20.11.2012, Komma

Rhapsody „Ascending to Infinity“ Tour

Veröffentlicht am 13.12.2012

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Schauplatz Komma Wörgl Das Konzert der zwei derzeit angesagtesten Volks Metal Acts „ Latrinenecho“ und „Napalm Duo“ ist schon seit Monaten ausverkauft. In den diversen und einschlägigen Internetportalen werden die Tickets für dieses Event für das Vielfache unter das Volk gebracht. Außerdem tauchen im Vorfeld Gerüchte auf, dass beide Bands ihre letzten Alben nicht selber eingespielt haben und deren Part von bekannten Studiogrößen übernommen wurde. Aber ein Musikantenstadl erprobter Szenekenner beruhigt die aufgebrachten und amoklaufenden Fans mit der Aussage: „Was zählt ist der Gesang, solange der echt ist, passt das doch, oder?“ Schon beim Einlass kommt es zu tumultartigen Auseinandersetzungen, weil vielen Krach- Lederhosen- und Dirndlträgern die ohne gültige Eintrittskarten angereist waren, der Zutritt verwehrt wurde.

Als ich die Halle betrat, war die zum Bersten gefühlt, das Kondenswasser tropfte von der Decke und machte vielen Friseusen ihre aufgestylte Dauerwelle kaputt. Kurz bevor die Show begann, ging vor der Halle gar nichts mehr. Die Traktoren und die Mistwägen der Fans stellten die Einfahrten zu und mussten erst mal entfernt werden. Das NAPALM DUO hatte dann vierzig Minuten Zeit um den süchtig warteten Fans mit Songs vom neuen Album „Bauerslave“ so richtig auf den Headliner einzustimmen. Pünktlich um neun Uhr kamen die Mannen rund um Kemmy Limister auf die Bühne und schmetterten eine grandiose Version von „Jodel Till Death“ und „Power To The Bauer“ ins Publikum. Die dankten es ihm und schon flogen die ersten Edelweiß bestickten Untermieder und alte Gummistiefel auf die Bühne. Nach rund zwei Stunden brachialer, infernaler Musik läuteten altbekannte Trompeten und Fanfarenklänge den Song „The Final Almabtrieb“ ein. Bei der Zugabe wurden noch mal volle Geschütze aufgefahren und heftige Kanonenschläge beendeten den Song „ For Those About To Jodel (We don't Salute You)“. Die ausgesprochen Musikantenstadl tauglichen Fans standen Kopf und feierten die Band noch Minuten lang mit Standing Ovations ab. Hüte, Gamsbärte und einige Liebestöter flogen nochmal auf die Bühne………… Dann ein Schrei mitten in der Nacht. Ich wache schweißgebadet auf und kann mich kaum von diesen krassen Alptraum erfangen. Heilige Scheisse,Gottseidank war alles nur geträumt.

Aber liebe Freunde der Metalmusik, das könnte bald bittere Realität werden. Wenn die Konzerte hierzulande weiter so schlecht besucht werden, wie die Shows von ROBIN BECK oder jetzt die Tour von LUCA TURILLI´s RHAPSODY, FREEDOM CALL, ORDEN OGAN und VEXILLIUM werden diese Events mal aussterben und in unseren geliebten Konzerthallen, könnten andere Events stattfinden. Ich weiß und es war beabsichtigt, dass ich hier ein klein wenig übertrieben habe, aber so ein Horror Szenario möchte ich mir auf alle Fälle ersparen. Und noch eines sollte klargestellt werden, nämlich dass ich mit diesem provokanten Seitenhieb keinen und niemand verunglimpfen wollte oder möchte.

Als Protest gibt es diesmal keinen ausführlichen Bericht mit Songtitel, Setlists, sondern nur einen kleinen Rückblick. VEXILLIUM machten ihre Sache recht ordentlich und hatten einen Ausnahmesänger in ihren Reihen. Bei ihren Auftritt waren circa 5 Nasen in der Halle –SCHANDE ORDEN OGAN gehören zu den Senkrechtstartern aus unserem Nachbarland. Mit ihrem lustigen Bühnenoutfit, welches wie eine Mischung aus Mad Max und Kelly Family aussah, eroberten sie ihre Fans in Sturm. Die Performance war erstklassig obwohl nur… (ach, lassen wir das) in der Halle waren. FREEDOM CALL sind sowieso immer ein Garant für eine unterhaltsame Metal Show. Sänger Chris Bay machte gute Miene zu diesem Trauerspiel und animierte die Fans immer wieder zum Mitsingen oder die Mädels zum Entblößen erotischer Körperteile. Songauswahl war perfekt, also kann man der Band einen tollen Auftritt bescheinigen. Und ja, gegenüber dem letzten Auftritt beim Masters of Rock, waren ein neuer Basser und Drummer dabei. Warum sich RHAPSODY gesplittet haben, weiß der Geier. Fakt ist dennoch, dass auch diese Besetzung ihre Berechtigung hat und an diesen Abend großartig war. Geboten wurde ein Querschnitt aus der Schaffensperiode von Luca Turilli und mit Sänger Alessandro Conti konnte man einen tollen Sänger verpflichten, der aber noch nicht das Charisma eines Fabio Leone hat. Visuelle Effekte, die perfekt zu den Songs passten und auf eine Leinwand projiziert wurden, rundeten das Spektakel eindrucksvoll ab. Ganz großes Kino, meine Herren.

Tja, liebe Leute, ihr habt echt was verpasst. Lasst die Metal Szene nicht den Bach runter gehen und besucht wieder mal einen kleinen Clubgig. Die Bands und die Veranstalter werden es euch danken und hoffentlich wird sich der Traum nicht bewahrheiten, denn dann Gute Nacht. Und bitte hört mir dann auf zu sagen, dass früher alles besser war - das zählt dann mit Sicherheit nicht mehr. Ihr seid gewarnt!


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