29.06.2022, Posthof - FrischLuft-Bühne, Linz

STEVE VAI

Veröffentlicht am 04.07.2022

Mein letztes Posthof-Konzert im Oktober 2019 mit den TRUCKFIGHTERS und MOTHER’S CAKE ist nun schon eine Weile her. Als regelmäßiger Besucher von Underground-Shows, wie sie in der KAPU oft stattfinden, war ich erst vor zwei Wochen von der Post-Metal-Instrumentalband PELICAN sehr angetan, die genau dort mit ihrem schweren Groove alles niederrissen: Definitiv ein Konzerthighlight mit unter hundert Gleichgesinnten. Ein paar hundert mehr waren dann am besten Arena-Open Air aller Zeiten mit dem Package MASTODON, KVELERTAK und BARONESS anwesend. Die KVELERTAK-Show im Jahr 2018 ließ mich in Erinnerungen an deren intensiven Auftritt im mittleren Saal des Posthofs schwelgen.

Die Ankündigung des Konzerts des Gitarrenhelden STEVE VAI im Linzer Posthof als Open Air bescherte mir schon einige Freudentränen, durfte ich einen der besten Gitarristen der Welt doch bisher noch nie live bewundern (im Gegensatz zu meinem persönlichen Favoriten JOE SATRIANI 2013 im Gasometer). So stieg die Vorfreude wahrscheinlich auch bei den restlichen Konzertbesuchern von Tag zu Tag. Nach einigen bereits erlebten Starkregengüssen in den letzten Wochen hoffte natürlich jeder, dass uns der Wettergott bei einem Open-Air-Konzert wohlgesonnen sein wird. Die Hoffnung an diesem Abend starb zuletzt.

Geplanter Konzertbeginn des Support Acts, der NICOLAS MEIER WORLD GROUP, war 19 Uhr. Damit STEVE VAI jedoch um 20 Uhr pünktlich auf der Open Air Bühne starten konnte, wurde aufgrund extremer Regengüsse vor Konzertbeginn die Show des Openers in das Foyer des großen Saales verlegt. Aufgrund der Wettersituation durchaus verständlich. Den äußerst sympathischen Bandleader NICOLAS MEIER mit seinen zwei Weggefährten am E-Kontrabass und an der Percussion schien dies nicht weiter zu stören.

Start war somit um ca. 19:20 Uhr – exakt zu der Zeit, zu der ich erst eingetroffen war. Das Gratis-Bier an der Bar als Entschuldigung für die Verzögerung ließ ich mir dann umso mehr schmecken. Für die ca. 30 Minuten dauernde  Aufführung von virtuosen Klängen auf der Akustikgitarre, konnten sich doch einige Konzertbesucher erwärmen. Der gebürtige Schweizer NICOLAS MEIER, der wohl eher kleinere Clubs gewöhnt ist, fand es natürlich schade, nicht auf der großen Bühne zu spielen, ließ seine Freude, auf der Tour von STEVE VAI für ihn eröffnen zu dürfen, aber durchwegs spüren.

Um Punkt 20 Uhr startete VAI sein Set mit dem starken Opener „Avalancha“ vom neuen Album „Inviolate“, was genau meinen Geschmack traf: Ein einprägsames Gitarrenlick, coole Riffs, dynamische Drums und fetter Bassgroove. Ich befand mich bei den ersten Tönen noch in der kurzen Warteschlange zum Open Air Gelände, auf dem die Sitzplätze noch bei mäßigem Regenfall erst besetzt werden mussten. Einige Besucher und auch ich nutzten aber die Gelegenheit, sich als Stehplatzgäste zu positionieren.

„Giant Balls Of Gold“ bediente die heavy Groove-Schiene weiter und verzückte mich schon mal ob dieses starken Konzertstarts. Mit dem neuen Track „Little Pretty“ ging es VAI dann etwas ruhiger an, was er mit dem langsamen Klassiker „Tender Surrender“ fortführte. Eh schön für Genießer, zumindest das grenzgeniale Solo hätte mich vom Hocker gerissen, wenn ich gesessen wäre. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass ich einfach STEVE VAI beim Spielen zusehen und mir von den Songs nicht zu viel erwarten sollte.

Die Ansagen des bereits 62-jährigen Maestros und auch seine Bühnenpräsenz waren aber durchwegs sympathisch. Auch seine Bandmitglieder Dave Weiner an der zweiten Gitarre und am Keyboard, Philip Bynoe als Groovemonster am Bass und Jeremy Colson am Schlagzeug ergänzten einander wunderbar. Dem Zusammenspiel zuzusehen und zuzuhören war schon ein Traum – vor allem bei durchgehend einwandfreiem Sound der Open Air Bühne.

Weiter ging die Show mit „Candlepower“, das sich unter anderen Spieltechniken durch gefühlvolle Flagoletts auszeichnet. Erst mit der grenzgenialen Tapping Einlage bei „Building The Church“ wurde das Publikum wieder mit härteren Tönen umgarnt. Darauf folgte mit „Greenish Blues“ etwas für Blues-Enthusiasten.

Das Warten auf ein grandioses Finale begann für mich nach einer knappen Stunde. Bei STEVE VAIs letztem Posthofkonzert 2013 waren zumindest mehr Songs vom Referenzwerk „Passion And Warfare“ dabei. Das damals dreistündige Konzert – eine Dauer, von der ich dieses Mal nicht ausging – bot in der Setlist auch einige starke Songs vom damaligen aktuellen Album „The Story Of Light“, wovon es 2022 nichts zu hören gab.

Mit „Bad Horsie“ gab es dann wieder eine fetzige Rock-Nummer, dessen Ursprungsriff vom legendären „Crossroads“-Film stammt, was auch durch Filmausschnitte an der Videowall passend illustriert wurde. Weiter ging es danach wieder mit balladesken Tracks wie „I’m Becoming“, dem 9-Minüter „Whispering A Prayer“ und „Dyin’Day“ - als homogen empfand ich persönlich die Setlist leider nicht.

Erst mit dem coolen „Zeus In Chains“ startete das erhoffte starke Finale. Schon wie bei „Avalancha“ zum Start wurden hier wieder prägnante und melodiöse Singlenote-Licks mit fetten Riffs kombiniert. Das kurze „Passion And Warfare“-Intro „Liberty“ stimmte auf die überragende Abschlusskomposition „For The Love Of God“ ein. Dieses Mal überraschte die Show mit der Einlage des Opern-Gesangs des Monitor-Sound Technikers, was durchaus originell und sympathisch rüberkam. VAI vollendete einen der besten Instrumentaltracks aller Zeiten virtuos und mit viel Gefühl.

Fast zwei Stunden vergingen beinah wie im Flug. Als Zugabe ließ sich STEVE VAI noch zu der „Fire Garden Suite IV – Taurus Bulba“ bewegen. Es gab Applaus und von dem bis dahin sitzenden Volk Standing Ovations. Dabei trauten sich auch noch ein paar wenige für Selfieshots direkt vor die Bühne und VAI posierte dafür gerne. Auch durfte ein Bub am Tremolo-Hebel des Gitarrenmeisters drücken.

Vielen Besucher dürfte die Show richtig gut gefallen haben. Leider sah ich das aufgrund einer sehr hohen Erwartungshaltung ein wenig mit gemischten Gefühlen und fand es schade, stattdessen nicht bei der VINNIE MOORE Show im Wiener Reigen zugegen gewesen zu sein, bei der nicht viel mehr als zehn Besucher waren. Auch würde ich Shows wie die AUSTRIAN BLUES COMBO oder PEACE MACHINE, von denen Sänger und Gitarrist Phill Torres auch im Linzer Posthof anwesend war, oder die geniale instrumentale progressive Musik von THE LAST CELL bevorzugen. STEVE VAI kann ich zumindest nun getrost abhaken.


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