09.01.2020, MS Connexion, Mannheim

MYSTIC PROPHECY + MOB RULES

Text: Lord Seriousface | Fotos: FiniMiez
Veröffentlicht am 11.01.2020

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Von Divisionen...

Mit "Metal Division" präsentieren die deutschen Power Metaller MYSTIC PROPHECY ihr inzwischen elftes Studioalbum (das 2018er Coveralbum "Monuments Uncovered" mitgerechnet). Die Vorboten der Scheibe versprachen Großes und veranlassten die Stormbringer-Redaktion, ihre diesbezügliche Meinung im Rahmen eines fünfköpfigen Gangbang-Reviews kundzutun. Die unabhängigen Kritiken bewerteten das neue Eisen einstimmig positiv und katapultierten es mit einem Score von 4,5 Punkten auf den zweiten Platz aller bisherigen Gangbangs - nach AMORPHIS mit schwindelerregenden 4,8 Punkten im Schnitt.

Der Besuch beim Auftaktkonzert der Release-Tour (ganz recht, Release-Tour und nicht Release-Show) war über das natürliche Konzertreise-Bestreben hinaus Pflicht und führte zum erneuten Besuch in der Mannheimer MS Connexion, wo noch vor wenigen Wochen die morbiden Rituale MAYHEMs für Schweißlachen und Sauerstoffarmut sorgten. Heute hingegen steht der Abend gänzlich im Zeichen des Heavy & Power Metal, der im Gegensatz zu unserer GLORYHAMMER-lastigen Playlist auf dem Weg nach Mannheim weitaus massiver und testosteronhaltiger angelegt ist. Gut gelaunt, ja beinahe überdreht vom auralen Zuckerschock machen wir uns auf den Weg zum Ort des Geschehens, plündern in alter Gewohnheit den Merchstand und verabreden uns nach dem Verstauen der Kriegsbeute mit MYSTIC PROPHECYs Sänger Lia, der sich gut gelaunt mit uns über die Höhen und Tiefen der Metalwelt unterhält [manche Redakteure haben für solche Gelegenheiten ein Diktiergerät in der Tasche und verfassen aus dem Mitschnitt ein sogenanntes "Interview"...my dear Mr. Singing Club - so eine Pleite in Anwesenheit unserer Interviewmanagerin! Das holen wir nach, versprochen!]. Die Wartezeit bis zum ersten Gongschlag vergeht entsprechend zügig.

MOB RULES

Da die Release-Tour von MOB RULES alleine supportet wird, bleibt für die melodischen Niedersachsen eine fette Stunde Zeit zum Einheizen, die sie letztlich mit Freude und Eifer ausfüllen. Zunächst sorgt der umschweifende Blick durch die Halle, die neulich bei den kirchenkritischen Norwegern zum Brechen gefüllt war, für latente Irritation und kalte Füße. Überschlägig 100 Besucher zählt die Venue am heutigen Abend, man würde gerne sagen: "...noch zwei mehr, und es reicht für ein Fußballmatch!" Für Erste-Reihe-Banger, Limited-Merch-Aficionados und die, die einfach nur atmen wollen, ist dies natürlich eine nette Gelegenheit, mit den Helden aus dem heimischen Lärmaggregat auf Tuchfühlung zu gehen...für die Bands und Crewmembers, die sich für diesen Abend den Hinterschinken aufreißen, dürfte die Bulimie in der Tourkasse jedoch eher wenig erquickend sein. Doch eine gute Band zockt vor 100 wie vor 100.000 Leuten - diesen Grundsatz befolgend, liefern MOB RULES motiviert ab und nutzen die offene Intimität für den regen Dialog mit ihrem Publikum. Die überschaubare Meute zeigt sich offen empfänglich für Klaus Dirks' Aufruf zur Heavy-Metal-Party und lässt sich aus dem Stand vom Elan des Eröffnungsacts infizieren. Auf die Frage hin, ob heute Wikinger anwesend seien, folgt eine mit Keyboards unterstützte, stark ver-MOB-RULEte Version von AMON AMARTHs "Raven's Flight", was sich in seiner kaum wiedererkennbaren Form als Stimmungskanone und Earcatcher herausstellt - und die Fans souverän für sich vereinnahmt.

Setlist MOB RULES:

  1. Intro
  2. Ghost Of A Chance
  3. Somerled
  4. Black Rain
  5. Raven's Flight (AMON AMARTH)
  6. My Kingdom Come
  7. The Last Farewell
  8. Sinister Light
  9. Children's Crusade
  10. On The Edge
  11. Hollowed By Thy Name

MYSTIC PROPHECY

Als MYSTIC PROPHECY nach einem kurzen Break die Bretter betreten, weicht das letzte Quäntchen Hoffnung auf eine zahlreichere Audienz, weil wie es scheint alle Gäste bereits pünktlich zu MOB RULES auf der Matte standen (immerhin). Das knapp 80-minütige Set der Gastgeber startet selbstredend mit dem aktuellen Titelsong "Metal Division", der erwartungsgemäß begeistert aufgenommen wird. Neben den drei vorab veröffentlichten Tracks erleben die Fans heute die Premiere von "Here Comes The Winter" und "Hail To The King", die alle anderen erst einen Tag später zu hören bekommen. Überdies folgt vorrangig Material aus der jüngeren Bandhistorie, sowie eine Coverversion von MIKE OLDFIELDs "Shadow On The Wall" (vgl. "Monuments Uncovered"). Man sinniert über unglückliche Weihnachtsgeschenke, das Quid Pro Quo der makaberen Art ("We Kill!! You Die!!") und lässt sich mit dem "Killhammer" die Weisheitszähne ziehen. Haare und Bärte pinseln beim Bangen die Bühnenbretter und zu Hanno Kerstans Drumsolo gibt es eine kurze Einheit im Primatentraining, bei der die Probanden zu vorgegebener Beatzahl aufschreien sollen. Zur Belohnung gibt es leider kein Staudenobst, doch wird immerhin demonstriert, warum das Drumset mit massiven Ketten fixiert wurde. Als Lia nach "Ravenlord" in seiner grundsympathischen Art den allmählich nahenden Abschied ankündigt, starre ich ungläubig auf meinen Zeitanzeiger und wundere mich, wo dieselbe geblieben ist. Nach zwei Zugaben und insgesamt 14 regulären Songs ist die Show vorbei. Über Pensum und Spieldauer kann man sich nicht beklagen, doch hätten zumindest wir der brüllenden Prophezeiung noch gut und gerne bis Mitternacht lauschen können.

Setlist MYSTIC PROPHECY:

  1. Intro: Sirens Of War
  2. Metal Division
  3. Kill The Beast
  4. Killhammer
  5. Burning Out
  6. Here Comes The Winter
  7. We Kill!! You Die!!
  8. Dracula
  9. Drumsolo
  10. The Crucifix
  11. Hail To The King
  12. Shadow On The Wall (MIKE OLDFIELD)
  13. War Panzer
  14. Ravenlord
  15. Eye To Eye
  16. Metal Brigade
  17. Outro

...und Brigaden

Was soll man sagen? In Anbetracht der dünnen Besucherdichte, die zahlenmäßig sogar die schlappe (Besucher-)Vorstellung bei CHROME DIVISION (vor ca. einem Jahr am selben Ort) unterbieten könnte, drohte ich zuweilen, meinen berühmten musikenthusiastischen Optimismus zu verlieren. Doch man muss die Feste so feiern, wie sie fallen. MOB RULES und MYSTIC PROPHECY machen jedenfalls das Beste aus der Sache und bescheren denen, die sich die Zeit für das heutige Event genommen hatten, kurzweilige Stunden und eine geballte Ladung Heavy Metal, für den man gerne mal lange Fahrten und rote Augen in Kauf nehmen kann. Dementsprechend treten wir mit glühenden Ohren und vollen Taschen die Rückreise an und drücken dem Band-Duo die Daumen für die noch anstehenden Termine der Tour. Möge die Crowd zur "Metal Division" oder wenigstens zur "Metal Brigade" anschwellen und den gegebenen Anlass gebührend zelebrieren!


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