21.02.2020, Arena Wien - große Halle, Wien

UNEARTH + PRONG + DUST BOLT + SINARO

Veröffentlicht am 27.02.2020

Schon um 19 Uhr zeigten die New Yorker SINARO vor noch überschaubarem Publikum wo der Bartl den Most herholt. Da ich erst am Vortag erfahren hatte, dass neben den drei bekannten Bands noch eine vierte zu verhältnismäßig früher Stunde am Start ist, erlebte ich anreisebedingt leider nur die letzten 15 Minuten des halbstündigen Sets. Dieses hatte es aber noch gehörig in sich, um das aktuelle Album "The Living Dead" zu promoten. Die Musiker, allen voran Frontmann Gus Sinaro, der auch mit starker Stimme überzeugte, legten sich mit der richtigen Attitüde ordentlich ins Zeug. Von den Jungs wird man in Zukunft sicher auch in Europa noch öfters hören.

SINARO

Die notwendige Portion Thrash-Metal lieferten danach die Münchner DUST BOLT, die vom ersten Song an fett groovten. Allesamt mit nacktem Oberköper auf der Bühne, würde das Konzert in gewissen Clubs, wie erst vor kurzem irgendwo im Hamburg passiert, wohl schnell abgebrochen werden. Da sich in der Arena in Wien aber keiner daran störte, sorgten DUST BOLT für den ersten Einzel-Circle Pit des Abends. Es sollten sich dann noch ein paar mehr Männer im Laufe des Abends an dem Metal-Reigen beteiligen. Es tröpfelten die Besucher aber leider nicht sehr zahlreich in die große Halle, mehr als 300 Leute waren wohl nicht gekommen, was ob der dargebrachten Leistung aller Bands mehr als schade war.

Aber auch DUST BOLT ließen sich nicht davon nicht beirren und zogen ihr Ding durch, um Material des neuen Albums „Trapped In Chaos“ vorzustellen. Unermüdlich wurden dem Publikum Riffs entgegen geschleudert und Frontmann Lenny Breuss punktete mit sympathischen Ansagen. Die Haarpracht aller Bandmitglieder war eine Augenweide und mit den nackten Oberkörpern und der intensiven Spielfreude erinnerten sie mich optisch irgendwie an AIRBOURNE, mit dem Unterschied, dass DUST BOLT auch live sauber ihre Instrumente zu bedienen wissen.

Tommy Victor aka PRONG kann schon als eine Legende bezeichnet werden. Zwar rückte der charmante Frontmann wieder mal mit einer neuen Truppe an, die aber wie meistens gut zum Bandleader passte. Ich bewunderte PRONG zwar erst 2009 zum ersten Mal live in der ((Szene)), was ja damals einem ersten Frühling der Band gleichzusetzen war und sich bei mir für immer im Gedächtnis einprägen sollte. Dann dauerte es für den zweiten Frühling aber doch weitere fünf Jahre, bis PRONG wieder mal Österreich - dann aber jährlich bis 2017 - einen Besuch abstatteten. Nach meiner letzten Show 2016 als Headliner in der ((Szene)) musste ich den Gig im Viper Room 2017 auslassen, freute mich aber nun umso mehr auf die Rückkehr von PRONG nach Wien, in die Arena.

PRONG

„Unconditional“ sorgte als Opener schon mal für ausgelassene Stimmung, auf den „For Dear Life“ folgte, bei dem ein Roadie auch kurz mal eine „Cowbell“ schlagen durfte. Die Band war durchgehend gut drauf, Tommy grinste unentwegt und der für Jason Christopher eingesprungene Bassist, den ich laut Facebook-Kommentar als „Tommys buddy Fred“ identifizieren konnte, gab ordentlich Gas. Art Cruz Nachfolger Aaron Rossi am Schlagzeug, der schon zwischen 2005 und 2009 im Dienste von PRONG stand, haute wuchtig in seine Drums, dass es eine Freude war.

Mit „Freezer Burn“ vom Debütalbum und „Force Fed“ und „Disbelief“ von der Debüt EP „Primitive Origins“ gingen PRONG sogar in die ruppige 80er-Phase der Anfangstage zurück, bevor der Titeltrack vom ersten 90er-Jahre-Album „Beg To Differ“ dargeboten wurde. Rasch streute Tommy mit seinen Jungs noch den neuen Song „End of Sanity“ in die Setlist ein.

War die erste Hälfte der Show schon sehr stark und verleitete die Konzertbesucher zu reichlichem Bierkonsum und zu Moshpits, leitete das Stakkato-Riff von „Cut-Rate“ erst den Triumphzug von PRONG ein. Meiner Meinung nach waren die letzten Alben des Groove-Meisters durchwegs gelungen, was dann auch der Track „Ultimate Authority“ bewies. Nach „Rude Awakening“, einem weiteren Klassiker, war das Finale mit den Songs vom Hitalbum „Cleansing“ aber richtig bärenstark und die Band wurde lautstark abgefeiert.

Mit „However It May End“ vom letzten regulären Album „Zero Days“ beschlossen PRONG dann ein äußerst befriedigendes Konzert, bei dem aber wohl eher nur „Alt-Fans“ bedient wurden und mangels jungem Publikum vermutlich leider nicht viele neue Fans dazugewonnen werden konnten.

Wer nun dachte, dass es der Headliner des Abends nach drei starken Bands schwer haben würde stimmungstechnisch anzuknüpfen, hatte die Rechnung ohne UNEARTH gemacht. Meine erste Begegnung mit der für mich besten Metalcore-Band, hatte ich im Sommer 2012 bei einer der schweißtreibendsten und intensivsten Shows meines Konzertlebens im Escape Metalcorner. Was damals im Keller abging war unbeschreiblich und machte mich zu einem UNEARTH-Fan der späten Stunde, der viel zu lange auf die nächste Headliner-Show in einer größeren Location warten musste.

Interessant die Tatsache, dass UNEARTH seit 2004 bis 2016 fast jährlich (8x davon in der Arena!) in Wien Station machten. Nach einer kurzen Pause stand die Band dann 2019, nach der „Death to False Metalcore Tour“ in der Arena, auch mit den deutlich bekannteren AS I LAY DYING im Gasometer auf der Bühne. Schade, dass von dem damaligen Support-Gig kaum Publikum überzeugt wurde, UNEARTH in der Arena als Headliner zu sehen.

Mit einer unbändigen Power starteten die fünf Ausnahmemusiker, mit „This Lying World“ vom Referenzwerk „The Oncoming Storm“, von dem auch ein Großteil der Setlist stammte, schon mal richtig geil los. Sie Songs vom neuen Album „Extincion(s)“, wie das folgende „Survivalist“, konnten sich aber durchaus damit messen. Verschnaufpausen gab es keine, denn ein Groove-Monster jagte das nächste, wie der Song „Giles“ mit seinen endgeilen Gitarrenleads im Extrem-Sweeping-Modus.

Gitarrentechnisch gibt es selten eine Band die ihr Handwerk so beherrscht, allen vor allem das Gitarristen-Due Buz McGrath und Ken Susi, die bei „Endless“ und „Never Cease“ mit ihrem für UNEARTH charakteristischen Tapping für offene Münder sorgten. Einfach irre diese Typen! Sänger Trevor Phipps stellte einen Frontmann wie er im Buche steht dar: kräftiges, testosteron-geladenes Shouting mit ganz dicken Eiern. [Anm. d. Lekt.: Theorie, dass Metalcore-Fronter so schreien, weil ihnen die angeschwollenen Eier wehtun: bestätigt!] Bei dem von der Rhythmusfraktion erzeugten Groove fiel es einem schwer, das eigene Haupt nicht rotieren zu lassen.

Wagemutige Crowdsurfing-Versuche gab es während der Show nicht wenige, die dann aber, nur von ein paar wenigen Leuten aufgefangen, rasch endeten. Sonst regierten kleine Mosh- und Circlepits, die mir sogleich eine erfrischende Bierdusche bescherten. Da ich durch ein fast schon graziöses Fallmanöver, bei dem sogar noch die Hälfte meines Bieres im Becher gerettet werden konnte, keine ernsthaften Verletzungen davontrug, konnte ich UNEARTH bis zum Schluss abfeiern. [Anm.d. Lekt.: Wir sollten mal wieder die Deckungssummen der Unfallversicherungspolizzen der Mitarbeiter checken. Scherz. Haben wir natürlich nicht.]

Es hätte somit noch ewig weitergehen können. Doch die energetische Show fand dann leider mit dem finalen „My Will Be Done“ ihr jähes, aber durchaus rundes Ende. Nach den vier Bands ist auf jeden Fall von einer Vollbedienung zu sprechen und jeder der diese Tour gesehen hat, konnte wohl schwer zufrieden seinen Heimweg antreten.


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