20.09.2019, MARK.freizeit.kultur, Salzburg

THEIR DOGS WERE ASTRONAUTS + THE LAST CELL + INSTANT KARMA

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 25.09.2019

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Das fröhliche Genre-Hopping eines kleinen Schreiberlings ging auch am Freitag mit dem vierten Konzerttag in Folge nahtlos weiter, als THEIR DOGS WERE ASTRONAUTS, THE LAST CELL und INSTANT KARMA zum betreuten Proggen im Mark Salzburg einluden. Der Besucherauflauf zu diesem kleinen, feinen Spartenkonzert war naturgemäß überschaubar, doch dafür wurden die Anwesenden von einer überragenden Vorstellung in absolut entspannter Wohnzimmeratmosphäre entschädigt.


Doch bevor das Space-Prog-Raumschiff landen sollte, gab es erst einmal soliden, handgemachten Rock auf die Ohren, und zwar von INSTANT KARMA, die als einzige Band des Abends das, oder besser die Mikrofone, da der ebenfalls gut bei Stimme befindliche Schlagzeuger die Backings übernahm, zur Darbietung von Gesang benutzten. Die ohrwurmigen Songs des Vierers liefen gut rein und lieferten einen passenden Auftakt des Abends, der mit knackigen Gitarren ordentlich Schub gab, lediglich die Vocals hätte man sich ein klein wenig lauter gewünscht. Die sympathische Gruppe, die bereits ihren allerersten Auftritt 2015 hier im Mark bestritten hatte, konnte beim Publikum gut landen und sich für ihre starke Darbietung über lauten Beifall freuen.


Als hernach THE LAST CELL die Bühne enterten, geschah etwas wirklich seltenes – einnehmende Atmosphäre überflutete das Mark, welches sich wie von selbst von einer Konzertlocation in ein gemütliches Wohnzimmer, in dem man die ausladenden, polyrhythmischen Klangwelten von Mastermind Jean-Marc genießen konnte, verwandelte. Gemütliche Sofas wurden von den Besuchern vor die Bühne geschoben, in die man sich entspannt fläzen konnte und dem gebotenen, gar außerirdischen Klängen entspannt lauschen konnte. War der Berichterstatter auf CD zunächst noch ein wenig teilüberfordert von den filigran geschnitzten progressiven Stücken, so schlugen die komplexen, live überaus mitreißend dargebotenen Songs auf der Bühne voll ein. Der höchst sympathische Jean-Marc schlug das Publikum nicht nur mit seiner außerordentlichen Darbietung an der Gitarre in seinen Bann, sondern beeindruckte auch mit einer Lockerheit auf der Bühne, wie man sie nur bei wenigen progressiv orientierten Formationen finden kann. Wo viele ähnlich in ihren komplexen Klängen aufgehenden Musiker stumm und in sich gekehrt das Griffbrett auf und ab arbeiten, suchte Jean-Marc mit spitzbübisch-sympathischer Art zu jeder Zeit den Draht zum Publikum, lockerte die durch die dichte Atmosphäre der Musik gespannte Stimmung mit spaßigen Ansagen und konterte auch den einen oder anderen Publikumseinwurf gekonnt. Kongenial unterstützt wurde er dabei von seinen beiden Mitmusikern, die der umwerfend starken Darbietung durch ihren gekonnt zwischen Songdienlichkeit und aufblitzender Klasse mäandernden Performance das Krönchen aufsetzten. Der wirklich einzig und alleinige Kritikpunkt am Auftritt von THE LAST CELL war somit nur, dass das Ganze einfach VIEL ZU KURZ WAR! Aufgrund Zeitmangels ging sich, trotz hartnäckiger Forderung der Zuschauer, leider keine Zugabe mehr aus, wogegen der Berichterstatter an dieser Stelle noch einmal aufs schärfste protestierten möchte! Sei es wie es sei, es wird wohl nötig sein, Jean-Marc und seinen absolut großartigen THE LAST CELL einen weiteren Besuch abzustatten, um die raumgreifende Atmosphäre, die deren Musik zu erzeugen vermag, erneut fühlen zu können.


Alles was danach kam, konnte eigentlich nur gnadenlos untergehen... oder? Weit gefehlt! THEIR DOGS WERE ASTRONAUTS schafften es im Anschluss, wenn schon nicht THE LAST CELL zu überflügeln, doch das Niveau zu halten. Der über den Tellerrand blickende Freund gitarrengeschwängerter Klänge vermag es beim Projekt der Brüder Roth aus Linz ein kleines Juwel außergewöhnlicher Musik zu entdecken. Dabei brauchen THEIR DOGS WERE ASTRONAUTS (sorry, Flachwitze über den Bandnamen sind gerade ausverkauft!) nur zwei Gitarren und ein Keyboard, um den Raum mit tiefgreifender, emotionaler Musik zu füllen. Zwischen rohen, aggressiv-djentigem Geshredder aus achtsaitigen Äxten, fragilen Synthesizer-Passagen und tiefen, pumpenden elektronischen Beats durchpflügten die beiden Brüder die Klaviatur der Emotionen, minimalistisch und doch beeindruckend in Szene gesetzt von vier klug positionierten Scheinwerfern , die die Darbietung rhythmisch ausgeklügelt und ansprechend in Szene setzten. Von den verbliebenen Zuschauern konnte sich niemand von der einnehmenden Darbietung losreißen, die einen, gar ähnlich wie der proggige Monolith zuvor, nahezu vollständig in seien Bann schlug. Und da sagen die Leute immer, es gäbe nichts „Neues“ mehr! THEIR DOGS WERE ASTRONAUTS, sind frisch, eigenständig und transportieren ihre genreübergreifenden Klänge mit souveräner Stärke, derer man sich, einmal davon eingefangen, nur schwerlich wieder entziehen kann.
 

Dass solcherart Spartenmusik naturgemäß nur einen sehr beschränkten Publikumskreis anzieht, ist wirklich, wirklich schade. Manchmal sollte man wirklich die ausgetretenen Pfade verlassen und sich auf ein musikalisches Abenteuer einlassen, wie es THE LAST CELL und THEIR DOGS WERE ASTRONAUTS an diesem Abend im Mark boten, um sich nicht in Scheuklappendenken zu verlieren. Das kleine Schreiberlein ist jedenfalls verliebt und kann nur jedem empfehlen, die soundtechnische Magie der beiden vorgenannten Gruppen selbst zu erkunden. Ihr werdet nicht enttäuscht sein.

Mehr Bilder findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure!


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