21.10.2011, Arena

HEIDENFEST 2011

Veröffentlicht am 02.11.2011

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Jaja, sie sind mittlerweile schon sehr professionell unterwegs, die Heiden. Mögen sie vielleicht hinter der Bühne oder im Nightliner ein unzivilisierter Haufen sein, auf der Bühne herrscht Disziplin und die Abläufe des Abends sind generalstabsmäßig durchgeplant. Gottseidank, denn so sind die Umbaupausen kurz, und jede Band spielt auch nur so lange, dass es grade nicht langweilig wird. Rock The Nation haben das Tourpackage-Business in Österreich und darüber hinaus mittlerweile fast alleine in der Hand, und irgendwie ist alles fast schon zu perfekt. Wo sind die chaotischen Tourneen, wo zwischendurch auch mal Blödsinn passiert, keine überforderten Tourmanager backstage rumzicken und alles noch relativ spontan war? Dass das anno 2011 nicht mehr so funktioniert, macht das HEIDENFEST wieder mal mehr als deutlich. Hier will eine ziemlich große Menge an ziemlich jungen Metallern möglichst von vielen Bands aus der Pagan-, Folk- und Viking-Ecke vollbedient werden, und deswegen hat man heuer auch ein echt feines Pagan-Paket für den Fan zusammengeschnürt.

Den Kickoff dürfen die Isländer SKALMÖLD bestreiten. Die sympathischen Burschen schaffen es auch binnen nur zweier Songs, so ziemlich alle bereits um diese frühe Uhrzeit (es ist erst 18:15...) anwesenden Freund der harten Musik in die Halle zu locken, und nach drei Songs hat die Band die Meute dann vollends auf ihrer Seite. Untermalt mit netten Singalong-Passagen, deftigen Mittelalter-Einlagen an der richtigen Stelle und einer gehörigen Wucht und Spielfreude schmettern SKALMÖLD ihr halbstündiges Programm in den Raum, und das Publikum ist anschließend mehr als nur gut aufgewärmt. Der Sympathie-Bonus geht heute eindeutig an Island! TROLLFEST aus Norwegen sehen nicht nur recht wild aus, die Waldschrate sind auch um einen ganzen Zacken härter und schneller als die Kollegen von der Insel. Wie Derwische agieren die Protagonisten, die auf solch putzige Pseudonyme wie "Trollbank", "Trollmannen" (der Sänger kommt als Bierflasche verkleidet auf die Bühne, was seinem urigen Aussehen nochmals eine schräge Nuance mehr verleiht...) oder "Psychotroll" hören. Große Besonderheit ist neben dem Akkordeon auch ein Saxofonist, der den Speed-Folk mit schrägen Klängen aus einem sichtlich extrem alten Instrument ausschmückt. TROLLFEST sind cool, schräg und können auch musikalisch die volle Punktezahl einfahren. Und der Jubel-Level ist bereits auf relativ hohem Niveau festgefroren.

Auf ARKONA warten heute sicherlich viele, denn die fellgewandete Combo aus Moskau hat in unseren Breitengraden binnen kurzer Zeit einen echten Höhenflug hingelegt. Vor allem Sängerin, Grunzerin und Hobby-Schamanin Masha Scream steht im Mittelpunkt des Geschehens und switcht ungewöhnlich schnell zwischen ihren geschätzten zwölf Stimmfärbungen hin und her. So zierlich diese Frau wirkt, wenn sie so neben einem steht, so gewaltig ist ihre Bühnenpräsenz! Beim Sound haben ARKONA allerdings heute die Arschkarte gezogen, viel zu laut und teilweise mit massiv vielen Höhen bläst der ansonsten einwandfreie inszenierte Folk-Metal einem die letzten Haare gerade. Wem seine Hände nicht schon über dem Kopf erstarrt sind vom ständigen Faust-in-die-Luft-Recken, versorgt sich spätestens jetzt noch mit einem Getränk. Denn wie man weiß wird bei ALESTORM vor allem eines: gesoffen. Die lustigen Schotten passen heute optisch überhaupt nicht zwischen all die Waldschrate, was aber gar nix macht, denn hier ist vom ersten Takt an Party angesagt. Sänger Christopher Bowes ist nicht nur so ziemlich der einzige, der heute Abend ein Umhänge-Keyboard auf der Bühne schwingt. Er ist auch der gottseidank einzige, der heute einen laut Zeugenaussagen "ziemlich üblen Geruch" an die Umwelt abgibt. Egal, wo Heiden sind, da darf auch mal gestunken werden. Das Publikum bekommt's eh nicht mit und feiert jeden Refrain euphorisch ab.

Dass TURISAS live fast immer überzeugen können, ob nun nachmittags auf großen Festivals oder als Co-Headliner in kleinen Hallen, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Die rot-schwarze Finnen-Armada rund um den charismatischen Frontklotz Mathias "Warlord" Nygard kann vom ersten Takt an überzeugen, was nicht zuletzt an ihrem einzigartigen Stil irgendwo zwischen Symphonic- und Folk-Metal liegt. Die Crowd singt sämtliche Refrains mit, und spätestens bei "Holmgard And Beyond" kocht die Halle. TURISAS sind in punkto Power und Performance für mich die Sieger des heutigen Abends, und sollten eigentlich Headliner sein. Denn FINNTROLL sind dieser Position - zumindest heute Abend - nicht würdig.

Mit gelangweilten Gesichtern spulen Vreth und Co. ihr Nullachtfuffzehn-Programm runter, und man merkt auch deutlich an der Reaktion der Fans, dass es die Band schon mal besser konnte. Vielleicht sollten sie nicht inflationär auf allen Festivals dieser Welt auftreten, denn irgendwann spielt sich die Mucke tot. Man kann beobachten, wie die Leute Richtung Bar abwandern, und auch ich gebe nach einer halben Stunde FINNTROLL-Beschallung auf - das reißt heute keinen mehr raus, und nach sechs Bands sind die Leute zurecht müde. Trotzdem: ein gelungener Abend, auch wenn ein Freund von mir im Vorbeigehen meinte "Das klingt ja alles gleich". Den Leuten hat's gefallen, und das Packlage minus FINNTROLL hätte auch gereicht, um alle glücklich zu machen. Weniger ist eben oft mehr...


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