17.10.2021, Rockhouse-Bar, Salzburg

SIX-SCORE + DIE MITTAGSPAUSENBAND + HARROWIST

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 20.10.2021

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Wie wäre es mit ein wenig Grindcore-Geprügel, um sich am Sonntagabend zwecks Lauschlappen-Reset die Gehörgänge wieder mal ordentlich durchschmirgeln zu lassen? Die Salzburger Rockhouse-Bar hilft und serviert SIX-SCORE und HARROWIST, sowie den Pausenfüller DIE MITTAGSPAUSENBAND. Für die exquisite Underground-Bedienung, die als Ersatz für die kürzlich verschobene EKTOMORF-Tour diente, bequemten sich dann auch erfreulich viele Zuschauer in die Bar und bemühten sich nach Kräften, die Nackenmuskeln möglichst gründlich zu zerstören.


Schon bei HARROWIST, die einen wütenden stilistischen Bastard auf Basis hämmernden Hardcores auf die Zuschauer losließen, gab es auch allen Grund dazu, sich den Schädel gepflegt von den Schultern zu schrauben. Das räudige Gerumpel, das das kleine Schreiberlein schon auf Platte in einen Schwebezustand zwischen Verstörung und Verzückung versetzte, entwickelte live einen extrem ins Gebälk fahrenden Drive, dem man sich nur schwer entziehen konnte. Das lag vermutlich auch daran, dass der sich vollkommen in der Musik verlierende und extrem abgehende Sänger gut die Hälfte der Spielzeit mitten im Publikum unterwegs war und den Zuschauern dort Aug in Aug ins Gesicht plärrte. Der Ausrastfaktor übertrug sich so von der Bühne schnell ins Publikum, wo die Leute sichtlich Spaß an dem kompromisslosen Weltuntergangsgeshredder hatten. Was für ein Auftakt!


Kurz und knackig planierte als nächstes DIE MITTAGSPAUSENBAND die Gehörgänge und prügelte sich mit Wonne (und überschneidendem Lineup mit den später folgenden SIX-SCORE) durch eine Viertelstunde feinsten Lärm, irgendwo zwischen Grindcore, Noise, Punk und wasweißichnoch. Hauptsache schnell, Hauptsache kurz, Hauptsache komplett irre. Und weil CDs scheiße und überhaupt nur Kassetten das Wahre sind, bekam das Publikum einen Packen Schrott-Scheiben zur kollektiven Zerstörung ausgeteilt – was auch pflichtbewusst geschah. So schön kann komplett entrückte tonale Eskalation sein. Die Zuschauer waren zwar verwirrt von der kurzen Darbietung, doch vermutlich genauso schockverliebt wie ein kleines, breit grinsendes Schreiberlein.


Und weil das alles noch nicht genug war, durften sich hernach noch SIX-SCORE auf der Bühne austoben und den kümmerlichen Rest der Flimmerhärchen, die die vorhergehenden Bands gerade so überstanden hatten, auch noch konsequent zu Tode trümmern. Dass dabei im Eifer des Gefechts so mancher Mikrofonständer durch die Gegend flog und vor Hingabe gefühlt die halbe Bühne abgeräumt wurde, bekamen die wenigsten wirklich mit – zu beschäftigt war man damit, sich zu der totalen aurikulären Zerstörung auch noch die letzte Gehirnzelle aus dem Schädelinnenraum zu schütteln. So lang es laut ist, so lang es schnell ist und so lange es klingt, als würden gerade alle zur Verfügung stehenden Instrumente die Kellertreppe hinabgeworfen werden, braucht man sich keine Sorgen um die Zukunft machen – der Grindcore wird uns weiterhin begleiten und großen Spaß bereiten. Natürlich nur, wenn man ein klein wenig masochistisch veranlagt ist – aber dann kickt das Gerumpel so richtig schön, genau wie SIX-SCORE an diesem Abend.
 

Wer danach noch etwas anderes als weißes Rauschen mit seinen Lauschlappen empfangen konnte, der war wohl am falschen Konzert. Jetzt ist alles auf Werkseinstellungen zurückgesetzt – was gibt’s als nächstes?

Vorm nächsten Konzert, gibt es aber erst einmal weitere Shots des Konzertes bei Images Of Pain And Pleasure.


WERBUNG: Hard
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