06.11.2021, OKH, Vöcklabruck

The Sinister Feast 2021

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 10.11.2021

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Ein nebelig-kalter Novemberabend ist wohl die perfekte Kulisse für ein Black Metal Konzert – und genau so präsentierte sich auch die Kulisse rund um das OKH Vöcklabruck beim Sinister Feast 2021. Fünf Bands aus diversen schwarzmetallischen Strömungen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das fast ausverkaufte OKH in Finsternis zu tauchen und schafften dies auch hinreichend, trotz einer kurzfristigen Lineup-Änderung. Die Locals SYNKENDE mussten aus gesundheitlichen Gründen leider passen, dafür sprangen spontan und mit nur zwei Tagen Vorlaufzeit die Grazer LEHM ein.


Letztere eröffneten dann auch den Reigen aus fünf Bands, mit schweren, langsamen Klängen, die die bereits zahlreichen Besucher zu Boden schmetterten. Zwischen finster dröhnenden Riffs, sehr seltenen, aber wirkungsvollen Ausbrüchen wütender Raserei, Grunzen, Screams und mystischem Cleangesang lieferten LEHM einen kantigen stilistischen Bastard, der in seiner monolithischen Dichtheit wohl einige Zuschauer so früh des Abends ein wenig überforderte.


Dafür hatte man direkt im Anschluss bei PLAGUEPREACHER Gelegenheit, sich stumpf die Birne wegzuschießen – in bester TAAKE-Manier rüpelten die Salzburger corpsegepaintet, blutbeschmiert und mit geschändetem Kreuz und frischer Leber garniert über die Bühne des OKH. Dass der entrückte Zeremonienmeister des Grauens dabei nicht nur Noten, sondern auch feststoffliche Stoffwechselzwischenprodukte ins Mikrofon kotzte, sich seiner Leber (der tierischen außerhalb des Körpers, nicht der fest verbauten – was denkt ihr bitte?!) halb im Publikum und halb im Backstagebereich entledigte, musste nun nicht unbedingt sein, aber dafür konnte man musikalisch nicht maulen. Es gab einfach durchgehend und räudig auf die Zwölf, wie es sich gehört.


Durchgängig auf die Zwölf gab es auch bei den heimlichen Headlinern GROZA, die das Publikum vollzählig vor der Bühne versammelten und sich in kleidsame Kapuzen und geheimnisvolle Düsternis gehüllt von ihrer besten Seite zeigten. Die Reaktionen des Publikums auf den hämmernden, durchaus melodischen Schwarzmetall erster Güte sprachen Bände, wurden doch reihum die Haarpropeller angeschmissen und fleißig im rasenden Rhythmus mit skandiert. Fetter Sound und die stimmige Lichtshow unterstrichen den bockstarken Auftritt, der von den zahlreichen Zuschauern gebührend abgefeiert wurde.


WALDGEFLÜSTER, die erst vor Kurzem ihr neues Album „Dahoam“ veröffentlichten, schlugen dann in eine etwas differente, deutlich atmosphärischer geprägte und stark lokalkolorierte Kerbe, was sich nicht nur an der detaillierten, liebevoll drapierten Bühnendeko und der naturverbundenen Gewandung zeigte. Mit deutschen Texten, auf dem brandneuen Vollrund sogar in bajuwarischem Idiom vorgetragen, hoben sich die Deutschen deutlich vom einheitlichen Schwarzmetall-Gebräu ab und konnten das Publikum mit einem äußerst starken Set zu ähnlichen Begeisterungsstürmen hinreißen, wie zuvor schon ihre Landsleute von GROZA.


Durch die von der zweiten Band verschuldete Verzögerung, verschob sich das Programm kontinuierlich ein wenig nach hinten, sodass die Italiener von ENISUM erst etwas verspätet beginnen konnten und die Zuschauer ob der fortgeschrittenen Stunde leider schon ein paar Ausfallserscheinungen zeigten. Dabei hätte das atmosphärische, gekonnt zwischen hingebungsvoller, hauptsächlich mit Growls anstatt Screams unterlegter Raserei und fragilen Akustikpassagen mäandernde Liedgut deutlich mehr Aufmerksamkeit und Applaus verdient – so mussten die Italiener trotz hingebungsvoller Performance mit vergleichsweise magerem Beifall zufrieden geben.
 

Das Sinister Feast 2021 präsentierte sich blendend organisiert und vereinte unter seinem Banner eine schöne stilistische Variation aus schwarzmetallischen (oder dergestalt geprägten) Stilen , die die meisten Freunde der nihilistischen Klänge zufrieden stellte und bisweilen sogar in helle Verzückung versetzte. Friedliche, allseits gut gelaunte Stimmung und der noch am MNO so schmerzlich vermisste Leberkas (Original Leberkas-Pepi!!!) machten den so ziemlich perfekten Konzertabend komplett. Da freut man sich auf eine weitere Ausgabe!

Eine erweiterte Fotogalerie des Festivals findet ihr bei Interesse wieder einmal bei Images Of Pain And Pleasure.


WERBUNG: Hard
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