

        

ROSE TATTOO:
Angry Anderson und seine Mannen sind in den letzten Jahren wieder schwer aktiv. Der Pyras-Auftritt findet inmitten einer Europa-Tour statt und der Meister hat nichts von seiner rotzigen Röhre eingebüßt. Im Gegenteil. Ausgestattet mit Bier und Wein (am Ende geschätzte 2,42 Promille aber dennoch gesangstüchtig) fuhren er und seine Mannen ein knackiges Best-Of Set auf, welches natürlich den Schwerpunkt auf das erste und beste Album legte. Bei „Nice Boys“ gaben sich dann auch noch drei Ladies von THUNDERMOTHER die Ehre mit Herrn Anderson zu musizieren. Wenn man es ganz genau nimmt, stand kein einziges Gründungsmitglied auf der Bühne, denn auch Angry war nicht der erste Sänger aber wollen wir mal nicht Erbsenzählen. Der Auftritt hat mächtig gerockt. Der Sound war mit der Beste des gesamten Tages und auch wenn die Musik der "Tatts" nicht vollends abwechslungsreich ist, hinterließ die Band nach 80 Minuten eine zufriedene Menge.

                                 

                 

BRIAN DOWNEY’S ALIVE AND DANGEROUS:
Midnight Special-Auftritte nach dem eigentlichen Headliner sind immer so eine Sache. Entweder ist eine müde Masse an Fans vor der Bühne, die dem harten Festivaltag Tribut zollen müssen, gerade bei einem Festival wie hier in einer Brauerei mit moderaten Getränkepreisen natürlich besonders gefährlich. Oder es ist eine Band auf der Bühne, die engagiert wird, um die Location leerzuspielen. Bei BRIAN DOWNEY’S ALIVE AND DANGEROUS lag der Fall jedoch anders, GANZ anders.
Nach dem etwas längeren Soundcheck, den die Band (bis auf den Altmeister selber) eigenhändig absolvierte legte man kurz nach Mitternacht los und lieferte LIZZY-Klassiker satt und zwar derart authentisch, dass man fast zweimal gucken musste, ob da nicht doch das Original auf der Bühne steht. Matt Wilson am Bass und den Lead Vocals ist nahezu eine Reinkarnation von Phil Lynott, die beiden Gitarreros lieferten die doppelstimmigen Leads originalgetreu und Brian Downey am Schlagzeug ist nach wie vor eine Klasse für sich. Waren am Anfang noch eher wenige Leute mit skeptischen Gesichtern im Auditorium, so füllte sich die Location zusehends und am Ende gab es ausschließlich fröhliche Gesichter. Wohl dem, der geblieben ist, um sich Klassiker wie „Boys Are Back In Town“, „Jailbreak“ und natürlich „Whiskey in The Jar“ zu geben. Brian Downey hat Stil und Respekt vor der Legende Lizzy, wagt es nicht, das Ganze unter dem THIN LIZZY-Banner laufen zu lassen und liefert eine der besten Tribute-Act-Shows, die ich je gesehen habe. Dass sowas auch anders läuft, indem sich der Originalname draufgepappt wird und Klassiker-Songs zerstört werden zeigen ja seit Jahren zwei Rocklegenden, deren Geschichte ja kürzlich erst (schlecht) verfilmt wurde. Aber das ist ein anderes Thema…

                    

Lobende Erwähnung:
Wie fast jedes Jahr waren im abgetrennten Biergarten sowie Essens-/Verkaufsareal HUMAN TOUCH zu sehen und spielten fast den ganzen Tag akustische Versionen alter Klassiker und das ausgesprochen gut. Sollten auf jeden Fall nicht unerwähnt bleiben!


Pyras ist und bleibt ein geiles Festival jenseits des harten Kommerzes. Auch wenn manche wohl keine einzige Band gesehen haben (alle würden eh nicht in die Scheune reinpassen) und sich für 60 Euro nur einen Biergartenbetrieb mit Beschallung gegönnt haben, so ist es für die Musikfreunde klassischer Rockklänge ein echter Traum. Für 2020 hat sich DORO als eine der Headliner angesagt.

Bis 2020 dann wieder

https://www.pyraser-classic-rock.com/


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