23.05.2021, Notodden Teater, Notodden

EMPEROR - A Night Of Emperial Wrath 2021

Veröffentlicht am 26.05.2021

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Die Randbedingungen für den dreißigsten Bandgeburtstag EMPERORs könnten unbestreitbar besser sein, aber die Dinge sind nun mal, wie sie aktuell sind. Früher oder später werden wir die Norweger wieder in einer lauwarmen Sommernacht zur Mitternachtsstunde erleben dürfen, dessen bin ich mir sicher - doch für heute muss es auch das gute alte Heimkino tun. Eigentlich bin ich ein bekennender Verfechter realer Konzerte und in Bezug auf Streamingevents eher zurückhaltend, aber bei den Schöpfern von "In The Nightside Eclipse" und "Anthems To The Welkin At Dusk" konnte ich unmöglich nein sagen.

EMPEROR haben was zu feiern und versprechen Songs aus ihrem gesamten Backkatalog - da wundert es nicht, dass die Feierlichkeiten mit "In The Wordless Chamber" von "Prometheus - The Discipline Of Fire & Demise" - dem letzten und bis heute am schwersten zu greifendem Album der Band - eingeläutet werden. Nachdem die letzten Gigs im Zeichen von "Anthems To The Welkin At Dusk" standen, dürfte man heute ein abwechslungsreiches Set mit Überraschungen und raren Tracks abseits der Evergreens erwarten...d.h. zumindest fast, denn nach dem selten aufgeführten Opener folgen zunächst vier "Anthems"-Klassiker, bevor Ihsahn und Co. wieder in die Jubiläums-Wundertüte greifen.

Während eine kurze Videosequenz das Geschehen überblendet, räumen Basser Secthdamon und Drummer Trym Torson das Feld, um Platz für den bevorstehenden Gastauftritt der ehemaligen EMPEROR-Mitglieder Mortiis und Faust zu machen. Mit den Musikern, die Anfang der Neunziger zu jeweils unterschiedlichen Zeiten in der Band waren, werden zunächst das BATHORY-Cover "Call From The Grave" und "Wrath Of The Tyrant" vom gleichnamigen 1992er Demo gespielt. In rotes Licht gehüllt reist die Band zurück in die Anfangstage ihres eigenen Schaffens und ihres Genres.

Nach einer erneuten Umbaupause kehrt unter dem Deckmantel der eingeblendeten Videosequenz das aktuelle Lineup zurück auf die Bretter und führt mit dem "IX Equilibrium"-Klassiker "Curse You All Men!" die Werkschau fort. Und nachdem auch Album Nummer drei entsprechend gewürdigt wurde, geht es mit "The Majesty Of The Nightsky" und den obligatorischen Hits "I Am The Black Wizards" und "Inno A Satana" zurück zum Debüt "In The Nightside Eclipse". Alt-Drummer Faust ist hier wieder für zwei Songs hinter den Kesseln zu sehen. Während der letzten Tracks wird der Mitschnitt fortwährend von transparenten Videosequenzen überlagert. Mal scheint es so, als spielte die Band unter einem freien, vom Nordlicht beleuchteten Himmel, ein anderes Mal sieht man die Krähen über Ihsahns Kopf hinweg fliegen...und noch ein anderes Mal scheint einen der abrupte Licht- und Bildwechsel einfach nur zu überfordern.

Obwohl EMPEROR nicht zu den effektverliebtesten Bands gehören und ihren Fokus mehr auf die Musik als auf Bühnenspektakel legen, bemühen sie sich, dieser in jeder Hinsicht speziellen Show die nötige Würze zu verleihen - auch vor dem Hintergrund, dass das Publikum in der Ferne um zahlreiche Facetten einer Liveshow beraubt wird und die entstehenden Lücken in irgendwie geeigneter Weise gekittet werden müssen.

Nachdem die Zugabe "Ye Entrancemperium" und das vom Band laufende "The Wanderer" die Show schließlich beenden, lasse ich das Erlebte kurz sacken. Die Tracklist hätte für das angekündigte Potpourri ein wenig verspielter sein können - aber was will man sagen? Ohne die geliebten Klassiker der beiden Erstwerke lässt man Ihsahn und Co. auch nicht von der Bühne und das weiß jeder. Dass der Schwerpunkt der gespielten Songs demnach auch heute auf diesen Alben liegt, ist vielleicht in Anbetracht der erwarteten Querbeet-Setlist in unerheblicher Weise enttäuschend, aber nachvollziehbar.

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ein Livestream nicht dasselbe ist wie ein richtiges Konzert...ebenso wenig, dass hier einiges fehlt...seien es die wohligen Vibrationen unter den Füßen, der Geruch der Rauchfontänen oder die rohe Energie, die heute auf dem Weg vom Notodden Teater zum heimischen Fernsehsessel unweigerlich dissipiert. Aber wie eingangs erwähnt ist es noch nicht an der Zeit für die lang ersehnte Vollkontaktromanze und es wäre falsch, unsere geschätzten Bands in diesen Zeiten nicht zu unterstützen. Vielmehr sollte man Notiz davon nehmen, dass sie noch immer da sind, dass sie nicht untätig sind, dass sie nicht aufgeben. In diesem Sinne gilt: EMPEROR haben das Beste aus der gegebenen Situation gemacht und ihrem Jubiläum eine angemessene Show spendiert. Mögen wir uns unter besseren Umständen wieder sehen, denn in folgendem Punkt nehme ich Ihsahn beim Wort:

"Next time we'll see you at a real stage out there, right?"

Tracklist:

  1. In The Wordless Chamber
  2. Thus Spake The Nightspirit
  3. The Loss And Curse Of Reverence
  4. The Acclamation Of Bonds
  5. With Strength I Burn
  6. Call From The Grave (BATHORY-Cover, with Faust & Mortiis)
  7. Wrath Of The Tyrant (with Faust & Mortiis)
  8. Curse You All Men!
  9. The Majesty Of The Nightsky
  10. I Am The Black Wizards (with Faust)
  11. Inno A Satana (with Faust)
  12. Opus A Satana
  13. Ye Entrancemperium
  14. The Wanderer


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