06.08.2019, Rockhouse, Salzburg

TESTAMENT + IRON REAGAN + CRISIX + CHAINBREÄKER

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 10.08.2019

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Nach einigen ziemlich erfolgreichen Veranstaltungen, gaben die Buben von Metal Madness Concerts Anfang August dann richtig Gas. Niemand geringere als TESTAMENT sollten es sein, mit denen der Einstand im großen Rockhouse-Saal gefeiert wurde. Natürlich gleich einmal ausverkauft und mit einer Palette an drei weiteren hektischen Thrash-Formationen im Schlepptau, die ihr Möglichstes taten, einen richtigen Abriss auf die Bretter zu legen. Einzig der etwas arg frühe Beginn am hitzigen Wochentag brachte die Metalheads schon im Vorfeld etwas ins Schwitzen, doch dafür konnte sich niemand beschweren, zu spät ins Bett zu kommen.


Ans selige Schlummern wie in Abrahams Schoße dachte aber noch niemand, als die Linzer Buben von CHAINBREÄKER  (zuletzt gesichtet am Shredfest, wo sie durch die THIRDMOON-Absage den großen Slot ergatterten und nutzten) für die erste Durchlüftung der Matten sorgten. Angemessen böllernder Thrash mit deutlicher Schlagseite in die 80er-lastige Speed-Richtung prasselte auf die Zuschauer ein, die sich von der hochmotivierten Darbietung von CHAINBREÄKER schnell mitreißen ließen. Ein bisschen Nervosität angesichts der Kulisse konnte man zwar in den hektischen Ansagen erkennen, doch das sei den Burschen für ihren wirklich starken Auftritt zugestanden. Den Zuschauern jedenfalls gefiel es sichtlich und sie spendeten den jungen Linzern lauten Applaus.


Im Anschluss rasteten dann die Spanier von CRISIX auf der Bühne aus und sorgten erstmals für richtige Bewegung und die ersten Moshpits im Auditorium. Zwar erwies sich das Outfit des Fronters als schon ein wenig grenzwertig (Radlerhose zu zerrissener weißer Jeans und hochgezogenen weißen Tenisssocken ist schon eher... mutig), dafür entwickelte sich der energiegeladene Auftritt der Spanier zum ersten richtig heftigen Abriss des Abends. Vor allem durch ihren großartigen Draht zum Publikum konnten CRISIX die Zuschauer zu so manchem kranken Moshpit motivieren, während die Musiker fast wie bei einer Hardcore-Show hysterisch über die Bühne fegten und dabei Luftsprünge zeigten. Dass die Herren überdies mit Ersatzdrummer für ihren erkrankten/verletzten Stammzeugler antraten, das merkte man zu keiner Sekunde – die Truppe erwies sich als perfekt eingespielt und gab wirklich alles. Als schließlich auch noch Bälle ins Publikum geworfen wurden, mit dem Auftrag diese im Moshpit ordentlich herumzutreten, hatten CRISIX die Leute voll auf ihrer Seite, sodass man von den spanischen Hochgeschwindigkeitswahnsinnigen gerne noch ein wenig mehr gesehen hätte.


Aber auch IRON REAGAN drückten das Gaspedal danach bis zum Anschlag durch und konnten in der Folge einige brutale Moshpits für sich verbuchen. Gefühlt bestanden die Ami-Musiker auf der Bühne nur aus Haaren, die recht hingebungsvoll gebeutelt wurden, während dazu einem Flummi von Fronter mehrmals schier die Begeisterung durchging. Tempogebolze der hysterischsten Art ließ kaum Atempausen zu und die Masse an ultrakurzen Songs prasselte wie ein Trommelfeuer auf den vollen Rockhouse-Saal ein. Wie viele knackig-kurze Abrissbirnen IRON REAGAN da ins Auditorium feuerten, wussten sie wohl selbst nicht mehr so genau – zumindest schien irgendwann in der Mitte des Sets Unklarheit zu herrschen, was und wieviel nun eigentlich gespielt werden sollte. Die sympathische Verwirrtheit der Amis gab dem von tempotechnischem Wahnwitz getragenen Auftritt, der ansonsten durch das durchgängig hohe Tempo ein wenig eintönig geraten wäre, aber letztendlich genau diesen Schliff, der sie bei den Zuschauern landen ließ. Mehr von diesem herrlichen Irrsinn hätte man aber wirklich nicht mehr vertragen, wenn man sich die reichlich mitgenommenen Gesichter der zahlreichen Headbang-Fraktion so ansah...


Solcherart vorbehandelt, konnte bei TESTAMENT eigentlich nichts mehr schief gehen. Die Bay-Area-Veteranen machten den Sack ohne größeres Aufhebens zu, ließen die Circlepits kreisen und pumpten das Rockhouse mit Tonnen an Nebel und zuckenden Lichtern voll. Im Vergleich zu den eskalativen Speedattacken und den hysterischen Schreihälsen zuvor, präsentierte sich der gediegene Thrash von TESTAMENT im Vergleich runder und  fast gemächlich, wie ein ehrwürdiges Schlachtschiff, das unbeirrt seinen Weg durch den Musikdschungel pflügte. Vielleicht nicht in der selben abartigen Geschwindigkeit, doch mit umso mehr stoischer Durchschlagskraft, hämmerten sich Chuck Billy und Co. mit Vehemenz durch den Abend. Vielleicht stieß sich der ein oder andere an der doch eher auf Nummer Sicher gehenden Setlist und hätte sich vielleicht noch ein paar Songs mehr gewünscht, doch wogende Moshpits und wirbelnde Haare der verschwitzten, aber sichtlich zufriedenen Besucher sprachen eine andere Sprache. Nämlich, dass TESTAMENT in bester Festivalmanier das Publikum in Salzburg nach allen Regeln der Kunst auseinander pflückten, dass garantiert jeder am nächsten Morgen erstmal seine Nackenwirbel wieder zusammenbauen musste. Wie gut der höllisch böllernde Sound nun wirklich war, davon kann das kleine Schreiberlein, das den größten Teil des Konzertes direkt an den Boxentürmen klebte, leider nicht berichten. Es sah gut aus und fühlte sich gut an, reicht das? Oh, hoppla, das war nun doch etwas zweideutig...

Setlist (Ohne Gewähr!)

  • Brotherhood Of The Snake
  • The Pale King
  • More Than Meets The Eye
  • D.N.R. (Do Not Resuscitate)
  • Eyes Of Wrath
  • Legions Of The Dead
  • Low
  • The Preacher
  • Into The Pit
  • Electric Crown
  • Over The Wall
  • Disciples of The Watch
  • Practice What You Preach
  • The New Order
  • The Formation Of Damnation


Wie auch immer, ließen die vier Bands des Abends zu vergleichsweise früher Stunde ein angemessen geplättetes Publikum zurück, das sichtlich glückselig in diversen Aggregatszuständen gen Heimat wankte. Positiv hervorzuheben ist ein weiteres Mal sowohl der angenehme, reibungslose Ablauf, als auch die Tatsache, dass das Merch (wie bereits bei CANNIBAL CORPSE) erneut in der Bar, anstatt im Foyer aufgebaut wurde, was das ansonsten traditionelle Chaos im Foyer mehr als deutlich entschärfte. Das könnte man gerne öfter so handhaben! Wie auch die Bandauswahl – auf viele weitere Abriss-Abende in Bar oder Saal! Wohl bekommt's!

Weitere Fotos finden sich bei Images Of Pain And Pleasure.


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