14.07.2013, Liqueur Company R. Jelínek

MASTERS OF ROCK FESTIVAL 2013 - Tag 4

Veröffentlicht am 24.07.2013

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Samstag, 13.07.2013

Die zweite Hälfte des Masters of Rock 2013 begann für uns mit AMARANTHE – oder besser gesagt, hätte beginnen sollen, da uns die alljährliche Führung durch die Destillerie R. Jelinek terminlich etwas dazwischengefunkt hat. So konnten wir die Performance der bezaubernden Elize Ryd und ihrer mittlerweile doch recht poppigen Truppe nur bruchstückhaft verfolgen, fanden uns dann aber standesgemäß vor der Bühne ein, als es für eine der beim Masters-Publikum immer toll ankommenden Bands Zeit war: BRAINSTORM enterten die Ronnie James Dio Stage!

BRAINSTORM

Sie sind live einfach immer eine Bank, die Jungs um den unfassbar charismatischen Fronter Andy B. Franck, und auch 2013 bildet da keine Ausnahme. Und auch wenn die Band selbst offenbar mit ihrem Auftritt nicht ganz so zufrieden war – gemerkt hat man davon als Zuseher nichts. Die Gitarrenwand drückt wie eh und je, Frontmann Andy war wie immer bestens bei Stimme wie Laune (und brachte ebenfalls kleine Klettereinlagen am Gerüst, wie schon Tags zuvor Willy Norton von NEONFLY), und die Songs von BRAINSTORM machen live einfach immer unheimlich gute Stimmung. Das geht dann sogar soweit, dass das gierige Publikum gar nicht bis zum (ziemlichen) Ende des Sets auf den Kracher “All Those Words” warten will, und schon zwischendrin die Melodie des Songs anstimmt. Die sympathischen Deutschen lassen sich davon aber nicht beirren, und nach ein paar beschwichtigenden Worten setzen sie ihr Set regulär fort. Das besteht diesmal aus etlichen Klassikern (darunter auch Überraschungen wie “Blind Suffering” oder das immer gern gehörte “Shiva's Tears”), aber natürlich auch Hits jüngerer Generation dürfen nicht fehlen, wie etwa “Temple Of Stone”. Die Highlights waren aber wohl das großartige “Shiver” und – natürlich – das Abschluss-Doppelpack aus “All Those Words” und “Highs Without Lows”. Das gefällt nicht nur dem Rezensenten, sondern natürlich auch dem Publikum – und so werden BRAINSTORM erneut mit kaum enden wollenden Chorgesängen in den Feierabend verabschiedet. Es war sicherlich nicht der gleiche triumphale Auftritt wir vor zwei Jahren als “Deadliner”, als die Jungs nach den GUANO APES noch richtig fett abgeräumt haben – aber auch 2013 zählen BRAINSTORM zu den absoluten Highlights des Masters of Rock! Danke, gerne wieder! [- Dragonslayer -] Setlist BRAINSTORM: Worlds Are Comin' Through In the Blink of An Eye Blind Suffering Shiva's Tears Shiver Temple of Stone Fire Walk with Me All Those Words Highs Without Lows

WALTARI

Durch diverse technische Probleme verzögerte sich der Auftritt der finnischen Weirdos von WALTARI doch um einiges, als Kärtsy und seine Bande dann aber mit dem Crossover-Gassenhauer „So Fine“ gleich mal fulminant loslegten, war die erzwungene Leere nach dem Hammer-Auftritt von BRAINSTORM schnell wieder vergessen. Anstatt KREATOR-Gitarrist Sami Yli-Sirniö agierte „Aushilfsgitarrero“ Kimmo Korhonen im Zusammenspiel mit Jariot Lehtinen in souveräner Manier und Pumuckl-Look-alike Kärtsy Hatakka geleitete das MASTERS OF ROCK Festival durch nicht ganz eine Stunde an allerlei Verrücktheiten. Be „Far Away“ griff Kärtsy zum zusätzlichen Bass, bevor man eine völlig verschrobene, aber ziemlich coole Coverversion des ANTHRAX-Klassiker „Caught In A Mosh“ gen Auditorium pfefferte. Bei „Color TV“ gab es dann den kollektiven Instrumententausch: Kärtsy übernahm das Keyboard, den Bass übernahm Tastenmann Janne Immonen. In dieser Konstellation wurde „Color TV“ (vom 95er „Big Bang“ Album) dargeboten, was Kärtsy zu einem kultigen „Whatta freaked out Song, ACID HOUSE meets DEATH METAL“ hinreißen ließ. In weiterer Folge freakte sich Kärtsy samt Belegschaft weiter in seiner/ihrer ureigenen Art durch einen Crossover-Dschungel, welcher mit den eindringlichen Worten „Freedom Of Music, No Styles, No Limits“ perfekt beendet wurde. [ - reini - ] Set List WALTARI (laut Aufzeichnungen der Band, wobei meiner Meinung nach „No Limit“ und „I Hear Voices“ der zu langen Umbaupause zum Opfer fielen): So Fine Far Away Caught In A Mosh Stämppi Color TV Atom Engel In The Craddle Below Zero Atmosfear One Day No Limit I Hear Voices

MOONSPELL

Die Ankündigung an sich ließ ja schon Großes erahnen – MOONSPEEL werden 2013 auf dem MASTERS OF ROCK Festival lediglich Songs ihrer ersten beiden Alben „Wolfheart“ (1995) und „Irreligious“ (1996) performen, dass dies aber eine derartige Machtvorstellung von Fernando Ribeiro & Co. werden würde, dass hätten wohl nur die wenigsten gedacht. Achtmal „Wolfheart“ und fünfmal „Irreligious“, heftige Genickschmerzen des Rezensenten und ein mehr als enthusiastisches Publikum waren die Folge dieses wohl besten MOONSPELL-Auftritts, welchen ich je miterleben durfte. Zum Drüberstreuen hatte die Band auch TRISTANIA-Frontfrau Mariangela "Mary" Demurtas einfliegen lassen, die bei vier Songs sich packende Duelle mit Fernando liefern durfte. Das wertete nicht nur den an sich schon kolossalen Gig mächtig auf, sondern bewies auch, dass Mary weit mehr kann als nur bei TRISTANIA ein wenig dahinträllern. „Trebraruna“ wurde konsequenterweise in der Heimatsprache vorgetragen und die „kleine Schwester“ „Ataegina“ erlebte sogar ihre Live-Premiere auf tschechischem Boden – der „Wolfheart“ Digi-Bonus-Track dürfte sowieso eine mehr als seltener Gast in der Set Liste der Portugiesen sein. Nach all der durchdringenden Bösartigkeit der „Wolfheart“-Beträge waren die weit Gothic-lastigen „Irreligious“-Tracks der ideale Kontrapunkt. „Raven Claws“ mit Mary im Duett war grandios, bevor sich Fernando Ribeiro sogar zu einem kleinen Scherz hinreißen ließ: „You are stuck with the ugly man again“ und ein atemberaubender „Mephisto“ erklomm die RONNIE JAMES DIO-Stage. Zum Abschluss noch ein „Full Moon Madness“ samt einem Fronter der mit zwei Drumsticks die Becken kurz und klein schlug und fertig waren die Band, der Rezensent und wahrscheinlich alle Anwesenden, die diese magische Show miterleben durften. [- reini -] Set List MOONSPELL Wolfshade (a Werewolf Masquerade) Love Crimes ...Of Dream and Drama (Midnight Ride) Trebraruna Ataegina (Bonustrack Digipack) Vampiria An Erotic Alchemy Alma Mater Opium Awake! Raven Claws Mephisto Full Moon Madness



LORDI

Hier zählt die Optik mehr als die Musik - und das merkt man leider auch. Aber wen kümmert das bei LORDI schon? Doch bevor die kleine Horrorshow der Finnen begann, durfte sich das Publikum "God of Thunder" von KISS in voller Länge anhören. "We're Not Bad for the Kids (We're Worse)" eröffnete bei unsagbar grauenhaftem Sound das Set. Erst bei "The Riff" vom 2013er Album "To Beast Or Not To Beast" waren diese Probleme halbwegs behoben. Mr. Lordi durfte ab und an mit ein bisschen Pyrotechnik spielen, mehr als ein paar Funkenkanonen waren allerdings nicht drinnen. Altbekannte Hits wie "Who's your Daddy", "Devil Is A Loser" und natürlich "Hard Rock Hallelujah" wurden vom Publikum gefeiert, auch wenn sich die Band nicht viel Mühe gab exakt zu spielen. Kleine schauspielerische Einlagen und viele Requisiten lockerten das Geschehen ein bisschen auf. Die Ansagen von Mr. Lordi wirkten allerdings ein wenig unbeholfen, und bei einem Spektakel wie Lordi hätte es ruhig ein bisschen mehr Pyrotechnik sein dürften. Doch bei aller Kritik, Hut ab vor der Leistung allabendlich in diesen Kostümen aufzutreten! Spätestens wenn der Schweiß unter den Masken nicht mehr hervortropft, sondern fließt, merkt man den Finnen die Anstrengung an. "Sincerely With Love" und "Would You Love A Monsterman" beschlossen den Auftritt und übergaben das dennoch begeisterte Publikum an die nächste kleine Horrorshow von YNGWIE MALMSTEEN. Aber das ist eine andere Geschichte. [- Herb -] Setlist LORDI: Intro (God Of Thunder) We're Not Bad for the Kids (We're Worse) Bringing Back the Balls to Rock The Riff Who's Your Daddy? Blood Red Sandman It Snows in Hell I'm the Best Hard Rock Hallelujah They Only Come Out at Night Devil Is a Loser Encore: Sincerely With Love Would You Love a Monsterman?

YNGWIE MALMSTEEN

Er kam, sah und fiedelte. Yngwie Malmsteen, der mit der Gitarre tanzt. Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten (erst die dritte Gitarre funktionierte) bot er ein Gitarrenfeuerwerk der Extraklasse und so mancher Profi - und Hobbygitarrist wird vor Ehrfurcht erstarrt sein, als er sah, was man aus diesem Instrument herausholen kann. Leider bestand der ganze Gig zu 90 % aus einer One Man Show. Den Gesangspart übernahm Keyboarder Nick Marino, welcher ohne Zweifel eine gute Stimme hat, das man schon beim ersten Song „Rising Force“ heraushörte. Die Stimmlautstärke war jedoch so zurück gemischt, das sie fast nicht zur Geltung kam. Die Qualitäten von Yngwie MALMSTEEN sind hinlänglich bekannt, aber ob das Ganze Headlinerstatus verdient hat, noch dazu ohne eigenen Sänger (von denen es in der Vergangenheit sehr viele gute in der Band gab), wage ich zu bezweifeln.[- Walter Thanner -] Setlist YNGWIE MALMSTEEN: Rising Force Spellbound Never Die Demon Driver Overture From a Thousand Cuts Arpeggios from Hell Crown of Thorns Badinerie Adagio Far Beyond the Sun The Star-Spangled Banner Dreaming (Tell Me) Gates of Babylon Into Valhalla Baroque & Roll Red Devil Trilogy Suite Op: 5 Blue Fugue Heaven Tonight ----------------- Black Star I'll See the Light Tonight

MASTERPLAN

Bedingt durch den langen Soundcheck von YNGWIE MALMSTEEN (der sich letztlich auch als ziemlich unnötig erwies – diesen Sound-Matsch hätte man auch ohne halbstündiges Checken einer Stratocaster hinbekommen), fingen die wiederauferstandenen MASTERPLAN rund um ex-HELLOWEEN Gitarrero Roland Grapow zwar mit etwas Verspätung an; das tat der Spielfreude der Band aber keinen Abbruch. Nach dem erneuten Abgang von Ausnahmesänger JORN LANDE hat sich Mastermind Grapow dazu entschlossen, doch lieber wieder eine Band zusammenzustellen, mit der es sich auch tatsächlich live spielen lässt – und hat dabei eine mehr als formidable All-Star-Truppe zusammengetrommelt, deren Lineup man sich erstmal auf der Großhirnrinde zergehen lassen muss: An den Vocals werkelt nun AT VANCE-Shouter Rick Altzi, am Bass niemand geringerer als STRATOVARIUS-Legende Jari Kainulainen und hinter den Fellen hat Martin Skaroupka (CRADLE OF FILTH) Platz genommen. Diese Mannschaft, verstärkt um die MASTERPLAN-Urgesteine Grapow on Axel Mackenrott an den Keys, besteht natürlich ausnahmslos aus Routiniers und beweist das auch gleich mit dem fulminanten Einstieg mit “Enlighten Me”. Es ist fast ein bisserl mutig, wenn man Neo-Sänger Rick Altzi gleich mal mit einer DER Jorn-Nummern von MASTERPLAN starten lässt, anstatt vielleicht auf Nummer sicher zu gehen und erstmal ein oder zwei Songs vom neuen Album “Novum Initium” zu bringen – aber Mr. Altzi schlägt sich nicht schlecht; der Stimmung abträglich ist aber leider der suboptimale Sound, und so sind die Gesangseinlagen von Rick Altzi – vor allem in tieferen Lagen – leider kaum hörbar. Das bessert sich leider in der Folge des Sets nur marginal – die nach YNGWIE MALMSTEEN aber immer noch zahlreich verbliebenen Fans stört das aber gar nicht, und feiern MASTERPLAN-Klassiker wie “Spirit Never Die”, “Crimson Rider” und “Crystal Night” genauso lautstark ab wie die neue Single “Keep Your Dream Alive”. Abgesehen vom Sound schlagen sich MASTERPLAN an diesem Abend aber grandios (was nicht zuletzt an der Setlist lag, die vornehmlich mit Tracks des großartigen Debütalbums gespickt war) und beweisen, dass mit ihnen immer noch (oder eher: wieder!) zu rechnen ist! Man merkt jedoch, dass man noch nicht allzu viele gemeinsame Gigs in diesem Lineup absolviert hat – aber diese Band-Dynamik wird sich wohl spätestens bei der ausgedehnten “Novum Initium”-Europatour im Herbst 2013 eingestellt haben, bei der MASTERPLAN dann am 17.10. auch in Wien halt machen werden. Alles in allem ist MASTERPLAN hier ein starker “Rausschmeißer”-Gig gelungen, der nach der ermüdenden und bestenfalls mäßigen Performance von YNGWIE MALMSTEEN noch eine regelrechte Wohltat am vorletzten Festivaltag darstellte, und den Tag noch auf einer harmonischen Note ausklingen ließ.[- Dragonslayer -] Setlist MASTERPLAN Enlighten Me Spirit Never Die Lost and Gone Crystal Night Betrayal Crimson Rider Back for My Life Time to Be King Keep Your Dream Alive Heroes Soulburn Kind Hearted Light Crawling From Hell



Sonntag, 14.07.2013

Und da war's auch schon fast wieder um, das Masters of Rock 2013 – aber das Grande Finale stand uns ja noch bevor – auch wenn Kollege Reini sein persönliches Finale wohl schon etwas früher als der Rest der Stormbringer-Truppe mit SANCTUARY erlebt haben dürfte. Bevor aber der Festivalheadliner AVANTASIA dran war, gab's natürlich auch neben SANCTUARY noch einige Acts zu begutachten – und wir starteten den Tag mit den Symphonic-Metallern von XANDRIA. [- Dragonslayer -]

XANDRIA

Bereits zu früher Stunde hatte sich eine beträchtliche Anzahl Fans vor der Bühne eingefunden, um die sympathischen Deutschen von XANDRIA zu hören. Trotz hellstem Sonnenschein sorgte Band bereits mit dem Opener "A Prophecy of Worlds to Fall" für Gänsehaut. Mit Liedern wie "Valentine", "Forevermore", und dem Stampfer "Cursed" entlockten sie dem Publikum für die fast noch Mittagszeit beachtlichen Beifall. Bei der Ballade "The Dream is Still Alive" und den darauffolgenden Liedern wurde es allerdings ruhiger, und es zeigten sich erste Abnutzungserscheinungen. Sängerin Manuela Kraller klingt ein bisschen wie Tarja Turunen, die Band ein bisschen wie Nightwish, man hat das alles irgendwo schon mal gehört. Hier fehlt ein Alleinstellungsmerkmal, und auch die Songs könnten die eine oder andere auflockernde Passage oder ein interessantes Gitarrensolo vertragen. Das teilweise etwas steife Stageacting der Band half in diesem Fall auch nicht unbedingt weiter. Nichtsdestotrotz, am Ende ihrer 60 Minuten Spielzeit rissen XANDRIA die Stimmung noch einmal herum und verabschiedeten sich mit "Ravenheart". [- Herb -] Setlist XANDRIA: A Prophecy of Worlds to Fall Valentine The End of Every Story Blood on My Hands Forevermore Euphoria Cursed The Dream is Still Alive Soulcrusher The Lost Elysion Ravenheart

SANCTUARY

SANCTUARY einmal live erleben zu dürfen ist an sich schon ein Privileg, die US-Metal-Institution gab sich auch am sonnigen Nachmittag in Vozovice keine Blöße, obschon man anmerken muss, dass SANCTUARY natürlich alles andere als eine Party-Band sind. So war der Zuspruch aus dem Publikum dann eher ein andächtiges, staunendes Lauschen mit reichlich Applaus in den Songpausen, an den unzähligen Klassikern in der Set-List gab und gibt es sowieso nichts zu meckern. Warrel Dane war OK bei Stimme, die Gitarrenläufe von Lenny Rutledge und Brad Hull (Ex-FORCED ENTRY) sind sowieso über jeglicheZweifel erhaben und die spärlich eingebauten Backing-Vocals übernahmen teilweise Hull bzw. an und ab auch Drummer Dave Budbill. In weiterer Folge des Gigs machte sich Warrel ein wenig über die US-Metal-Szene lustig „Do you like Heavy Metal?“ nach einem tosenden „Yeahhhh“ aus dem Publikum folgte ein leicht gefrustetes „Then move to the USA so that we can have shows like this there“, bevor ein durchdringendes „Die For My Sins“ an der Reihe war. Man durfte aber auch Zeuge von zwei neuen SANCTUARY-Songs werden: „Frozen“, mit seinem leicht melancholischen, an NEVERMORE-angelehnten Refrain bzw. „Wired“, welches durch ein Bass-Intro vom widergenesen Jim Sheppard intoniert wurde. Beide Tracks fügten sich wirklich gut in die Riege der SANCTUARY-Classics ein, von denen – natürlich möchte man meinen – „Future Tense“ noch eine Spur mächtiger war als der gutklassige Rest. [- reini -] Set List SANCTUARY: Taste Revenge Seasons of Destruction Die For My Sins Battle Angels Frozen Wired The Mirror Black Soldiers Of Steel Future Tense

ANNEKE VAN GIERSBERGEN

Nach dem Hammergig von SANCTUARY war Rotkehlchen ANNEKE VAN GIERSBERGEN, ex-Frontfrau von THE GATHERING, an der Reihe. Irgendwie wirkte sie auf der Bühne etwas verloren, obwohl sie zweifellos eine sympathische Erscheinung mit einer tollen Stimme ist. Ihre Songs driften allmählich in poppige Gefilde ab und Hits aus der THE GATHERING -Ära wie “Mandylion“ zündeten nicht wirklich. Vielleicht lag es auch an der fortgeschrittenen Festival-Zeit (Vierter Tag am frühen Abend), dass das Publikum nicht mehr so begeistert wirkte. Alles in allem war es ein guter Auftritt, mit einer super Stimme, jedoch hat es bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.[- Walter Thanner -] (Anm.: Hier muss ich Kollege Walter vehement widersprechen – die Performance der großartigen ANNEKE VAN GIERSBERGEN war auch am diesjährigen Masters of Rock über alle Zweifel erhaben, und gerade bei den im Set gut verteilen GATHERING-Klassikern kam absolute Gänsehautstimmung auf. Das lag zum einen natürlich an der perfekten Gesangsleistung von Fräulein Anneke, die auf dem diesjährigen Masters wohl Ihresgleichen suchte, und zum anderen auch an der erstklassigen Backingband, die das frühere GATHERING-Goldkehlchen an den Instrumenten unterstützte. Klar, die Songs von ANNEKE VAN GIERSBERGEN sind in der Tat nicht unbedingt die “Partykracher” vor dem Herren – aber musikalisch wurde hier ganz großes Kino geboten, und es war wohl eher sehr schade, dass das im Rahmen eines Festivals nicht ganz so angenommen und gewürdigt wurde, wie es der Klasse der Darbietung gebührt hätte. Dennoch für mich ein absolutes Festivalhighlight! [- Dragonslayer -])

ATROCITY & LEAVES' EYES

Als Ersatz für Epica wurden Atrocity und Leaves‘ Eyes für das Festival verpflichtet. Begonnen hat Atrocity mit Frontmann Alex Krull. Nach anfänglichen Mikrofonausfällen war zumindest der Sound in Ordnung. Alex growlte und bangte mit seiner enormen Haarpracht was das Zeug hielt, flitzte wie ein Derwisch über die Bühne, jedoch der berühmte Funke sprang nicht über. Abgeschlossen wurde der erste Teil des Gigs mit dem Tears for Fears Cover “Shout“, dass er mit Leaves‘ eyes Frontfrau Liv Kristine (die übrigens mit ATROCITY-Fronter Alex verheiratet ist) im Duett sang. (Anm.: Und das dank einer sehr gelangweilt wirkenden und lustlos performenden Liv Kristine leider unsagbar träge und ermüdend war – [- Dragonslayer -]) Die zweite Hälfte bestritt Liv Kristine, welche jedoch eher belanglos war. Die relativ dünne Stimme der Frontfrau kam auf der Bühne nicht wirklich zur Geltung. Erwähnenswert wäre der Auftritt von zwei spärlich bekleideten Blondinen (Anm.: Es handelte sich dabei übrigens um jene “Cyanide Girls”, die schon die Show von NEONFLY zwei Tage zu vorher eher zweifelhaft “bereichert” hatten. [- Dragonslayer -]), welche mit ihren erotisch angehauchten Verrenkungen etwas Farbe in den Auftritt brachten. Fazit ist, dass der Doppelgig nicht wirklich das Gelbe vom Ei war und beide Bands es sicher besser können.[- Walter Thanner -]

POWERWOLF

Nach den ihrem Namen alle Ehre machenden ATROCITY und den nicht minder grausamen LEAVES' EYES (in der Tat, da haben beide Bands wohl schon bessere Tage erwischt!) durften die Powermetal-Aficionados im Stormbringer-Team aber wieder fröhlich durchatmen – denn das originelle Wolfsrudel aus Deutschland stand schon in den Startlöchern, um das Publikum vor dem großen Finale mit AVANTASIA nochmal richtig zu fordern. Und sie machen auch alles richtig: Stimmungsstarker Party-Metal ist hier angesagt, und POWERWOLF überzeugen auch 2013 mit ihrer energiegeladenen Liveshow und dem charismatischen Auftreten von Fronter Attila Dorn. Da wird ein Powermetal-Kracher nach dem anderen ins Publikum gefeuert, und egal ob bei Bandklassikern wie “We Drink Your Blood” oder “Werewolves Of Armenia” oder bei Songs des neuen Albums “Preachers Of The Night” wie dem fulminanten “Amen & Attack” - bei POWERWOLF wird einfach Stimmung groß geschrieben, und so präsentiert das Fünfergespann ihren vornehmlich einfach gehaltenen Hau-Drauf-Metal aber mit einer solchen Spielfreude und Energie, dass man eigentlich gar nicht mehr anders kann, als mit den Wölfen zu heulen! POWERWOLF beweisen an diesem Abend eindrucksvoll, dass sie völlig zurecht binnen weniger Jahre zu einer der Top-Adressen im internationalen Melodic Metal-Zirkus herangereift sind (vorbei sind die Tage, als man etwa 2008 noch als Opener vor BRAINSTORM in Wien einen Gig auf Grund eines entschlafenen Tour-Vans – zugunsten einer längeren Show der kurzfristig als Opener eingesprungenen SABATON! - absagen musste) – anno 2013 kratzen POWERWOLF ganz gefährlich am Headliner-Status, und wenn die Truppe so weiter macht, ist der letzte Schritt eigentlich auch nur noch Formsache. Aber man könnte vielleicht trotzdem mal darüber nachdenken, einen Bassisten mit an Bord zu holen. Wegen dem Druck wär's gewesen. [- Dragonslayer -] Setlist POWERWOLF Sanctified with Dynamite Prayer in the Dark We Drink Your Blood Amen & Attack Werewolves of Armenia Resurrection by Erection Coleus Sanctus All We Need Is Blood Saturday Satan Raise Your Fist, Evangelist Lupus Dei



AVANTASIA

Gut, man kann zu AVANTASIA – und Tobias Sammet insbesondere – stehen wie man möchte; und es war auch klar, dass – rein vom Songmaterial – die Kompositionen des EDGUY-Fronters sicher nicht ganz auf einem Level sind mit, sagen wir, jenen eines Victor Smolski, der uns noch wenige Stunden zuvor mit seinem LINGUA MORTIS ORCHESTRA verwöhnt hat; aber eines muss man Tobias Sammet lassen: Er will's einfach verdammt noch mal wissen. Und das ist es ja, worum es eigentlich bei AVANTASIA live geht: Das “unaufführbare” Studioprojekt letztlich dann doch – und noch dazu in absolut hochkalibriger Besetzung – aufzuführen. Die “logistisch nicht machbare” Wundertat dann doch - mehrfach - zu vollbringen. Und letztlich dem klassischen melodischen Powermetal zu eben jenem Forum zu verhelfen, dessen er eigentlich bedarf, um wirklich das rüberzubringen, was er eigentlich vermitteln möchte. Und nichts weniger gelingt Tobias Sammet an diesem Abend: Veranstalter George Daron ließ es sich nicht nehmen, AVANTASIA mit ihrer dreistündigen(!) Hallenshow als Festival(!)-Headliner zu buchen, und weder Veranstalter noch Fans sollten enttäuscht werden. Mit einer mächtigen Produktion fahren sie hier auf, die Avantasians, und erneut hat Tobias Sammet eine erlesene Riege an Gaststars mit dabei: Neben AVANTASIA-Dauerbrennern wie Michael Kiske, Amanda Somverville und Bob Catley ist diesmal niemand geringerer als Eric Martin (MR. BIG) mit von der Partie, und der darf auch einen Löwenanteil am Gesang übernehmen (zumal weder JORN LANDE diesmal auf der Tour mit dabei ist, noch PRETTY MAIDS-Sänger Ronnie Atkins, der verletzungsbedingt absagen musste). Dabei steht die Show auch sonst unter keinem guten Stern: Chef Tobias Sammet kränkelt laut Backstage-Informationen etwas, und so wird wohl auch das Set trotzdem etwas gekürzt: im Gegensatz zu anderen Tour-Shows wird etwa auf “Black Orchid” oder den Stimmbandbrecher “Scales Of Justice” verzichtet; aber der Rest der Show macht das mehr als wett. Nach einer fulminanten Eröffnung in Form von “Spectres” und “The Watchmaker's Dream” vom aktuellen Album “The Mystery Of Time”, gab's dann mit “The Story Ain't Over” auch schon das erste emotionale Highlight – MAGNUM-Geschichtenerzähler Bob Catley tritt als erster Gastsänger in Erscheinung, und dann geht's auch schon Schlag auf Schlag: Das auf CD etwas mühsame “The Great Mystery” kommt auf Grund des puren Bombast-Faktors in der Livesituation grandios, und hier dürfen erstmals auch die Backing-Sänger Amanda Somerville und Thomas Rettke (HEAVEN'S GATE) brillieren. Ein zusätzliches “Chapeau” geht an dieser Stelle an AVANTASIA-Soundmann Achim Köhler, der es doch tatsächlich schafft, aus dieser Mammut-Produktion einen glasklaren, transparenten und dabei immer bombastisch-fetten Sound herauszuholen – Respekt, besser geht's eigentlich nicht mehr! Die tschechischen Fans drehen aber natürlich erst beim folgenden “Reach Out For The Light” endgültig ab, als Kultsänger Michael Kiske auftritt, und mit “Breaking Away” gibt's auch die erste Überraschung vom legendären AVANTASIA-Debütalbum. Ganz großes Kino! Und in ähnlichem Duktus geht es weiter – Eric Martin “macht den Lande” bei “Promised Land” (auch wenn er nicht in jeder Situation die gleiche Power wie der beeindruckende Norweger hat), und “The Scarecrow” kann erneut mit seinem mystischen Mittelteil punkten. Den zweiten emotionalen “Hach!”-Moment gibt's dann bei “In Quest For”, bei dem Tobi Sammet und Bob Catley wieder mal ihre Vater-Sohn-Nummer abziehen – ja, das ist kitschig, aber ja, das muss verdammt nochmal so sein! Danach gibt's aber eine kurze Erholungspause für den ohnehin angeschlagenen Tobi, und “The Wicked Symphony” wird von den restlichen Avantasians übernommen – insbesondere Gitarrist Oliver Hartmann (ex-AT VANCE, HARTMANN) tritt diesmal deutlich öfter als Vocalist in Erscheinung als auf bisherigen Touren – und das ist auch gut so! Der gute Mann singt nämlich an guten Tagen auch einen Jorn Lande mal eben so in Grund und Boden, und an diesem Sonntag hat er einen richtig guten Tag! Klar, das “Lost in Space” ebensowenig fehlen darf wie “Twisted Mind” vom “Scarecrow”-Album, und mit “Dying For An Angel” wird das reguläre Set beschlossen. Aber spätestens seit Tobias Sammets immer wiederkehrenden Versicherungen, dass “nach der Tour” mit AVANTASIA “endgültig Schluss” sei, wissen wir: Am Ende ist bei AVANTASIA noch lange nichts vorbei.

Stattdessen startet man in ein beinahe 45-minütiges Zugaben-Set, wobei aber zugegebenermaßen alleine gute 15 Minuten davon für die Bandpräsentation durch Maestro Sammet draufgehen. Aber auch das gehört nunmal bei ihm dazu, und in solchen Situationen – ebenso in jenen, in denen der eigenwillige Humor des sympathischen Hessen durchblitzt – fühle ich mich immer wieder an die Tour-Shirts der AVANTASIA-Crew erinnert: auf diesen prangt nämlich ein schmucker Wikinger mit emporgerecktem Schwert, und daneben steht der Satz: “Hail To False Metal!” Also wenn “False Metal” so aussieht, dann oute ich mich jetzt mit geschwollener Brust als “Wimp and Poser” - denn dieses Bombast-Feuerwerk, das muss AVANTASIA erstmal wer nachmachen. Klar, man muss schon ein Faible für MEAT LOAF-lastigen Musical-Metal haben, und wer bei Bands wie GAMMA RAY, EDGUY und STRATOVARIUS akut kariesgefährdet ist, der wird wohl auch mit AVANTASIA nur bedingt warm werden – aber Fakt ist: Tobias Sammet leistet mit seinem AVANTASIA-Projekt wirklich Beeindruckendes, und das große Finale in Form der Überschnulze “Farewell”, der Bandhymne “Avantasia” und – siehe da – dem überlangen “The Seven Angels” von der “Metal Opera Part 2” in voller Länge(!) bringt ein grandioses Konzert und ein erneut wunderbares Festival zu einem krönenden Abschluss. Der Rausschmeißer “Sign Of The Cross” ist dann fast nur noch Formsache. Fazit: Musikalisch war es wohl nicht die anspruchsvollste Kost, die im Rahmen des diesjährigen Masters of Rock geboten wurde (da haben wohl Acts wie das LINGUA MORTIS ORCHESTRA und DEVIN TOWNSEND die Nase vorn), aber vom puren Show-Faktor und vom Bombast-Element her, da war AVANTASIA natürlich nicht zu übertreffend. Viele starke Powermetal-Songs mit großen Chören und tollen Hooks, dargeboten von einer Handvoll großartiger Sänger und Sängerinnen, in einem Ambiente, das Seinesgleichen sucht – AVANTASIA live ist und bleibt auch beim dritten Mal ein Erlebnis. Und übrigens, für all jene, die diese Tour leider versäumt haben: Offenbar hat es sogar Tobias Sammet mittlerweile aufgegeben, vom “endgültigen Aus” von AVANTASIA zu sprechen; stattdessen meinte er im Laufe des Masters-Gigs fast beiläufig, dass er hofft, viele der Fans wiederzusehen – wenn “AVANTASIA in vier Jahren wieder auf Tour geht”! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen; MASTERS OF ROCK 2013 ist Geschichte, und wir ein kleiner Teil davon; das STORMBRINGER.at-Team sagt “Danke!” und: “See you next year at Masters of Rock 2014!” [- Dragonslayer -] Setlist AVANTASIA: Intro: Also sprach Zarathustra Spectres The Watchmakers' Dream The Story Ain't Over The Great Mystery Prelude Reach Out for the Light Breaking Away Promised Land The Scarecrow Shelter from the Rain In Quest For The Wicked Symphony Lost in Space Twisted Mind Dying for an Angel ------------- Farewell Avantasia The Seven Angels Sign of the Cross


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