10.08. - 11.08.2019, Flugplatz Drispenstedt, Hildesheim

Das war das M'era Luna 2019

Text: Rahel Lüders, Thomas Trüter
Veröffentlicht am 18.08.2019

Zum 20. Mal trafen sich Fans von Gothic, Folkrock, Industrial und Synthpop auf dem M'era Luna Festival in Hildesheim-Drispenstedt. Eine gute Gelegenheit, sich das dunkelbunte Treiben aus der Nähe anzuschauen.

 

Freitag 09.08.2019

Thomas:

Spätestens mit dem Öffnen der Zugangspforten beginnt für viele Besuchende etwas, das nach Heimkehr klingt. Bereits am Donnerstag vor dem Einlass warten einige vor den Toren des M'era Luna, welches mit mehr als 25.000 Fans wieder einmal ausverkauft ist. Trotz Regenschauern sind Viele in Feierlaune.

Der Freitag ist noch kein eigentlicher Festivaltag, doch bereits erste Rahmenprogrammpunkte könnten besucht werden. Neben einem Besuch des Mittelaltermarktes und einer Betrachtung der hier stattfindenden Feuershow, können in den Abendstunden Lesungen von MARKUS HEITZ, AXEL HILDEBRAND und CHRISTIAN VON ASTER gelauscht werden. Auch ein Schlendern über die Gothic Fashion Town ist bereits möglich. Ab 22:30, nach dem Ende der finalen Lesung, wird bis in die frühen Morgenstunden im Discohangar gefeiert.

 

Gastautorin Rahel:

Ankunft in Hildesheim. Mein erstes Mal beim M'Era Luna Festival. Beeindruckt von all den super schönen und interessanten Gewändern, die viele der schon anwesenden Besucher tragen, mache ich einen ersten Rundgang über den Mittelaltermarkt.
Hier gibt es so viel zu entdecken und es ist schon richtig viel los, obwohl das Festival erst am Folgetag richtig beginnt.
Neben vielen Ständen mit Essen und Trinken und Souveniers entdecke ich die Kuppeley. Hier können Interessierte anhand eines weißen, roten oder grünen Zettels, mit einer Handynummer auf der Rückseite und einem freien Wunschtext auf der Vorderseite, nach Kontakten für unterschiedliche Aktivitäten suchen. Die Zettel werden dann an eine lange Schnur an die Zeltwand geheftet. Ein Versuch ist es wert!                                                                                     

Eine Feuershow lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich.
Beim „Hau den Lukas“ ist viel gute Stimmung und wieder neue Kontakte zu netten Menschen entstehen.
Außerhalb des Mittelaltermarktes sorgt eine Geisterbahn und viele Essens- und Getränkestände bei den Besuchern für gute Stimmung. Nur im Infield ist noch nicht so viel los.
Ein aufregender Tag geht zu Ende.

 

Samstag, 10.08.2019

Thomas:

Gegen 10:00 mache ich mich auf den Weg zum Pressezelt im Infield, um weitere Vorbereitungen für diesen Bericht zu treffen. NULL POSTIV eröffnen um 11:00 auf der Main Stage das Festival. Die Gewinner des diesjährigen M'era Luna Newcomer Wettbewerbs liefern eine energiegeladene und symphonische Show ab, die ihre Wirkung trotz stellenweiser eigenwilliger tontechnischer Abmischung entfalten kann. Ein wenig zeitversetzt spielen EMPATHY TEST mit elektronisch-poppigen Klängen auf der gut besuchten Hangar Stage. Auf NULL POSITIV folgen SÜNDENKLANG mit fast einer Stunde Spielzeit auf der Mainstage, die mit Titeln wie "Sündenklang" eine treibend-hymnische Stimmung erzeugen. Bei "Welle", in dem auf gesellschaftliche Umstände eingegangen wird, taut das Publikum im Chorus mitwinkend auf.

Ein persönliches Highlight um die Mittagszeit sind STAHLMANN, die professionel ihre Show spielen und offenbar das Publikum im Griff haben. Die Nähe zum Publikum wirkt zumindest überzeugend und spätestens mit dem Finale "Schwarz" aus dem Jahre 2013 sind viele zum Mitsingen ermuntert.

Ihre Industrial-Wucht entfalten die Schweden von DEATHSTARS direkt nach STAHLMANN. Ohne Begrüßung wird direkt mit "Electric Night" losgelegt. Die Überleitungen zwischen den einzelnen Songs sind reduziert, dafür werden fast schon zu Klassikeren ihres Schaffens gewordene Stücke wie "Metal", "Death Dies Hard" oder "Cyanide" präsentiert.

Spätestens bei OOMPH! ist die Fläche vor der Main Stage bis weit in Richtung des Eingangs zum Infield gefüllt. Mit Titeln wie "Gott Ist Ein Popstar", "Sandmann" und "Kein Liebeslied" wird eine einnehmende, mitreißende Show gespielt und auch bei "Labyrinth" ist das Publikum voll dabei. (Kleine Anekdote am Rande: OOMPH! waren die Band, die mich zur härteren Musik geführt hat).

Auch die vier Hamburger von MONO INC schaffen es, ein großes Publikum vor die Main Stage zu ziehen. Sie präsentieren eine bunte Mischung aus älteren und neueren Titeln in einer mal energiegeladenen (etwa "Welcome To Hell"), mal ruhigeren ("This Is The End") Show. Mit "Voices Of Doom" erklingt der Titelsong des Albums, welches zum Durchbruch von MONO INC wesentlich beitrug. Einziges Manko bei "Children Of The Dark": leider konnten die anderen drei Children (Chris Harms, Joachim Witt und Thilo Wolff) trotz Sichtung auf dem Festival bei diesem Titel nicht dabei sein.

Ein weiteres persönliches Highlight waren LACRIMOSA, die am frühen Abend die Mainstage mit Titeln wie "Alles Lüge" bespielten.

Den Abschluss der Konzertreihe des ersten Festivaltages bildeten die niederländischen Symphonic-Metaller*innen von WITHIN TEMPTATION sowie ASP (auf der Main Stage) und DIE KRUPPS (Hangar Stage). ASP präsentierten die für sie übliche Bühnenshow aus buntem Licht, glitzerndem Konfetti und Feuerelementen. Sie begeisterten mit Songs wie "Schwarzes Blut", "Astoria", "Ich will brennen" (kleiner Fun-Fact: wer lateinamerikanische Tänze mag, kann hierzu einen Jive tanzen) und "Denn Ich Bin Dein Meister" aus dem Zaubererbruder-Zyklus.

 

Gastautorin Rahel:

Jetzt geht es los! Die erste Band, die ich heute mir anhöre sind die Elektro-Popper von SÜNDENKLANG.  Als erstes singt MART SOER „Holzzug“. Auch die nächsten Lieder sind eindrucksvoll und sorgen für gute Stimmung unter den Zuhörern. Das letzte Lied “Krieger“ macht mich nachdenklich. Wow!!

Die Band CORVUS CORAX ist mir schon aus der Mittelalterszene ein Begriff. Dudelsack spielend eröffneten sie ihr Konzert. Anfangs ist die Stimmung eher ruhig. Zum nächsten Lied “Hugin Und Munin“ wird das Publikum aufgefordert mitzumachen, worauf geklatscht und getanzt wird. Zu „Venus Vina Musica" sind alle nicht mehr nur Zuhörer, sondern in die Mittelalterwelt versunken. Hierzu tragen auch die beeindruckenden Instrumente und die typisch mittelalterlichen, mystischen Melodien bei, die einfach zum Tanzen und Träumen einladen.

MONO INC spielten sich mit der Hymne „Children of the Dark“ in die Herzen der Zuhörer und brachten das Publikum auf dem fast vollen Gelände zum Abfeiern. Eine exquisite Stimmung, alle singen mit und viele liebe Worte von Sänger Martin Engler lassen das Publikum zu einer großen Familie werden.

So von Gefühlen überwältigt, ging es mit vielen Eindrücken bis spät in die Nacht weiter. Gute Musik, gutes Essen, nette Menschen, neue Freunde, lange Gespräche.

 

Sonntag, 10.08.2019

Thomas:

Gegen 10:30 bin ich im Pressezelt, um weiter an diesem Bericht zu schreiben und dabei den ersten Bands des Tages zu lauschen. FEAR OF DOMINATION eröffnen auf wuchtige Weise den zweiten Festival-Tag auf der Main Stage, auf welcher ihnen SCARLET DORN nachfolgen. SCARLET DORN, aus dem Umfeld von LORD OF THE LOST entstanden und u.a. mit Gared Dirge an den Tasten und Scarlet Dorn selbst singender Weise besetzt, können trotz der frühen Stunde viele Menschen zum direkten Zuhören bewegen und mit Titeln wie "Heavy Beauty" begeistern. Auch das obligatorische Duett "I Love The Way You Say My Name" mit Chris Harms (LORD OF THE LOST) durfte nicht fehlen.

Während VERSENGOLD zur Mittagszeit auf der Main Stage spielten und die Zuhörenden mit Songs wie "Spaß Bei Saite" zum Feiern und Tanzen brachten (inklusive Circle Pit), bespielten HELDMASCHINE auf energetisch-treibende Weise die Hangar Stage. Mit Songs wie "Ich" konnten sie begeistern, allerdings konnte der vom Publikum laut geäußerte Wunsch nach einer Zugabe aus Zeitgründen nicht erfüllt werden.

COMBICHRIST eröffneten auf der Mainstage nach Nachmittagsprogramm. Die norwegisch-amerikanische Band um Sänger ANDY LAPLEGUA ließ ein elektronisches Beatgewitter auf die Fans nieder gehen. Es durften natürlich auch Songs wie "One Fire" vom bislang aktuellsten gleichnamigen Album nicht fehlen, um die Fans zum Tanzen zu animieren. Währenddessen spielten FUNKER VOGT um Sänger Chris L. auf der Hangar Stage, die sich mit SPETSNAZ die gedachte Klinke in die Hand gaben. Das Duo von SPETSNAZ, benannt nach einer Spezialeinheit des russischen Geheimdienstes GRU, bespielten mit treibenden Rhythmen und lauten EBM-Klägen einen großteilig gefüllten Hangar vor einem schweißtreibend tanzendem Publikum.

Wer an diesem Tag gerade nicht mit dem Besuch von Konzerten beschäftigt war, konnte entweder ausgiebig über die Händlermeile schlendern oder an Workshops der M'era Luna Academy teilnehmen. Neben Catwalk Workshop wurde u.a. ein Vortrag über Voodoo gehalten.

Auch an diesem frühen Nachmittag konnte ich ein persönliches Highlight erleben. JOACHIM WITT trat vor einem zum gleichnamigen Album passenden Rübezahl-Banner auf. Zunächst noch in Umhang mit Kapuze, eröffnete er das Konzert mit "Herr Der Berge", gefolgt von "Dämon". Mit ein paar Ausnahmen wurden die härteren Songs durch ruhigere Ansagen kontrastiert. Mit "Die Flut", allerdings ohne Peter Heppner von WOLFSHEIM, und "Böses Mädchen" sowie "Goldener Reiter" wurden Klassiker des WITTschen Schaffens vorgetragen.

Die Mittelalter-Rocker von SUBWAY TO SALLY konnten mit Titeln wie "Eisblumen" den Bereich vor der Main Stage sehr weit füllen. Auch FIELDS OF THE NEPHILIM zogen am frühen Abend ein großes Publikum. Im Rahmen einer wie gewohnt ausladenden Nebelshow mit einfarbiger Lichtuntermalung spielten sie Songs wie etwa "Preacher Man".

Den musikalischen Abschluss des diesjährigen M'era Luna bildeten VNV NATION auf der Main Stage und die Aggrotech-Formation SUICIDE COMMANDO auf der Hangar Stage. VNV NATION, für sehr Viele der Höhepunkt des Abends und seit 1999 in Hildesheim dabei (als dort noch das ZILLO Festival, der Vorgänger des M'era Luna war), eröffneten ihre Show mit "When Is The Future", welcher bereits von Beginn an die bis zum Ausgang des Infields stehenden Menschen zum Tanzen brachte. Sänger Ronan Harris, abwechselnd auf Deutsch und Englisch die Ansagen machend, heizte sehr an. Vor einem fulminanten Sonnenuntergang spielten sie "GENESIS". Auch "Illusion" und "God Of All" waren mit dabei. Bei "Nova" bildete sich ein Lichtermeer aus Handylampen und Feuerzeugen über das gesamte Infield. Mit "All Our Sins" ging dieses Konzert und damit die Konzertreihe des diesjährigen M'era Luna zuende.

Doch das M'era Luna wäre nicht das M'era Luna, wenn nicht nach dem Ende der Konzerte auf Camping-Bereich und Mittelaltermarkt weitergefeiert werden würde. Natürlich durfte auch die traditionelle Müllparty beim Übergang zwischen Camping-Bereich und Veranstaltungsbereich nicht fehlen.

 

 

Rahel:

Zuerst gehe ich über den Mittelaltermarkt und sehe mir einen Kurs zum mittelalterlichen Tanzen an, was nach einer echten Herausforderung aussieht. Die Stimmung ist großartig.
                                                                     
Im Infield: VERSENGOLD spielen auf und ein gut gelauntes Publikum wiegt zum Takt von „Niemals Sang- und Klanglos" die Arme. Die Musik ist Folk und Mittelalter und es ist beeindruckend, wenn soviele Leute gemeinsam feiern.

Heutiges Highlight ist die Mittelalter-Rockband SUBWAY TO SALLY für mich. Die Band, die sich 1990 aus einer Schülerband gründete, hatte gleich das Publikum auf seiner Seite. Es wurde geheadbangt, gehüpft, getanzt und mitgesungem. Lieder wie „Eisblumen“, „Kleid Aus Rosen“,“Tanz Auf Dem Vulkan“ und neue Lieder aus dem Album“ Hey“ wurden geboten.
Anschliessend gab es noch ein großes Feuerspektakel beim Mittelaltermarkt.

Kurz gesagt, holt euch Karten für Méra Luna 2020. Man sieht sich. Eure Rahel

 

Ausblick:

Für das M'era Luna 2020 (8.8. - 9.8.) sind bereits folgende Bands bestätigt: NITZER EBB, SCHANDMAUL, THE LORD OF THE LOST ENSEMBLE, FEUERSCHWANZ, MEGAHERZ, NACHTMAHR, ROTERSAND, COMA ALLIANCE, FADERHEAD, DIORAMA, THE CASSANDRA COMPLEX, SOLITARY EXPERIMENTS, OST+FRONT, UNZUCHT, NOISUF-X, THE BEAUTY OF GEMINA, HOLYGRAM und THEN COMES SILENCE.


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