17.06.2022, Clisson, Clisson

HELLFEST 2022 - "Einmal Hölle und zurück"- die Story

Text: Werner Nowak | Fotos: Werner Nowak
Veröffentlicht am 04.07.2022

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HELLFEST – einmal Hölle und zurück - die Story

Ich hasse Hitze!
Ich hasse Dreck!
Ich hasse Menschenmassen!
Ich hasse Schlangestehen!

Warum zum Teufel fahren wir dann also auf das (inzwischen wohl) größte Metal-Festival in diesem Universum? Ganz einfach: weil man sich als Metalhead dieses Gitarren-Disneyland zumindest einmal im Leben anschauen sollte! Und da muss man dann durch! ;-)

Ich werde Euch in diesem Artikel meine persönliche Geschichte zum Hellfest erzählen. Die Live-Fotos und ein paar Anmerkungen zu den Band-Performances kommen dann noch in zwei extra Artikeln!

Also nun mal der Reihe nach! Große Festivals sind schon länger nicht mehr so mein Ding, aber dieses Hellfest hatte ich seit einigen Jahre auf der Bucket-List. 2019 also versuchte ich mein Glück, Tickets für 2020 zu ergattern. Und es hat nach zwei Versuchen in der Warteschlange (einmal Startnummer 90.000 und nach einem Freeze der Seite nochmal mit 120.000 gestartet...) dann auch tatsächlich geklappt!

Und da ich um Konzerte und Festivals auch gerne einen Urlaub rundherum plane, stand somit für das darauffolgende Jahr ein Roadtrip Schweiz-Italien-Frankreich am Plan! Im Jänner 2020 wurden dann auch die Strecke ausgetüftelt, Sehenswürdigkeiten recherchiert, Haltepunkte festgelegt und alle Hotels schon vorgebucht. Und dann, Puff, war die Welt plötzlich eine ganz andere…

Tja, verdammter Dreck aber auch. 2021 gab‘s auch noch eine Verschiebung und dann – zack – die Ankündigung für ein Mega-Hellfest mit nochmal zusätzlichen 4 Tagen und somit insgesamt an die 350 Bands! Wow, da fiel mir mal die Kinnlade runter! Aber hey, das machen wir auf jeden Fall auch noch mit, sind eh drei Tage Pause dazwischen!

Und dann war meine Überlegung: so viele Bands auf einem Haufen, da wäre Fotografieren auch toll. Aber auch stressig. Also um Fotoakkreditierung ansuchen oder etwas entspannter als Gast hinfahren? Ach was, ich ärgere mich sicher, wenn ich dann ohne Kamera in der Gegend rumstehe. Also, volles Programm! Aber auf keinen Fall die die Hardcore-Variante mit Camping, sondern mit einem Hotel in Nantes.

Aus Zeitgründen ging sich der ursprünglich geplante Roadtrip nun aber leider nicht mehr aus. So ging es dann mit dem Nachtzug nach Paris (leider auch nicht ganz problemlos, da in Straßburg Endstation war und wir mehrere Stunden auf einen Ersatzzug für die letzte Teilstrecke warten mussten). Nach einem kurzen Abstecher nach Disneyland (da hatten wir noch zwei Übernachtungen von der alten Reise über) fuhren wir dann zum persönlichen Einsatz-Stützpunkt nach Nantes. Dort sollte man sich auf jeden Fall auch die Les Machines de l'île und den Steampunk-Elefanten anschauen! Das ist auch ein kleines Städtchen und liegt ca. eine halbe Zugstunde von Clisson entfernt.

Beim Festival gab es bereits am Donnerstag die ersten Warmup-Shows. Die haben wir aber noch ausgelassen, denn das Programm am Freitag war auch schon sehr umfangreich. Bereits um 10:30 Uhr am Vormittag standen die ersten Bands auf der Matte! Das war uns aber noch deutlich zu früh. Wir hatten dann einen Zug nach 11:00 Uhr und da liefen schon einige „Hellfesti“ am Bahnhof herum, teilweise mit Sack und Pack für das Camping-Leben.

Der Zug war dann auch gut voll und so ging‘s zum ersten Mal nach Rock-City! Dort angekommen hatte man die Wahl, die gut zwei  Kilometer vom Bahnhof zum Festivalgelände zu marschieren oder eines der Shuttles gegen einen Obolus von 3 € zu nehmen. Blöderweise waren das nur eine Handvoll kleine Busse mit 8 Personen-Kapazität. Und wenn dann so ein Zug 150 Leute ausspuckt, dauert das eine Weile, bis die alle abtransportiert sind. Gut, darauf mussten wir uns gleich mal einstellen, für die nächsten Tage. Mal ging es flotter, mal musste man bis zu 45 min. warten.

Aber immerhin war man innerhalb weniger Minuten (fast) beim Festivalgelände. Ein kleines Stück musste man dann noch durch eine Straße mit Einfamilienhäusern gehen. Und das gab‘s dann schon in manchen Einfahrten Labestellen mit Essen und Trinken oder der Vorgarten wurde als Campingplatz vermietet. So haben die Anrainer dann auch noch was davon. ;-)

Ursprünglich gab‘s ja in dem kleinen 7.500 Seelen Städtchen Clisson Widerstand gegen das Festival. 2002 fand dort zum ersten Mal der Vorgänger „Furyfest“ statt, nach einigen Orts- und Veranstalterwechseln gab‘s dann allerdings erst wieder 2006 das seitdem unter dem Titel „Hellfest“ laufende Event. Und von Jahr zu Jahr zog es mehr Headbanger an! Nun sind wohl auch die Einwohner großteils mit an Bord!

Nach dem kurzen Fußmarsch fällt schon eine riesige Gitarre vor dem Eingangsbereich auf, und da prangt dann auch schon das „Hellfest“-Logo am Durchgang, sowie eine Säule mit dem Schriftzug „Hellcome“. Übergroße Effektgeräte stellen die Info-Schalter dar, und der Durchgang zum Presse/VIP-Bereich ist ein riesiger Orange-Amp!

Als Presse- & Fotomensch hatte man noch einen entscheidenden Vorteil: den Express-Eingang zum Gelände und den Extrabereich für Medienleute und VIPs! Und der war echt genial! Ein eigener kleiner Pool, Liegestühle, WC-Container, eine Giger-meets-Kutna-Hora mäßige kleine Halle mit einer meterlangen Bar, Videowall und sogar Flipper und Arcade-Automaten!

Nachdem dieser erste Eindruck schon mal einen mächtigen Wow-Effekt hatte, wurde dann erstmals das restliche Festivalgeländer erkundet. Zumindest kurz, denn für die Besucher sollte noch eine weitere Prüfung hinzukommen: für Freitag und Samstag waren 40 Grad Hitze angesagt! Oh Mann, das gleich an den ersten beiden Tagen! Aber es hilft nix: ordentlich Sonnencreme auf den Kadaver, Hut aufsetzen und besser reichlich Wasser statt Bier in die Figur schütten, damit man nicht als Brand- oder Kollaps-Opfer endet…

Gleich beim Ausgang vom VIP-Bereich befanden sich die drei Zelt-Bühnen: Temple, Altar und Valley. Bei ersterer waren in erster Linie Bands aus dem Black Metal Bereich zu finden, sowie Dark/Nordic Folk, bei zweiterer gings für Death- und Thrash-Fans ordentlich ab, und im Valley geigte die Stoner- und Sludge-Fraktion auf, sowie alles was sonst nicht so einfach zu schubladisieren ist. Der nächste Live-Bereich war die „Warzone“, dort fanden Hardcore und Punk ein Zuhause. Optisch ist die ganze Umgebung dem Namen entsprechend wie ein Militärlager aus dem Vietnam-Krieg gehalten, mit Wachtürmen, LKW und Hubschrauber.

Auf dem Weg dorthin kommt man auch bei den zwei Foodcourts vorbei, wo jede Menge Fressstände auf die hungrige Kundschaft warten. Preislich für ein Festival und französische Verhältnisse war es eigentlich ganz ok. Das Preis/Leistungsverhältnis hat halt nicht immer gepasst. Aber als Pflanzenfresser hat man zwischen 8 und 12 € für eine Mahlzeit gezahlt. Überraschend günstig war allerdings das Bier: 0,56 Liter vom einheimischen Kronenbourg gab‘s um 6 €, das halbe um 3 €. Und auch die offiziellen Festival-Shirts waren mit 22 € durchaus im akzeptablen Rahmen! Allerdings herrschte bei Merch-Gebäude meist großer Andrang, etwas Geduld und Hitzeverträglichkeit war hier gefragt!

Bezahlt wurde Essen und Trinken übrigens cashless. Dazu musste man vorher online einen Account anlegen, sein Ticket registrieren und den gewünschten Betrag aufbuchen (das war auch jederzeit später möglich, sogar über die Hellfest-App). Beim Eingang gab‘s dann ein Armband mit einem Chip, den man zum Bezahlen nutzte. Ganz easy, hat super funktioniert und den Restbetrag konnte man wieder rückbuchen!

Neben reichlich Flüssigkeit war auch Schatten wichtig! Etwas davon fand man in einem kleinen Wäldchen, das direkt vor der Warzone gelegen war. Oder man holte sich etwas Abkühlung in der „Waschstraße“: das waren zwei hohe Bögen, die einen permanenten Wasservorhang bildeten. Einer davon konnte sogar Muster und Schriftzüge darstellen. Sehr cool vor allem in der Nacht mit Beleuchtung!

Nach Einbruch der Dunkelheit war das Gelände dann nochmal beeindruckender!
Alles ist hier auf „Metal-Style“ getrimmt, sogar die Mistkübel sind übergroße Totenschädel, es gibt Schrottuhren, übergroße Sitzknochen und noch mehr Totenschädel, groß und kleine. Und die Gebäude für Bars, Merch und sogar Toiletten sind im postapokalyptischen Mad-Max-Stil mit viel Stahl und Rost gehalten und mit Gaslichtern an der Fassade ausgestattet. Von Zeit zu Zeit spucken sie von den Dächern sogar große Flammenfontänen in die Luft. Ebenso wie ein großer durchlöcherter Metall-Ball. Echt abgefahren!

Aber wir sind ja noch gar nicht am Ende vom Rundgang! Es fehlen noch die Hauptbühnen. Derer gibt es zwei, die stehen nebeneinander und sind nach einem kleinen Fußmarsch zu erreichen. Und am Weg dorthin kommt man auf der rechten Seite noch beim „Club und Logen“-Bereich vorbei. Der ist dann wohl für die extra gut betuchten und dekadenten Rocker gedacht. Hier kann man gemütlich von einer Terrasse oder privaten Loge das Geschehen auf den Mainstages beobachten, ohne mit dem gewöhnlichen Metal-Pöbel in Kontakt zu kommen! ;-)

Aber das war auch noch nicht alles! Es gab vor dem Bühnengelände noch den Hellcity-Square mit etlichen Shops, Bars und Foodtrucks sowie den Metalcorner, wo ebenfalls Speis und Trank zu finden waren. Und auch noch jeweils eine Live-Stage, wo eher lokale Bands aufgetreten sind.

Laut Plan wäre dann auch noch der rieeeeesige Campingplatz gekommen, den hab‘ ich dann aber nicht mehr besichtigt.

Und dann gab es dieses Jahr auch noch eine ganz besonderes Ereignis: Zu Ehren von Ian "Lemmy" Kilmister, den 2015 verstorbene Gründer von MOTÖRHEAD, wurde eine zwölf Meter hohe und viereinhalb Tonnen schwere Statue der französischen Künstlerin Caroline Brisset am Gelände aufgestellt (und aus der Zigarette kommt sogar ab und zu Rauch!). In der monumentalen Plastik wird auch ein Teil der Asche der britischen Rock-Legende aufbewahrt und erinnert nun bei jedem Hellfest an die Legende. Eingeweiht wurde das Monument am 23. Juni im Zuge einer Zeremonie mit Motörhead-Schlagzeuger Mikkey Dee und Gitarrist Phil Campbell. Ich war an dem Tag leider nicht mehr so lange am Gelände…

Abschließend kann ich noch sagen, von den Besuchern her sehr angenehm, die Idiotendichte war sehr gering. Auch vom Müll war es sehr akzeptabel. Das Essen wurde in Pappe mit Holzbesteck ausgegeben (Ausnahmen waren teilweise Plastikdeckel) und es landete so gut wie alles in den Mülleimern! Die Getränke gab‘s in dicken Plastikbechern, leider ohne Rückgabemöglichkeit und Pfandsystem. Da wäre noch wünschenswert gewesen. Am zweiten Wochenende gab‘s an den ersten beiden Tagen etwas Regenschauer, da war dann auch der Boden etwas matschig. Es ist aber nicht in eine Schlammschlacht ausgeartet, und es war am Samstag schon fast wieder trocken.

Auch zur allgemeinen Organisation und zum Ablauf muss man sagen: Cowboyhut ab! Der Zeitplan wurde großteils auf die Minute genau eingehalten, ganz selten gab es ein paar Verspätungen. Das ist wirklich bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass da teilweise in einer Stunde ein aufwändiger Bühnenaufbau durch einen anderen ersetzt werden musste bzw. es auch Komplikationen mit der Anreise der Bands (Flugverspätungen, etc.) gab bzw. auch komplette Ausfälle im Vorfeld.

Etwas mühsam war es mit den Bahnhofshuttles, da waren einfach zu wenig im Einsatz und zu den Rush-Hours musste man sich früh genug um eine Rückfahrt kümmern, da auch die Zugverbindungen in der Nacht nicht so optimal waren. Und trotz wirklich zahlreicher Toiletten eskalierte zu späterer Stunde dann auch hier etwas die Situation, wie üblich vor allem bei den Damen.

Für uns also ein durchaus herausforderndes und anstrengendes Festival, aber mit sehr viel positiver Energie und einzigartigen Eindrücken! Wir kommen wieder, Hellfest & Clisson Rock City!

Schaut wieder vorbei für die Live-Fotos zu Hellfest Pt. 1 & 2!


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