07.09.2019, Festivalgelände Sankt Johann/Falkenfels, Falkenfels

Hard Summer Festival 2019

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 11.09.2019

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Nach einer unfreiwilligen Pause im Vorjahr, als ein vorwitziger Marder dem motivierten Stormbringer-Schreiberlein über Nacht einige Kabel im Motorraum des fahrbaren Untersatzes durchknabberte (fürs Protokoll: der Störenfried wurde erlegt und sein Schädel präpariert), ist Stormbringer im Jahr 2019 wieder beim Hard Summer Festival in Falkenfels zu Gast. Wobei das ansonsten immer vom Wetterglück gesegnete Festival sich dieses Jahr eher zum Hard Autumn Festival entwickelte, ob enervierenden Regens und nasskalter Temperaturen. Doch sei's drum, die Falkenfelser haben ohnehin ein geräumiges Festzelt und die traditionell wetterfesten Metalheads sorgten mit toller Stimmung schon dafür, dass es einem wieder warm wurde – nicht nur ums Herz. Als am Nachmittag dann auch noch kurz die Sonne heraus lugte, war die Welt wieder in Ordnung und das jährliche nächtliche Großlagerfeuer am Festivalgelände sorgte zu später Stunde ebenfalls für innerliche und äußerliche Wärme.

Den Auftakt kurz nach Mittag machten die kurzfristig organisierten BAND 1.5, die für den krankheitsbedingt ausgefallenen Opener PERVERSION OF TRUTH einsprangen und mit lässigen Coverrock-Hymnen trotz zahlenmäßig noch nicht so großem Publikum gleich für hohen Mitsingfaktor sorgten. WILD SHIFT spielten den rockigen Ball mit eigenem Material weiter und konnten mit energiegeladener Show für zustimmendes Kopfnicken sorgen – wenn auch einer der beiden abwechselnd singenden und spielenden Gitarristen/Sänger ab und an in den höheren Lagen ein wenig gequält klang.


ANTIPEEWEE

VIRUS 41 bedienten dann erstmals die härtere Schiene, und bretterten mit vergleichsweise brutalen Metalcore-Klängen, die ab und an auch in wüste Deathcore-Gefilde vordrangen, über das sich stetig mehrende Publikum hinweg. Erste ausrastend durch das Zelt zuckende Personen sorgten für ein wenig verwirrte Gesichter bei der anwesenden Classic-Rock-Fraktion, während die Freunde der kernigeren Kost zu dem modernen Liedgut und dem blendend aufgelegten Brüllwürfel (Hustenzuckerl gefällig?) angetan das Köpfchen nickten.

Mit CHROMANTIC FLASH ging es zurück in die Hochblüte des Glam Rocks, entsprechend krachbunte, glitzerstrahlende Outfits inklusive. Von lahmem Altherren-Glam war die Truppe mit ihrer stimmstarken Sängerin aber trotz teils tiefer Furchen im Gesicht (der vor Coolness nur so strotzende Bassist hat wohl die Geburt des Genres noch selbst erlebt!) weit entfernt. Im Gegenteil, gab sich die inzwischen ihr 10-jähriges Bestehen feiernde Band so gar nicht hüftsteif, sondern so richtig spielfreudig und mitreißend, sodass auch die Zuschauer zu den teils fest ohrwurmenden Klängen ordentlich mitgingen.

Die Wege des Berichterstatters mit ANTIPEEWEE kreuzten sich schon des öfteren, nun konnte die Truppe schlussendlich endlich einmal im Original-Lineup begutachtet werden - im Vorjahr in Salzburg trat man ja mit geborgtem Gitarristen auf. Doch nun ist Frau Shredder wieder mit an Bord und ANTIPEEWEE machten den Besuchern in Falkenfels so richtig die Hölle heiß. Fette Thrash-Abrissbirnen zogen eine erste Schneise der Vernichtung durchs Zelt und sorgten für massig gen Decke gereckten Fäusten und Pommesgabeln. Cthulhu Arise! Lä! Lä! Fhtagn!


INGRIMM

Keine Gnade kannten im Anschluss auch INGRIMM, die mit wahrlich grimmen mittelalterlichen Klängen auf sich aufmerksam machten. Besonders das kleine Schreiberlein freute sich diebisch, die kernig agierende Truppe einmal live erleben zu dürfen und – was soll man sagen – es hat sich wirklich gelohnt! Wo andere Mittelalter-orientierten Rockbands ihr Heil in mitsingkompatiblen punkigen Klängen suchen, setzen INGRIMM den Zuhörern die sägend-thrashenden Riffs an die Kehle und konnten damit in Falkenfels so manchen Besucher nachhaltig überraschen. Die sich mehrende Begeisterung ob der gleichermaßen arschtretend wie ohrwurmig agierenden Klänge sorgte dafür dass INGRIMM mit tosendem Applaus eingedeckt wurden und sich mit Fug und Recht als heimlicher Co-Headliner des Festivals bezeichnen konnten.

Die heimischen DRAGONY rund um Stormbringers ehemaligen Hausdrachentöter Siegfried hatten es in der Folge anfangs ein wenig schwer, mit ihren überbordend epischen Hymnen beim Publikum zu landen. Noch war doch eher die Krawall-Sektion in der Überzahl, die dem musikalischen Zuckerguss nicht so zugetan war, doch die einnehmende Performance und das sympathische Auftreten (und natürlich vor allem der wieder einmal wie ein junger Gott posende Fronter) von DRAGONY sorgten dafür, dass sich nach verhaltenem Auftakt immer mehr Leute vor der Bühne einfanden und die Ohrwürmer ordentlich abzufeiern begannen. Böse Zungen mögen behaupten, dass der wieder einsetzende Regen die Zuschauer zurück ins Zelt spülte, doch die um sich greifende Textsicherheit beim unvermeidlichen, kultigen HASSELHOFF-Cover „True Survivor“ sprach da eine gründlich andere Sprache...


DRAGONY

Für die Lokalmatadore von DEJA VU war die Sache vor inzwischen wieder vollzählig angetretenem Publikum ohnehin eine „g'mahde Wies'n“, wie man so schön sagt. Dass der Himmel indes seine Schleusen öffnete störte somit niemanden, als die eingängigen, irgendwo zwischen teutonischem und amerikanischem Schwermetall pendelnden Hymnen auf die Zuschauer niederprasselten. Dabei präsentierten sich DEJA VU gefühlt flotter und härter als zuletzt und konnten mit ihrer starken Mischung aus eigenem Material und ein paar schmissigen Covern (uA von GRAVE DIGGER) das Zelt ordentlich in Schwung bringen.

Solcherart aufgewärmt, knallten die heimlichen Headliner STALLION einen Auftritt auf die Bretter des Festzeltes von Falkenfels, dass einem die Ohrwaschl nur so schlackerten. Mit Fönfrisuren, Stirnbändern, knallengen Leggings und tonnenweise Nieten (den kettenbewehrten String-Tanga von Sänger Paul kann man einfach nicht mehr nicht sehen... je nun, wer seine Band „Hengst“ nennt, der wird sein Gemächt schon... ähm, lassen wir das.) wirbelten STALLION mit ihrem kompromisslosen Oldschool-Speed so richtig durcheinander. Es wurde geschädelt was das Zeug hielt, mehrere Moshpits hielten die Security in Atem und sogar ein fucking Crowdsurfer zog seine Bahn einmal quer durchs Zelt! Was für ein verdammt starker Auftritt war das bitte, den diese sympathische Truppe da ins Gebälk stellte? Mehr davon! Sofort!


STALLION

Es war fast vorauszusehen, dass VELVET VIPER mit der unkaputtbaren Jutta Weinhold am Mikro das Eskalationslevel des Hengstes mit den dicken Eiern nicht mehr halten würden können. Wiewohl Jutta auf der Bühne wirklich alles gab und die Instrumentalfraktion ein starkes instrumentales Bett lieferte, wollte der letzte Funke der Begeisterung nach der ausgelassenen Party zuvor nicht mehr so recht überspringen. Auch die zunehmend ungemütlicher werdenden Temperaturen und der nasskalte Wind taten ihr übriges, dass VELVET VIPER hauptsächlich höfliches Interesse ernteten.

Für den traditionellen Abschluss des Hard Summer Festivals sorgte auch in diesem Jahr wieder eine Coverband – MAD SABBATH in diesem Jahr. Das kleine Schreiberlein, bekannterweise kein großer Freund von BLACK SABBATH und dem Gelegenheitsvampir OZZY OSBOURNE litt vielleicht musikalisch Schmerzen ob des zugegebenermaßen gekonnten Streifzugs durch die SABBATH-Diskografie und OZZYs Solowerke, doch eines musste man, abgesehen von den technisch wahrhaftig starken Musikern, neidlos zugeben: Sänger Mario hat den OZZY-Vibe drauf, dass einem wirklich die Kinnlade herunter klappt. Sollte OZZY irgendwann mal abnippeln, nehmt den Typen, schminkt ihn auf älter und stellt ihn auf die Bühne – den Unterschied merkt garantiert keiner. Ob nuschelnd-verwirrte Ansagen oder das chaotisch-verstört wirkende Stageacting – der Man spielt OZZY nicht, er zieht sich OZZY an wie einen Mantel und wird zu ihm. Ein bekennender SABBATH-Ächter, der sich die Show bis zum letzten Takt ansah, sprach Bände. Ein würdiger Abschluss eines wie jedes Jahr großartigen Festivals mit wunderbar familiärer Atmosphäre!


VELVET VIPER

Mehr Fotos aller Bands gibt es in Kürze bei Images Of Pain And Pleasure.


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