14.07.2012, Liqueur Company R. Jelínek

MASTERS OF ROCK 2012 - Day 3

Text: Dragonslayer | Fotos: manfred
Veröffentlicht am 27.07.2012

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Der Sommer hat bereits einige Festival-Highlights hinter sich: Nova Rock und Hellfest sind überstanden, die Sonispheres wurde bekanntlich abgesagt und noch stehen einige Großtaten wie das Wacken:Open:Air bevor. Doch Mitte Juli ist traditionell die Zeit für die Stormbringer-Crew, sich auf den Weg zu machen in ein kleines tschechisches Dörfchen mit dem Zungenbrecher-Namen Vizovice, wo alljährlich das wohl melodischste aller Metal-Festivals stattfindet: Jawohl, es ist wieder Zeit für MASTERS OF ROCK! Auch diesmal war nebst Kollegen Reini und Manfred auch meine Wenigkeit wieder vor Ort, um bei frühlingshaft frischen Wetterbedingungen den mal mehr, mal weniger sanften Klängen des melodischen Metalls zu lauschen. TAG 1 Die Ehre, die Vorhut auf dem Festival zu bilden, wurde in diesem Jahr mir zuteil: So durfte ich gleich mit der ersten Band, den Tschechen von LEGENDY SE VRACÍ, einen zünftigen Festivaleinstand feiern. Denn die Herren sorgten mit ihren Akustik-Coverversionen von allerlei Rock-Klassikern von AC/DC bis zu PRINCE und „Purple Rain“ nicht nur für eine Bombenstimmung schon zur frühen Stunde, darüber hinaus fand auch noch eine waschechte Masters Of Rock-Hochzeit statt: Ein Pärchen, dass sich vor einigen Jahren auf dem Masters of Rock kennengelernt hatte, gab sich im Anschluss an die Show nämlich auf der Bühne vor der Vertreterin des örtlichen Standesamts das Ja-Wort. Eine wunderbar kitschige Eröffnung für ein durchaus auch sonst recht süßstoffhaltiges Festival. Aber genau darum sind wir ja da. Bei den folgenden SALTATIO MORTIS gab’s dann Action satt auf der Bühne: Ein hochelastischer und gut gelaunter Frontmann Alea sorgte mit gewagten Einlagen für Phantomschmerz im Sprunggelenk, und auch Titel wie „Ode an die Feindschaft“ und „Habgier und Tod“ kamen beim versammelten Publikum gut an. Als Draufgabe wurde dann noch etwas Crowdsurfing als Morgensport betrieben – danach brauchte ich erst mal eine kurze Ruhepause, die aber nur bedingt ruhig ausfallen sollte – standen doch unsere Landsmänner von THE SORROW bereits in den Startlöchern. [Dragonslayer] THE SORROW Besser hätte ich meinen Einstieg beim diesjährigen MASTERS OF ROCK Festival nicht finden können, unser Vorarlberg Export THE SORROW durfte eine gute Stunde lang auf der Mainstage lärmen und unterhielt – wie schon bei ihren zwei vorangegangenen Auftritten auf diesem Festival – die Meute in Vizovice aufs vortrefflichste. Die Bühnenaction war 1A, die Songauswahl schön querbeet durch die drei bislang veröffentlichten Alben und der Circle Pit, den THE SORROW den Tschechen abverlangten, der sollte an diesem Abend nicht mehr übertroffen werden. Eine weitere deutliche Duftmarke des sympathischen Vierers, welcher die Vorfreude auf das bereits fertig eingespielte neue Album noch weiter steigerte. [reini] Setlist THE SORROW: Afflictions Where Is The Sun? Elegy/The Dagger Thrust You Are My Nemesis Saviour, Welcome Home Grief Machine My Immortal Guardian Crossing Jordan Knights of Doom Suffering Quotes Death from a Lovers Hand KAMELOT Richtig interessant wurde es dann mit KAMELOT: Die Spannung war groß, sollte die Show beim diesjährigen Masters of Rock doch die erste offizielle mit Neo-Sänger Tommy Karevik sein. Viele Vorschusslorbeeren hat man dem Mann von SEVENTH WONDER bereits gestreut, und dennoch war bei mir noch viel Skepsis vorhanden – einen solchen Charaktersänger wie Roy Khan ersetzt man nicht so leicht. Doch Mastermind Thomas Youngblood hat bei seiner Wahl ein goldenes Händchen gehabt, und einen absoluten Glücksgriff getätigt: Denn Tommy Karevik sieht Roy Kahn nicht nur recht ähnlich und bewegt sich auch wie der geschiedene Sangesgott, sondern bringt auch stimmlich eine beinahe verstörend originalgetreue Performance zuwege. Zwar zeigt sich bei den Openern „Rule The World“ und „Ghost Opera“ noch ein wenig die Nervosität und Unsicherheit angesichts der großen Aufgabe, doch spätestens mit dem fulminant dargebotenen „Center Of The Universe“ kann Tommy auch den letzten Zweifler im Publikum restlos überzeugen. Sensationelle Performance! Und ab da lassen KAMELOT auch nichts mehr anbrennen: Bei starkem Sound flitzt Thomas Youngblood gekonnt elegant durch seine Soli, gesangliche Unterstützung erhält Tommy Karevik indes von den AMARANTHE-Goldkehlchen Jake E. und Elise Ryd, wobei letztere vor allem beim großartigen „The Haunting“ Akzente setzen kann. Sehr gut war auch der Ersteindruck von „Sacrimony“, einem Song des kommenden neuen KAMELOT Albums, der absolut Lust auf mehr machte. Schließlich gab man sich dann mit dem Dreifachschlag in Form von „Forever“, „Karma“ und „March Of Mephisto“ noch einem fulminanten Finale hin. Ganz starke Show und viel besser als jene, die ich 2008 auf Wacken erleben durfte, sowie ein grandioser neuer Frontmann, der sicherlich zu den drei besten Sängern und Sängerinnen des gesamten Festivals gezählt werden kann. Das einzige, was man Tommy vielleicht vorwerfen kann, ist, dass er schon beinahe zu sehr nach einem Abziehbild von Roy Khan aussieht und auch klingt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit der junge Mann im Laufe seiner Karriere dem KAMELOT-Sound seine eigene Note wird verpassen können. Dennoch ein absolutes frühes Highlight des diesjährigen Masters of Rock! [Dragonslayer] Setlist KAMELOT: Rule the World Ghost Opera Center of the Universe The Human Stain The Great Pandemonium When the Lights are Down Necropolis Sacrimony The Haunting (Somewhere in Time) Forever Karma March of Mephisto THIN LIZZY Irgendwie mag ich ja das künstlich am Leben halten von Legenden nicht wirklich – im Fall von THIN LIZZY macht es für mich persönlich zumindest auf dem Livesektor ein wenig Sinn. Zwar weder wegen Brian Downey (dem einzigen wirklichen Gründungsmitglied der derzeitigen Besetzung), noch wegen Scott Gorham (dem sicher prominentesten der derzeitigen Besetzung), sondern hauptsächlich wegen Ricky Warwick, der mich als eingefleischten THE ALMIGHTY Liebhaber schon in der Vergangenheit bestens unterhalten hatte. Und dies tat der mit einem doch eher unpassenden Schnauzbart ausstaffierte Mr. Warwick auch als Fronter (und Gitarrist wohlgemerkt!) von THIN LIZZY. Da kam dem Schotten natürlich auch das immense Hitpotential der irischen Rocklegende zu Gute. Wer es sich leisten kann gleich zu Beginn seines Auftrittes Jahrhundertsongs wie „Are You Ready“, „Jailbreak“ oder „Don’t Believe A Word“ in die Menge zu pfeffern, der muss schon einiges in der Hinterhand haben. Besonders gut kam bei den „neuen“ LIZZYs die Tripple Guitar Attack, wo neben Gorham und Damon Johnson (wenn er’s denn wirklich war, beim zweiten etatmäßigen Klampfer neben Mr. Gorham kann man sich bei THIN LIZZY in letzter Zeit nicht so sicher sein) auch Ricky Warwick in die Saiten griff. Zwar wurde es in der Mitte raus ein wenig zach, aber spätestens beim Tränen-Drücker „Still In Love With You“ bekamen die Altrocker wieder die Kurve. Kunststück, ab dann standen eigentlich nur mehr Welthits am Program: „Whiskey in the Jar“, „Suicide“, „Waiting For An Alibi“, der „Cowboy Song“ bzw. das unvergleichliche „The Boys Are Back In Town“ ließen die Ronnie James Dio Stage erzittern, das Publikum ausrasten und den Rezensenten eine kleine Träne verdrücken, dass es ihm nicht vergönnt war diese Band mit Phil Lynott on Vocals auf der Bühne zu erleben. [reini] WITHIN TEMPTATION Nachdem die Herren von THIN LIZZY so richtig fett gerockt haben, war ich nun sehr gespannt auf die Darbietung von WITHIN TEMPTATION. Im Gegensatz zur Holländischen Fußballtruppe, die bei der Fußball EM so richtig abgesoffen sind, macht die sympathische Truppe rund um Gesangsgöttin Sharon den Adel an diesen Abend alles richtig. Mit fettem Sound, pompöser Licht- und Lasershow und einem Kurzfilm an den Leinwänden startet die Band mit „Shot in the Dark“ gleich richtig durch. Natürlich war die Frontdiva der absolute Blickfang. Ihre einfühlsame, zauberhafte Stimme kommt so perfekt aus den Boxen und versetzt das Publikum in einen tranceähnlichen Zustand. Alle Songs, ob „Faster“, „Ice Queen“, „Stand my Ground“ oder auch „Sinead“ – alle werden mit enormer Begeisterung aufgenommen. Die Rhythmussektion ist natürlich beeindruckend, obwohl einem die Herren ein wenig leidtun können. Die wunderhübsche und charmante Sängerin steht eindeutig im Mittelpunkt – vor allem bei den Fotografen. Schade eigentlich, denn die Band spielt großartig und die enormen spielerischen Fähigkeiten geraten manchmal ein wenig in den Hintergrund. Gegen Ende der Show singen 25000 Fans der Sängerin, die an diesem Abend Geburtstag feiert, ein Geburtstagständchen und es werden auf der Bühne eine Torte und ein Blumenstrauß überreicht, der dann ins Publikum geworfen wurde. Nach dem sehr emotionalen „Never Endig Story“ und „Mother Earth“ verabschieden die Fans die Holländer nach dieser Galavorstellung mit tosendem Applaus, den sich die Band redlich verdient hat. WITHIN TEMPTATION sind in dieser Verfassung eine Macht und waren für mich das Highlight des Festivals. Beindruckend. [Manfred] Setlist WITHIN TEMPTATION: Shot in the Dark In the Middle of the Night Faster Ice Queen Fire and Ice Our Solemn Hour Stand My Ground Sinéad What Have You Done Iron Angels Where Is the Edge Hand of Sorrow The Heart of Everything Stairway to the Skies Never-Ending Story Mother Earth BLOODBOUND Den ersten Festivaltag durften sodann die Schweden von BLOODBOUND beschließen, und diesmal sollte ihnen auch besseres Wetter als bei ihrem letzten Masters-Auftritt vor zwei Jahren beschert sein: Ausnahmsweise kübelte es mal nicht in Strömen (wenn auch so das Wetter nicht ganz perfekt war), und so konnten die sympathischen Schweden rund um Fronter Patrik Johansson auch eine ansehnliche Fanschar nach der Headliner-Show von WITHIN TEMPTATION vor der Bühne halten. Dabei legten die Schweden zunächst mal los mit „Moria“, dem Opener des aktuellen Albums „Unholy Cross“, der auch in der Livesituation ordentlich zündet, und auch wenn sie zunächst mit etwas dürftigem Sound zu kämpfen hatten, tat das der Spielfreude der Jungs keinen Abbruch. Das Hauptaugenmerk lag freilich auf dem genannten Album, von dem auch noch „Drop The Bomb“ und „The Ones We Left Behind“ gebracht wurden. Und mit dem Rausschmeißer „Nosferatu“ verabschiedeten die Herren dann eine glückliche Meute und auch diesen Redakteur in den wohlverdienten Feierabend. Ein klasse Festivaltag mit vielen Highlights und eigentlich keinen Ausfällen, so hat man das gerne! [Dragonslayer] Setlist BLOODBOUND: Moria Bless the Unholy Drop the Bomb Behind the Moon Book of the Dead Crucified The Ones We Left Behind Sweet Dreams Of Madness Nosferatu

TAG 2 RIBOZYME Die Norweger waren sicher eine jener Exoten am MASTERS OF ROCK Festival, die den notwendigen Farbklecks in das Billing brachten. Ihr Indie-Rock-Alternative-Irgendwas Gemisch ist on Stage noch rockiger als auf Platte und auch wenn das Power-Trio sich durch diverse Computer – ähem – Laptoppannen etwas aus der Ruhe bringen ließ, zündeten die rockigeren Tracks des im Februar 2012 via Indie Recordings veröffentlichten Albums „Presenting The Problem“ durchaus. Schade, dass der just zur Mittagszeit einsetzende Regen dem sympathischen und vor allem trinkfesten Dreizack doch einiges an Publikum gekostet hatte. [reini] RIBOZYME Setlist: Presenting The Problem Downside Advantage One Day Worth Lending A Fever Rewatched Caskets Marcho of Crime Scale of Values Over The Glavanized Der anschließende Gig des Griechen Thrash Kommandos SUICIDAL ANGELS musste leider ausfallen, da die Jungs im Tourbus von EXODUS festhingen, der gerade auf dem Weg von Rumänien nach Vizovice war und nebst der katastrophalen Straßenverhältnisse in Rumänien auch mit diversen Staus zu kämpfen hatte. Schade, die Mannen um Gitarrist/Sänger Nick Melissourgos sind immer für ein unterhaltsames Thrashfest gut. [reini] Die Zeit bis zum nächsten internationalen Act (SIRENIA) wurde daher mit einerseits Stille (statt SUICIDAL ANGELS) und zwei lokalen Combos überbrückt. VITACIT spielten irgendeine nicht wirklich gute True/Power Metal Mischkulanz und VISACI ZAMEK war eher eine Comedy-Truppe, die musikalisch auch eher unterirdisch agierte - beide nicht wirklich erwähnenswert. [reini] SIRENIA Als Nächstes waren SIRENIA an der Reihe. Letztes Jahr musste ja deren Gastspiel beim Masters of Rock abgesagt werden, deshalb durften sie heuer noch mal ran. FEINER ZUG. Obwohl ich mit der softeren Marschroute, die SIRENIA nach „The Path to Decay“ eingeschlagen haben, nicht unbedingt zurechtkomme, gab es doch einige Fans, die schon am späten Nachmittag die neuen Hits kräftig abfeierten. (Die Fans beim Masters of Rock gehören sowieso zu den Besten die ich jemals gesehen habe) . Unbeeindruckt legten SIRENIA gleich mit „The End of It all“ los, um sich danach im Wesentlichen auf den Stoff von „The Enigma of Life“ zu konzentrieren. Gitarrist Morten Veland bildet mit seinen Growls den männlichen Gegenpart zur bezaubernden Sängerin Ailyn und sorgt für die nötige Aggressivität in den Songs. Wie nicht anders zu erwarten, geriet der knapp einstündige Set zu einer stimmungsvollen Symphonischen Gothic Metal Party. Wenn auch die Reaktionen der Fans nicht so euphorisch wie noch tags zuvor wie bei WITHIN TEMPTATION waren, hinterließen die Norweger trotzdem eine anständige Duftmarke. Songs wie „Fallen Angel“, oder auch „My Minds Eye“ sind klasse Tracks und würden deren Wirkung bei Kerzenlicht nicht verfehlen. Guter Gig . [Manfred] Setlist SIRENIA: Obire Mortem The End of It All Downfall Fallen Angel All My Dreams Meridian The Seventh Summer Star-Crossed Lost in Life This Darkness The Other Side FREEDOM CALL Der Beginn des Auftritts war ein bisschen durchwachsen und Stimmung wollte nicht unbedingt aufkommen, aber Frontman „Symphatico“ Chris weiß, wie man Wind in die Segel bläst und das Ruder herumreist. Ab dann gab es nur Heavy metal Party Feeling. Die Versuche von Chris, das Publikum zum Mitsingen zu animieren waren nicht immer von Erfolg gekrönt, denn wie ich auch bei anderen Bands schon gesagt habe „Most of the Czech People don't speak or understand english“. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Beim Megasong „The Quest“ musste eine schon etwas reifere Dame neben mir ihre Freudentränen mit einer dunklen Sonnenbrille verdecken. Mit Songs wie „Warrior“, „Freedom Call“ etc. wurde das Publikum super unterhalten und zeigte auch seine Begeisterung. Nach leider nur einer guten Stunde verließ die Band mit einer artigen Verbeugung die Bühne und die Stimmung war jetzt perfekt für ein kühles Gambrinus. Ich glaube, egal welches Festival, die Spielfreude und die gute Laune der Jungs von FREEDOM CALL kommt überall gut an. See us. Und jetzt Bühne frei für die US Thrash Titanen von EXODUS welche nach FREEDOM CALL die Ronnie James Dio Stage mit ihren wahnwitzigen Riffsalven eindrucksvoll zerlegten. Absoluter Wahnsinn. Ich übergebe an Kollegen Reini… [Walter Thanner ] EXODUS Ich gebe zu, ich bin bekennender Fan der Bay Area Legende und habe die Truppe in den letzten vier Jahren mehr als zehn Mal on Stage bewundern dürfen. Sei es jetzt in kleinen, engen Clubs (das Wiener Chelsea), mittelgroßen Hallen (die Wiener Arena), oder auf Festivalbühnen (Brutal Assault Festival, bzw. jetzt auf dem Masters or Rock), die Jungs fegen jedes Mal ohne Rücksicht auf Verluste über die Bretter und lassen sich durch nichts und niemanden aufhalten. Und doch war der Gig am MoR ein Besonderer. Bekanntlich hilft ja EXODUS Boss Gary Holt nach wie vor bei SLAYER aus und so holte die Band ihren alten Gitarristen Rick Hunolt (1983-2005) wieder aus der Versenkung und bot ihm die Gelegenheit altes, wie neues Material während der Europa Tournee zu performen und seine wiedergewonnene Fitness unter Beweis zu stellen. Sicher, Hunolt ist schon von seiner Erscheinung her kein Gary Holt, auch war sein Stageacting bei Zeiten ein wenig „komisch“ (wenn man das jetzt so ausdrücken darf), aber 1. Ist es eine Freude den Kerl wieder gesund und munter zu erleben und 2. war sein Gitarrenspiel durchaus als passabel einzustufen. In diesem Konnex rückte natürlich Lee Altus ein wenig mehr in den Vordergrund, der langmähnige HEATHEN Chef, der abseits der Bühne jedes Mal dreinschaut wie zehn Tage Regen Wetter, kostete seine Gitarren-technische Vormachtstellung in allen Zügen aus und war mit Sangesurvieh Rob Dukes eindeutiger Aktivposten auf der Bühne. Aktivposten waren auch Teile der SUICIDAL ANGELS Mannschaft, welche sowohl von Dukes, als auch Basser Jack Gibson auf die Bühne befördert wurden und bei „Toxic Waltz“ uni so mitträllerten. EXODUS, das war ein mittelmäßiger Orkan, der da über die Likör Destilliere von Rudolf Jelinek hinweg zog und der auch unterstrich, dass die Bay Area Truppe – im Vergleich zu OVERKILL im Vorjahr – auch mit einem nicht so thrash-affinen Publikum bestens umgehen kann. Dies unterstrich auch der permanent(!!!!)-Circle Pit, der wirklich vom ersten bis zum letzten Song anhielt und sogar Rob Dukes bei Zeiten die Sprache verschlug. [reini] UNISONIC Der zweite Tag begann für mich verhältnismäßig spät: Gerade noch zu den letzten Tönen von SIRENIA rund um die charmante Frontlady Ailyn angekommen, sollte meine erste Livereportage gar erst von den teilweise neu aufgestellten UNISONIC handeln. Denn waren die Herren rund um ex-HELLOWEEN-Fontsirene Michael Kiske vor zwei Jahren noch ein wenig unbedarft gewesen und sind die teils rockigen, teils metallischen Kompositionen von damals beim Publikum auch nicht so wirklich angekommen, so hat sich seither doch einiges verändert: Denn mit niemand geringerem als seinem ehemaligen HELLOWEEN-Kollegen Kai Hansen an der zweiten Gitarre weht da bei Michael Kiske und seinen Jungs gleich ein ganz anderer, frischerer Wind über die Bühne: eine energiegeladene Show sowie ein weitaus sattelfesterer und selbstsicherer Michael Kiske spielen sich schnell in die Herzen der anwesenden Fans, und das nicht nur bei den (selbstverständlich) lautstark abgefeierten HELLOWEEN-Klassikern wie „March Of Time“, bei dem sich dann auch bei mir nur mehr Gänsehaut einstellte: Genau so muss das sein, und diese grandiose Performance machte auch die unsägliche Darbietung der jetzigen Band namens HELLOWEEN vom Vorjahr beinahe vergessen. Umgekehrt ist das natürlich um einiges schlimmer für die Herrn Weikath und Deris, wenn einem so überdeutlich vor Augen geführt wird, wie schlecht die eigene Band und Performance doch ist. Aber gut, den beiden Gentlemen wird das wohl angesichts der opulenten Headliner-Gage ziemlich egal gewesen sein. Mich als Fan freut dafür diese Performance umso mehr, ebenso wie die Tatsache, dass auch die neuen UNISONIC-Songs wie der selbstbetitelte Opener „Unisonic“, „King for A Day“ oder das abschließende „We Rise“ gut angenommen werden. Aber klarerweise kocht die Stimmung dann bei den beiden unsterblichen Zugaben „Future World“ (mit grandiosem Rock’n’Roll-Mitsingpart von Michael Kiske, wo von „Blue Suede Shoes“ bis „Hound Dog“ alles mit dabei ist) und „I Want Out“ regelrecht über. Mit einer sensationellen Leistung von Michael Kiske und viel Spielfreude waren UNISONIC für mich die Überraschung des Masters Of Rock 2012! [Dragonslayer] Setlist UNISONIC: Unisonic Never Too Late King for a Day I've Tried My Sanctuary March of Time Over the Rainbow Star Rider Souls Alive We Rise Future World I Want Out EDGUY Die Headliner des zweiten Tages waren dann natürlich Tobias Sammet und seine Mannen von EDGUY. Nachdem der quirlige Frontmann sein AVANTASIA-Projekt ja nun wieder einmal (hoffentlich nur vorerst) zur Ruhe gebettet hat, darf man sich nun wieder vollends auf seine Hauptband konzentrieren; und das ist vielleicht auch gar nicht mal schlecht so, hat doch AVANTASIA zuletzt den EDGUYs selbst massiv die Show gestohlen. An diesem Abend aber lassen EDGUY mit vielen Songs ihres aktuellen Albums „Age Of The Joker“ aber auch nichts anbrennen, und Tobi präsentiert sich launig in Bestform (gut, sein Unfall inklusive Nasenbruch und geprellten Rippen passierte ja auch erst am Folgetag beim Bang Your Head in Balingen – dafür an dieser Stelle auch „Chapeau“ und höchsten Respekt, dass er trotzdem den kompletten Gig unter Schmerzen zu Ende gespielt hat; ich wage zu behaupten, dass so mancher Künstler aus einer der „härteren“ Bands hier eher klein bei gegeben und abgebrochen hätte), und bringt wie üblich seine markigen Sprüche. Die treffen zwar nicht jedermanns Sinn für Humor, aber dafür war der gute Tobi ja auch schon immer berüchtigt. Von ihrer Performance her lassen EDGUY an diesem Abend aber keine Wünsche offen: neue Songs wie „Nobody’s Hero“ und „Robin Hood“ werden genauso geliefert wie einige der ganz großen Klassiker in Form von „Tears of a Mandrake“ und „Babylon“. Fulminant abgefeiert wird die weniger bekannte EP-Nummer „Spooks in the Attic“ dank einer mitreißenden Interpretation, und vor dem abschließenden „Ministry Of Saints“ gibt’s dann sogar noch eine kurze Einlage von IRON MAIDENs „Trooper“. Schmerzlich vermisst werden allerdings Bandklassiker wie „Vain Glory Opera“ und „Out Of Control“ aber naja – wahrscheinlich haben EDGUY selbst schon ein bisschen genug davon, ihre Version von „The Final Countdown“ allabendlich zum Besten zu geben. Als Zugabe krönen die EDGUYs dann aber zumindest noch den „King of Fools“, und entlassen ihre Fans dann zum Cooldown mit PAIN. [Dragonslayer] Setlist EDGUY: Nobody's Hero Tears of a Mandrake Spooks in the Attic Rock of Cashel 9-2-9 Lavatory Love Machine Robin Hood Drum Solo Superheroes Save Me Babylon Ministry of Saints King of Fools PAIN Peter Tägtgren und seine PAIN Mannschaft nutzten den MoR Auftritt um Material für eine künftige DVD Veröffentlichung mitzuschneiden. Dementsprechend üppig fiel auch die Bühnenausstattung aus und Mr. Tägtgren persönlich zog es vor den kompletten Gig in einer Zwangsjacke (natürlich offen getragen!) zu performen. Gefehlt haben bei 70 Minuten Spielzeit natürlich wenige bis gar keine Hits der Truppe, Highlights gab es dafür umso mehr. Das fantastische „Dirty Woman“ etwa, oder das herrlich industrialisierte „Eleanor Rigby“, welches dem BEATLES Status absolut gerecht wurde, dennoch die PAIN Handschrift unmissverständlich klarmachte. Hinten raus ist es dann so richtig großartig geworden. „Bitch“ (was für ein herrlicher Songtitel!) war atemberaubend, „Same Old Song“ und „On And On“ auch und als dann die Klingeltonmusik (© by Björn Thorsten Jaschinksi) zu „Shut Your Mouth“ einsetze, gab es sowieso kein Halten mehr. Auch deswegen nicht, weil niemand geringerer als EXODUS Frontsau Rob Dukes die Bühne in einem schicken PENNYWISE-Shirt enterte und fröhlich dahinlächelnd und hopsend mit Peter Tägtgren im Duett zwitscherte… Absolut einzigartig und ein echt sehr, sehr geiler Gig der PAIN’ler. [reini] Setlist PAIN: Crashed Walking on Glass I'm Going In Monkey Business Dirty Woman Dark Fields of Pain Don't Care Eleanor Rigby (The Beatles Cover) Fear the Demons Bitch Stay Away The Great Pretender Same Old Song On And On Shut Your Mouth

TAG 3 Der dritte Tag sollte früh beginnen: denn THE SORROW waren nicht die einzigen Vertreter Österreichs beim diesjährigen Masters of Rock. So war nämlich Katie Joanne, ihres Zeichens Frontlady und Songwriterin bei den Wiener Progressive-Metallern von SIREN’S CRY, als special guest neben niemand geringerem als Roland Grapow von MASTERPLAN und Apollo Papathanasio von FIREWIND zur gemeinsamen Performance mit den Tschechen von SEBASTIEN geladen! Eine solche Okkasion wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, und so ließ ich mich schon zur recht frühen Stunde, als die Sonne den Mittagspunkt noch nicht einmal überschritten hatte, zur Ronnie James Dio-Stage ziehen, um dort in – ausnahmsweise – strahlendem Sonnenschein der Performance der tschechischen Melodic Metal-Truppe zu lauschen. Und die sind nun gar nicht mal schlecht! Fronter George Rain erinnert nicht nur des Looks wegen ein bisschen an „unseren“ Georg – den Neuhauser Schurli von SERENITY nämlich – und kann mit seinem kraftvollen, klaren Gesang überzeugen. Richtig stimmig wird’s aber dann natürlich mit den Gastauftritten: Überraschenderweise beginnt hier Roland Grapow, und entgegen der Erwartungen wohl jedes einzelnen Festivalbesuchers hat der Mann keine Gitarre umgeschnallt – sondern singt. Und das gut. So richtig, richtig gut. Und stiehlt damit fast Fronter George die Show. Was für eine Überraschung! Doch auch Apollo und Katie machen ihre Sache außerordentlich gut, auch wenn Katie leider das Problem hatte, dass beim ersten Duett mit George Rain ihre Stimme im Publikum so gut wie gar nicht zu hören war. Schade, doch etwas später bekam der Soundtechniker das zum Glück noch hin, und auch das große Finale mit allerlei Feuerwerk und explodierendem Tand machte nochmal richtig Laune. Die begeisterte Menge vor der Bühne ließ keinen Zweifel daran: auch der zweite österreichische Beitrag zum Masters of Rock 2012 ist beim tschechischen Publikum gut angekommen, und ihre eigenen Landsleute von SEBASTIEN sowieso. [Dragonslayer] MILKING THE GOATMACHINE Nach SEBASTIEN wird es zünftig brachial mit MILKING THE GOATMACHINE - obwohl die Jungs, allen voran Drummer/ Sänger Goatleeb davon überzeugt sind, dass sie mit ihrem Grind(Goat)core auf einem Power Metal Festival eigentlich relativ Fehl am Platze sind, schaffen sie es mit spielerischer Leichtigkeit den wild bangenden Mob vor der Bühne mitzureißen. Zum einen liegt das an der wieder einmal fesselnden Show der Ziegenböcke - dieses Mal geht das Styling der Masken in Richtung Suicidal Tendencies -, bei der mit vollem Einsatz gemosht wird, bis die Halswirbel knacken, zum anderen an den humorvollen Texten - 'Melk Me Up Before You Go Go' oder 'Surf Goataragua' zünden und treiben so manchem eingefleischten True Metaller ein Grinsen ins Gesicht: Ein Sieg auf der ganzen Linie für Heidis Freunde! [Hartl] Von KISSIN‘ DYNAMITE und ARAKAIN habe ich leider nur Bruchstücke der Shows miterlebt, doch schienen beide durchaus gefällig angetreten zu sein: die Jungs aus Deutschland mit ihrem Glam & Hair-Metal ebenso wie die etwas ruppigeren, erdigeren ARAKAIN, die mit klassischem Rock in tschechischer Sprache natürlich beim lokalen Publikum fantastisch ankamen. Letztere hatten übrigens auch eine Gastsängerin in Form einer Dame namens Lucie Bilá dabei. Diese sieht ein bisschen aus wie die tschechische NINA HAGEN, ist aber eher so etwas wie die tschechische BRITNEY SPEARS: mit anderen Worten, offenbar die bekannteste, beliebteste und erfolgreichste Sängerin ganz Tschechiens. Dementsprechend begeistert wurde sie natürlich auf der Bühne begrüßt als sie einige Songs mit ARAKAIN gemeinsam zum Besten gab, und dabei mit einer formidablen Rockröhre beeindruckte. Später gab’s dann sogar Interviews fürs tschechische Fernsehen. FIREWIND Doch dann stand schon das nächste Highlight für mich an, und ich sollte auch diesmal nicht enttäuscht werden: Tastenzauberer Bob Katsionis und Saitenhexer Gus G. luden zum gemeinsamen Stelldichein bei FIREWIND. Sänger Apollo war ja schon mit SEBASTIAN auf Betriebstemperatur gekommen, und da knüpfte er auch sofort wieder an: überraschend rau und kratzig, dennoch energiegeladen schmettert der schwedische Grieche Tracks wie „Wall of Sound“ und das mächtige „Till The End Of Time“ ins hungrige Publikum, doch das wahre Highlight sind und bleiben die Instrumentaleinlagen von Bob Katsionis und Gus G. Vor allem deren Keyboard-und-Gitarren-Duelle auf beinahe unfassbarer Geschwindigkeit und mit ebenso unfassbarer Präzision laden immer wieder zum Staunen ein. Auch Neo-Drummer Johan Nunez, der nunmehr auch ein vollwertiges Mitglied der Band geworden ist, beeindruckt durch druckvolles Spiel. Mann, geben die Jungs hier Gas! Das einzige, was man bei aller technischen Finesse FIREWIND vielleicht bekritteln könnte, ist die Tatsache, dass der Band einfach so ein, zwei ganz große Hits fehlen. Wo eine Truppe wie EDGUY auf einen Fundus an Klassikern zurückgreifen kann, die jeder kennt und jeder mitsingen kann, da sind zwar alle Songs von FIREWIND „gut“, aber eben nur das. Aber wenn demnächst auch mal die ganz große Single mit Hitpotenzial dabei ist, dann darf man der Band wünschen, dass sie auch bald auf Headliner-Slots spielen kann. [Dragonslayer] Setlist FIREWIND: Wall of Sound Head Up High World on Fire Till the End of Time Losing My Mind The Fire and the Fury Mercenary Man Falling To Pieces KORPIKLAANI Pünktlich um 19:20 Uhr eröffneten am Samstag KORPIKLAANI i den "finnischen Abend" am Masters of Rock, der später noch mit STRATOVARIUS und NNIGHTWISH seine Fortsetzung finden sollte. Die skandinavischen Waldschrate sind nicht zum ersten Mal zu Gast in Tschechien und werden, vom inzwischen schon wieder etwas angeheiterten Publikum, bereits erwartet um sich mit Folk Metal Party Hymen wie "Happy Little Boozer", "Cottages and Saunas", oder dem aktuellen "Tequila" in ganz besondere Sphären hieven zu lassen. Das Publikum geht von Anfang an ordentlich mit der Band mit. Skandinavier werden am Masters of Rock sowieso immer ordentlich abgefeiert und die Herren liefern ein Potpourri - "Wooden Pints", "Hunting Song", "Juodaan Viinaa", "Kipumylly" - ihrer mittlerweile fast zehnjährigen Bandgeschichte ab. Ganz besonders steigt die Stimmung natürlich immer bei Saufliedern wie "Beer Beer" oder "Vodka". Ich persönlich finde es schade, dass sich die Band selbst so dermaßen in das Sauf-Metal Image hüllt, wo doch alle Musiker technisch versiert sind und auch anders könnten, was sie auch mit "Vaarinpolkka" beweisen. Alles in allem war es jedoch ein kurzweiliger Auftritt, der Band und Publikum sichtlich Spaß gemacht hat und für alle ein 70 minütiger Ausflug in die heile, betrunkene Humppa-Welt. [Tom] Nach dem finnischen Humppa-Metal von KORPIKLAANI blieb es am Abend des dritten Tages auch weiterhin finnisch: Denn vor den großen NIGHTWISH sollten die in Tschechien offenbar unsagbar populären STRATOVARIUS nochmal zum Dienste schreiten. Die Herren rund um Schreihals Timo Kotipelto und Keyboardlegende Jens Johansson legten nach gefühlten drei Intros auch gleich amtlich los mit einer spritzigen Darbietung von „Under Flaming Skies“, bei der auch der neue Drummer Rolf Pilve in Szene setzen konnte, der nunmehr statt Jörg Michael trommelt, welcher sich ja Anfang des Jahres aus dem aktiven Musikzirkus zurückgezogen hat, wohl auch aus gesundheitlichen Gründen – hatte er doch erst unlängst eine Krebserkrankung überstanden. Überraschend war dann „Phoenix“ im Gepäck, weniger überraschend Bandklassiker wie „Forever“, „Kiss of Judas“ und „Black Diamond“, das aber entgegen der sonst üblichen Prozedur nicht die allerletzte Nummer darstellte; da wurde diesmal dem Oberkracher „Hunting High And Low“ der Vorzug gegeben. Keine schlechte Entscheidung, eigentlich. Die Band selbst präsentierte sich in guter Spiellaune, nur gerade bei einem Sänger wie Timo Kotipelto ist die Leistung immer sehr tagesverfassungsabhängig. Diesmal hat er einen etwas mittelmäßigen Tag erwischt, aber das konnte der sensationellen Stimmung im Publikum keinen Abbruch tun. Wie schon anno 2009 waren auch diesmal STRATOVARIUS irgendwie so etwas wie der „Headliner der Herzen“ bei den tschechischen Fans. [Dragonslayer] Setlist STRATOVARIUS: Under Flaming Skies Phoenix Deep Unknown Infinity Against the Wind Darkest Hours Eagleheart Forever Infernal Maze The Kiss of Judas Black Diamond Hunting High and Low NIGHTWISH Bereits im April durfte ich die Finnen von NIGHTWISH auf ihrer ausgedehnten „Imaginaerum“-Tour live in Wien erleben, und da bot es sich natürlich an, mir die Show ebenfalls beim Masters of Rock einzuverleiben. Unterschiede zur Wien-Performance gab es dabei nur wenige auszumachen: In der Setlist wurde auf den ausgedehnten Akustik-Block mit „Slow, Love, Slow“ und „The Islander“ verzichtet, stattdessen gab es auch „Nemo“ in einer originalgetreueren Version zu bestaunen. Fronterin Anette Olzon kann leider auch an diesem Abend nicht wirklich überzeugen, und verblasst auch heute neben dem wie immer unglaublich charismatischen Marco Hietala an Bass und Vocals, der insbesondere beim „Once“-Kracher „Planet Hell“ dick Punkte sammeln kann. Ansonsten bewegt man sich hauptsächlich durch Tracks der letzten beiden Alben, wobei vor allem der Opener-Dreifachschlag mit „Storytime“, „I Wish I Had An Angel“ und „Amaranth“ zu gefallen weiß; wenig gibt’s dagegen aus der Zeit vor Marco Hietala - gerade mal „Come Cover Me“ von der „Wishmaster“ wird hier geboten. Gut, Maestro Tuomas Holopainen wird schon gewusst haben, wieso. Stimmungstechnisch blieb bei NIGHTWISH klarerweise kaum etwas zu wünschen übrig, und auch mit der üppigen Pyroshow können die Finnen begeistern. Die zwar sympathische, aber leider recht blasse Anette Olzon verkommt neben Marco Hietala leider immer weiter zur glorifizierten Background-Sängerin, und auch das schludrige Outfit schreit nicht gerade nach „Rockstar“ oder „Diva“ - hier müssten NIGHTWISH dringend einmal etwas tun, damit ihr kleines Goldkehlchen nicht gar so untergeht auf der Bühne. Ihre besten Momente hatte die gute Dame aber wohl mit dem auf sie perfekt zugeschnittenen „Scaretale“ und dem abschließenden „Last Ride Of The Day“; beim wieder ins Set gerückten GARY MOORE-Cover „Over The Hills And Far Away“ sang sie aber eine Gesangslinie, die mit der ursprünglichen nicht mehr viel gemein hatte. Alles in allem eine routinierte Show, die mir auf Grund der flotteren Auslegung für den Festival-Einsatz besser gefallen hat als jene in Wien, und die sicherlich auch die Fans zufrieden zu ihren Zelten geschickt hat. Wirklich groß waren NIGHTWISH aber früher einmal gewesen. [Dragonslayer] Setlist NIGHTWISH: Storytime Wish I Had an Angel Amaranth Scaretale Dead to the World I Want My Tears Back Come Cover Me Last of the Wilds Planet Hell Ghost River Nemo Over the Hills and Far Away Song of Myself Last Ride of the Day DEATHSTARS Nach NIGHTWISH (auch wenn deren Gig eher ... tja… ich sag jetzt nix) auf die Bühne zu müssen ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, aber wenn mächtig die Fahne des Pseudohermaphroditismus geschwungen wird, dann finden sich noch genug Zuseher ein um mit den DEATHSTARS abzufeiern. Whiplasher Bernadotte hatte die Meute stets im Griff, der Glitzer, welcher sich schön von der sonst schwarzen Kleidung abhob, passte von vorne bis hinten (oder besser von oben bis unten) und die Ansagen waren teilweise wirklich nur köstlich, schade, dass ein großer Teil der Anwesenden diesen subtilen Wortwitz wohl nicht zu 100% verstanden hatte. Sei’s drum, Musik wurde auch gemacht, ziemlich Bandunterstützt zwar, aber das sind wir von den DEATHSTARS ja schon gewohnt und Nummern wie „Night Electric Night“, das famose „Chertograd“, oder der „neue“ Hit „M.E.T.A.L.“ sorgten für amtliches Kopfnicken – Herumschunkeln – im Takt wippen. Lediglich der Aufforderung des Mr. Whiplasher an die Meute sich der Kleider zu entledigen und heftigen „Intercourse“ zu zelebrieren kamen um halb Zwei in der Früh die wenigsten (oder sagen wir gar keine) nach. Dennoch ein solider Auftritt, der das nach Hause gehen (ähem wanken) doch einigermaßen erleichterte. [reini] Setlist DEATHSTARS: Mark of the Gun Motherzone Semi-Automatic New Dead Nation Night Electric Night Tongues The Fuel Ignites Blitzkrieg Chertograd Blood Stains Blondes M.E.T.A.L. Cyanide Trinity Fields Death Dies Hard The Revolution Exodus

TAG 4 SKYFORGER Bereits um ein Uhr am Nachmittag unterhielten die fünf Trolle aus dem tiefsten Lettland das Publikum vor der Ronnie James Dio Stage – und das nicht mal schlecht. Fronter und Gitarrenspieler Pēteris durch seinen Kapuzenumhang zwar bis zur Unkenntlichkeit verhüllt, führte seine Truppe durch allerlei Waldepisoden, die in manchen Passagen einen eigenwilligen RUNNING WILD Charme suggerierten. Gut, natürlich ohne künstliche Drums und einem weit in den Pagan hineinreichenden Gesang. Aber trotzdem, der Gig von SKYFORGER war echt in Ordnung [reini] Weniger in Ordnung war dann das Kasperletheater, welches DOGA aufführten. Vom Kollegen Wiesmüller noch vollmundig als „METALLICA zur Black Album Phase“ angepriesen, langweilten DOGA mit mittel- bis unterdurchschnittlichen Rocksongs, welche selbst durch die (so sollte man mir im Laufe des Abends erklären) in Tschechisch gehaltenen Sauf- und Hurentexte nicht besser wurden. Sei’s drum, wie eigentlich bei jeder einheimischen Kapelle, dürften wir „Exoten“ den Schmäh (oder die Klasse) hinter so Bands einfach nicht schnallen… [reini] HELL HELL schafften es am Masters of Rock doch tatsächlich ihren schon überaus geilen Gig am METALFEST OPEN AIR Austria aus dem Vorjahr zu toppen. Gut, damals im Mai 2011 absolvierten HELL in der aktuellen Besetzung und kurz nach Veröffentlichung ihrer Debüt-Retrospektive „Human Remains“ gerade mal ihren vierten Auftritt – jetzt 14 Monate später und diverse Festivals- bzw. Tourneeslots (u.a. eine Europa Tournee mit ACCEPT) später bekamen wir eine vollkommen eingespielte und souverän agierende Mannschaft zu Gesichte. Im Mittelpunkt dieses Metal-Theaters steht natürlich nach wie vor der wild um sich gestikulierende Ausnahmesänger David Bower, der selbst den Sprung in den Fotograben nicht scheute um diverse Bangerfreunde in der ersten Reihe zu salben. Selbstredend, dass auch diesmal wieder die Mönchskutte, sowie die Selbst-Geißelung zelebriert wurde. Aber HELL haben bei all ihrer Theatralik auch verdammt geile Songs im Gepäck. Der Videotrack „On Earth As It Is In Hell“, „The Devil’s Deadly Weapon“, „Macbeth“, oder wie sie alle heißen mögen, sorgten für ein stetig wachsendes Auditorium und erhöhten Headbanging-Alarm in den ersten Reihen. Grandiose Band mit einem verdammt geilen Auftritt. [reini] PAUL DI'ANNO Nach den mächtigen HELL, die wohl auch den lautesten Sound des Festivals verbuchen konnten, durfte dann eine Kultfigur der Szene ans Werk: PAUL DI'ANNO, seines Zeichens verantwortlich für die Vocals auf den ersten beiden IRON MAIDEN-Alben, betreibt Vergangenheitsbewältigung – einerseits in musikalischer Form durch die Darbietung vieler Klassiker der eisernen Jungfrau, andererseits in finanzieller Form, gilt es doch die angehäuften Steuerschulden abzubezahlen. Das scheint dem gestandenen Hell's Angel auch bald gelingen zu dürfen, will er sich doch nächstes Jahr zur Ruhe setzen. Doch von Ruhe heute keine Spur, und Paul will es mit einer Show, die zwischen Genie und Wahnsinn oszilliert, heut noch einmal wissen. Gelegentliche lichte Momente lassen die große Stimme von damals erahnen, zwischenzeitlich geht Di'Anno aber die Puste aus, und dann müssen eben die Jungs seiner Backing-Band ran, und mit Klassikern wie „Ghengis Khan“ und „Transylvania“ die Stimmung oben und das Set am Laufen halten. Und auch wenn gesanglich bei Klassikern wie „Wrathchild“, „Phantom of the Opera“ oder dem Titeltrack zu „Killers“ sowie auch Songs der Marke Eigenbau wie „Marshall Lockjaw“ und „Children Of Madness“ manches zu wünschen übrig bleibt, so liefert PAUL DI'ANNO aber jedenfalls die markigsten Sprüche des gesamten Festivals. So etwa als er anmerkt, dass es doch etwas heiß sei auf der Bühne: „Damn, I'm sweating like a rapist!“ Eine Meldung, die schon im Moment ihrer Aussprache Kultstatus genoss. Aber letztlich, so Paul, ginge es im Metal ja nicht darum, wie perfekt du singst, sondern dass du Attitüde hast. Und davon habe er jede Menge. Allerdings, Paul. [Dragonslazer] Setlist PAUL DI'ANNO: The Ides of March Wrathchild Prowler Marshall Lockjaw Murders in the Rue Morgue Children of Madness Genghis Khan Remember Tomorrow Charlotte the Harlot Killers Phantom of the Opera Running Free Transylvania Blitzkrieg Bop TIAMAT Optisch waren TIAMAT ja irgendwie völlig fehl am Platz. Gitarrist Roger Öjersson ganz in Lila, Basser Anders Iwers in legeren Straßenklamotten und den Vogel schoss Mastermind Johan Edlund ab: Bermuda-Shorts, bloßfüßig (!!), mit peinlichem Sonnenhut und Porno-Sonnenbrille. Unpackbar eigentlich, aber die musikalische Darbietung passte einigermaßen. Zwar rätseln mein Freund Markus Wiesmüller vom LEGACY und meine Wenigkeit nach wie vor welcher den der Einstiegssong gewesen sei (Markus, falls Du das liest, ich tippe auf „Fireflower“ vom „Judas Christ“ Album), aber spätestens als „Cain“ intoniert wurde, war die Welt wieder in Ordnung. Der Anfang war generell eher experimentell bzw. ruhig gehalten, „Whatever That Hurts“ bzw. „In A Dream“ eigneten sich herrlich zum Chillen, bevor man von der eher rockigeren Seite TIAMATs („Divided“, „Cold Seed“, oder „Brighter Than The Sun“) noch deutlicher mitgerissen wurde. Dieses Wechselspiel zog sich auch durch „Until The Hell Hounds Sleep Again“, „A Pocket Size Sun“, sowie das von einem gewissen MATT „Irgendwas“ mit Growls unterstrütze „The Sleeping Beauty“. Den Abschluss bildete – wie eigentlich immer – „Gaja“, wo so richtig herrlich nochmal herum gejammt wurde. Mir hat’s auch mit der etwas schiefen Optik sehr, sehr gut gefallen – hauptsächlich, weil sich TIAMAT in einen gediegenen Old-School Set vertieft hatten. [reini] GOTTHARD Am Beginn des Gigs gab es einige Soundprobleme, aber wenn man die Professionalität dieser Band kennt, weiß man, dass es dadurch nur besser werden kann. Das war es auch in weiterer Folge mit Krachern wie „Sister Moon“, „Lift you up“, „Anytime Anywhere“ und „Starlight“ von der letzten CD. Wie schlug sich der neue Frontmann Nic Maeder? Er ist ein würdiger Ersatz, nein, Nachfolger für Steve Lee, denn er macht seine Sache bestens. Bei „Remember its me“ spielt er auch Gitarre und bei „One Life one soul“ singt Nic nur mit Keyboardbegleitung, was einige Pärchen zum Kuscheln animiert. (Anmerkung: Leider ist die englische Sprache in Tschechien nicht sehr geläufig). Man merkt den Jungs von GOTTHARD an, dass sie wieder Spaß an den Auftritten haben, denn sie legen eine unglaubliche Spielfreude an den Tag. Leider war der Gig für mich zu kurz, ich könnte mehr von den Songs hören. Aber ich hoffe, auf der Headlinertour im Herbst gibt es mehr GOTTHARD PUR. Fazit: Guter Auftritt und GOTTHARD sind wieder da. PS: Ein bekennender Death Metal Fan sagte mir nach dem Konzert „Wow die waren gut“. Ich glaube das spricht Bände. [Walter Thanner] Setlist GOTTHARD: Dream on Gone to far Starlight Top of the World Remember it´s me Sister Moon Master of Illusion Hush One Life on Soul The Story is over Mountain Mama Right on Lift u Up Anytime Anywhere ARCH ENEMY Nach GOTTHARD und vor SABATON war es Zeit für etwas heftigere Töne, ARCH ENEMY kehrten auf das Masters of Rock zurück und zerlegten die Bühne, das Publikum und sonst noch Alles was sich da in den Weg stellen konnte. Überaus brutal, dann wieder virtuos, eine Angela Gossow, die zwar nur mehr rund 40 kg auf die Waage bringt, aber übermenschliches aus ihren Stimmbändern rausholte und eine Backing Band, die über jeglichen Zweifel erhaben war. Wie wenn er schon immer dazugehört hätte agierte auch Neo-Gitarrist Nick Cordle (ex-ARSIS), was der schmächtige Gitarrist gleich mit einem beeindruckenden (und Gottlob kurzen) Solo unter Beweis stellte. Gerade der Doppelschlag „Ravenous“/“My Apocalypse“ ziemlich zu Beginn, oder die gen Ende servierten „We Will Rise“ bzw. „Nemesis“ unterstrichen dieses Brutalo-Element a la ARCH ENEMY. Der Sound war glasklar, die Bühne wurde höchst professionell ausgenutzt und gerade Gossow verfiel im Laufe des Sets immer mehr in diverse Bangorgien, Respekt, dass die Halswirbelsäulenknochen dieses zierlichen Persönchens da so mitmachten. Natürlich könnte man jetzt anführen, dass ein Drum Solo und zwei Gitarrensolis bei gerade mal 75 Minuten Spielzeit zu viel des Guten wären. Auch wäre es denkbar ein wenig über die bislang nicht gewohnten Samples vom Band herumzumotzen, in Summe bleibt aber ein verdammt brutaler Auftritt von ARCH ENEMY, der – nimmt man die Publikumsreaktion – gar als Triumphzug tituliert werden musste. [reini] Setlist ARCH ENEMY: Yesterday is Dead and Gone Ravenous My Apocalypse Bloodstained Cross The Day You Died Drum Solo Under Black Flags We March Dead Eyes See No Future Guitar Solo Nick Guitar Solo Michael In This Shallow Grave No Gods, No Masters Dead Bury Their Dead We Will Rise Nemesis SABATON Die Ehre, das Festival zu beschließen, fällt in diesem Jahr SABATON zu, und was kann man da noch anderes tun, als vor dem unermüdlichen Eifer der Schweden respektvoll den Hut zu ziehen? Binnen vier Jahren hat man es geschafft, vom kleinen Underground-Opening-Act (wie etwa anno 2008 in Wien vor Brainstorm) zu einer der Top-Bands bei Nuclear Blast zu werden, nach der sich alle Veranstalter dies- und jenseits des Atlantik die Finger schlecken. Geschafft hat man das mit einer einfachen, aber wirkungsvollen musikalischen Mischkulanz aus RAMMSTEIN, HAMMERFALL und GRAVE DIGGER sowie kriegslastigen Texten, und vor allem durch eines: Spielen, spielen, spielen. Wo immer es eine Steckdose gab, da hat man SABATON gesehen, und das macht sich heute bezahlt. Doch, siehe! Wer sind denn da die jungen Herren, die Basser Pär Sundström und Fronter Joakim Brodén unterstützen? Es sind nicht mehr jene Burschen, die wir von früheren Touren der Band kennen – hat man sich doch unlängst unmittelbar nach dem Release des aktuellen Albums „Carolus Rex“ von gleich vier Bandmitgliedern getrennt, und auch dazu gibt es freilich viel Gemunkel in der Gerüchteküche. Aber sei's drum – rocken können auch die neuen Jungs, und Dreh- und Angelpunkt bleiben sowieso der zwar nicht großartige, dafür umso originellere Gesang und die starke Bühnenpräsenz von Frontmann Joakim. Der hat auch heute die Meute blendend in Griff: denn egal ob bei tschechischen Ansagen und Aufrufen nach „noch einem Bier“, oder als Glücksfee bei der Verlosung von zehntausend tschechischen Kronen an den Gewinner eines Gewinnspiels – Broden ist jederzeit Herr der Lage. Und über die Songs von SABATON kann man auch nicht viel sagen: geradliniger Heavy Metal, der schnurstracks in Pommesgabelhände und Headbangernacken marschiert, enorme Spielfreude und eine opulente Feuershow sorgen für atemberaubende Gänsehautstimmung an diesem Juliabend. Los legt man nach dem ausgedehnten Intro durch EUROPEs „Final Countdown“ standesgemäß mit der „Ghost Division“, und bei Songs wie dem gewaltigen „Into The Fire“, dem stampfenden „Cliffs Of Galippoli“ oder den neuen Tracks „Far From The Fame“ und „Carolus Rex“ frisst das tschechische Publikum den Schweden regelrecht aus der Hand, und SABATON können an diesem Abend die Früchte von zehn Jahren harter Arbeit verdienterweise ernten. Schließlich wird nach einem langen Set und nach dem unvermeidlichen „Primo Victoria“ mit der „Metal Crue“ und „Masters Of The World“ das Areal der Jelinek-Brennerei noch zünftig in Schutt und Asche gelegt, und auch für die Stormbringer-Crew geht ein weiteres erlebnisreiches MASTERS OF ROCK zu Ende. Setlist SABATON: The March To War Ghost Division Uprising Gott Mit Uns Panzer Battalion Cliffs of Gallipoli Swedish Pagans 40:1 The Price of a Mile Talvisota Midway Into the Fire Carolus Rex Far From The Fame Attero Dominatus The Art of War Primo Victoria Metal Crüe Dead Soldiers Waltz Masters of the World

Es war ein durchwegs starkes Festival, bei dem eigentlich keine Totalausfälle und nur wenige Schwachpunkte zu verbuchen waren, und es kann getrost gesagt werden – hier bekommt der Fan wirklich was für sein Geld geboten. Euer Drachentöter verabschiedet sich nun mit diesem Beitrag und einer Danksagung an alle weiteren Stormbringer sowie deren Unterstützer am diesjährigen Masters in den wohlverdienten Urlaub, und wünscht allen Lesern ebenfalls noch eine tolle Festival-Saison. MASTERS OF ROCK, see you next year! [Dragonslayer]


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