31.10.2011, Arena

NECKBREAKERS BALL feat. DARK TRANQUILLITY (Wien)

Text: Luka
Veröffentlicht am 04.11.2011

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Unter dem Banner „Neckbreaker’s Ball“ touren nun schon zum vierten Mal Metal-Bands unterschiedlicher Genres durch Europa. Diesmal sind als Co-Headliner ELUVEITIE und DARK TRANQUILLITY angesetzt. Mit letzteren als Headliner beehrten sie dann die Große Halle in der Arena. Die erste schlechte Nachricht gabs schon vor dem Tourstart: die eigentlich auch angekündigten DEATH ANGEL sagten ab (und gehen stattdessen auf Tour mit ANTHRAX und TESTAMENT), was dem Line-Up doch ein bisschen was von der Mächtigkeit nahm. Stattdessen konnten die Schweizer Thrasher GURD verpflichtet werden. Ob diese ein adäquater Ersatz sind und ob die Packung an Metal-Genres Sinn macht, war die Frage vor dem Konzert. Eröffnen durfte (noch vor 18 Uhr) OMNIUM GATHERUM aus Finnland. Wohl durch die frühe Beginnzeit waren noch nicht allzu viele Leute da, um den Melo-Deathern zuzuhören. Allein das vordere Drittel der Halle war halbwegs gefüllt. Aber die Jungs konnten mit einem druckvollen Set und dem sympathischen Shouter Jukka Pelkonen, der am Ende des Sets noch mit den Fans in der ersten Reihe abklatschte, punkten. Gespielt wurden hauptsächlich Songs der letzten CD „New World Shadows“ – „Ego“, „Soul Journeys“ und „Deep Cold“ kamen super herüber, und natürlich durfte auch „Nail“ von „The Redshift“ nicht fehlen. Wie so oft ein klasser Auftritt der Finnen.

Als nächstes kam dann der DEATH ANGEL-Ersatz GURD dran. Die Schweizer Thrash-Maschinerie gab gleich von Anfang an Vollgas, und obwohl die Halle in der Zeit nicht viel voller wurde, sprang doch ab und zu auch ein Funke der Begeisterung aufs Publikum über. Fronter V.O. Pulvers Ansagen waren sympathisch und auf den Punkt. Die Songlist war ein Mix aus alten Hadern („Get Up“ und „What Do You Live For“) und Material von der neuen Scheibe „Never Fail“ („Terminate“ und „Rising From The Ashes“). Dann entstand zum ersten Mal auch ein kleiner Moshpit, der aber nur eine kurze Lebensdauer hatte. Alles in allem ein feiner Gig, wohl nicht ganz auf DEATH ANGEL-Niveau, aber gut anzuhören.

Dann waren MERCENARY dran. Die Melodic Deather aus Dänemark haben sich vor allem in letzter Zeit einen bekannten Namen gemacht, sie waren auch bei der letzten „Power Of Metal“-Tour dabei. Erstmals wird hier auch von einigen Fans lautstark mitgesungen. Da ich mit der leicht Emo-lastigen Death-Metal-Mischung aus Klargesang/Growls und Synth-Einspielungen eher weniger anfangen kann, nutze ich die Zeit um zum einzigen offenen Würstelstand in der Arena zu gehen und das durch die frühe Beginnzeit ausgelassene Abendessen nachzuholen. An dieser Stelle ein Hoch auf den Käsekrainer, der mir schon vor, während und nach vieler Konzerte neue Lebenskraft eingehaucht hat! Als letzte „Vorband“ kommen dann VARG an die Reihe. Die Deutschen haben sich mit ihrem auf Deutsch gesungenen Pagan Black Metal (ähnlich wie in letzter Zeit SABATON oder POWERWOLF) eine Nische geschaffen, die ihnen eine ansehnliche Anzahl von Fans beschert. Dass musikalisch dafür nichts allzu Spannendes steckt (wie bei den zwei anderen vorher genannten Bands), ist dann eher nebensächlich. Live jedenfalls sind die Jungs sicherlich eine Macht, die Songs kommen mit viel Wumms daher. Und das Publikum ist begeistert, singt mit und mosht gehörig. Vor allem bei Songs wie „Wir sind die Wölfe“ oder „Schwertzeit“ vom aktuellen Album „Wolfskult“ geht die Menge ab. Für die folgenden ELUVEITIE ist dann die doch nicht so kleine Bühne in der Arena fast zu klein – es müssen immerhin acht Musiker Platz darauf finden! Die Schweizer kommen quasi direkt aus dem Studio, wo die Aufnahmen für ein neues Album vorangehen. Und die Menge dankt ihren Helden das Kommen – die meisten Leute sind anscheinend wegen der Pagan Metal Combo gekommen. Die ersten Reihen im Publikum sind konstant am Hüpfen und Mitsingen, und die Stimmung wird, vor allem nach der eher düstern VARG-Darbietung, sehr positiv. Dass hier schon Headliner am Werk sind, merkt man auch an der erstmals vorhandenen Lichtshow. Soundmäßig gibt’s hier natürlich leichte Abstriche – die klassischen Instrumente der Band tun sich recht schwer, gegen das Schlagzeug und die mächtigen Gitarren anzukommen. Nichtsdestotrotz wird hier ganz feiner, hochklassiger melodischer Death Metal mit vielen Folk-Elementen geboten. Auch Leute, die mit der Pagan-Sache eher wenig anfangen können, können sich für die Death Metal Anteile begeistern. Neben den sympathischen Ansagen von Frontmann Christian Glanzmann können ELUVEITIE auch mit anderen Einlagen begeistern – etwa, als Drehleierspielerin Anna Murphy mal beim Schlagzeugen mithilft… Starker Gig der Schweizer!

Nach der Anzahl an DARK TRANQUILLITY T-Shirts zu urteilen, sind die meisten Leute im Publikum wegen den Schweden gekommen. Und nach kurzer Umbaupause legen die Jungs um Mikael Stanne richtig los. Der Sänger ist wie immer ein Wirbelwind auf der Bühne, obwohl man ihn stimmlich auch schon besser erlebt hat. Geboten werden Songs aus verschiedenen Zeiten der Bandgeschichte, vom letzten Album „We Are The Void“ sind einige Lieder vertreten, aber auch Songs von „Damage Done“ („The Treason Wall“ und „Final Resistance“), „Haven“ („The Wonders At Your Feet“) und sogar von „Projector“ („The Sun Fired Blanks“) haben es auf die Setlist geschafft. Leider bleibt das Publikum im Gegensatz zur Anteilnahme bei ELUVEITIE recht statisch, und der Stimmungspegel sinkt leicht nach unten. Nichtsdestotrotz spielen die Schweden ihr Set routiniert herunter und lassen sich auch nicht von technischen Problemen an Martin Henrikssons Gitarre beirren. Man hat die Jungs (und das Publikum) schon mal besser gesehen, aber die tolle Songauswahl schiebt das Konzert dann doch über den Durchschnitt.

Alles in allem war es ein spannender Abend mit einem sehr interessanten Genremix. Durch die vielen vertretenen Musikrichtungen (von Melodic Death über Thrash zum Black, Pagan und dann wieder Melodic Death) kam fast ein bisschen Festivalstimmung auf. Das macht Lust auf einen weiteren„Neckbreaker’s Ball“!


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