8.6 - 11.6.2022, Sölvesborg, Sölvesborg

Swedenrock Festival 2022

Text: manfred
Veröffentlicht am 22.10.2022

SWEDEN ROCK  FESTIVAL 2022
Sölvesborg

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Zwangspause ging es im Juni 2022 endlich wieder nach Sölvesborg, um vier Tage lang hochkarätigem Musikgenuss zu genießen. Man merkte es an der gesamten Atmosphäre, dem Publikum und auch der besonderen Spielfreude der Musiker (mit kleinen Ausnahmen) an, dass den Menschen das Beisammensein, um gemeinsam Spaß zu haben, wahnsinnig gefehlt hat.

Die Veranstalter haben die Pause genutzt und den Festivalbereich etwas umgestaltet. Das Gelände wurde in Richtung Meer erweitert und die Viewing-Plattform am Hang gegenüber der Sweden-Stage weiter ausgebaut. Da das Sweden Rock doch eher das gesetztere Publikum anspricht, wurde neben dem Rockklassiker-Zelt eine Chill-Out-Area angelegt, in der Pizza, verschiedene Antipasti und ein umfangreiches Sortiment an Weinen feilgeboten wurden. Verpflegungsmäßig blieb alles auf dem hohen Niveau der Vorjahre, man hat aber in Richtung BBQ und Smoked Meat erweitert. Auch Bier vom Zapfhahn gab es heuer das erste Mal – ein großer Schritt nach vorne!

Mittwoch

Art Nation

Die Göteborger Art Nation waren unser Auftakt zum Sweden Rock 2022. Auch wenn Sänger Alexander Strandell seine Mannschaft 2017 komplett ausgetauscht hat, haben sich die Schweden seit dem 2015er Debut „Revolution“ in der Melodic Rock Szene gut etabliert und wurden auch am Sweden Rock sehr gut aufgenommen. Dass sie live einen minimalen Tick härter sind als auf Platte stand ihnen jedenfalls gut zu Gesicht.

       

Freedom Call

Weiter gings mit unseren Freunden aus dem Frankenland auf der Rock Stage, die sich in gewohnt guter Verfassung präsentierten. Kein Wunder, dass bei Songs wie „Tears Of Babylon“, „Warriors“ und „Land Of Light“ die tobende Menge richtig mitging. Cooler Auftritt.

Jean Beauvoir

Jean Beauvoir kennt man seine 60 Jahre mittlerweile schon an, denn so agil wie früher ist er auf der Bühne nicht mehr. Davon kann auch die blonde Mähne nicht komplett ablenken. Dennoch war es eine grundsolide Show mit hervorragender Bandbesetzung - Stet Howland on Drums! Vor allem bei den Covern „Pet Semetary“ von den Ramones und KISS‘ „Uh! All Night“ wurde der Crown Of Thorns-Fronter besonders abgefeiert.

Evergrey

Nach den eher gemächlichen Art Nation und der Sing-Along-Show von Jean Beavier verpassten uns Evergrey schon einen recht passablen Schlag in die Magengrube, tönten sie doch von Beginn an recht laut und basslastig von der Rockstage. Tom S. Englund und seine Mannen gaben mit „Save Us“, „Midwinter Calls“, „A Toch Of Blessing“ und „Recreation Day“ ein ordentliches musikalisches Statement ab. Es ist schön, als Fan eine Band vom kleinen Club bis auf die große Bühne begleiten zu dürfen. Thumbs Up!

Witchcraft

Selbstverständlich wissen wir alle, dass Musikgeschmack individuell ist, und stark von der jeweiligen Verfassung des Hörers abhängt, doch wir kamen überein, dass jeder Tag sein Highlight (Narnia) und auch seinen Tiefpunkt hat. Die Schweden Witchcraft lieferten bei strahlendem Sonnenschein selbst für Doom-Verhältnisse eine sehr zähe Show ab. Man konzentrierte sich mit der Songauswahl hauptsächlich auf das Debut sowie  „Nucleus“ und die gesamte Darbietung wirkte wie eine Bandprobe, bei der drei Leute nicht aufgetaucht sind. Eine zweite Gitarre wäre ein großes Plus für die Band.

Narnia

Konnten Witchcraft nicht sonderlich überzeugen, so war Narnia das genaue Gegenteil davon. Ich hatte die Band überhaupt nicht mehr auf den Schirm. Wirklich bekannt war mir nur das Erstalbum „Awakening“ von 1998. Umso überraschender war die Spielfreude und mitreißende Laune der Band. Christian Liljegren ist ein sympathischer Frontmann, dem es von Anfang an gelang, das Publikum einzufangen und für einen Mittwochnachmittag eine ansprechende Menge vor der Silja-Stage zu versammeln. Schön zu sehen, dass nach mehr als 20 Jahren Bandbestehen, inklusive Split und Wiedervereinigung noch so viel Energie in der Band steckt. Man kann auf den nächsten Output gespannt sein.

Megadeth

Headliner am Mittwoch waren Megadeth und das mit Recht! Dave Mustaine war für seine Verhältnisse und nach dem Kehlkopf-Krebs erstklassig bei Stimme und gut gelaunt. Auch die Setlist konnte sich sehen lassen: „Hangar 18“, „The Threat Is Real“, „Angry Again“, „Dystopia“, „Sweating Bullets“, „A Tout Le Monde“, „Symphony Of Destruction“, „Peace Sells“, „Holy Wars“, „The Punishment Due“ – alle großen Hits waren dabei - mehr braucht der Fan nicht! Dazu noch eine großartige Bühne und Lightshow. Ein schöner Abschluss für den ersten Festivaltag. Leider war das Publikum nach dem langen Tag und vielen Bieren schon etwas müde oder die Schweden sind einfach etwas introvertierter.

Donnerstag

Eclipse

Für Memory Garden kamen wir leider etwas zu spät auf das Gelände, somit war Eclipse unser Start in den Festival-Donnertag. Überhaupt war das Sweden-Rock heuer extrem schwedenlastig, was die Herkunft der Bands anging. Spielten Eclipse 2016 noch auf einer der kleineren Bühnen, so schafften sie 2022 den Sprung auf die große Rock-Stage. Zu Recht, denn schon zu Mittag hat sich eine bis weit hinter den Soundturm reichende Menschenmasse versammelt, um mit „Roses On Your Grave“, „Saturday Night (Hallelujah)‘“ und „Run For Cover“ durchzustarten. Eclipse funktionieren live einfach wahnsinnig gut, mit schmissigen Songs („Runaways“) und leicht zu merkenden Refrains („Viva La Victoria“). Wie vielen Band an diesem Wochenende merkte man auch Erik Mårtensson an, wie viel es den Musikern bedeutet, wieder auf der Bühne zu stehen und eine entsprechende Show abzuliefern.

Alestorm

Bunter Piraten-Klamauk zum Alkohol ist genau das Richtige, um sich weiter in den Nachmittag treiben zu lassen. Zwar schmeckt der Humor der Schotten, nachdem man sie mehrmals live gesehen hat, wie etwas abgestandenes Ale, aber zumindest kann man mit dem neuen Song „Magellan's Expedition“ der Band musikalischen Fortschritt attestieren.

Sodom

Sodom mit zwei Gitarristen sind brachial und agieren, wie schon auf dem 2020er Output „Genesis XIX“ wesentlich härter als zur Doppelbob/Bernemann Phase. Es ist schön, Frank Blackfire wieder mit von der Partie zu sehen und auch Gitarrist Yorck Segatz und Toni Merkel am Schlagzeug machen eine gute Figur. Ein mittlerweile ergrauter Tom Angelripper präsentierte sich bestens gelaunt und nahm es mit Humor, als er den „Stummen Urs“ (das männliche Gegenstück zur Stummen Ursel) vom Publikum auf der Bühne bat. Die Setlist war gespickt mit Klassikern: „Agent Orange“, „Sodomy And Lust“, „Outbreak Of Evil“, „Surfin' Bird“, „The Saw Is The Law“, „Nuclear Winter“ und „Bombenhagel“ brachten sogar das schwedische Publikum zum Moshen.

Lee Aaron

Die Kanadische Rock-Queen war in Bestform. Lee Aaron und Band legten mit „Vampin“, „Hands On“ und „Black Cat“ einen vielversprechenden Start hin. Leider überschatteten technische Gebrechen den Gig. So fiel in der Mitte des Sets zuerst der Monitor Sound und wenig später der komplette Sound aus und die Band verschwand ziemlich kommentarlos von der Bühne. Es dauerte gute 15 Minuten, um die Probleme zu beheben. Die Band ließ sich davon aber nicht sonderlich aus der Ruhe bringen und brachte das Set zwar ohne Front-Sound aber mit Hits wie „Metal Queen“ zu Ende.

Devin Townsend

Devin Townsend ist weird, ein genialer Musiker, aber weird. Also muss man ihn sich einmal ansehen, wenn man schon die Chance dazu hat. Ich selbst bin nur etwas mit dem Strapping Young Lad Veröffentlichungen bekannt, also lassen wir uns mal überraschen. Devin kombiniert verdrehten Humor, Gespräche mit dem Publikum oder mit sich selbst - ich weiß nicht recht, wie ernst ich ihn bei seinen Ansagen nehmen soll. Da die Songs durchwegs Überlänge haben, ist es nicht einfach, der Reise zu folgen und es erfordert eine ordentliche Portion Konzentration. „Failure“ und „Kingdom“ liefern schon zu Beginn eine massive Klangwand. Seine Mitmusiker treten komplett in den Hintergrund. Leichter wird es auch bei „Aftermath“, „March Of The Poozers“ oder „More!“ nicht. Wirklich nichts für Jedermann und man sollte sich bereits vorab mit Townsend beschäftigten, sonst wird man live total erschlagen. Trotzdem gut, ihn einmal gesehen zu haben.

 

Accept

Es sei jetzt einmal dahingestellt, ob man Accept ohne Herman Frank und Peter Baltes noch Accept nennen kann, aber man muss bei Wolf Hoffmann unbedingt anerkennen, dass er auch mit neuer Mannschaft im Rücken ordentlich abliefert. Haben wir den neuen Bassisten Martin Motnik und Gitarrist Philip Shouse am Sweden Rock noch extreme Zurückhaltung was das Posing und Interaktion mit dem Publikum angeht, so konnten wir einige Wochen später auf dem Area 53 schon Fortschritte in dieser Hinsicht erkennen. Sicher Mark Tornillo hört sich bei den alten Accept-Klassikern wie „Fast As A Shark“ oder „Balls To The Wall“ auch nach mehreren Jahren noch ungewohnt an, aber man darf nicht immer nur in der Vergangenheit schwelgen und es ist gestattet auch zB „Overnight Sensation“ vom aktuellen Album und „To Mean To Die“ ordentlich abzufeiern. Mit solch einem Backkatalog kann man natürlich nur wenig falsch machen und man präsentierte eine gesunde Mischung aus Alt und Neu – „Restless and Wild“, „Shadow Soldiers“, „Teutonic Terror“, „Pandemic“ und mit „Objection Overruled“ einen Song, den man schon länger nicht mehr live gehört hat. „I’m A Rebel“ schloss einen gelungenen Festivalauftritt ab.


Dropkick Murphys

Danach sorgten Dropkick Murphys für eine ausgelassene Stimmung und ich muss ehrlich gestehen, dass ich dies Truppe überhaupt nicht am Schirm hatte, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Schon der Opener „The Boys Are Back“ zeigte welch hohen Stellenwert diese Truppe bei den Fans genießt. Nach dem Auftritt ertappte ich mich immer wieder den Song „Rose Tattoo“ vor mich hin zu summen, Klasse.


Volbeat

Ich sah Volbeat im Laufe der Zeit vor einem Publikum von 400 und 1200 Leuten, sowie 2014 schon als Headliner auf dem Schweden Rock. Acht Jahre später sind Volbeat immer noch stark unterwegs. Auch wenn sich, wie bei vielen Headlinern, mittlerweile ein bisschen die Routine eingeschlichen hat. Vielleicht war es auch nicht die beste Entscheidung für einen Festivalauftritt gleich sechs Songs vom aktuellen Album „Servant Of The Mind“ auf die Setlist zu setzen. Die Highlights sind doch wie meist immer der die älteren Titel wie „Sad Man's Tongue“ oder „Still Counting“. Die Dänen um Michael Poulsen wurden erst gegen Ende des Sets etwas lockerer und damit auch wieder authentischer, was vom Publikum sofort aufgenommen wurde. Eine sehr nette Geste war, als sie die Fans von der ersten Reihe auf die Bühne zum Abrocken holten.

Nightwish

Eine Premiere für mich war Nightwish mit Floor Jansen am Mikro und ich kann bestätigen, dass sie live in einer eigenen Liga spielt. Marco Hietala geht der Band aber dennoch ab, und zum Glück war Troy Donockley nicht so präsent, wie ich befürchtet habe Daher war ich persönlich eher dazu geneigt, weniger die Songs des aktuellen Albums, als die Versionen von „Dark Chest of Wonders“, „Ghost Love Score“, „Nemo“ und „Sleeping Sun“, dargeboten von Floor, zu genießen. Dennoch ist „The Greatest Show On Earth“ auch in der abgespeckten Version ein gewaltiges Stück Musik. Hut ab, wahnsinnig schöner Abschluss für den außerordentlichen Tag.

Freitag

Amaranthe

Am Mittwoch Art Nation, am Donnerstag Eclipse und am Freitag Amaranthe – drei schwedische Highlights, jeweils als persönlicher Start in den Festivaltag. Sängerin Elize Ryd hatte von allen Musikern am Festival wohl die größte Freude bei ihrem Auftritt und strahlte über das ganze Gesicht. Nicht zu Unrecht, war es doch, wie am Vortag bei Eclipse vor der Bühne schon wieder ziemlich eng. Anstatt Henrik Englund  holte sich Amaranthe als Unterstützung Samy Elbanna von der Band Lost Society ans Mikro. Mit seinen blauen Haaren und dem Rücken zum Publikum hätte man fast meinen können, es wäre ein Überraschungsbesuch von Alissa White-Gluz von Arch Enemy. So weit wäre das auch nicht hergeholt.

DAD
Es ist schon ein Weilchen her, dass ich die Dänen live gesehen haben. Ja, und sie kamen, siegten und räumten mächtig ab. Das Karussell auf der Bühne gleicht einen Abenteuerspielplatz für Erwachsene und man merkte einfach, mit wie viel Spaß die Band agierte. „Riskin It All“, „Jihad“, „Grow Or Pay“, sowie „Sleeping My Day Away“ und „I Won’t Cut My Hair“ sind halt einfach granatenstarke Songs, welche ihre Wirkung nicht verfehlten. Hammerperformance!

Hällas

Auf den Auftritt von Hällas wartete ich schon voller Vorfreude und wurde musikalisch gesehen auch nicht enttäuscht. Man muss aber zugeben, dass man für den Sound der Schweden, genauso wie bei Opeth oder Sorcerer einfach in einem dunklen heimeligen Raum sein muss, um das komplette Spektrum der Musik genießen zu können.

Kingdom Come

Eine Kingdom Come Reunion ohne Lenny Wolf, kann das funktionieren? Das kann man, wenn man sich den Auftritt von Drummer James Kottak, Gitarristen Danny Stag und Rick Steier, Bassist Johnny B. Frank mit Sänger Keith St. John ansieht, mit Fug und Recht mit einem Nein beantworten. Zum Einen lässt der neue Sänger das Bluesige, das Lenny Wolfs Stimme ausmachte, vermissen, zum Anderen hatte auch James Kottak vom Anfang bis zum Ende des Sets Probleme mit den anderen Musikern mitzuhalten und so mancher befürchtete schon, dass er vom Drum-Hocker kippen könnte. Es lässt sich nur vermuten, dass irgendwelche Substanzen, oder Alkohol Grund für so einen Auftritt waren. Selbst der geneigte Zuseher tat sich schwer „Shout It Out“, „Seventeen“ oder „Pushin' Hard“ wieder zu erkennen.

Saxon

Zu Saxon braucht an eigentlich nicht viel schreiben. Saxon sind Saxon und werden sich Gott sei Dank nicht mehr verändern. Frontman Biff Byford gilt als einer der letzten Dinosaurier! Selbst eine Seuche und einen Herzinfarkt konnten die Briten nicht bremsen, im Gegenteil sie sind da, stark und unverwüstlich.  Man weiß, was einen erwartet: Ansagen wie „Old Song or New Song?“, Slow Song or Fast Song?“, „Crusader? Maybe Later!“ hat man schon tausendmal gehört, aber es fühlt sich an wie nach Hause zu kommen. Die Setlist präsentierte sich wie immer: „Motorcycle Man“, „Wheels of Steel“, „They Played Rock and Roll“, „Heavy Metal Thunder“, „Strong Arm Of The Law“, „Denim and Leather“ … alles wie gehabt. Musikalisch und stimmlich sind die alten Herren noch immer top in Form, ich weiß nur nicht, woran es lag, dass das neue Album „Carpe Diem“ mit keinem Satz erwähnt wurde und auch mit keinem Song in der Setlist vertreten war.

Ross The Boss

Kurz mal bei der Sweden Rockstage vorbeigeschaut, denn Ross The Boss lud zur Manowar Best Off Show ein. Was soll man sagen, der Mann hat es noch immer drauf und knallte den Fans eine grandiose Setlist vor den Latz und bei „Blood Of The Enemies“ gesellte sich noch Snowy Shaw auf die Bühne und nach den beiden Megasongs „Battle Hymn“, „Hail And Kill“ war Schluss und mit Dirk Schlächter von Gamma Ray sah man noch ein bekanntes Gesicht auf der Bühne.

In Flames

In Flames haben sich über die Jahre zu einem würdigen Headliner gemausert. Sie präsentieren sich 2022 arschtight und bringen vor beeindruckender Lichtkulisse das Publikum zum Ausflippen. Chris Broderick fügt sich nahtlos ins Bandgefüge ein. Es ist auch schön zu sehen, dass, anders als noch vor ein paar Jahren, auch wieder ältere Songs („Behind Space“, „Graveland“, „Colony“, „The Hive“) den Weg in die Setlist gefunden haben. Als Höhepunkt wird auch noch der neue Song „State Of Slow Decay“ live präsentiert – ein absoluter Banger!


Belphegor

Kurz vor Mercyful Fate wird von Belphegor im Rockklassiker Zelt das Tor zur Hölle weit aufgestoßen. Die Salzburger zerren mit ihren Death Metal an den Nerven und Körperteilen eines jeden Fans Es war so, als würde dir jemand mit einer überdimensionalen Abrissbirne über den Schädel donnern und die zwei Gitarristen dazwischen mit ihren Riffs an deinen Knochen sägen und dir mit Mastermind Helmuth jemand unaufhörlich in fiesester Weise ins Gesicht röhrt. Die auf den Punkt gebrachten Gitarrenleads unterstreichen trotz immenser Härte die technischen Fähigkeiten der Band und lassen die knapp einstündige Show zu einer bestialischen Orgie morbider und musikalischer Brutalität mutieren. Wahnsinn und nichts für Weicheier.

Mercyful Fate

Pünktlich zur Mitternachtseinlage schlich sich der Dänenkönig auf die Rock-Stage. Den Gesang von King Diamond und die etwas sperrigen Kompositionen muss man mögen. Dennoch hatten viele noch die Energie, diese dunkle Messe mit dem King, welcher gesundheitlich lange angeschlagen war, zu feiern. Zudem waren Mercyful Fate in unseren Breiten schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf Tour. Neben Klassikern von früheren Alben wie „Melissa“ („Black Funeral“, „Melissa“, Satan's Fall) und „Don’t Break The Oath“ (A Dangerous Meeting, Come To The Sabbath, The Oath) wurde auch der neue Song „The Jackal Of Salzburg“ präsentiert. Laut King Diamond ist dieser „zwar noch nicht fertig“, ist aber schon so umfangreich mit verschiedenen Themen gefüllt, dass es für drei Songs reichen würde. Als Salzburger erschloss es sich uns beim ersten Hören auch nicht, wer dieser Schakal sein sollte. Einziger Wermutstropfen vielleicht, dass die restliche Band nicht beim Kostümspektakel von King Diamond mitmacht.

Samstag

Sorcerer

Endlich habe ich die Chance, Sorcerer live zu sehen. Leider verirren sich um 13 Uhr nur wenige Zuschauer in das Zelt vor die Rockklassiker-Stage um Anders Engberg zu huldigen. Was schade ist, da die Bühne im Zelt einen hervorragenden Sound hat. Nichtsdestotrotz, „Abandoned By The Gods“, „The Dark Tower Of The Sorcerer“ und vor allem „Lamenting Of The Innocent“ kommen trotzdem geil.


Gleichzeitig mit Sorcerer spielten Honeymoon Suite auf der Rockstage und lieferten richtig ab. Manch älteren Herren drückte es bei Songs wie „Say You Don`t Know Me“ oder „Stay In The Night“ die Tränen raus und waren froh, diese Band noch einmal live erleben durften. Klasse Auftritt.

Nestor

Die Schweden Nestor waren der geheime Headliner am Samstag. So kam es vielen Fans zumindest vor, wenn man sich am Nachmittag das Areal vor der Sweden-Stage betrachtete. Tobias Gustavsson und seine Mannen halten zumindest seit ihrem Auftritt den Besucher-Rekord der Sweden Stage. Das ist auch kein Wunder mit dem brillanten Debut „Kids in a Ghost Town“ im Rücken. Und sie lieferten live ab, was sie zuvor auf Platte versprochen haben. „On The Run“, „Kids In A Ghost Town“, „Perfect 10“ funktionieren auf der Bühne einfach. Hervorzuheben auch das wunderbare Duett „Tomorrow“ mit Lollo Gardtman. Es bleibt zu hoffen, dass Nestor mit dem hoffentlich bald erscheinenden Zweitling an das Debut-Album anknüpfen können.

Rage

Ja, Peavy Wagner hat um die Hüfte etwas zugelegt. Dennoch hielt das Rage am Samstagnachmittag nicht davon ab, einen fetten Gig zu spielen. „End Of All Days“, „Black In Mind“, „From The Cradle To The Grave“, Higher Than The Sky“ – mehr brauche ich als Rage-Fan eigentlich nicht. Ich wünsche Peavy wirklich, dass das aktuelle Bandgefüge für längere Zeit hält, denn live scheint die Chemie absolut zu stimmen und die beiden Gitarristen Stefan Weber und Jean Bormann bangen und posen was das Zeug hergibt.

Night Ranger

Night Ranger waren ein weiteres persönliches Highlight des heurigen Sweden Rocks. Dieser Auftritt war für mich eine der emotionalsten Konzerte der letzten Jahre. Mein vor kurzem verstorbener Bruder war ein Riesenfan der Amis und bei seinem Lieblings Song „Sing Me Away“ konnte ich meine Tränen nicht verbergen, denn ich wurde immer wieder zurückerinnert, welche schöne Zeit ich mit ihm in den 80iger erleben durfte. Wäre er nicht gewesen, würde ich Bands wie Night Ranger vermutlich gar nicht kennen. Danke dafür. Startete ich noch mit dem Entschluss mir die Band von der Tribüne aus anzusehen, musste ich doch gleich nach dem zweiten Song vor die Bühne, um dort abzufeiern. Das ist einfach nur geiler Stadion-Rock, den die alten Herren bieten. Sänger Jack Blades und Gitarrist Brad Gillis sind authentisch und sympathisch ohne unnützes Star-Gehabe. Leider war das Set viel zu kurz. Highlights waren „Night Ranger“ und „Sister Christian“, sowie die beiden Damn Yankees Nummern „Coming Of Age“ und „High Enough“.


Hardcore Superstar

Wie ein Tornado fallen danach Hardcore Superstar auf der Festival -Stage ein. Kurz vor 19 Uhr ist es rappelvoll und durch die gute Vorbereitung von Night Ranger saugten die Leute die schmissigen Songs der schwedischen Street-Metaller nur so auf und feierten die Band so richtig ab. Zwischen Krachern wie "Last Call For Alcohol" und "Moonshine" fegten die Schweden über die Leute hinweg, als gäbe es kein Morgen. Die Über-Party-Hymne "We Don't Celebrate Sundays" und das lässige "You Can’t Kill My Rock n‘ Roll " markierten die großartigen Schlusspunkte eines Wahnsinnsauftritts.


Within Temptation

Within Temptation kann man, ohne vorgreifen zu wollen, den wahren Samstag-Headliner nennen. Wie Sharon den Adel selbst sagte, es ist gut, wieder perfekt bei Stimme zu sein, was dieser Auftritt eindrucksvoll bestätigte. Die Setlist ließ kaum etwas vermissen. Zu Anfang wurde gleich mit „Faster“ und „Paradise (What About Us?)“ heftig losgelegt. Über „In The Middle Of The Night“, „Stand My Ground“, „And We Run“, „Supernova“, „Ice Queen“ und als Rausschmeißer „Mother Earth“ wurde nahezu die gesamte Bandhistorie abgedeckt .Die Holländer lieferten eine heftige Bühnenshow mit viel Technik und ordentlichen Feuerfontänen, die in den Himmel schossen. Vor allem aber sind es natürlich die fantastischen Musiker und eine hervorragende Sängerin mit einer grandiosen Stimme, die die Show zu einem außerordentlichen Erlebnis machten.

Guns N` Roses,
Den Hunger, endlich wieder auftreten und vor Publikum spielen zu können, den man bei fast allen Bands an diesem Wochenende bemerkte, vermisste man bei den Gunners komplett. Mit etwa einer halben Stunde Verspätung betraten Duff McKagan und Slash die Bühne und danach schlenderten Axl Rose und der Rest der Band auf die Bühne. Von der ersten schiefen Note an verstärkte sich von Ton zu Ton der Eindruck, dass es sich mit dieser Reunion nur um einen Cash-Grab handelte, weiter. Das wusste zwar jeder, aber unbewusst redet man sich ja doch ein, dass es eventuell gut werden könnte.
Die Setlist ist zwar umfangreich, aber wer möchte sich denn den unwürdig gealterten und unmotiviert auf der Bühne herumquiekenden Axl Rose geben? Das schwedische Publikum zumindest nicht. In meiner bisherigen Konzertbesucher-Karriere habe ich es wirklich noch nie erlebt, dass sich das Publikum beim großen Headliner so schnell ausdünnt wie 2022 beim Schweden Rock. Einige erlebten zwar noch „Mr. Brownstone“, „Welcome To The Jungle“ und das AC/DC Cover „Back In Black“. Ich möchte aber wirklich wissen, wie viele Leute am Ende des Sets „Sweet Child o' Mine“ und „November Rain“ noch vor der Bühne standen. Wir waren es nicht – gute Nacht du schöne Welt!

Leider gibt es von den Gunners keine Bilder ,weil es uns verboten war ,welche zu machen.

Fazit:
Abschließend kann man sagen, dass das Schweden Rock auch 2022 im Großen und Ganzen ein voller Erfolg war. Ein großes Dankeschön auch an den Wettergott, der uns eine sonnige Woche beschert hat. Es stimmt einen positiv, dass der Veranstalter trotz der zwei Jahren Zwangspause keine offensichtlichen Abstriche gemacht hat. Das Festival ist nach wie vor sehr sauber, die Schweden zwar etwas alkoholgeschwängert aber gechillt und es ist immer noch ein Fest für die ganze Familie. Einzig der Hindernislauf durch die zahlreich mitgebrachten Besucherstühle ist in der Nacht echt ziemlich nervig, denn hier muss man immer wieder aufpassen, dass man nicht drüber fällt und sich verletzt, was meinem dänischen Kollegen passiert ist.
Text : Manfred Thanner, Thomas Kalb, Stefan Kaiser

Bilder SEPP PIRKER

 

 


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