27.06.2011, ((szene)) Wien

DIO DISCIPLES

Text: Luka | Fotos: Luka
Veröffentlicht am 29.06.2011

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Mehr als ein Jahr ist es mittlerweile her, dass der große Ronnie James Dio das Zeitliche gesegnet hat. Besonders für die Metal-Welt war das ein großer Verlust, der Mann war einer der besten Metal-Sänger aller Zeiten und hat viele Sänger und Musiker beeinflusst. Unter dem Banner DIO DISCIPLES haben sich einige bekannte Namen und ehemalige Bandkollegen von Dio zusammengetan und touren durch die Welt, um „seine Musik am Leben zu erhalten“. Rührende Ehrfurchtsbezeugungen oder der billige Versuch, mit einem legendären Namen schnell noch Geld zu machen? Um das herauszufinden, habe ich mich auf den Weg in die Szene Wien gemacht, wo die DISCIPLES gastierten. Als Vorband waren THE RODS mit auf Tour, deren Gitarrist David „Rock“ Feinstein Dios Cousin war und mit ihm bei ELF gespielt hat. Dass die Jungs schon lange im Geschäft sind, merkt man der perfekten Show an, die sie in der kurzen Zeit aufs Wiener Parkett zaubern. Die Rock Star-Gesten sind perfekt eingeübt, vor allem das Zusammenspiel von Feinstein und Bassist Garry Bordonaro ist sehenswert. Dass die alten Herren noch sehr viel Spass am Musikmachen und auf-der-Bühne-stehen haben, merkt man zu jeder Zeit, und auch ein nettes Drumsolo wird eingebaut.

Vom Stil her zocken die RODS ziemlich straighten Ami-Classic Metal, der vom Stil gut zur Hauptband passt und die Leute schon ganz gut in Stimmung bringt. Bei Klassikern wie „Roll with the night“ vom 1980er Debütalbum wird dann auch das sichtlich gut gelaunte Publikum zum Mitsingen bewegt. Obwohl ich jetzt nicht in den nächsten Laden laufen werde, um mir RODS-Alben zu kaufen, wars ein toller Gig, der vor allem durch die Spielfreude der Musiker gefallen hat. Als dann nur eine knappe Viertelstunde später (gerade Mal genug Zeit, flüssigen Nachschub zu holen und an die frische Luft zu gehen) die DIO DISCIPLES die Bühne betreten, hat sich die Szene schon ganz gut gefüllt. Der Altersschnitt der Besucher war klar höher als bei den meisten anderen Konzerten, Leute unter 20 waren kaum zu sehen (in der Sprache der heutigen Jugend also eine „Gammelfleischparty), die meisten mit Shirts der diversen Bands ausgerüstet, bei denen RJD mal gespielt hat, vor allem DIO und BLACK SABBATH. Die Band startet mit Tim „Ripper“ Owens am Mikro, bekannt von seinem JUDAS PRIEST-Intermezzo. Die Musikerposten sind hochkarätig besetzt – Craig Goldy (hat bei DIO und DAVID LEE ROTH gespielt) an der Gitarre, Scott Warren (DIO und HEAVEN&HELL) am Keyboard, und Simon Wright (auch bei DIO, und mit AC/DC hat er auch 3 CDs eingespielt) am Drumset. Am Bass der einzige Nicht-DIO-Kollege, James LoMenzo, bekannt von einem längeren MEGADETH-Gastspiel und der Mitgliedschaft bei der BLACK LABEL SOCIETY. Die Sänger-Agenden teilt sich der Ripper mit Toby Jepson.

Gestartet wird das Set mit einer geballten Ladung „Holy Diver“-Songs („Stand up and shout“, „Holy Diver“ und „Don’t talk to strangers“), die gleich einmal Stimmung ins Publikum bringen. Ansonsten ist die Setlist eine gute Mischung aus Songs der verschiedenen Dio-Bands, Songs von RAINBOW („Catch the rainbow“, „Stargazer“, „Long live rock’n’roll“ und „Man on the silver mountain“) und BLACK SABBATH („Neon Knights“, „Heaven and hell“ und „Children of the sea“) werden auch gespielt. Aber am meisten krachen klar die DIO-Hadern wie „Holy Diver“ oder „Killing the dragon“. Die Musiker sind alle motiviert und haben Spaß am Spielen, aber großartige Gesten oder Bewegungen überlassen sie den gut aufgelegten Sängern Owens und Jepson. Wright gibt am Schlagzeug mächtig Gas, während Goldy (übrigens ein Yngwe Malmsteen-Lookalike mit kräftiger Statur, offenem Hemd und heraushängender Kette) stoisch die Riffs und Soli herunterspielt. Auch Warren gibt sich hinter dem Keyboard eher gelassen, wobei ihm die langen grauen Haare, die im Lüfter-Wind wehen, und die düstere Miene was vom Zauberer Saruman aus der „Herr der Ringe“-Verfilmung geben. Der Sound ist auch (wie meistens in der Szene) ziemlich gut, einzig das Keyboard fällt doch ein wenig zu leise aus. An der Performance der Sänger gibt’s auch nicht auszusetzen, wobei gerade hier deutlich wird, was für eine Stimme die Welt mit RJD verloren hat. Ripper Owens hat viel Power in der Stimme, und Toby Jepson kann die feinen Nuancen setzen. Beide zusammen würden in etwa die Stimme von Ronnie ergeben. Ohne die Fähigkeiten der zwei Jungs schmälern zu wollen – da kommen sie einfach nicht an den Meister heran.

Nach knapp 90 Minuten und der obligatorischen Zugabe („Rainbow in the dark“ und „We rock“) lässt sich die Band noch kurz feiern, bevor das Abendprogramm zu Ende ist und ein insgesamt toller Konzertabend zu Ende geht. Ob man die DISCIPLES-Tour jetzt als Abkassiererei oder nicht betrachtet, es war auf jeden Fall toll, die alten Hits noch mal live zu hören und den Bierbecher dabei in Gedenken an den von uns gegangenen Großmeister in die Höhe zu heben. Setlist: 1. Stand up and shout 2. Holy Diver 3. Don’t talk to strangers 4. Egypt (The chains are on) 5. King of Rock’n’Roll 6. Catch the rainbow 7. Stargazer 8. Neon Knights 9. Straight through the heart 10. Children of the sea 11. Killing the dragon 12. The last in line 13. Long live Rock’n’Roll 14. Man on the silver mountain 15. Heaven and hell Zugabe: 16. Rainbow in the dark 17. We rock


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