14.07.2011, Liqueur Company R. Jelínek

MASTERS OF ROCK 2011 - Day 1

Veröffentlicht am 01.08.2011

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Es ist wieder diese Zeit im Jahr... und nein, es ist noch nicht Weihnachten (auch wenn uns die Filialengestaltung so mancher Großhandelskette ob bereits jetzt quasi omnipräsenter Belebkuchung anderes glauben machen möchte), sondern es ist wieder einmal Zeit für des STORMBRINGERS liebstes Sommer-Festival, namentlich das MASTERS OF ROCK in Vizovice in der Tschechischen Republik! Für Kollege Reini ist's ja heuer bereits das stolze sechste Mal gewesen, bei mir erst Antritt Numero drei; nichtsdestoweniger hat sich das MASTERS OF ROCK dank der netten Betreuung, des angenehmen Publikums und natürlich der günstigen Preise auch bei mir bereits zum Favoriten unter den zahlreichen Festivals gemausert, und auch im Jahre 2011 sollte das Festival dank einiger echter Highlights nicht enttäuschen - auch wenn die Dichte an hochkarätigen Acts in diesem Jahr vielleicht nicht ganz so hoch ausgefallen ist wie bei den vergangenen Ausgaben. Dennoch reiste euer Dragonslayer bereits am Mittwoch, also einen Tag vor Beginn des Festivals an, um am nächsten Tag auch ja rechtzeitig zu den ersten richtig interessanten Bands vor Ort sein zu können; und warum sich die frühe Anreise ganz besonders gelohnt hat, das könnt ihr an späterer Stelle in den "Masters Of Rock Saitenblicken" nachlesen.

DONNERSTAG, 14.7.2011



ALESTORM

Los ging's für mich jedenfalls gleich mit den trinkfesten Schotten von ALESTORM, die mit "Back Through Time" in ein energiegeladenes Set starten, und sich auch von Batterieausfällen an der portablen Keytar von Sänger Chris Bowes nicht beirren lassen. Und da verwundert es auch wenig, dass sich bereits zur recht frühen Stagetime von ALESTORM eine formidable Fanschar vor der "Ronnie James Dio"-Stage in Vizovice eingefunden hatte, zählen die Schotten doch zu DEN Party-Metalbands der Stunde. Und Tracks wie "Shipwrecked", "Wenches & Mead" und "Captain Morgan's Revenge" vom gleichnamigen Album machen auch klar, warum das so ist. Viel Spielfreude, einige beeindruckende Soli von Gitarrero Dani Evans (der dem Namen seiner Band auch alle Ehre machte, und sich nach der Show als recht trinkfester Zeitgenosse erwies) und natürlich die typischen, an diverse karibische Flüche erinnernden Keyboard-Einlagen und Chöre machen auch zu früher Festivalstunde mächtig Laune, und so werden ALESTORM durchaus amtlich abgefeiert. Definitiv ein gelungener Start ins Festival für mich! [Dragonslayer] Setlist ALESTORM: Back Through Time Shipwrecked Wenches & Mead Leviathan Nancy The Tavern Wench The Quest Sunk'n Norwegian Wolves of the Sea (Pirates of the Sea cover) Captain Morgan's Revenge Keelhauled

VIRGIN STEELE

Mein eigentliches Festival-Highlight, auf das ich mich natürlich ganz besonders freute, sollte allerdings erst nach ALESTORM folgen: So wurden nämlich die US-amerikanischen Epic Metaller von VIRGIN STEELE für das diesjährige MASTERS OF ROCK verpflichtet, und für mich war es ein langersehntes Wiedersehen: immerhin waren VIRGIN STEELE anno 2000 oder 2001 bei meinem ersten "echten" Metal-Konzert mit dabei, und so war es natürlich ein erfreulicher Zufall, mein quasi zehnjähriges Metal-Jubiläum mit dieser Band begehen zu können, die im Laufe der Jahre auch zu einer meiner absoluten Lieblingstruppen geworden ist. Leider steht der Auftritt der Jungs (und Dame!) aus Long Island, New York unter keinem guten Stern: So war Gitarrist Ed Pursino leider aus persönlichen Gründen verhindert, und konnte daher an der Europatour nicht teilnehmen; daher tauschte kurzerhand Bassist Josh Block seinen Tieftöner mit einem Sechssaiter, und übernahm die Gitarrenarbeit, während die Bassspuren vom Band kamen. Schade, ist es doch gerade auch Ed Pursinos markantes Gitarrespiel, das dem Sound von VIRGIN STEELE einen Teil seiner Identität verpasst. Nichtsdestoweniger erledigt auch Josh Block an der ungewohnten Position einen guten Job; doch damit nicht genug der Überraschungen. Denn auch Mastermind David DeFeis übernimmt diesmal nicht selbst die Keyboards, sondern beschränkt sich auf die Vocals, und überlässt die Tastenarbeit stattdessen einer sympathischen Dame mir unbekannten Namens, die aber die ihr übertragene Aufgabe ebenfalls formidabel bewältigt. In Hochform präsentiert sich natürlich der Maestro selbst: Der kleine Mann mit der großen Stimme präsentiert sich intonationstechnisch über sämtliche Zweifel erhaben, kann mich aber mit seiner Performance nur bedingt mitreißen; denn ein in jüngerer Vergangenheit immer wieder zur Sprache gebrachtes Problem an VIRGIN STEELE-Liveperformances taucht auch hier wieder auf: David DeFeis überstrapaziert einfach sein Falsetto, singt bei beinahe jeder freien Stelle seine Sopran-Vokalisen, und ändert obendrein auch sehr oft die Hauptstimme bei den Songs, sodass die Lieder kaum wiedererkennbar sind - und so wird es sogar für einen langjährigen Fan wie mich sehr schwer, der Show zu folgen. Hinzu kommt noch, dass der vertrackte Epic Metal von VIRGIN STEELE ohnehin nicht unbedingt festivaltauglich ist, und es den Amerikanern daher auch recht schwer fällt, ordentlich Atmosphäre aufzubauen - und so fällt die Show von VIRGIN STEELE stimmungstechnisch nach dem starken Einstand von ALESTORM leider doch deutlich ab. Dazu kommt dann noch eine etwas unglückliche Songauswahl, bei der nämlich leider die beiden grandiosen "Marriage Of Heaven And Hell"-Scheiben und auch "Age of Consent" komplett außen vorgelassen wurden, und man sich (mit der Ausnahme des finalen und unvermeidlichen "Noble Savage") ausschließlich auf die Alben von "Invictus" bis "Black Light Bacchanalia" beschränkte. Zwar hat es mich sehr gefreut, dass mit "Sword Of The Gods" einer meiner absoluten Lieblingstracks der Band seinen Weg in die Setlist gefunden hat, allerdings hätte man gut und gerne etwa auf "Return of the King" oder "Immortal I Stand" zu Gunsten eines Klassikers wie "I Will Come For You", "Blood And Gasoline" oder "Victory Is Mine" von den "Marriage"-Scheiben verzichten können. So bleibt die Show von VIRGIN STEELE heuer leider nur etwas für absolute Hardcore-Fans; dem Gelegenheitshörer oder dem interessierten Festivalbesucher wird die Performance der Amerikaner in diesem Jahr wohl nicht sonderlich gut in Erinnerung bleiben. [Dragonslayer] Setlist VIRGIN STEELE: By The Hammer Of Zeus (And The Wrecking Ball Of Thor) Immortal I Stand (The Birth Of Adam) The Wine Of Violence Return Of The King Dominion Day Sword Of The Gods Defiance Kingdom Of The Fearless Noble Savage



AMORPHIS

Ruft man sich den Auftritt der sonst ach so kühlen Finnen vom diesjährigen Metalfest Open Air Austria in Erinnerung, dann war das in Vizovice ein richtiger Gefühlsorkan, den Tomi Joutsen, Esa Holopainen und Co. da so fabrizierten. Das neue Material, angefangen beim Opener „My Enemy“, sowie in weiterer Folge „You I Need“ bzw. „Crack in a Stone“ fügten sich superb in die Setliste ein, die Höhepunkte waren aber altbekannte Stücke wie das nach wie vor unter die Haut gehende „My Kantele“, die „Skyforger“ Großtat „Silver Bride“, oder das abschließende „Eclipse“ Kleinod „House of Sleep“. Die Band, allen voran Front-Rastaman Joutsen, agierte weit lustvoller und offener als noch Ende Mai in Mamling und selbst die ansonsten nicht so auf Depri-Mucke abfahrenden Tschechen feierten AMORPHIS ohne Ende ab. Gelungener Auftritt, obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, dass die wahre Magie einer AMORPHIS Show nur in Club Atmosphäre so richtig spürbar wird. [Reini] Setlist AMORPHIS: My Enemy Sky Is Mine Smoke Against Widows You I Need Towards And Against My Kantele Silver Bride Crack in a Stone Castaway House of Sleep

BONFIRE

Nach kleinen Anpassungsschwierigkeiten und Aufnahme diverser Nahrung in flüssiger Form ging es nach der durchwachsenen Vorstellung von VIRGIN STEELE mit einer Band weiter, die auf diesem Festival wohl den größten Partyfaktor zu bieten hatte. Dass altgediente Hardrockformationen im eher härter ausgerichteten Festival Programm nicht zwangsläufig untergehen müssen, haben die Ingolstädter heute eindrucksvoll bewiesen. Angefangen mit „ Tony´s Roulette“ über“ Hot To Rock/Don´t Touch The Light“, „Sweet Obsession“, „ Ready 4 Reaction“ bis hin zu dem nur auf dem Shocker Soundtrack vertretenen „Sword And Stone“, spielten sie sechzig Minuten eine Greatest Hits Vollbedienung , die absolut gute Laune verbreitete. Aber auch neues Material wie „Just Follow The Rainbow“ wurden von den, wie beim Masters schon selbstverständlich, tollen Fans begeistert aufgenommen. Fazit: Die Jungs sind noch lange nicht am Ende und werden uns bald im Salzburger Rockhouse beehren. Hoffentlich in Hochform, wie an diesen Tag- für mich die Überraschung des Tages. [Manfred]

FINNTROLL + ELUVEITIE - Pagan Alliance

Durch häufige gemeinsame Touren sind sich die Bands FINNTROLL und ELUVEITIE über die Jahre recht nahe gekommen und somit war die Idee geboren, Shows gemeinsam zu gestalten. Das läuft in etwa so ab, dass sich die Bands beim Spielen ihrer Songs abwechseln, bzw. einige auch zusammen darbietet. Da Pagan Metal vom tschechischen Publikum ohnehin sehr gut aufgenommen wird war das Spektakel natürlich ein großer Erfolg auf beiden Seiten. Vor allem, da zu späterer Stunde auch die Lightshow - die bei allen Bands am MoR hervorragend war – gut zum Einsatz kam. FINNTROLL schöpften ordentlich aus dem Humppa-Fass und ließen es amtlich krachen, während die ruhigeren Momente doch eher von Seiten ELUVEITIE´s kamen. Auch wenn das Publikum und die Bands äußerst zufrieden waren, muss ich mich persönlich doch zu der Kritik hinreißen lassen, dass so eine Darbietung eher auf eine ausgesuchte Tour passt, als auf ein Open Air Festival. Denn meiner Meinung nach sind nahezu zwei Stunden lang Pagan Metal, so gerne ich ihn auch mag, einfach zuviel des Guten. [Tom]

HAMMERFALL

Des Drachentöters Metal-Jubiläum, die Zweite: Denn nicht nur VIRGIN STEELE waren Teil meines ersten Metal-Konzerterlebnisses, sondern auch die Schweden rund um Rüstungsfetischist Oscar Dronjak und Fronter Joacim Cans; handelte es sich anno dazumal doch um deren Promo-Tour zum damals neuen Album "Renegade". Mittlerweile haben HAMMERFALL stolze 14 Jahre Bandhistorie zu verzeichnen, und gerade eben mal ihr aktuelles Langeisen "Infected" veröffentlicht, und dieses will natürlich auch auf zahlreichen Festivals präsentiert werden. Und so startet der Headliner des ersten Festivaltages auch gleich mit einem Song des neuen Silberlings in sein Set, und zwar mit dem Albumopener "Patient Zero". Und bereits an dieser Stelle muss ich zugeben, dass die mir persönlich auf CD kaum zu gefallen wissenden Songs von "Infected" im Live-Einsatz eindeutig besser funktionieren und auch beim Publikum besser ankommen, als ich mir das erwartet hätte. Nach der Eröffnung setzt man aber auf Bewährtes, und nach kurzer technischer Panne, bei der das bekannte Motorrad-Intro etwas zu früh gezündet wird, legt man gleich mit "Renegade" und der Single des letzten Albums, "Any Means Necessary" nach, ehe man mit "Bang Your Head" in bester SAXON-Manier (Sänger Joacim nennt auch ganz klar die NWoBHM-Legende als Inspiratoren für den Song) einen Partykracher vom aktuellen Scheibchen nachschießt. Bereits jetzt werden die Schweden lautstark abgefeiert, was sich nochmal steigert, als man nach atmosphärischem Akustik-Intro mit "Blood Bound" weitermacht. Etwas überraschend vielleicht "Fury Of The Wild", das man zugunsten eines "echten" Bandklassikers möglicherweise außen vor lassen hätte können, dafür liegen natürlich wirkliche Kracher wie "Heeding The Call" und "Crimson Thunder" logischerweise nahe. Klar muss man auch noch was vom neuen Album bringen, und HAMMERFALL entscheiden sich hier für eine weitere Party-Nummer, nämlich "Let's Get It On" - ich persönlich hätte hier lieber "The Outlaw" oder "Dia De Los Muertos" gehört, aber man kann halt nicht alles haben. Was man aber von HAMMERFALL immer haben kann, das ist die selbstbetitelte Bandhymne, und die wird nach Songs wie "Last Man Standing" und "The Fire Burns Forever" auch als letzte Nummer im regulären Set gebracht. Nach kurzer Pause greift man dann ein letztes Mal zum "Infected"-Songmaterial und startet mit "One More Time" (das allerdings auch live immer noch ziemlich mies bleibt, da sind leider Hopfen und Malz absolut verloren) in den Zugabenblock, der mit dem unvermeidlichen "Hearts On Fire" weitergeht und schließlich mit einem energiegeladenen "Let The Hammer Fall" endet. Fazit: HAMMERFALL haben sich mittlerweile zu einem Fixstern am Metal-Firmament gemausert, und die Show am diesjährigen MASTERS OF ROCK machte deutlich, warum dies so ist: Routiniert, dennoch mit viel Spielfreude (woran auch besonders Neuzugang Pontus Norgren einen nicht unwesentlichen Anteil hat), einem sehr sicheren Anders Johansson und auch einem stimmfesten Joacim Cans verstehen es HAMMERFALL, mit ihrem einfachen, aber ehrlichen und absolut party-tauglichen True Metal tolle Stimmung zu verbreiten und gut zu unterhalten, und haben sich daher diesen Headliner-Spot redlich verdient. [Dragonslayer] Setlist HAMMERFALL: Patient Zero Renegade Any Means Necessary B.Y.H. Blood Bound Fury of the Wild Let's Get It On Crimson Thunder The Fire Burns Forever Last Man Standing Heeding the Call HammerFall ---------------------- One More Time Hearts on Fire Let the Hammer Fall

MOONSPELL

Die Portugiesen waren der richtige Rauschmeiser am ersten Tag. Die ausgewogene Mischung aus Klassikern „Wolfshade“, „Love Crimes“, „Of Dream and Drama „,Trebraruna“, „ Vampiria“ „Alma Mater „allesamt vom fantastischen Wolfheart Album bis hin zu „Opium“ oder „Memphisto“ rissen die Fans begeistern mit. Alle Songs überzeugten durch den druckvollen Sound und das spielerische Können jedes einzelnen Musikers. MOONSPELL sind einfach eine grandiose Liveband und verstehen es blendend, das Feeling ,die Dramatik und die Theatralik ihrer Musik zu transportieren und an das noch zahlreich vorhandene Publikum weiterzureichen. Man mag zu dieser Band stehen wie man will, Fakt ist, dass es MOONSPELL grandios verstehen eine beindruckende Stimmung zu erzeugen. Sehr geil. [Manfred] Setlist MOONSPELL: Wolfshade (A Werewolf Masquerade) Love Crimes ...Of Dream and Drama (Midnight Ride) Vampiria Trebaruna Alma Mater Opium Awake! Herr Spiegelmann Mephisto Full Moon Madness



FREITAG, 15.7.2011



VARG

Der Tag begann für die Stormbringer-Crew mit ein wenig Wolfgeheul aus Coburg. Man mag ja zu VARG stehen wie man will, aber musikalisch sind die Vier auf Grund ihrer Kompromisslosigkeit, die oft und gerne am Black Metal kratzt, zig anderen Bands aus dem Umkreis des Pagan Metals haushoch überlegen. Oder wie es MARILYN MANSON Look-Alike Fenrier auszudrücken pflegt: “Wir haben noch dicke Eier in der Hose“. In der Setliste tummelte sich dann naturgemäß allerhand Wolfszeug, angefangen von „Wir Sind die Wölfe“, über „Wolfszeit“ bis hin zum „Wolfskult“ war alles vertreten was der Pagan/Black Freund da so erwarten mag. Gute Show, ohne Frage! [Reini]

SILENT STREAM OF GODLESS ELEGY

Dadurch, dass SIRENIA ihren Auftritt cancel mussten, kamen sowohl SSOGE, als auch danach EKTOMORF in den Genuss einer längeren Spielzeit. Die Tschechen nutzten ihren Heimvorteil, konnten die Stormbringer Redaktion aber zu keiner Sekunde ihres rund einstündigen Auftrittes auch nur im Geringsten überzeugen. So war es dann auch die logische Konsequenz, dass sich alle, wirklich alle Redakteure kollektiv an der Biertränke einfanden. [Reini]

EKTOMORF

Pünktlich um halb sieben enterten die Ungarn von EKTOMORF die Stage. Sänger Zoltan und seine Jungs legten einen guten Start hin. In bunten Baggy-Pants herum hüpfend brachten sie ihren Thrash-Metal mit Crossover Anleihen unters gut gelaunte Publikum, welches auch alsbald einen ordentlichen Circle Pit startete. Songs wie „Redemption“, „Gypsy“, “Outcast” „I know them“ oder das SOUNDGARDEN Cover “Rusty Cage” kamen durchwegs gut an. Auch wenn die Begeisterung dann doch nicht ganz bis in die letzten Reihen reichte, war die über eine Stunde Spielzeit nichtsdestoweniger kurzweilig. [Manfred]

RHAPSODY OF FIRE

Erschreckend lange hat's gedauert, aber das diesjährige MASTERS OF ROCK sollte beinahe unglaublicherweise das erste Mal sein, dass ich die italienischen Symphonic-Metaller von RHAPSODY OF FIRE live erleben konnte! Da ist man schon jahrelang Fan, aber auf Grund der tristen Metal-Landschaft für melodisches Material in heimischen Gefilden schauen die Herren rund um Saitenzauberer Luca Turilli hierzulande ja leider schon länger nicht mehr vorbei, und so musste ich mich bis heute gedulden - doch anno 2011 war es nun endlich soweit, und ich durfte die "Artists formerly known as (just) RHAPSODY" endlich performen sehen; und ich sollte nicht enttäuscht werden. Nach dem stilecht von Sir Christopher Lee gesprochenen Intro starten die Italiener auch gleich mit "Triumph Or Agony" in ihr Set; vielleicht nicht unbedingt der beste Start, stellt gleichnamiges Album für mich doch eher einen der (wenigen) Schwachpunkte im Schaffen der Truppe dar. Für diesen etwas unglücklich gewählten Einstand wird der geneigte Fan aber sogleich mit "Holy Thunderforce" vom "Dawn Of Victory"-Album entschädigt, welches überhaupt sehr prominent in der Setlist vertreten ist: nebst diesem Track bringen die Italiener nämlich auch noch "The Village Of Dwarves" und den Titeltrack "Dawn Of Victory". Durch Abwesenheit glänzt leider das sensationelle Debütalbum, auch das starke "Power Of The Dragonflame" ist nur durch "March Of The Swordmaster" und das in der Livesituation auf einem Festival eher verzichtbare "Lamento Eroico" vertreten (warum man hier nicht etwa zu "Pride Of The Tyrant" oder dem Titeltrack greift, entzieht sich meinem Verständnis). Interessanterweise gibt's gar nichts vom neuen Scheibchen "From Chaos To Eternity", stattdessen bringt man "On The Way To Ainor" und "Reign Of Terror" von "The Frozen Tears Of Angels", wobei vor allem letzteres als erste Zugabe überhaupt nicht angenommen wird, und beim Publikum eher lange Gesichter denn gen Himmel gereckte Fäuste hervorruft. Das abschließende, obligatorische "Emerald Sword" kann da auch nicht mehr viel retten, und so bleibt der Auftritt von RHAPSODY OF FIRE einfach zu routiniert, zu perfekt gespielt, aber leider auch wenig mitreißend und beinahe ein wenig lieblos, auch wenn Luca Turilli fleißig agiert, und Sangesgott Fabio Lione sämtliche Register seines Könnens (insbesondere bei "Lamento Eroico") zieht. Dass das dereinst einmal angedachte "Rhapsody in Black"-Album mit RHAPSODY OF FIRE-Songs in "hartem" Gewand und vielen Growls und Shouts statt dem ansonsten sehr opernhaft gestalteten Gesang von Fabio Lione dann doch Konzept geblieben ist, das dürfte angesichts der mehr als verhaltenen Aufnahme von "Reign Of Terror", das in eine ähnliche Kerbe schlägt, dann doch eine sehr gute Entscheidung gewesen sein. Kurzum, RHAPSODY OF FIRE bringen auch live eine lupenreine Performance, die aber leider auf Grund zu großer Sterilität und unglücklicher Songauswahl an diesem Julifreitag nur bedingt begeistern kann. Setlist RHAPSODY OF FIRE: Triumph or Agony Holy Thunderforce The Village of Dwarves On The Way To Ainor Dawn of Victory Lamento Eroico Unholy Warcry The March of the Swordmaster ---------------------- Reign of Terror Emerald Sword

TWISTED SISTER

Kann ein TWISTED SISTER Gig ohne die bekannte Kostümiererei überhaupt funktionieren? Und wie er kann. Dee Snider hat es bereits in der Pressekonferenz angekündigt, man wolle beweisen, dass TWISTED SISTER auch ohne optischen Schnick-Schnack some serious asses kicken können. Sprachlos stand er da der Rezensent, die als Intro auserkorene und vollständig via Band ausgespielte AC/DC Hymne „It's a Long Way to the Top (If You Wanna Rock 'n' Roll)“ machte es einem nicht gerade leichter die Anspannung und die leichte Nervosität zu bekämpfen. Aber spätestens 10 Sekunden nach dem die Band mit „What You Don't Know (Sure Can Hurt You)“ eingestiegen war, ist die Welt schon wieder in Ordnung. Der Sound passte, die Instrumentalisten freundlich, aber eher verhalten und vorne ragte ein Mann, eine Institution, eine Legende mit seinem blonden Wuschelkopf heraus. Dee Snider, die personifizierte Rampensau, hatte von der ersten Sekunde an die Massen derart fest im Griff, dass man zeitweise Angst hatte überhaupt noch Luft schnappen zu können. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, das war der erste Auftritt von TWISTED SISTER in Tschechien ever und die rappelvolle Arena dankte es den fünf aus den Staaten mit einem bislang noch nie erlebten Enthusiasmus. Diese Ekstase übertrug sich auch auf die Band, Dee Snider wälzte sich bei „Captain Howdy“ ekstatisch auf dem Bühnenboden; verlor während „You Can't Stop Rock 'n' Roll“ gleichmal sein Mikro, welches in den Fotograben purzelte, und vor „The Fire Still Burns“ hielt Gitarrist Jay Jay French eine Brandrede gegen jegliche Formen von Sanges-Castingshows. Der Oberhammer, der sogar dem Verfasser dieser Zeilen die Gänsehaut auflaufen ließ, war aber „The Price“, dieses Lichtermeer ist schwer in Worten zu beschreiben, darum hier und jetzt der optische Beweis dieses Erlebnisses:



Vor „Under The Blade” dankte Dee Snider ganz galant Mother Earth, der Bitch, dass sie die Band und auch das mittlerweile schon komplett ausgerastete Publikum von einem Regenguss verschont ließ und sogar das Drum-Solo von A.J. Pero während „Burn in Hell“ (mit superber Lightshow übrigens!) wurde frenetisch abgefeiert. Kurz vorm nach Hause gehen nochmal schnell vor AC/DC verbeugt („Whole Lotta Rosie“), die Menge „I Wanna Rock“ singen lassen und weg waren sie die Fünf. Aber schon kurz danach ertönte es vom Band: Come Out And Play TWISTED SISTER, Come Out And Play…; der „Sick Motherfucker“ sollte mir, dem Publikum und auch der Band dann den Rest geben. Worte können diesen Triumphzug wenig bis gar nicht beschreiben, jegliche Superlative wären hier fehl am Platz, TWISTED SISTER muss man einfach erlebt, gespürt, genossen haben! [Reini] Setlist TWISTED SISTER: It's a Long Way to the Top (If You Wanna Rock 'n' Roll) - (AC/DC song as Intro) What You Don't Know (Sure Can Hurt You) The Kids are Back Stay Hungry Captain Howdy You Can't Stop Rock 'n' Roll The Fire Still Burns We're Not Gonna Take It The Price Under the Blade Burn In Hell Whole Lotta Rosie (AC/DC Cover) I Wanna Rock --------------------- S.M.F.

AIRBOURNE

Zugegeben, es sollte ein schweres Stück Arbeit sein, nach der sensationellen Performance von Dee Snider und seinen TWISTED SISTER auf die Bühne des MASTERS OF ROCK zu schreiten, doch wenn eine Band dieser Tage diese Glanzleistung erfolgreich vollbringen können sollte, dann wären das wohl AIRBOURNE, die derzeit wohl beste Live-Rockband der Welt. Klar, technische Meisterleistungen müssen die vier Australier bei ihrem erdigen Hard Rock auch nicht abliefern, aber auch ordentlich druckvoll abrocken muss erstmal gelernt sein! Dabei helfen nicht nur die spektakulären Marshall-Wände im Rücken, sondern vor allem viel Energie und Spielfreude; und davon haben die vier Jungs rund um Fronter Joel O'Keeffe mehr als genug. Und auch wenn die vielzitierten Landsmänner von AC/DC natürlich beim Sound von AIRBOURNE Pate gestanden haben, und auch wenn die Gentlemen um Angus Young auch selbst immer noch spektakuläre Liveshows abliefern, so können die Jungspunde von AIRBOURNE, die alle zwischen 24 und 28 Jahre alt sind, natürlich noch ein anderes Tempo fahren. Und das tun sie auch: Da wird von Anfang bis Ende der Show munter auf der Bühne herumgelaufen, andauernd wechseln Justin Street und David Roads die Seiten, und natürlich klettert auch Joel O'Keeffe - wie immer - am Bühnengerüst empor, um schließlich von ganz oben auf die hungernde Meute herunterzurocken. Und egal, ob man Songs des aktuellen Albums wie "Born To Kill" oder "No Way But The Hard Way", oder Bandklassiker wie "Diamond In The Rough" und natürlich "Runnin' Wild" performt - hier wird amtlich gerockt, und sogar jene Leute, die sonst mit geradlinigem Rock nicht so viel anfangen können, werden hier mitgerissen. AIRBOURNE bestätigen somit auch an diesem Abend wieder, dass sie in der Livesituation mit den größten der Großen mithalten können - und auch wenn die Zeitreise mit Dee Snider und TWISTED SISTER heuer rundum noch einen Tick gelungener und perfekter war, so haben sich AIRBOURNE mit ihrer Show bei mir dennoch wieder einen formidablen zweiten Platz erspielen können; und ein zweiter Platz hinter einer Legende wie TWISTED SISTER ist nun auch nicht gerade etwas, wofür man sich schämen müsste! Danke Jungs, immer wieder gerne! Setlist AIRBOURNE: Raise The Flag Born To Kill Diamond In The Rough Blonde, Bad And Beautiful Chewin' The Fat Girls In Black Bottom Of The Well Cheap Wine & Cheaper Women Blackjack No Way But The Hard Way Too Much, Too Young, Too Fast Runnin' Wild



WATAIN

Nach AIRBOURNE noch WATAIN nachzuschieben ist natürlich böser als böse. Die Backstage tatsächlich handzahm auftretenden Schweden verzichteten am Masters of Rock auf ihre sonst üblichen Blutsuddeleien und beschränkten sich einerseits darauf mit ihren opulenten Feuersäulen, -kreuzen, -dreizacken etc. zu imponieren und andererseits eine wirklich bitterkalte, unbarmherzige, aber zu jederzeit hochklassig musikalische Black Metallische Apokalypse zu zelebrieren. Ansagen waren – wie üblich – mehr als Mangelware, aber diese Band braucht keine Interaktion, sie besticht mit ihrer einzigartigen Magie, ihrer Unbarmherzigkeit und hat in Sänger Erik einen optischen Blickfang, der hauptsächlich mit seiner ausdrucksvollen Mimik und Gestik dazu beitrug, dass die andächtige Wirkung dieses als wahre Zeremonie zu bezeichnenden Auftrittes auch nachhaltig in den Köpfen der noch Anwesenden verankert blieb. [Reini] WATAIN Setlist: Death's Cold Dark Malfeitor Storm of the Antichrist Satan's Hunger Reaping Death Total Funeral Waters of Ain


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