24.11.2022, Arena Wien - große Halle, Wien

CLUTCH + GREEN LUNG + TIGERCUB

Veröffentlicht am 30.11.2022

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Mein letztes CLUTCH Konzert im Jahr 2014 (zum Bericht) an einem heißen Sommertag hatte ich noch sehr gut in Erinnerung. Da ging die Party mächtig ab, Bier floss die Kehlen runter, der Schweiß den Rücken, alle waren gut drauf. Sechs Jahre später in einer kalten Vorwinternacht, wurde zwar weniger Bier getrunken und sich eher gegenseitig gewärmt, eine Gute-Laune Party war es trotzdem wieder. Der CLUTCH Frontmann Neil Fallon weiß einfach, wie er seinem Publikum eine gute Zeit beschert.

Bevor die große Arena Halle jedoch richtig voll wurde, durften die immer mehr erscheinenden Besucher Zeugen unfassbar guter Supportbands sein. Den Start machen die Engländer TIGERCUB, die ich irgendwo im Alternativ Rock verortete und mit ihren Bühnenoutfits von Anfang an auffielen: Neben dem Sänger in Omabluse und Omamantel und dem strohblonden Drummer, der mich irgendwie an eine Comicfigur erinnerte, war der Bassist mit seinem rot schwarz gestreiften Shirt fast unauffällig.

Die Performance war sehr energetisch und hätte mehr Platz auf der Bühne verlangt, aufgrund der drei hintereinander aufgestellten Drums und Backlines musste das Trio aber mir wenigen Metern auskommen, die sie auch nutzten. Die knackigen und variablen Songs der kurzen Setlist stammten großteils vom aktuellen Album „As Blue As Indigo“ wobei der Track „Stop Beating On My Heart (Like A Bass Drum)“ am meisten hängen blieb. Der erste Österreich-Besuch von TIGERCUB hätte nicht gelungener ausfallen können.

Dem setzten die nächsten Engländer GREEN LUNG danach die Krone auf. Das war wirklich ganz großes Kino, was die Band live ablieferte. Ist das Material der Alben „Woodland Rites“ und „Black Harvest“ auf Platte schon genial, entfaltete sich die Spielfreude der jungen Truppe live erst richtig. Mit Trompetenfanfaren kamen die Bandmitglieder nacheinander auf der Bühne und man wähnte sich fast auf einem mittelalterlichen Turnier. Die Musik mit Folkanleihen kam danach sehr mystisch und ritualmäßig rüber, wobei die Orgel eine große Rolle im Sound übernahm und die Twin-Gitarren-Melodien einfach nur als genial bezeichnet werden mussten.

Stellenweise wurde ich durch die sonore Stimme des Sängers an UNCLE ACID & THE DEABEATS erinnert, die ich erst vor einem halben Jahr als Support von GHOST (zum Bericht) wieder bewundern durfte. Da GREEN LUNG aber weniger statisch als UNCLE ACID und nicht so theatralisch wie GHOST agieren, gefallen wie die Jungspunde persönlich besser als die bereits etablierten Acts.

Aufgrund der musikalischen Qualität von Songs wie „Old Gods“ und „Let The Devil In“ wird man von GREEN LUNG noch öfters hören. Dass der Sänger die abgefuckte Baseballkappe vielleicht doch durch eine zur Musik passenderen Kapuze ersetzen sollte, habe ich ihm dann am Merchandise Stand persönlich mitgeteilt, was er sehr sympathisch aufgenommen hatte. Ich bin schon auf die nächste Show gespannt.

Weitere Gespräche führte ich an dem bis dahin sehr gemütlichen Abend mit Mitglieder der Bands LOWBAU und MOTHERS OF THE LAND. Als sich dann CLUTCH ankündigten, war die Bude jedoch brechend voll und das Gerangel um die Plätze mit der besten Sicht konnte beginnen.

Die ca. 1 ½ stündige Show des Headliners bot dann alles, was von CLUTCH zu erwarten war und noch einiges mehr. Die Band im Hintergrund agierte wie gehabt sehr statisch, der Sound und die Energie waren aber eine Wucht. Gitarrist Tim Sult hat sich kaum einen Zentimeter bewegt und mit Blick auf sein Instrument in seiner eigenen Welt gespielt. Die verbale als auch nonverbale (mit wilden Gesten nur so um sich schleudernde) Kommunikation mit dem Publikum übernahm „Prediger“ Neil Fallon, der seinen Job wohl besser macht als viele Sängerkollegen und seine Stimme ist sowieso in Unikum.

Die größte Überraschung ist immer die von Show zu Show variierte Setlist. So starteten CLUTCH mit dem Titeltrack „Passive Restraints“ ihrer zweiten EP von 1992, auf den der Klassiker „The Mob Goes Wild“ folgte, bei dem ein Moshpit gestartet wurde, der selten zur Ruhe kam. Die Stilvielfalt der Band ist gewaltig, und auch wenn sich die Alben sehr unterscheiden, bei einem Livekonzert fügt sich diese Vielfalt zu einem großen Ganzen zusammen. Jeder Song der live geboten wurde, wie zum Beispiel der bluesige „Earth Rocker", war eine Klasse für sich.

Die Party-Tracks „Slaughter Beach“ und „Nosferatu Madre“ von der aktuellen Platte umrahmten Schmankerl wie „Willie Nelson“ oder „Sea of Destruction“. Danach wurde es mit dem Klassiker „Spacegrass“ richtig Old School-lastig, bei dem die Meute die prägnanten Lyrics „...Whenever it feels right...“ und „...Jesus on the dashboard...“ begeistert mitgrölte. Bei „D.C. Sound Attack!“ spielte die Mundharmonika ein markantes Element, zur Ruhe kam bei diesem Konzert keiner, ein Song fetzte und groovte mehr als der andere, und die Refrains von „X-Ray Visions“ oder „We Strive For Excellence“ blieben mir nach der Show noch lange in Erinnerung.

Ermüdungserscheinungen schienen weder bei der Band noch beim Publikum aufzutreten, der Abend hätte wohl ewig weitergehen können. Mit „A Shogun Named Marcus“ vom 1993er Debütalbum ging es in die Zugabe, wobei „Electric Worry“ noch einmal alle Energiereserven beanspruchte und „The Face“ zum Runterkommen die zufriedenen Besucher in die kalte Nacht entließ.

Mehr Fotos gibt's wieder auf stills.eraserhead.at


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