15.12.2019, Rockhouse, Salzburg

ANY GIVEN DAY + BLEED FROM WITHIN + LANDMVRKS

Veröffentlicht am 19.12.2019

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Ein kleines Schreiberlein begab sich zwecks Dezemberlicher Konzerteskalation zum vierten Mal innerhalb einer Woche in die Heiligen Hallen des Rockhouse Salzburg, um sich ein weiteres Mal die Birne mit Musik vollzuprügeln. Nach melodischem Schwermetall, biergeschwängertem Punk Rock und einer Runde Local Heroes mit Rock-Schwerpunkt, war nun die Reihe an den deutschen Metalcore-Heroen ANY GIVEN DAY, die Gehörgänge vor den Feiertagen noch einmal kräftigst durchzuschmirgeln. Nebst dem Berichterstatter schwang auch die Kollegin Tina Burgstaller im Graben die Kamera und sorgte für den fotografischen Teil dieses Livereports.


Die akustische Untermalung des Abends startete mit LANDMVRKS aus Frankreich, die sich gleich ordentlich reinhängten, um die zunächst noch etwas dünn aufgestellten, aber sich schnell mehrenden Besucher in Wallung zu bringen. Mit einigen lässigen Hooks und variablem Gesang konnten die Franzosen beim Publikum schnell landen und bereits erste, noch etwas verhaltene Moshpits anreißen. Trotz einiger spannender Parts, blieben LANDMVRKS ihrer „hart vs zart“-Masche fast einen Zacken zu häufig treu, sodass die Songs teilweise eine gewisse Vorhersehbarkeit aufwiesen und niemanden so wirklich umblasen konnten. Das einzige das dafür Potenzial gehabt hätte, war der mörderische Schub aus den Boxen, der den Bass streckenweise gar heftig ins Höschen blies. Abgesehen davon machten LANDMVRKS aber als Opener einen guten Job und bereiteten die Zuschauer angemessen auf das Kommende vor.


Nämlich auf die als nächstes startenden Rabauken von BLEED FROM WITHIN, die mit angenehmer Abwesenheit von Klargesang ganz schön heftig ins Gebälk fuhren. Zwar gab es ob des starken schottischen Akzents (wieder einmal) kleinere Verständigungsschwierigkeiten zwischen Fronter und Publikum, doch dafür ließen die hochmotivierten Schotten kurzerhand ihre im deutlich härteren Core-Spektrum angesiedelte Musik für sich sprechen. Die rabiaten, häufig in richtig kernige Deathcore-Gefilde schielenden Titel sorgten für erste dezente Eskalation bei den Besuchern, die zu den teils kompromisslos prügelnden oder massig dahin groovenden Songs hingebungsvoll Köpfe und Körperteile schüttelten. Trotz der zelebrierten Härte blieben auch genügend mitreißend-pfeffrige Passagen, die es einem leicht machten, die auf der Bühne amtlich ausrastenden und häufig propellerbangenden Herrschaften (so viel fliegende Haare sind in den moderneren, Core-nahen Metal-Strömungen ja nicht so üblich!) zu mögen. Besonders, als Schreihals Scott auf Tuchfühlung mit dem Publikum ging und sich zu den sägenden Brutalo-Klängen auf Händen einmal quer durch die Halle tragen ließ, konnte man sich des breiten Grinsens nicht erwehren. Die Gnackwatschn der Schotten zeigte Wirkung und wurde von den Salzburgern mit lautem Applaus quittiert.


Eigentlich hätte man danach erwarten können, dass es zu ANY GIVEN DAY richtig abgehen sollte. Doch irgendwie wollte der Funke nicht mehr so richtig überspringen, denn trotz ein paar durchaus ansehnlichen Moshpits und einem Crowdsurfer, wollte keine so wirklich begeisterte Stimmung aufkommen. Entweder war es die derbe Breitseite der Brutalo-Schotten, oder doch der sich ankündigende Fön, der die graue Gehirnmasse in profillosen Matsch verwandelte – die extrem stark agierenden Deutschen hätten viel Besseres von dem gut gefüllten Rockhouse-Saal verdient gehabt, anstatt überwiegend höflich interessiert herumstehende Besucher und braven Applaus. Fein austariert zwischen gefühlvollen Passagen und eskalativem Arschtritt-Faktor, präsentierten sich ANY GIVEN DAY in Salzburg nämlich von ihrer besten, bzw stärksten Seite. Vor allem die unfassbar starke gesangliche Performance von Front-Vieh Dennis, der scheinbar mühelos zwischen emotionsgeladenem Cleangesang und erschreckend garstigem Gebrüll wechselte, blieb nachhaltig im Gedächtnis und sorgte im Verlaufe des Konzertes für so manchen Gänsehautmoment. Gepaart mit melodiöser, ausdrucksstarker Gitarrenarbeit und energiegeladener Bühnenshow, lieferten ANY GIVEN DAY ein recht amtliches Statement ab, dass sie definitiv zum Besten gehören, was unser Nachbarland puncto Metalcore derzeit zu bieten hat. Warum sich die selbstbewusst zur Schau gestellte Klasse in Salzburg nicht so wirklich auszahlen wollte, das werden wir wohl nie erfahren. So bleibt unterm Strich ein extrem starkes Konzert in Erinnerung, welches leider nicht das Feedback von Seiten der Zuschauer erhielt (ein Lob an dieser Stelle an die wenigen Leute, die sich ungeachtet dessen pflichtschuldig im Moshpit zerstörten), das es eigentlich verdient gehabt hätte.


In Kürze gibt es dann auch bei Images Of Pain And Pleasure einige zusätzliche Fotos des Konzertes.


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