27.09.2019-28.09.2019, frei.raum St. Pölten, St. Pölten

STP METALWEEKEND 2019

Veröffentlicht am 05.10.2019

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STP Metalweekend – Freitag

Seit einigen Jahren fahre ich nun schon auf das St. Pöltner Metalweekend, welches die verehrten Herren Mecki und Reini Reiter auf die Füße stellen. Dieses Jahr war das Line Up einmal wieder feinstens und das sage ich nicht nur weil ich mit meiner Truppe MAGMABAY das schöne Fest eröffnen durfte. Am Speisplan standen am Freitag  VERMOCRACY, PRAY FOR PAIN, die Lokalmatadore EPSILON, SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH und POPPY SEED GRINDER.  

Denn Beginn machte also die aus Gföhl stammende Alternative Metal Truppe MAGMABAY, über welche ich nun als Mitglied sicherlich nicht zu viel sagen werde. Hier zitiere ich lieber was der liebe Richard Metfan, welcher wie jedes Jahr die Festlichkeiten moderierte, zu unserem Auftritt zu sagen hatte: „ Heute wieder mal eine Mega-Überraschung. Was kann man von einer Band aus Gföhl im Waldviertel schon groß erwarten? MAGMABAY kamen, spielten und siegten. Das, glaube ich, erste Mal, dass bei der ersten  Band des Abends, die Leute nur zum kurz schauen im den Saal gingen - und blieben. Ein Mördersound und gegroovt wie die Sau!!!! An der Bühnenpräsenz und der Optik müssen sie zwar unbedingt noch arbeiten, aber da könnte was Großes draus werden! „ 

Großes Dankeschön nochmal an Richard für die wirklich netten Worte, wir haben uns gefreut wie kleine Kinder!

Nach der Eingangszerlegung ging es dann mit VERMOCRACY weiter. Die Melo-Death-Band aus Wien rumort nun schon seit 2017 in der Szene herum und diesmal sprang das Quintett, bestehend aus Michael Frick (Vocals), Andreas Huber (Guitar), Morgane Rake (Guitar), Jacy Sakura (Bass) und Roman Kolesnik (Drums), kurzfristig ein. So kam Morgane Rake, welche erst vor Kurzem der Band beigetreten ist, zu einem früher als erwartetem Debüt und ich muss sagen, dass sie die Band wunderbar ergänzt. Ein besonderes Lob gebührt der Bassistin Jacy, welche trotz Fieber eine sehr gelungene Show geliefert hat. Generell kann ich, da ich die Band jetzt schon des Öfteren gesehen habe, sagen, dass die Sache immer tighter und härter wird. Der vorhandenen Crowd schmeckte das Vorgetragene sichtlich und ich genoss es ebenso.

PRAY FOR PAIN  bzw. Mesphisto (Vocalls), Amon (Guitar), Alko (Drums) und Kevin (Bass) waren nach einer kurzen Umbauphase an der Reihe. Die mir noch nicht bekannte Band aus Wien kam auf die Bühne und dögelte direkt so los, dass es dem Bassisten den Bass-Gurt abriss, sodass er gezwungen war in der Hocke weiter zu spielen. Das störte an sich keinen, da das was geliefert wurde schon mächtig Dampf hatte. Die interessante Mischung aus etwas Djent und brachialem Death Metal veranlasste die Anwesenden ihre Haare im Uhrzeigersinn, oder auch gegen jenen, rotieren zu lassen und ich tat das Selbe, nachdem ich meine Kamera in Sicherheit gebracht hatte.

Somit fein vorgeheizt stand ich vor der Bühne und bemerkte während der Umbauphase wie sich der Saal langsam stärker zu füllen begann. In Anbetracht dieser Tatsache war klar wer nun die Bühne betreten würde. EPSILON sind nichtmehr aus der österreichischen Metal-Szene wegzudenken und die Crowd bestätigte dies mit ihrer Größe. Freaky, Raffi, Mecki, Christoph und der erst vor kurzem dazugestossene Benni zelebrieren in unserer Gegend den Death-Metal wie keine andere Band und dem sollte auch diesem Abend so sein. Dem Publikum wurde der Scheitel gezogen, dass es ein Fest war und auch ein kleiner Moshpit wurde endlich angerissen.  Benni ist mit seiner Bühnenpräsenz immer wieder ein Hammer und die Instrumentalsektion einfach schon über Jahre hinweg verdammt gut eingespielt. Der gesamte „Epsilon-Körper“ lieferte eine wirklich fette Show und wärmte somit wunderbar für den Headliner des Abends ein.

Nun stand mein persönliches Highlight des Abends am Plan. SCHIRENC PLAY PUNGENT STENCH!  Wie ein kleines Kind habe ich mich gefreut, als mir mitgeteilt wurde, dass ich mit dieser Truppe die Bühne teilen dürfte und beim Flyer verteilen wies ich immer wieder mit Stolz darauf hin. So Stand ich dann mit der Kamera vor Meister Schirenc und wusste nicht ob ich mir mein Genick wegschedeln oder nur mehr fotografieren sollte. Ich entschied mich schlussendlich für „halb-halb“ und genoss die vor Power nur so strotzende Show die Martin „El Cochino“ Schirenc (Vocals/Guitar), Danny Vacuum (Bass/Vocals) und Mike G. Mayhem (Drums) hinlegten. Der Sound, für welchen der ehrenwerte Herr Nino del Carlo (EWIGFROST) zuständig war, war wie gewohnt einfach nur geil und die Crowd war auch sichtbar begeistert.  

Kaum hatte die Band ihr Set unter schallendem Applaus beendet, begann die Umbauphase für den Late-Night-Act, welchen ich schon am KALTENBACH OPEN AIR vor einem Jahr näher kennenlernen durfte. Eddie (Vocals), Yarda (Guitar), Klabi (Bass) und Stepan (Drums) kommen aus Prag und nennen sich POPPY SEED GRINDER. Die Band wurde 1997 gegründet und ist somit exakt so alt wie ich, liefert jedoch wesentlich heftigeren Brutal -Death-Metal als meine Person. Leider war der Großteil der Crowd schon ins Underground zur After-Show-Party abgezogen, doch einige Hartgesottene ließen sich von den Tschechen noch ein letztes Mal richtig durchprügeln. Ein spezielles Highlight bei dieser Band ist neben den brachialen Vocals von Eddie, die Art auf welche Klabi seine Augen beim Spielen verdreht. Stellt euch Jens von MESHUGGAH mit seinem typischen Blick vor, während er auf eine Bassgitarre einhämmert. Bei diesem Anblick und vor Allem bei den heftigen Riffs die da angestimmt wurde, bekommt man nochmal so richtig Lust sich ein paar Prellungen im Pit zu holen.

Mit diesem Verlangen nach „MEHR“ ging der Abend dann zu Ende und das Verlangen sollte noch bis zum zweiten Festival-Tag anhalten. Meine Gier nach weiteren Bands wurde dann auch befriedigt. Was an jenem Tag so abgegangen ist wird euch nun der liebe Kollege Seidinger berichten, da ich mich dank seiner Anwesenheit fein aufs „fotogrbüdln“ konzentrieren konnte.              [Gregor Eder]

STP Metalweekend - Samstag

Alle Jahre wieder muss der arme Mike am Metalweekend-Freitag arbeiten, weswegen ich euch hier nun den zweiten Tag der Sause schildere. Kollege Eder hat uns ja – Pott sei Dank! - schon ausführlichst über die freitägliche musikalische Einebnung der St.Pöltner Audience berichtet.

Ich kann einfach nicht anders beginnen, als den Freiraum und die Veranstalter Reini und Mecki über den grünen (oder den schwarzen?) Klee zu loben: Die Location ist und bleibt top, sei es nun von der Größe her, vom Sound und von der sonstigen Infrastruktur (Black Leberkäs, anyone?), und auch bei der Orga geben sich solch erfahrene (und alte) Hasen natürlich keine Blöße nicht. Da klappt alles reibungslos bei diversen Changeovers, an den Tonreglern sitzen im Tonregler-Schieben bewanderte Metalheads, die Bars und deren Keeperinnen lassen einen nicht wirklich lange aufs Bier warten, und selbst für die kurzfristig abgesagten ARTHIRIA konnte mit den Chaoten GRISZMO binnen Wochenfrist adäquater Ersatz gefunden werden. Außerdem - ganz wichtig! - ist St.Pölten von Wien Meidling aus mittlerweile in 25 Minuten per Zug zu erreichen. Also bitte keine Ausreden mehr, von wegen „des is soooo weit drausst!“.

ROTTEN COLD mussten dann bei noch relativ dünn gesätem Publikum und ebenso dünnem Sound (Gitarre? Wo bist du?) den Abend pünktlich eröffnen, konnten aber mit der sympathischen Mischung aus Death Metal versetzt mit ein bisserl Grindcore die bereits vereinzelt herein wackelnden Metalheads sofort auf ihre Seite ziehen. Die Wolfsberger Band, die auf eine fast 20-jährige Bandgeschichte zurückblicken kann, aber nur einen Longplayer – dafür einige Splits und Demos - im Ärmel hat, verfährt nach einer einfachen Rezeptur: Wenn man dazu amtlich bangen kann, ist’s geil. Und so können wir die Nackenmuskeln, bei stets besser werdendem Sound, gleich mal ordentlich auf Betriebstemperatur bringen, während sich die Combo um Frontmann Polsi oldschool auch selber schön in Fahrt bringt.

Dann ein kleiner Stilbruch. Die Chaos-Crew von GRISZMO, teils  altbekannte Gesichter in der Szene – man kennt Mani, Börni und Helmut von GODDAMNED X und vor allem von den Stoner-Grudgern THROES – schickt sich an, den Grindcore mit Todesblei-Dämmung sogar mit zwei Sängern unters inzwischen recht interessiert und anwesend herumstehende Volk zu bringen und in der Skurrilitäts-Skala locker zwei Punkte nach oben gut zu machen. Und das gelingt auch, trotz diverser Aha-Momente für die, die da nicht wussten, was auf sie zukommt. Das Vokal-Doppel Trudie und Grumpy zieht nicht nur akustisch die Aufmerksamkeit auf sich, während die Instrumentalfraktion sich abwechselnd einen in Hi- und Low-Speed abklöppelt – Trudie (standesgemäß im Hello Kitty-Shirt, das aber doch eher ein Kleidchen ist) befindet sich etwa 80 Prozent der Zeit nicht auf der Bühne, sondern höppelt auf, wälzt sich an und macht mit sich selbst den Circlepit vor der Bühne. Ja, das ist Entertainment, und auch musikalisch kann man  halbwegs Aufsehen erregen, wenngleich der Fünfer teilweise noch etwas unentschlossen wirkt.

Die baden-württembergischen Thrasher UNDERTOW sind bereits das vierte Mal in St.Pölten zu Gast, und schon kurz nach Beginn ihres Sets wissen wir auch, warum. Solide und sympathisch vorgetragene Oldschool-Mucke mit durchaus modernen Farbtupfern zwischendurch, ein Groove dass der Bär steppt und insgesamt schon auch deftiges Futter für Ohr, Hirn und Bauch. Dass Frontmann Joachim "Joschi" Baschin schon seit 1993 sein Metal-Kraftwerk betreibt, sei hier nur am Rande erwähnt. Aber man merkt der Band die Bühnenerfahrung an, und auch die Spielfreude ist fast schon überschwänglich. Und das ist auch gut so, denn die gute Laune überträgt sich eins zu eins auf die Freiraum-Meute, die den Saal mittlerweile auch gut gefüllt hat und solide am Stimmung machen ist. Und da weiß man wieder, warum das STP Metalweekend so einzigartig ist – nicht nur, dass Veranstalter und Ex-Stormbringer Reini den handverlesenen Bands freundschaftlich verbunden ist, ein Schwerpunkt liegt natürlich auch auf der Qualität. Da können UNDERTOW locker punkten und schöpfen immerhin aus einem Fundus von acht (!) Alben.

Ich muss zugeben, die Münchner COMMANDER hatte ich bislang nicht wirklich auf dem Schirm, obwohl die Band auch schon wieder seit 20 Jahren im Underground (nicht in dem St. Pöltner Lokal, im wirklichen!) rumkrebst und drei bemerkenswerte Alben draußen hat, das letzte davon, „Fatalis“, erschien erst im Vorjahr. Umso überraschter war ich (und nicht nur ich, geht man nach dem Stimmungsbarometer im Saal) dann, als die Bajuwaren-Brigade loslegte: am ehesten irgendwo im Death Metal der alten Schule anzusiedeln, verquirlen die Vier die Vehemenz von ASPHYX mit der drückenden Schwere von BOLT THROWER, und ja, das eine oder andere Riff erinnert wahrscheinlich nicht nur mich an die Panzertruppe aus Coventry. Sänger und Gitarrist Nick Kolar – einziges Originalmitglied der Truppe – hat an der Bühnenkante seine Wohlfühl-Oase gefunden: Ein Bein auf der Monitorbox, krächzt, grölt und geifert er mit schelmischer Miene und teuflischem Blick ins Mikro, ja er speit seine Lyrics geradezu in die Menge! Mit dem soliden Soundwall seiner Begleit-Krachbrüder entsteht somit ein atmosphärisch dichter wie auch ziemlich brutaler Metal-Koloss, der alles niederwalzt, was nicht bei drei aufm Baum, an der Bar oder aus dem Freiraum draußen ist. Da es den Leuten aber gefällt, was da so abgeht, und da man sich selbst gefällt, wenn man zur Mucke abgeht, bleiben aber alle brav da und der Applaus ist keiner der Höflichkeit, sondern einer der Euphorie und Dankbarkeit – für dieses unentdeckte metallische Kleinod, heute und hier.  

Wird jetzt halt selbst für eine Macht wie den heutigen Headliner DISBELIEF  schwer, das zu toppen. Aber ein wenig kann man den Härtegrad noch nach oben schrauben, die Präzision noch einen Deut anheben und auch die Stimmung noch ein bisserl in lichte Höhen hieven. DISBELIEF ist in erster Linie ja Karsten „Jagger“ Jäger, Szene-Original und seit einiger Zeit auch als Schreihals bei MORGOTH in Lohn und Brot. Und keiner leidet so schön wie Jagger, keiner darbt räudiger im Saft seiner eigenen, rotzig raus gekeiften Vocals. Die Hintergrundbeschallung ist natürlich auch hier standardmäßig derb-präziser Todesmetall der alten Schule, seit der Gründung vor annähernd drei Dekaden kann der Hessen-Panzer auf zehn volle Langspielalben zurückgreifen, und so kommen heute genauso die Klassiker zum Zug wie auch Tracks des „aktuellen“ Albums „The Symbol Of Death“ (2017). Der Freiraum kocht mittlerweile und die Crowd feiert die Truppe auch ziemlich hart ab, diese wiederum dankt es mit wohlwollendem Hinschmettern deathigsten Death Metals, eine sehr nachhaltige und fruchtbare Wechselwirkung wie mir scheint. Jagger ist halt teilweise ein Kauz, wenngleich auch ein liebenswürdig sympathischer – er scheisst, frisst und atmet Metal mit jeder Pore seines Körpers.

Als die letzten Klänge der Zugaben verhallen, sind wir durchgeschwitzt, durchwegs beschwipst aber glücklich. Und so soll es ja auch sein.                                                                                                                         


Mecki und Reini waren derweil auch nicht faul und kündigen schwuppdiwupp mit DAWN OF DESEASE, DORNENREICH, THEOTOXIN und INTERREGNUM gleich die ersten Bands für September 2020 an! Also gleich mal dem Chef sagen, dass ihr da frei braucht. Man kann ja nie wissen und das nächste STP Metalweekend ist schneller da als man denkt ….                                  [Mike Seidinger]


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