30.08.2019, Silo1 / Malerwerkstatt, Töging am Inn

Kryllfest - DEAD KNOWLEDGE Releaseparty, feat: DIE DORKS + U.G.F. + SCÄVENGER

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 03.09.2019

» Hier gehts zur Galerie...

Während zeitgleich in Salzburg zu HATE geschädelt wurde, stellten die heimischen Groove-Metaller von DEAD KNOWLEDGE über den Inn und die Landesgrenze hinweg im bayrischen Töging ihr neues Album vor. Als „Kryllfest“ betitelt, gab es in der stimmungsvoll-skurrilen Location der Malerwerkstatt im Silo 1 (auf dem endzeitlich bewucherten Vorplatz des Silos fand zeitgleich ein Videoshooting eines Elektro-Aktionskunst-Duos statt – zumindest das kleine Schreiberlein klassifizierte es unwissenderweise so, man möge Korrektur üben, so man Wissensvorsprung hinsichtlich der vor Ort befindlichen Personen besitzt – so richtig mit brennenden Mülltonnen, Feuershow, psychedelisch blinkenden LEDs und Pyrotechnik, was dem ganzen Abend einen etwas schrägen Anstrich verpasste, als sich das Gebell von drinnen und das Geplucker von Draußen zu einem durch die Genres mäandernden Sound verband, der die Ganglien weichkochte) vier Bands satt auf die Lauschlappen. Ja, Kryll. Nicht Grill (über offenem Feuer angekokelte Nahrungsmittel), nicht Krill (Schwärme von Krebstierchen im Meer), sondern „Kryll"! Der Titel des Albums das DEAD KNOWLEDGE, unterstützt von DIE DORKS, U.G.F. Und SCÄVENGER, an diesem Abend offiziell der anwesenden, durchaus zahlreichen Menschheit vorstellten.


Die als Einheizer tätigen SCÄVENGER (die Bandkombination mit DEAD KNOWLEDGE sah man so ja noch nie – kleiner Scherz am Rande!) ließen nichts anbrennen und prügelten die Zuschauer mit ihren derben Thrash-Abrissbirnen im Geschwindigkeitsrausch gleich einmal windelweich. Atemlos durchs Set hastend (ist das nur Einbildung, oder werden die Burschen live immer schneller?) blieb kaum Zeit zum Verschnaufen, während die Genicke der Anwesenden gleich einmal hinlänglich strapaziert wurden. Ein Teil der Zuschauer verfolgte die Prügelorgie der blutjungen Salzburger noch mit gebührendem Respektabstand, aber ließ es sich nicht nehmen das Hochgeschwindigkeitsgeböller mit sichtlicher Wonne abzunicken. Der erste Scheitel des Abends ward somit gezogen, während SCÄVENGER einmal mehr mit technischer Stärke und wahnwitziger Drum-Performance punkten konnten. Man merke sich die Buben bitte für die Zukunft vor!


Genickt wurde hernach auch zu U.G.F. unter der Leitung des musikalischen Multitools Lukas Haidinger (inzwischen ist es einfacher die Bands aufzuzählen in denen er NICHT spielt, so oft wie man den fleischgewordenen Leatherman des Underground-Metals auf diversen Bühnen an unterschiedlichsten Instrumenten erblickt – so nebenbei zeigte er sich auch für die Produktion des heute vorgestellten Albums von DEAD KNOWLEDGE verantwortlich), die deutlich langsamer, doch mit unverminderter Intensität auf die Malerwerkstatt hereinbrachen. UNDERGROUND GROOVE FRONT ist bei den heimischen Nackenbrechern wörtlich zu nehmen, denn der unerbittliche Groove, den der Vierer da ins Gebälk nagelte, suchte schon seinesgleichen. Zwischen Haidinger-Signature-Blutgrätsche und heftigster Bearbeitung von gespannten Stahlfäden und kesselförmiger Tonerzeuger rüttelten U.G.F. nachhaltig am Fundament der sichtlich in Würde gealterten Mauern, dass man wirklich Angst hatte, hier würde noch etwas einstürzen. Zumindest das Mikrofon der Bassdrum kippte angesichts des für den kleinen Raum beeindruckend heftigen, aber dennoch schön differenzierten Sounds immer wieder weg, was die Band augenzwinkernd mit „Sind wir dem Mikro zu hart, ist es zu schwach!“ kommentierte. Nur um dann das Set mittels hintereinander erfolgtem Verlassen der Bühne zu beenden, während der Schlagzeuger noch einmal Gelegenheit erhielt, hinterm Kit so richtig auszurasten. Bröselte da eigentlich schon irgendwo Putz von der Decke... ?!


Glücklicherweise hielten die Mauern stand und auch der hysterisch durch die Halle zuckende Moving Head blieb an seinem Platz (lediglich das Drummikrofon... doch das sollte an diesem Abend wirklich jede Band nerven), als es mit DIE DORKS einen Ausflug in den punkigen Bereich gab. Genaugenommen tat man der bereits etwas länger dienenden Truppe um Sängerin/Gitarristin Lizal unrecht, sie „nur“ als Punk zu bezeichnen, stach doch vor allem die äußerst verspielte, zweistimmige Gitarrenarbeit nachhaltig aus dem fluffigen, mitsingkompatiblen Songmaterial heraus. Würden IRON MAIDEN Punk machen, dann würde das vermutlich exakt so klingen. Musikalisch vielleicht schon zu metallisch, vielfältig und „progressiv“ für Punk (der Berichterstatter möchte an dieser Stelle das Genre Prog-Punk einführen, einfach... weil!), langten DIE DORKS dafür gerade in ihren deutschsprachigen und schwer sozialkritischen Texten ordentlich hin. Dafür dass der kürzlich neu formierte Vierer noch mit Aushilfs-Bassist (der neue Mann am Tieftöner war noch nicht fertig eingelernt) auf der Bühne stand, wirkte die Performance eingespielt und locker, als ob DIE DORKS schon ewig in dieser Konstellation unter Leitung ihrer Sängerin mit der ausdrucksstarken Stimme zusammenspielen würden. Auch die stilistische Abwechslung tat dem Abend sehr gut, zumal die den punkigen Klängen augenscheinlich genauso zugetanen Zuschauer zu der starken Darbietung auch einige ausgelassene Pogo-Pits starteten. Daumen hoch!


Als dann schlussendlich DEAD KNOWLEDGE loslegten und ihr brandneues Album „Kryll“ (Besprechung folgt...) in den Äther schallten, war das Publikum pflichtschuldig vollständig anwesend und ließ sich von den groovigen Klängen der Innviertler vom Fleck weg mitziehen. Nach der langen Releasetechnischen Durststrecke von acht Jahren seit dem letzten Output „Anchor And Chain“ war man schon gespannt, wohin sich der Sound der Gruppe entwickeln sollte. Wie man an diesem Abend eindrucksvoll und ziemlich erderschütternd feststellen konnte, ging die Reise bei DEAD KNOWLEDGE weg von den Deathigen Versatzstücken des Vorgängers, hin zu fast ein wenig Stoner-lastigem Groove mit repetitiv grummelnden Riffs, über denen das hingebungsvolle Gebell von Sänger Sebastian, dem die Bühne für seine Agilität schier zu klein erschien, thronte. Den Zuschauern gefiel sichtlich, was ihnen hier an brutalem Groove um die Ohren geblasen wurde, denn es schüttelte nicht nur ausgiebig die Mähnen, sondern lieferte zu den schnelleren Songs sogar einige Circlepits um die mitten in der Halle empor ragende Säule – glücklicherweise ohne schmerzhafte Kollisionen mit dem massiven Metallträger. Um die hingebungsvolle Zerstörung komplett zu machen lieferten DEAD KNOWLEDGE als Zugabe noch das unvermeidliche SEPULTURA-Cover „Roots“, zu dem der Rest des in der inzwischen Saunagleichen Malerwerkstatt köchelnden Publikums, der noch nicht aufgegeben hatte, noch einmal komplett eskalierte. So muss das!
 

Die laue Nachtluft des endenden Sommers war danach eine wahre Wohltat nach den brütenden Temperaturen und da auch das durchaus faszinierende Videoshooting gegenüber inzwischen abgebaut war, konnte man die Nacht noch gemütlich im Außenbereich ausklingen lassen. Eine feine Releaseparty mit vier durchgängig starken Bands, die die Trommelfelle gebührend massierten. So lässt sich der Sommer gebührend verabschieden!


Mehr Fotos? Gerne! Gibt's bei Images Of Pain And Pleasure!


WERBUNG: Uzziel
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE