24.8.2019, Kaltenbach Open Air, Spital am Semmering

Kaltenbach Open Air 2019 - Tag 3

Text: Gregor Eder | Fotos: Werner Nowak
Veröffentlicht am 06.09.2019

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Es wird Zeit für Tag 3 des Gemetzels!  Bestens ausgeschlafen erhob ich mich aus dem wunderbar weichen Bett um mich schleunigst zur Bühne auf zu machen, da ich mir die erste Band des Tages etwas genauer ansehen musste.

ROTTEN COLD:

ROTTEN COLD waren mir bisher noch nicht begegnet, doch stehe ich seit kurzem mit den Herren auf dem wunderbaren Line Up des St.Pölten METALWEEKENDS und war daher sehr neugierig, wer da in Bälde mit mir die Bühne teilen würde. Schon beim Equipment auf die Bühne tragen hatte ich ein nettes Gespräch mit Daniel Polsinger (Vocals), welcher sich mit mir freute, dass wir uns bald wieder sehen würden. Kaum war alles platziert lieferten die Herren den morgendlichen Weckruf. Die Herren David Schwarz (Guitar/Vocals), Stefan Seiner (Bass) und Wolfgang Offner (Drums) droschen los, während Polsinger die Anwesenden anschrie. Die Musik der Band ist als eine Mischung aus Grindcore, Hardcore und klassischerem Heavy Metal zu bezeichnen. Die Wolfsberger hatten zwar noch nicht die Massen vor der Bühne, aber dafür immensen Spaß da Oben, was man den Herren auch an ihrer dynamischen Show ansah. Wie der Gitarrist schon auf er FB-Page verlautbart hat: „Es geht darum, möglichst schnell und hart zu sein!“ und das waren ROTTEN COLD auf jeden Fall.

TRUSTNO1:

Von den Wolfsbergern ging es dann direkt weiter zu den Innsbruckern von TRUSTNO1. Nachdem ich die sehr sovietischen Bühnenbilder platziert, sowie bewundert hatte, betrat schon der Sänger Raphael die Bühne, welcher mich durch seine Dreadlocks direkt an den Sänger von DECAPITATED erinnerte. Stimmlich gab es dann aber bzgl. diesem Vergleich doch gravierende Unterschiede. Die recht guturralen Vocals legten sich sehr brauchbar über die sehr old-schooligen Death-Metal-Riffs welche von der Instrumentalsektion, bestehend aus Roland (Bass), Nussi (Guitar), Stefan (Guitar) und Michael (Drums) hervorgebracht wurden. Die recht durchgängig marschierende Beschallung passte wunderbar zum Bühnenbild, welches aussah als wären die Russen gerade frisch einmarschiert. Aber nicht nur die Bühne war dementsprechend hergerichtet, sondern auch die Uniformen der Musiker stimmten einen dazu ein den Kasatschock zu den harten Klängen zu tanzen. Ich nahm meine Füße in die Hand und tanzte nicht, sondern lief zurück zur nächsten Band, da jene dann schon zum Aufbau bereit stand.

RUNNING DEATH:

Ich rannte dem laufenden Tod, oder besser RUNNING DEATH aus dem schönen Bayern direkt entgegen, als ich Hinten ankam. Da ich von dieser Band bisher nur den Bandnamen kannte, war ich wiedereinmal auf eine Überraschung eingestellt. Die Herren Simon Bihlmayer (Guitar/Vocals), Markus Heilmeier (Guitar), Andrej Ramich (Bass) und Jakob Weikmann (Drums) hätte ich rein vom Aussehen her in Richtung Death-Metal eingeordnet, doch ich sollte eines Besseren belehrt werden. Die Show der Band war von Minute Eins an derartig energetisch, dass ich am liebsten mit den Bandmitglieder auf der Bühne mitgesprungen wäre. Der heftige Thrash Metal der Bavarier hatte schon seinen Reiz und lockte auch einige weitere Leute vor die Bühne. Abgesehen von einem kleinen technischen Aussetzer der Gitarre, welcher mir kurzzeitig einen Herzinfarkt verursachte, gab es absolut nichts an dem Set auszusetzten. Feinster Thrash Metal wurde zu Gehör gebracht und ich wusste nicht, dass die Bayern so eine Thrash-Bombe in der Hinterhand halten.


ABRUPT DEMISE:

RUNNING DEATH hatte mich schön motiviert und so grinste ich durchgehend, als ABRUPT DEMISE die Bühne betrat. Nun hieß es wieder eine geballte Wand aus Death-Metal auf sich fallen zu lassen. Die Vocals von Rene Brugmans erinnern hier und da an jene des verehrten Herrn Corpsegrinder, die Riffs wechselten zwischen klassischen Black-Metal-Tremolo-Parts und rhythmisch drückenden Death-Metal-Passagen und Drummer Herman Uiterwijk malträtierte bei den Blast-Beats gekonnt die Snaredrum. Die Saiteninstrumentalsektion, bestehend aus Marc Ouwendijk, Peter Hagen und Jos Ferwerda, machte schon einen recht einschüchternden Eindruck und die Songs des Sets fuhren mit gewaltigem Druck durch die PA. Der Crowd schmeckte es gewaltig und die ersten Pit-Ansätze zeigten sich schon, was sozusagen aber noch als Ruhe vor dem Sturm zu verstehen war, da die anschließende Band schon heiß erwartet wurde. Kaum hatte die Band ihr Set beendet, merkte man, dass sich die Crowd sogar noch schubweise vergrößerte.

Bevor jedoch GUTALAX die Bühne betreten sollten, gab es noch eine frohe Botschaft zu verkünden bzw. eine ganz besondere Feierlichkeit zu vollziehen. Während der Umbauphase betrat ein Herr die Bühne, welcher mit ein paar zeremoniellen Worten ein schick gekleidetes Pärchen neben sich bat. Es handelte sich um eine offizielle Metal-Vermählung, also einer Hochzeit auf der Bühne. Als sich die Beiden das Ja-Wort gegeben hatten gab es einen riesigen Applaus und Veranstalter Spiwak beglückwünschte die Zwei, indem er Ihnen lebenslangen Gratiseintritt zum KALTENBACH OPEN AIR schenkte. Somit viel Glück den Beiden und Gratulation!

 

GUTALAX:

An der vor der Bühne herrschenden Stimmung konnte man schon beurteilen, dass es jetzt gleich enorm krachen würde. Die aus der Grind-Szene nichtmehr weckzudenkenden GUTALAX machten sich in ihren weißen Anzügen bereit die KOA-Bühne zu zerlegen und die Crowd wüten zu lassen. An der Anzahl der Klobesen, welche bereits brav von den Anwesenden geschwungen wurden, ließ sich erraten, dass doch einige Hardcore-Fans zugegen waren. Kaum hatten Maty, Kojas, Kebab, Mr.Free und Kohy den ersten Song angespielt, begann schon das Klopapier durch die Gegend zu fliegen und auch der Circle-Pit zu wüten. Da erst beim BRUTAL-ASSAULT-FESTIVAL-GIG der Band ein Dixi-Klo von der Crowd auf die Bühne gestellt wurde [Anm. d. Lekt.: Es wurden mehrere Dixis nicht nur auf die Bühne gestellt, sondern sogar Crowdsurfen geschickt.], hatte meine liebenswerte Kollegin Antha angemerkt, dass dies auch am KOA einiges hermachen würde, doch da vor Ort die lobenswerten Öklos standen, welche nur mit Gabelstapler transportiert werden können, wurde von diesem Vorhaben abgesehen [Anm. d. Lekt.: Es wäre schon DIE Gelegenheit gewesen, "Stärke zu zeigen".]. Die Show war jedenfalls auch ohne Klo auf der Bühne ein Wahnsinn. Der Pit wütete bis zum letzten Ton und so gut wie jeder hatte nach dem Gig einen breiten Grinser im Gesicht.

HAEMORRHAGE:

Nachdem GUTALAX gewütet hatten, schien es so als bräuchte die Crowd etwas Erholung, da sich doch Einige zurückgezogen hatten, als HAEMORRHAGE um 17:30 die Bühne betraten. Nichtsdestotrotz hatte der blutverschmierte Sänger Lugubrious von Anfang an die Aufmerksamkeit der Anwesenden. Luisma, Ramon und Ana legten mit dem Goregrind-Fest los und dögelten in ähnlichem Stil wie ihre Vorgänger weiter. Die Spanier waren mir bisher noch nicht untergekommen und daher war mein Interesse doch recht groß, doch nach den ersten drei Tracks hatte ich dann auch schon etwas genug von Goregrind und machte mich auf zum Backstagebreich um vielleicht etwas mit meinen Helden von SINISTER oder AURA NOIR plaudern zu können. Als die Band von der Bühne kam, ging die Arbeit los. Beim tragen eines Amps hörte ich einen Techniker fluchen und sah jenen, nachdem ich mich umgedreht hatte, etwas grantig den Mikrophonkopf von Kunstblut säubern. Etwas davon erheitert versorgte ich die Gitarristen Dennis Hartog und Michal Grall und entfernte mich wieder von der Bühne.

SINISTER:

Eilig machte ich mich auf in den Bühnengraben, denn das anstehende Gemetzel musste ich direkt aus der ersten Reihe miterleben. Wenn es eine holländische Death-Metal-Band gibt die bei mir rauf und runter gespielt wird, dann ist es SINISTER! Aad Kloosterwaard kam auf die Bühne und die Crowd blickte ihm schon fast mit glitzernden Augen entgegen, bis er mit der ersten Nummer losstartete. Hislain van der Stel (Bass) und Toep Duin (Drums) sind wahre Meister wenn es darum geht einen guten Wumms aus ihren Instrumenten zu holen und die Gitarristen lassen auch nichts an Geschwindigkeit missen. Seit 1989 gibt es diese Band nun schon und somit darf man ihnen zum 30sten Jubiläum dieses Jahr gratulieren! Ihr seit noch immer ein Hammer Leute! Da die anstehende Band ein Bandmitglied enthielt, welches ich schon sehr verehre und ich wusste, dass ich in den nächsten Stunden für eben jenes und seine Gitarre zuständig sein würde, machte ich mich dann leider doch schon bei der Hälfte des Sets auf den Weg nach Hinten.

AURA NOIR:

Ich verfalle selten während der Arbeit in den Fanboy-Modus, doch als mich der ehrenwehrte Herr Blasphemer (Ex-MAYHEM, VLTIMAS und AURA NOIR) begrüßte, mir sein Equipment in die Hand drückte und meinte, dass ich schon wisse wie man das Alles verkable, wurde mir schon etwas weich in den Knien. Der unheilige Thrash-Metal der Herren Aggressor, Apollyon und Blasphemer ist mir schon sehr lange bekannt und mitunter in meiner Jugend für mich prägend gewesen. Daher könnt ihr euch vorstellen, dass ich direkt nachdem Fotografieren aus dem Graben wieder auf die Bühne hüpfte und vom Rand aus die Truppe bewunderte, wenn auch mit dem Hintergedanken, dass ich bei Problemen Blasphemer direkt zur Seite stehen würde. Plötzlich verlautbarte die Band, dass dies der letzte AURA NOIR Gig sein würde und in diesem Moment stand ich mit offenem Mund da und verspürte sogar etwas Trauer, welche jedoch verschwand, als ich die Ehre erkannte welche mir hier zu Teil geworden war. Noch aufmerksamer als zuvor gab ich mich der Show hin, bis der letzte Ton verklungen war. Natürlich tat ich der Band direkt beim Abgehen meine Begeisterung kund und begann danach Blasphemers Equipment zusammenzusammeln und ihm zu überbringen. Nachdem dies erledigt war ließen sich die Herren von mir zu einem Foto hinreißen, wenn auch Blasphemer mit seiner Pose etwas schwer zu erkennen ist.

PESTILENCE:

Da die Herren entspannt ihren letzten Gig ausklingen lassen wollten, rückte ich ihnen nicht weiter auf die Pelle und wurde von der Crew schon wieder zum Aufbau gerufen. Ein Quartett aus Holland stand nun am Speiseplan. PESTILENCE sind sogar noch ältere Urgesteine als SINISTER, jedoch sozusagen vom selben Schlag. Die unumgängliche Härte von holländischen Death-Metal wurde erneut gekonnt zur Schau gestellt und die Gesichter der Anwesenden waren vor rotierenden Haaren kaum mehr von der Bühne auszumachen. Die Band lieferte eine mächtige Bühnenperformance vor so gut wie vollem Areal und die Stimmung war wirklich, wirklich fett. Eine satte Stunde wurde aus allen Kanonen gefeuert, bevor es zu einem etwas stärkeren Stil-Wechsel kommen sollte.

ENSLAVED:

Bevor die allerletzten zwei Bands des Festivals anstanden, waren noch ENSLAVED aus Norwegen an der Reihe, ihren durchaus interessanten Metal zum Besten zu geben. Ich muss leider zugeben, dass ich mich mit der norwegischen Welt der Musik nur wenig beschäftigt habe, doch umso mehr freue ich mich darüber in dieser Band etwas Neues für mich entdeckt zu haben. Die Band bezeichnet ihre Musik als Extreme Metal with a progressive-melodic edge, wobei mir eben die progressive melodische Ecke recht gut gefällt. Die Show die da von Ivar Bjørnson, Grutle Kjellson, Ice Dale, Håkon Vinje und Iver Sandøy geliefert wurde, war wunderbar düster und intensiv. Die doch recht finstere Musik hatte auch eine enorm epische Seite und die gut platzierten atmosphärischen Parts gaben dem Ganzen etwas leicht außerweltliches. Aus dieser Mischung riss mich dann doch wieder die Arbeit, doch was ich abschließend zu ENSLAVED sagen kann ist, dass ich mir das sicherlich einmal in voller Länge gönnen werde!

AVULSED:

Vor dem Late Night Act gab es nochmal eine Ladung Death Metal ins Gesicht. Die 1991 gegründete Band AVULSED aus Madrid  sollte noch einmal die Keule schwingen. Die noch gut anwesende Crowd war zwar noch etwas hypnotisiert von dem Set von ENSLAVED, taute dann aber doch wieder sehr schnell auf. Dave Gonzalez brachte Einiges an Bewegung in die Sache, während Josè Miguel, Juan Calvo und Antonio Rodrigez die Saiteninstrumente bearbeiteten. Drummer Rafael Aritmendi schwitzte auch gewaltig bei dem Ganzkörpertraining. Die Vocals haben einen recht eigenen Klang, welcher für mich zwar gewöhnungsbedürftig war, im Endeffekt aber ganz schön druckvoll ist. Unter recht brauchbarem Applaus verließen dann die Herren die Bühne nach ihrem 40-minütigen Set, während ich schon mit meinem Dude Nino alles für den letzten Akt sozusagen vorbereitete.

EWIG FROST:

Die Bühne war verdunkelt und plötzlich erklang der Donauwalzer, gefolgt von einigen Zitaten und auf einmal stand das Power-Trio EWIGFROST da und begann mit ihrem verdammt nicen Mix aus Metal, Punk und Rock`n`Roll. Ich muss zugeben, dass ich nicht damit gerechnet hätte, dass die Crowd noch eine Runde aushält, doch bei Licht zeigte sich dann doch schon eine sehr brauchbare Menge. Die Herren wurden nach ihren Nummer euphorisch bejubelt und auch ich genoss es Ihnen beim Abgehen zuzusehen. Der mir noch nicht bekannte Schlagzeuger lieferte verdammt solide und ich muss sagen, dass mir das ganze Set wirklich gut gefallen hat. Nach 30 Minuten Rockerei beendete der verehrte Herr Sänger Nino das Fest mit den Worten: „KOITNBOCH ! DERE!“.

Diese Worte trafen es meiner Meinung nach außerordentlich gut. So ging das KALTENBACH OPEN AIR 2019 zu Ende und schon beim Verlassen den Festivalgelände wusste ich, dass man sich zum 15ten Jubiläum nächstes Jahr sicherlich wieder sieht!

Vorab kann ich nur sagen, dass es mit PRIMORDIAL, BENIGHTED, DIABOLICAL, ELLENDE und vor Allem DARKFALL sicherlich wieder ein wahnsinns Fest wird.

Somit bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass ich Allen Beteiligten ein großes Dankeschön für ein derartig geiles Festival aussprechen möchte und natürlich auch an alle Anwesenden, welche immer noch erbarmungslos den Metalberg befeiern.


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