22.10.2022, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer, Wien

GODSMACK

Veröffentlicht am 30.10.2022

GODSMACK kamen am 22.10. zum zweiten Mal in ihrer vor allem in den USA sehr erfolgreichen Karriere auf einer Headliner Tour nach Wien. Im Durchbruchsjahr 2001 trat die moderne Hard-Rock-Band aus Boston zwar als Support von LIMP BIZKIT in der Stadthalle auf, aber erst elf Jahre später im Jahr 2012 hätten GODSMACK in der Arena ein Konzert gespielt, welches nur einen Tag vorher aufgrund Stimmproblemen abgesagt wurde.

2015 stand zumindest ein Auftritt am NOVAROCK am Programm, aber erst 2019 wurde das Arena-Konzert in Wien nachgeholt, wobei im selben Jahr dem NOVAROCK auch noch einmal ein Besuch abgestattet wurde. 2022 beehrten GODSMACK nun den Wiener Gasometer mit den österreichischen Symphonic Metallern von AUTUMN BRIDE als Support.

Und die legten mit dem Songmaterial ihres Debütalbums „Undying“ eine souveräne Metal Show hin, die vor allem durch die Präsenz und der starken Stimme von Frontsängerin Suzy Pointinger geprägt war. Doch auch Gitarrist Alex Schmid riffte fett dahin, um dem melodiösen Gesang Platz zu geben. Besonders aktiv bewegte sich Bassist Ben Pauswek auf der Bühne, dem die Freude ob des Auftritts einen Dauergrinser bescherte.

Routiniert gab Schlagzeuger Maximilian Fingernagel das Rhythmusfundament und somit die Basis für einen rundum gelungenen Auftritt, wobei die musikalische Genrenähe zu dem Hard Rock von GODSMACK nicht ganz offensichtlich scheint. Dem Publikum schien es trotzdem gut gefallen zu haben.

Für viele - auch weit angereiste - Fans erfüllten GODSMACK an dem Abend wohl den Traum, eine Band, die selten in Europa spielt, endlich live zu erleben. Ich nehme an, dass ein Großteil des Publikums die Band aus den 2000er Jahren kennt - einer Zeit, in der auch ich mit ihrem bekanntesten Song „I Stand Alone“ vom „Scorpion King“-Soundtrack in Berührung gekommen bin.

Bis kurz vor dem Konzert war ich mir nicht sicher, ob GODSMACK wirklich auftreten, wurden doch ein paar Tage zuvor wieder zwei Konzerte (Zürich und Mailand) kurzfristig abgesagt. Spätestens aber nach dem Fall des Vorhangs, war mit dem Titeltrack des letzten Albums „When Legends Rise“ jeder Zweifel hinweggefegt. Eine Hymne zum Niederknien, die Band gut gelaunt, die Fans am Durchdrehen. Es war aufgrund des nicht zu regen Publikumaufkommens (geschätzt ca. 1.500 Besucher) im Durchschnittsalter von ca. 40 Jahren auch durchgehend angenehm; viele Paare, manche auch in Begleitung von Kindern.

„Keep Away“ vom Debütalbum erinnerte an die Anfangsphase mit der Identitätsfindung - an den an ALICE IN CHAINS angelehnten Sound, bevor mit dem geilen „Cryin‘ Like a Bitch!“ phänomenal nachgelegt wurde. Da schmeckte das Bier und es war nur so eine Freude die Fans beim Abfeiern der Band zuzusehen. Auch der nächste relativ neue Track „Unforgettable“ startete hymnisch mit „Oh-oh-oh“-Chören und beschwor die Kraft von Musik. Zurück ins Jahr 2000 ging es mit „Awake“ bei dem die Nu-Metal Wurzeln noch einmal zur Geltung kamen. Danach zeigten GODSMACK mit „1000HP“  der Konkurrenz was „Große-Eier“-Rock bedeutet.

Der erste Teil des Konzerts wurde somit souverän gemeistert. Danach ließ sich Frontmann Sully Erna zu einigen, aus meiner Sicht leider viel zu langen Ansagen hinreißen, die auch nur teilweise richtig ankamen. Der Aufforderung seine Partnerin auf die Schultern zu nehmen, kamen zwar ein paar Leute nach, aber die Aktion versandete irgendwie und der Aufruf zu einem Fußball-Fanchor scheiterte leider kläglich.

Die Konzentration auf  Klassiker wie „Voodoo“ mit dem einprägsamen Bass-Groove von Robbie Merrill oder „Whatever“ mit typischen Nu-Metal Riffs von Tony Rombola schadete der Show weniger. Zwischen diesen zwei Songs konnte der Sänger beim Drum-Battle zwischen Shannon Larkin und Sully Erna nochmal seine Schlagzeug-Künste zeigen, da er das Debütalbum damals ja auch selber eingetrommelt hatte. Diese Show-Einlage war durchaus originell und kam erwartungsgemäß gut beim Publikum an.

Vor der Zugabe überzeugte der aktuellste Song der Bostoner „Surrender“ mit einem einprägsamen Chorus und einer lässigen Bridge. Sully bedankte sich freundlich beim Publikum mit dem Versprechen eine Zugabe zu spielen. Zu dieser kam er dann mit einem weißen Piano auf die Bühne mit einer Ansprache zur „Suicide-Prevention“ mit der Benennung mancher prominenter Verstorbener wie Chris Cornell oder Chester Bennington und spielte sehr berührend „Under Your Scars“.

Mit „Bulletproof“ kam das Ende der Show aber leider sehr schnell nahe und ich stellte mir die Frage, ob es nach dem obligatorischen „I Stand Alone“ nicht noch mehr Hits von GODSMACK gegeben hätte. Den Signature-Track brüllte ich naturgemäß wie alle anderen inbrünstig mit. Meine Erwartungshaltung an das Konzert war hoch, die Band spielte engagiert auf, der Sound war auch nicht zu schlecht, das Publikum feierte GODSMACK ab.


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