12.03.2011, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

POWER OF METAL TOUR 2011 - Wien feat. NEVERMORE, SYMPHONY X and more

Text: bernsen | Fotos: bernsen
Veröffentlicht am 16.03.2011

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Die POWER OF METAL Tour, das neueste Brainchild aus dem Hause ROCK THE NATION, versuchte in einem doch üppigen Package nicht etwa den POWER METAL salonfähig zu machen, dafür waren die stilistischen Unterschiede der auftretenden Bands dann doch zu unterschiedlich. ABER nimmt man jetzt das Wort POWER als zusammenführende Konstante her, also kraftvoll, kräftig, dann macht der Name dieser Tournee schon wieder Sinn, denn jede der fünf Bands, also die finnischen Opener THAUROROD, the Danish Dynamite MERCENARY, das sensationelle Comeback von PSYCHOTIC WALTZ, die Prog-Power Primusse von SYMPHONY X und die sowieso irgendwie outstandig agierenden NEVERMORE, vereinen auf ihre eigene Art und Weise die Power des Metals… (-Reini-) Als erste Band des Abends entern, bereits kurz vor sieben Uhr,

THAUROROD

die Bühne. Die sympathischen Finnen haben sich vor kurzem einen neuen Sänger aus dem schönen Italien geholt. Dieser hört auf den Namen Michele Luppi und hat‘s gesanglich und auch showmäßig ziemlich drauf! Die junge Band spielt sich durch ein kurzweiliges Set aus Power Metal Krachern und wird von den, mittlerweile doch immer mehr werdenden Menschen vor der Bühne, gut aufgenommen. Michele versteht es die Leute anzuheizen, macht sehr witzige Ansagen und es kommt bald Stimmung im Publikum auf. Die Setlist umfasst die folgenden Songs: Warrior's Heart Tales Of The End Morning Lake Guide For The Blind Scion of Stars Shadows And Rain Musikalisch würde ich die Jungs am ehesten als eine härtere Version von SONATA ARCTICA bezeichnen. Sie machen ihre Sache sehr gut und sind auch spielerisch top, die musikalische Ausrichtung ist allerdings Geschmacksache und meinen Geschmack treffen THAUROROD nicht so ganz. Guter Opener! Von dieser Band wird man sicher noch des Öfteren hören.

MERCENARY

aus Dänemark sind für mich mit ihrem Melodic Death Metal zwar eine eher untypische Bestzung für‘s „Power Of Metal“, spielen sich aber derart gnadenlos durch ihr richtig tolles Set aus neuem und auch älterem Material, dass ich sie als ein Highlight an diesem Abend sehe. Der charismatische Sänger/Bassist René Pedersen kämpft zwar teilweise ein bisschen mit seinem Organ (er hatte schließlich auch mit einer Grippe zu kämpfen), hat aber das Publikum voll auf seiner Seite. Die Band hat sichtlich Spaß auf der Bühne und geht dementsprechend ab. Personell hat sich bei MERCENARY ja in letzter Zeit einiges getan und so erfreut es umso mehr, dass die Truppe wunderbar zusammenspielt und live absolut überzeugt! Hier das Set: Into the Sea of Dark Desires World Hate Center The Endless Fall Through The Eyes Of The Devil In A River Of Madness In Bloodred Shades The Follower Firesoul (-Bernsen-)

Ich war schon lange nicht mehr so aufgeregt vor einem Gig. Kein Wunder, denn die San Diego-Posse von

PSYCHOTIC WALTZ

hat sich ja schon seit 14 Jahren nicht mehr live auf europäischen Bühnen blicken lassen. Im Vorfeld hörte man zu allem Übel auch noch diverses Gemunkel, Devon Graves wäre nicht gut bei Stimme und hätte bei einigen Songs schwer neben der Spur gesungen. Nach einem ziemlich spontanen und witzigen Interview am Nachmittag war ich aber zumindest sicher: die Jungs sind bestens drauf und freuen sich schon höllisch auf den Gig. Mr. Graves bestritt heute im Gasometer quasi eines von zwei Heimspielen ("I live in Hörzougenbörg, ya know!"), und als die Band fast pünktlich um halb neun völlig unprätentiös auf die Bühne kommt, merkt man allmählich: ja, da sind doch einige Nasen heute extra wegen PSYCHOTIC WALTZ hier, und so ist die Halle zu gut zwei Dritteln gefüllt, als die ersten Takten von "Ashes" (mit seinem unverkennbaren Intro) ertönen. Von da an bin nicht nur ich wie verzaubert, mir fährt die Gänsehaut am Körper auf und ab und trotz der relativ großen Bühne kommt fast so etwas wie Club-Intimität zwischen Band und Publikum auf. Die Setlist ist genial aber auch ein wenig unvorhersehbar - das sperrige "Spiral Tower" kommt relativ hart rüber, wird gefolgt vom entspannten "Haze One" als Kontrastprogramm und dem allmächtig trippenden "Into The Everflow". Devon singt wie ein junger Gott und meine Befürchtungen waren gottlob für die Katz. Einzig die unvermeidlichen Birkenstock-Schlapfen, die Teil von Mr. Graves Bühnenoutfit der Marke "Alternativer Jutefreund" sind, sorgen wahrscheinlich bei einigen Leuten heute noch für Alpträume.

Das sympathische Quintett freut sich über den frenetischen Jubel und Devon begrüsst seine ex-Bandmates von DEAD SOUL TRIBE. Der Set ist jedoch mit 45 nur Minuten relativ knapp bemessen, also wird gar nicht erst viel geplänkelt. Alt-Hippie Dan Rock trägt glaub ich immer noch das selbe Shirt, das er schon 1997 in der Arena an hatte und Brian McAlpin ist natürlich auf grossen Bühnen mit seinem Rolli viel "beweglicher" als in den kleinen Clubs. Der hünenhafte, aber umso gelassenere Ward Evans kann sich aus seiner anfänglichen Lethargie los reißen und groovt beim Klassiker "Morbid" schon recht amtlich daher. Norm Leggio drischt gefühlvoll auf sein Kit ein, und scheint in all den Jahren nicht gealtert zu sein. Und irgendwie scheint auch die Zeit stehen zu bleiben, als die Truppe "Halo Of Thorns" anstimmt. Mit "Nothing" folgt ein eher vernachlässigter Song von der Göttergabe "A Social Gace" (der sich aber relativ schlecht bis gar nicht in die Setlist fügen will und der einzige Wermutstropfen heute ist), bevor "I Of The Storm" den viel zu kurzen Reigen mit einem Ausrufezeichen beendet. Natürlich weiss man bereits, die Jungs arbeiten an einer neuen Platte und werden im Zuge dessen sicherlich bald wieder nach Wien kommen. Trotzdem wäre zumindest eine Ballade wie "I Remember" noch passend gewesen. So bleibt Devon's Querflöte für heute im Kofferl, was wahrscheinlich gut war - denn sonst hätt ich in der ersten Reihe eh auch noch einen Heulkrampf inklusive Nervenzusammenbruch bekommen. Echt schön, dass ihr wieder da seid, Jungs! Ashes Spiral Tower Haze One Into The Everflow Morbid Halo Of Thorns Nothing (Mike Seidinger)

Die nächste Band braucht man wohl niemandem mehr vorzustellen. Die Rede ist natürlich von

SYMPHONY X

! Begnadete Musiker, unfassbar gute Songs und mit Russell Allen einen der weltbesten Metal-Sänger an Bord. Was soll da bitte schief gehen? Dem Publikum scheint‘s zu gefallen. Die Mannen um Mastermind Michael Romeo werden verdientermaßen gefeiert! Russell ist in Top-Verfassung und trifft jeden noch so bösen Ton. Einzig der Sound lässt zu wünschen übrig. Das Schlagzeug zu laut, die Gitarre und der Gesang etwas zu leise, aber was soll‘s. In einer Stunde Spielzeit jeden Fan restlos glücklich zu machen, mag beim Backkatalog der Band sehr schwierig erscheinen, ist aber beinahe machbar. Ein gelungener Mix aus Songs der letzten vier Alben wird zum Besten gegeben. Weiters beglückten uns die fünf Herren mit zwei neuen Tracks vom, hoffentlich bald, kommenden Album. Of Sins and Shadows Domination Serpent's Kiss End of Innocence Paradise Lost Inferno (Unleash the Fire) Evolution (The Grand Design) Dehumanized Set The World On Fire (The Lie Of Lies) Natürlich wären ein paar Klassiker aus älteren Zeiten live sehr fein gewesen, aber nach Veröffentlichung der neuen CD, wird ja vielleicht ein längerer Auftritt die Band wieder nach Österreich führen!? (-Bernsen-)

Im deutschsprachigen Raum durften die Fünf aus Seattle den etatmäßigen Headliner mimen, was den Vorteil hatte, dass Wien in den Genuss von ein bisschen mehr

NEVERMORE

kam als an jenen Locations, wo SYMPHONY X als letzte Band auf die Bühne stapften. Sowieso war bei dieser Tour vieles anders. Basser Jim Sheppard musste sich im Februar einen Gehirntumor operativ entfernen lassen und für ihn sprang eine gewisse Dagna on Bass ein, die schon NEVERMORE Sänger Warrel Dane bei seiner Soloband mit den tiefen Tönen ausgeholfen hatte. Dass machte dann in Summe mit Dane mitgerechnet schon einen 3/5 Anteil, die wichtigste Meldung war aber jene, dass Sheppard auf dem besten Wege ist sich vollständig zu regenerieren und laut Warrel schon in Bälde wieder in die Band wird zurückkehren können. Sonst tu ich mir mit Livegigs von NEVERMORE in letzter Zeit ein wenig schwer, nachdem ich den nie für möglich gehaltenen Triumphzug beim letztjährigen ROCK HARD Festival livehaftig miterleben durfte. Das Problem in Wien war jenes, dass die Instrumente, besonders Loomis und Atilla Voros hatten einen derart heftigen Gitarrensound spendiert bekommen, dermaßen (be)drückend rüberkamen, dass in vielen Phasen die Stimme von Warrel Dane – logischerweise – den Kürzeren ziehen musste. Das war insofern ärgerlich, da der permanent Hutträger bei dem was klar und deutlich herauszuhören war, in absolut gütiger Verfassung zu sein schien, leider kämpfte er nahezu den kompletten Set gegen die drückende Macht seiner Kollegen an, da auch Van Williams Kit mit ziemlichen Bumms gen Auditorium donnerte und die Plektron spielende Dagna ebenfalls für einen satten und dementsprechend lauten Unterton sorgte. An der Songauswahl gibt es bei jetzt auch schon wieder sieben NEVERMORE Alben natürlich immer von diversen Personen was zu meckern. Auffallend bei dieser Gastspielreise, dass die Band ihre Frühphase komplett ausklammerte und erst ab dem Jahrhundertwerk „Dead Heart in a Dead World“ zu ordinieren begann. Dieses wurde dafür aber gleich mit drei Beiträgen gefeatured und überragte somit die nicht minder geniale 2005er Göttergabe „This Godless Endeavor“, von der man lediglich „Born“ und den überlangen Titeltrack servierte. Da liegt vielleicht zum Teil auch der Hund begraben, ein „Sentinel 6“, oder „Bittersweet Feast“ wäre in diesem Kontext möglicherweise gewinnbringender gewesen als das sture festhalten an (fast) 50% „The Obsidian Conspiracy“ Material was den knappen 65 Minuten schlussendlich doch einiges an Spannung nahm. Erfreulich allerdings, dass Wien sogar in den Genuss einer (nicht erwarteten) Zugabe kam und die Band sich nach dem etatmäßigen Schlusstrack "Enemies of Reality" noch einmal auf der Bühne einfand und den Titeltrack des neuen Albums zum Besten gab. Trotz alledem war der Auftritt der von mir nach wie vor zu höchst verehrten NEVERMORE zwar ein weiterer guter in der Bandhistorie, die Wörter magisch oder gar das Aufkommen von Gänsehaut am ganzen Körper (siehe PSYCHOTIC WALTZ) riefen die elft dargebotenen Tracks aber nicht hervor. NEVERMORE Setlist: Inside Four Walls Moonrise (Through Mirrors of Death) The Termination Proclamation Your Poison Throne Born The Heart Collector The River Dragon Has Come Emptiness Unobstructed This Godless Endeavor Enemies of Reality Encore: The Obsidian Conspiracy (-Reini-)


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