01.06.2012, Schloß Mamling

METALFEST AUSTRIA 2012 - Day 2

Veröffentlicht am 08.06.2012

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Der zweite Festivaltag beginnt wie der erste endete. Zum mittäglichen Bandbeginn steigt trotz anhaltender Nässe die Stimmung und guten Mutes wird Richtung Bühne gewatet. Nur spärlich wurden Heu und Mulch gestreut; bei diesen Regenmassen ein Tropfen auf dem heißen Metall. Mit der Zeit lernt man allerdings die Feuchtigkeit und den schleichenden Gestank von Vermoderung zu ignorieren und findet ihn sogar passend zur Titulierung des nächsten Acts.

GRAVEYARD formieren sich pünktlich um halb eins vor einem berauschenden Banner und starten mit „Buying Truth“ in ihr Liveset. Der bienenartige Hintergrund scheint zum Takt der Musik zu kreisen, als sich Sänger Joakim Nilsson zum Mikrofon lehnt. Dessen raue, kräftige Stimme könnte nicht geeigneter sein für den 70s affinen Rock der Schweden und auch die äußere Erscheinung der Jungs versinnbildlicht das musikalische Gesamtkonzept. Gespielt wird ein lockerer Mix aus zwei Alben Bandgeschichte, in welchem Songs wie „Ungrateful Are The Dead“ oder „Ain’t Fit To Live Here“ nicht fehlen dürfen. Als Besonderheit gibt es außerdem „Granny And Davis“, einen B-Seiten Song des 2011 erschienen „Hisingen Blues“. Unüberhörbar führt der Vierer dem Publikum einen längst vergangenen Zeitgeist vor Ohren und beendet mit "Evil Ways" ein üppiges Set.

Während DEATH ANGEL für ein gänzlich anders Programm und Publikum sorgen, lockt auch DARK TRANQUILLITY immer mehr Besucher vor die Bühne. ENSIFERUM scheinen so manchen zu einem ausgiebigen Schlammbad zu animieren, andere benutzen den braunen Schlick lieber nur als Kriegsbemalung. Abends, im Zelt der 2nd Stage, herrscht wegen Absagen von KRYPTERIA und HATE gähnende Leere. Immerhin gibt es aber noch die Mainstage, auf welcher die Hauptbands des Tages heute auch performen werden. Die Industrial-Metaler FEAR FACTORY veröffentlichen passenderweise an diesem Tag einen neuen Longplayer und nutzen die Gelegenheit zur Publicity. Der musikalische Rundgang durch die Maschinerie der Angstfabrik führt vorbei an progressivem Material von „Obsolete“, hinein in die Werkstätten von „Digimortal“ und auch in die Top-Secret Abteilung des neuen „The Industrialist“ darf man einen Blick werfen. Grooven die Riffs dabei auch noch so sehr, der industrielle Sound ist fast zu mechanisch für die Bühne. Trotz allem genießt man die Show und auch über gesangliche Ungereimtheiten lässt sich hinwegblicken, wenn „Linchpin“ oder „Replica“ die Fabrikstätte erschüttern.

In Sachen Bandgeschichte ist das 23-jährige Bestehen von FEAR FACTORY zwar bemerkenswert, doch weitaus betagter ist die nächste Band im Programm. 2012 feiert man nämlich 30 Jahre W.A.S.P., und das kein bisschen leise. Etwas verzögert startet die Gesetzlosen-Fraktion in ein Liveset voller Klassiker. Nimmt man den Altrockern zwar nicht mehr die „L.O.V.E. Machine“ ab und geht der mittlerweile etwas aufgeplusterte Blackie auch nicht mehr als „Wild Child“ durch, erfreut sich Jung und Alt vor der Bühne dennoch nostalgischer Klänge. Das 1984 erschienene Self-Titled Album sowie das Konzeptalbum „The Crimson Idol“ bestimmen die Setlist und das kommt auch dieser Tage noch gut an. Das ambitionierte Bandziel „I Wanna Be Somebody“ scheint bei Weitem übertroffen. IN EXTREMO machen das Schlusslicht auf der Mainstage. Zum anfänglichen "Sterneneisen" dürfen Sackpfeifen die Gehirnwindungen durchfegen und ähnlich melodisch geht es bei „Zigeunerskat“ zu. Die Klänge scheinen motivierend, denn schon bald wiegen sich Mädchen auf Schultern sitzend zum Takt der Musik, während gleichzeitig heitere Publikumschöre ertönen. Per „Flaschenpost“ sendet "das letzte Einhorn" Dank an die Crew und schunkelt die Zuschauer zu „Unsichtbar“ weiter in Richtung Mittelalter. Ein paar Feuerstöße hier und da steigern Optik wie Begeisterung und gegen 23 Uhr findet man sich wieder heil zur Gegenwart zurückgekehrt.


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