22.04.2022, Tilburg,

ROADBURN 2022 - TAG 2 - ALCEST + WIEGEDOOD + GGGOLDDD und mehr...

Text: Werner Nowak | Fotos: Werner Nowak
Veröffentlicht am 02.05.2022

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Tag 2 Roadburn - los geht's gleich kurz nach Mittag mit einer musikalischen Gnackwatschn (für nicht Ösis: eine Genickschelle) bei LLNN im Engine Room. Der Post-Metal der Dänen hat im Nu jegliche Müdigkeitserscheinungen aus den Köpfen geblasen, die trotz der frühen Stunde schon zahlreich im Takt nickten!

Danach gings nebenan im The Terminal musikalisch ähnlich wuchtig weiter, PRIMITIVE MAN aus den Staaten zelebtrierten ihren "Death-Doom" hinter einer ordentlichen Nebelwand und man konnte die Musiker teilweise nur erahnen. Und so zäh wie der Dunst über die Bühne wabberte, so gestaltete sich auch die Musik - slow, deep & hard.

Die "Hall of Fame" wird gerade renoviert, und so wurde kurzerhand ein Zelt aufgestellt und unter diesem Titel als Venue genutzt. Für SEVERANT hab' ich mich dann kurz in diese doch recht kleine Location gequetscht, der 70s-mäßige Hardrock-Sound war zwar ganz ok, aber nicht umwerfend.

Danach ging's wieder in die Innenstadt zur Mainstage. Auf das nächste Roadburn-Only-Projekt war ich dann aber schon sehr gespannt: "Final Light" von JAMES KENT (PERTUBATOR) & JOHANNES PERSON (CULT OF LUNA), ursprünglich bereits für 2020 geplant, fand nun endlich den Weg auf die große Bühne.
Wie wohl Dark Synth meets Post Metal klingen mag? Tja, die Frage war relativ schnell beantwortet: in etwa so wie GODFLESH. Harte Gitarren, Growls und darunter wummernde Elektronik. Die beiden Künstler wurden von 2 Drummern unterstützt und die minimalistischen Visuals und Lichteffekte passten auch sehr gut zum Sound. Es war schon gut, aber soundtechnisch hat mir dann doch etwas der "Wow"-Effekt gefehlt.

Ein kurzer Wechsel in die Next Stage zur nächsten Band ZETRA. Das Duo kommt optisch als "Chain & Spike Goths" rüber, musikalisch klingen sie wie eine poppigere Version von TYPE O NEGATIVE. War eigentlich ganz ok!

Auf der Hauptbühne standen dann WIEGEDOOD am Programm. Deren vor kurzem erschienenes Album "There's Always Blood At The End Of The Road" hat tolle Kritiken bekommen und wurde hier live präsentiert. Ein Black Metal Feuerwerkt der Extraklasse.

Danach boten BLAK SAGAAN nebenan noch etwas Krautrock feil, war aber nicht ganz mein Cup of tea.

Auf der Mainstage hatte sich inzwischen auch einiges getan, zahlreiche Stühle und Podeste kündigten eine spezielle Umsetzung des bereits im Zuge der Online-Redux-Ausgabe aufgeführten Auftragsalbums "This Shame Is Not Mine" von GGGOLDDD (vormals nur GOLD) an. Leider hat dieses Album einen sehr ernsten Hintergrund: die Sängerin Milena Eva verarbeitet die traumatische Erfahrung einer Vergewaltung, die sie im Alter von 19 Jahren erleben musste. Das Konzert war dann auch ein sehr intensives Erlebnis. Milena, in ein schwarzes Kleid gehüllt (zu Beginn auch noch mit Schleier), am vorderen Bühnenrand, die Musiker alle mit Abstand dahinter, die Szene nur spärlich erhellt von einzelnen Lichtkegeln. Durch ihre großartige Stimme hatte sie aber sofort eine eindrucksvolle Präsenz, die von der Musik noch unterstützt wurde. Neben den klassischen Rock-Instrumenten kamen bei einigen Nummern auch fünf Violinistinnen zum Einsatz, was zu einem Art Strings-Trip-Hop-Post-Rock führte. Ich fand es wahnsinnig toll!

KARIN PARK trat zum ersten Mal auch als Solokünstlerin auf (ihr gemeinsamer Auftritt mit LUSTMORD musste leider abgesagt werden), mit ÅRABROT spielte sie bereits 2018 am Roadburn. Und ihre Werke, die über einen Zeitraum von 20 Jahren an verschiedensten Plätzen auf diesem Planeten entstanden, konnten überzeugen. Teils kamen die Sounds von allerlei elektronischen Gerätschaften, teils von einem Harmonium. Wer mit ANNA VON HAUSWOLF, BJÖRK oder DIAMANDA GALAS etwas anfangen kann, sollte hier mal reinhören!

Über die Blackened Shoegaze Metaller ALCEST braucht man nicht viele Worte verlieren, sie waren bereist zum dritten Mal Gast beim Roadburn. Das Album "Écailles De Lune" aus dem Jahr 2010 wurde an diesem Abend live gespielt.

Manchmal liest sich die Beschreibung deutlich besser, als das, was einen dann erwartet. Eine Live-Performance des Albums "Hexentanz" der Künstlerin ALICE HUBBLE stand in der Next Stage am Programm.
Das dargebotene konnte mich auf Dauer nicht so ganz begeistern. Denn statt dem erwarteten Witch House gabs relativ banalen Synthie-Pop, mit teilweise etwas zu nervigem Gedüdel und Gefiepe.

Secret Gigs haben auch Tradition am Roadburn, einige Acts werden erst im Zuge des Festivals angekündigt!
Die Kooperation von THOU und MIZMOR war ein derartiger Überraschungsgig, der auch auf dem Album "Myopia" nachzuhören ist. Hier treffen Sludge und Doom auf Black Metal. Und das funktioniert grandios!

Gespannt war ich auf HEALTH, die ich bis dato noch nie live gesehen hatte, auf Tonträger aber großartig finde!
Und sie waren auch in Fleisch und Blut eine Wucht! Ein treibendes Schlagzeugspiel, ein Berserker, der springend und headbangend Bass und Electronk bedient und dazu ein Gitarrist, der über die brachialen Sounds mit einer Stimme, die an Neil Tenant von den PET SHOP BOYS erinnert, die Vocals beiträgt. Tag 2 war mit diesem Konzert fertig! Und ich auch.


WERBUNG: Hard
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