12.07.2013, Messegelände Balingen

BANG YOUR HEAD Festival 2013 (Tag 1)

Text: Thomas Patsch | Fotos: Michelle
Veröffentlicht am 04.08.2013

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Nach der Kritik am letztjährigen Line-Up des BANG YOUR HEAD-Festivals (zum Bericht von Tag 1 und Tag 2) gingen die Veranstalter bei der diesjährigen Veranstaltung auf Nummer Ultra-Sicher. Die Headliner SAXON und ACCEPT und weitere Traditions-Metal-Hochkaräter wurden bereits während des Festivals 2012 bekanntgegeben. Das Wetter präsentierte sich dieser Tage in absoluter Bestform und das Metalpaket lockte auch heuer wiederum Tausende Fans nach Balingen. Dass Schweden eine unumstrittene Metal-Hochburg in Europa ist, wird durch die Vielzahl von Bands aus ABBA-Land (in Summe 8) untermauert, die hinter den deutschen Bands (11) auf Platz zwei liegen, gefolgt von englischen Combos (7), Bands aus den USA (3) und je zwei aus Dänemark und Finnland. Soviel zur eigens angefertigten Statistik. Im Sinne einer gewohnt umfassenden Berichterstattung von dieser Metal-Großkampfveranstaltung steuert wie schon beim Report vom Keep It True - Festival Metal-Veteran und ehemaliger Snakepit-Fanzine-Mitherausgeber Heinz Konzett einige Zeilen bei.

DONNERSTAG, 11.07.2013 (WARM UP – SHOW

, Halle)


SNAKE RIDE RODEO

sowie die lässig aufspielenden

TOKYO BLADE

hatten ihre Spielzeit bereits hinter sich gebracht, als der Special Gig von VICIOUS RUMORS seinen Schatten vorauswarf. Rechtzeitig zum Gig des IRON MAIDEN – Coverprojekts MAIDEN UNITED war mein Kollege Heinz in der Halle:

MAIDEN UNITED

Damian Wilson hat auf der letzten THRESHOLD-Tour viele so überzeugt, dass sie ihn für den derzeit besten (Prog-)Metal Sänger halten. So weit würde ich nicht gehen, dass Damian auch ein sehr guter Performer ist, bewies er bei diesem Gig aber allemal. Die schwierige Ausgangslage – ein Akustik-Set als 2. Band beim Donnerstag-Abend Programm – brachte denn auch viele Stimmen, die mit den neu und ruhig arrangierten, manchmal sogar jazzig angehauchten IRON MAIDEN-Classics nichts anfangen konnten, andere wieder genossen die MAIDEN Melodien in anderem Gewand. Die Band wäre nach CANDLEMASS definitiv besser aufgehoben gewesen, so durfte man die Melodien von „The Trooper“, „The Evil That Men Do“, „Wasted Years“, „Children Of The Damned“ oder „2 Minutes To Midnight“ ohne harte Gitarren, ohne Harris-Bass, dafür mit einem emotionalen Wilson erleben. In einem kleinen Club wäre die Performance aber sicher besser aufgehoben gewesen. Trotzdem ein interessantes Projekt, das gar nicht nach Cover-Band klang und offenbarte, wie genial die IRON MAIDEN-Melodien doch sind. (Heinz Konzett)

VICIOUS RUMORS

Zu bereits vorgerückter Stunde war die Power Metal-Legende der erste Hochkaräter auf der diesjährigen Warm Up-Veranstaltung. Es galt das 25 jährige Jubiläum von „Digital Dictator“ zu feiern und so bildete genau dieser Klassiker-Song den Kick Off der nun folgenden, geilen Show. Die Stammmannschaft Drummer Larry Howe und Bandboß Geoff Thorpe hatte wieder den Sohn des verstorbenen, klassischen VR-Sängers Carl Albert , Kevin, mit an Bord. Und wie schon beim Keep It True Gig 2011 ließ der junge Shouter nichts anbrennen und gab mächtig Gas, sowohl gesangs- als auch actiontechnisch war hier nichts zu bemängeln. Die routinierte Band lieferte den perfekten Soundteppich und so kam das Publikum mit Krachern wie „Down To The Temple“ in den Genuß einer starken Metal-Show. Zu „Mastermind“ enterte noch der aktuelle, etwas derangiert wirkende Sänger Brian Allen die Bretter, zu „Soldiers Of The Night“ bot die Band zusätzlich vier amtlich anzusehende Tänzerinnen auf der Bühne auf, die sich doch etwas ungelenk zu den Metal-Klängen bewegten. „Ship Of Fools“ und „Lady Took A Chance“ durften natürlich auch nicht fehlen, wenngleich die On Stage-Anwesenheit von zwei Shoutern doch etwas komisch wirkte. Ein wirkliches Manko hatte das amtliche und geile Set der Amerikaner aber trotzdem: Trotz aller Hochkarätigkeit der Show darf eine Legende wie VICIOUS RUMORS nicht ohne „Abandoned“ und vor allem „Don´t Wait For Me“ von der Bühne gehen!

CANDLEMASS

Wie sehr hatte ich mich im Vorfeld auf die Großmeister des Doom Metal gefreut. Wohl zu sehr, wie sich herausstellen sollte! Was nämlich statt eines Triumphzugs folgen sollte, nenne ich mal subjektiv und der breiteren Meinung Rechnung tragend und somit relativierend schlicht „ernüchternd“. Dies lag jedoch nicht an der Bühnenpräsenz der Band oder an der Leistung von (Neo?/Aushilfs?-)Sänger Mats Leven (mit gänzlich unpassendem Charlie Sheen-Shirt), der seinen Job wahrlich gut machte und wirklich sehr gut sang. Simpel gesagt: Es war einfach die dritte (nach Messiah Marcolin und Rob Lowe) Garnitur von CANDLEMASS am Start – und dies machte sich einfach bemerkbar. Bei allem Wohlwollen wollte das Ganze nicht ganz stimmig oder würdig anmuten. Bei einem indifferenten sowie schneidenden und harten (Gitarren-)Sound – für Death Metal und Co. sicherlich ideal – ging das Doom-Flair einfach verloren. Der Sound war derart wuchtig und überdreht, dass auch Mats Leven (auch ABSTRAKT ALGEBRA) und das Keyboard oftmals einfach untergingen. Es rockte und schepperte zwar an allen Enden, ich darf einen unbekannten Stehnachbarn jedoch mit den treffenden Worten zitieren: „Das ist kein Doom Metal mehr“. Neben Besetzung und Sound wurde zum Teil auch die Songauswahl bemängelt. Zu viele Klassiker hatten neuerem Material – v.a. vom zweifellos starken „Psalms Of The Dead“ - zu weichen, wohl wie immer Geschmacksache, allerdings sollten Auftritte wie diese mit vielen Evergreens aufmunitioniert werden, um sie zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Von der viel zu späten Beginnzeit (00:45 Uhr) war da noch gar nicht zu sprechen. Bis zum Show-Ende (nach 2 Uhr früh) mit dem obligatorischen „Epicus Doomicus Metallicus“-Track „Solitude“ hatten sich die Zuschauerreihen immens gelichtet, fast ganz nach vorne zu kommen sowieso nie ein Problem. Vor allem im direkten Vergleich zum letztjährigen Jon Oliva Gig vor rappelvoller Halle war dies nicht die erwartete Warm-Up-Headliner-Show, Zugaberufe im sich eher verhalten präsentierenden Publikum waren nur spärlich zu verzeichnen. Für mich war diese Show eine routinierte Vorstellung einer Doom-Legende mit schlechtem Sound und einem guten, wenn auch nicht stimmig ins Bild passenden Sänger, der meiner Meinung nach vor allem bei den Songs der Messiah-Phase nicht gerade glänzte. Eine Show ohne dieses spezielle magische Flair, das die Band eigentlich versprühen sollte. Ein Shirt hab ich mir trotzdem gekauft, schließlich geht es ja um die Band, aber das kann noch nicht "DIE" CANDLEMASS-Show gewesen sein! Setlist: - Prophet - Bewitched - Dark Reflections - Waterwitch - Emperor Of The Void - Under The Oak - At The Gallows End - Darkness In Paradise - Psalms For The Dead - Black As Time - Crystal Ball - Solitude



FREITAG, 12.07.2013



ARTILLERY

Die Euro-Thrash-Legende hatte nach der nationalen Aufwärmrunde mit

WANTED INC.

die undankbare Aufgabe, zu recht früher Stunde (10:30 Uhr) den internationalen Kick-Off des offiziellen Festivalteils zu bestreiten. Im gleißenden Sonnenlicht brieten die Dänen ein Thrash-Fest, die Gitarren sägten knackig, vor allem die schrille und vergleichsweise junge Frontsirene Michael Bastholm Dahl nützte die vollen Bühnenausmaße und wetzte hin und her, dem Vermächtnis des großen Flemming Rönsdorf aber immer Rechnung tragend. Die Songauswahl war ebenfalls bestens gelungen, vom aktuellen „Death Is An Illusion“ (vom 2011er „My Blood“-Album) über „10.000 Devils“ und den Killertracks vom „By Inheritance“-Album (Titeltrack und „Khomaniac“) bis hin zum absoluten Thrash-Killer „Terror Squad“ – die ein wenig ins Alter gekommenen Herren vermochten trotz nicht ganz optimaler Soundverhältnisse einen guten Gig auf die Bühnenbretter zu zaubern und mit stolzgeschwellter Brust ihren neuen Albumdeal mit Metal Blade zu feiern.

CRAZY LIXX

Lag es am melodischeren Songmaterial und war der Sound gleich um ein Hauseck besser? Die ungestümen Schweden enterten in bester Melodic/Glam-Manier die Bühne und rotzten frisch und frei ihre packenden Poser-Hymnen ins Auditorium. Auch wenn die Jungspunde ein wenig im Schatten ihrer mächtigen Konkurrenz a la CRASHDIET und Co. agieren, macht das wirklich starke Songmaterial die leider zu beklagenden optischen Schwächen und die doch nicht immer glaubhaft rübergebrachte Sleaziness locker wett, ein weiterer Qualitätsbeweis für das stark auftrumpfende Quintett, bei dem sich vor allem der Basser mächtig ins Zeug legte und bangte und poste wie Sau. Die Nordmänner bewiesen auch Fannähe und spielten für den Superfan Basti „Road To Babylon“, intonierten zum ungestümen Wohlgefallen der Anwesenden „Cum on Feel The Noize“ von QUIET RIOT und „We're Not Gonna Take It“ von TWISTED SISTER, beim überragenden „21 TiI Die“ waren endgültig alle Poserherzen gewonnen und ein schmissiges „Whiskey, Tango, Foxtrot“ beendete ein erstes Highlight des heurigen BYH-Festivals. Setlist: - Young Blood - Lock Up Your Daughter - Riot Avenue - Cum On Feel The Noize / We're Not Gonna Take It - Want It - Rock And A Hard Place - Road To Babylon - 21 Til I Die - Heroes Are Forever - Whiskey Tango Foxtrot

H.E.A.T.

Nach dem grundsoliden Metal-Gig der Schweden

DREAM EVIL

glühten erneut die Herzen der zahlreichen anwesenden MelodicRock-Fans auf. Und die Schweden fachten dieses Glühen mit einem wahrlich triumphalen Auftritt zusätzlich an. Schon der Opener „Breaking The Silence“ machte klar, über welches Potential die Nordlichter verfügen. Auf der Bühne regierte der sehr präsente und optisch teils an BILLY IDOL erinnernde Sänger Erik Grönwall, der amtlich über die Bühne steppte und tanzte. Soundmäßig überzeugten das Keyboard und die Backingvocals von Basser Jimmy Jay, der gitarrewürgende Malmsteen-Lookalike vervollständigte schließlich noch das sehr ansprechende Gesamtbild. Gegen starke Tracks und geschmeidige Melodic-Perlen wie "Living On The Run" oder dem abschließenden "It's All About Tonight" kann einfach kein melodisch gepoltes Herz resistent sein. Unterm Strich eine äußerst gelungene Vorstellung aus der immer noch regierenden Hardrock/Glam-Hochburg Schweden, auch wenn das starke „Never Let Go“ nicht im krachermäßigen Auftritt berücksichtigt wurde. Den folgenden Auftritt von MASTERPLAN zog sich Heinz rein:

MASTERPLAN

Viele waren auf den neuen Sänger Rick Altzi bei MASTERPLAN gespannt. Kann er stimmlich in die großen Fußstapfen eines JORN LANDE treten und das Kurz-Intermezzo von ex-RIOT Röhre Mike DiMeo vergessen lassen? Die Antwort lautet: es kommt darauf an....Die Band um ex-HELLOWEEN Klampfer Roland Grapow hat ein paar feine Songs in petto, die alle kompetent gespielt wurden und auch mit neuem Sänger nahe an den Original-Versionen kleben: „Enlighten Me“, „Crimson Rider“, „Back For My Life“, „Kind Hearted Light“ oder „Spirit Never Die“. Eigentlich sehr gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Show. Leider kann die Band die musikalisch reife Leistung nicht in einer aktiven Performance unterbringen. Was ist wichtiger: ein perfekt gespielter Song oder eine emotionale Achterbahnfahrt auf der Bühne? Bei MASTERPLAN eindeutig ersteres, was die schwache Bühnendarbietung dann erklärt. Wenn der Keyboarder der aktivste Musiker auf der Bühne ist und der Sänger mit Sonnenbrille bewaffnet an seinem Mikro auch bei gefühlten 30 Grad einfriert – was ihn wiederum in die Nähe zu Jorn Lande bringt, der ja auch nicht gerade den Ruf als kommunikativer Frontmann inne hat, ist das eindeutig zu wenig, um das eigentlich affine Publikum aus der Hitzelethargie zu reißen. Schade um diese vergebene Chance. (Heinz Konzett)



ENTOMBED

Die Schweden hatte ich schon Ewigkeiten nicht mehr live gesehen, dementsprechend gespannt war ich auf die Death Metal-Originatoren, die gleich „Living Dead“ aus den Boxen dröhnen ließen. Apropos Dröhnen: Ohrenscheinlich dürfte noch der Vormischer am Platz kleben geblieben sein, ein amtlicher und differenzierter Death Metal-Sound klingt dann doch ein wenig anders. Nichtsdestotrotz holzte die verjüngte Mannschaft um die beiden Urgesteine, Gitarrist Alex Hellid und den wie immer putzig über die Bühne stolpernden Sänger L.G. Petrov, ihr Programm amtlich runter, die Spannweite reichte von den Pflichtklassikern von „Left Hand Path“ bis zu „I For An Eye“ von „Morning Star“ von 2002. Der erste Moshpit des Tages kreiste ebenfalls schon, sodass der Fan seine volle Breitseite Schwedentod amtlich verabreicht bekam. Der nicht optimale Sound nahm den schnellen („Revel In Flesh“) und langsämeren („Out Of Hand“) Tracks jedoch nicht ihren Charme und so konnten die DM-Fans nach „Wolverine Blues“ mit einem Grinsen im Gesicht von dannen ziehen. Setlist: - Living Dead - Like This With The Devil - Out Of Hand - Revel In Flesh - To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth - Stranger Aeons - Damn Deal Done - I For An Eye - Eyemaster - Supposed To Rot - Left Hand Path - Wolverine Blues

PRETTY MAIDS

Nach dem fulminanten Hallengig vor zwei Jahren war den Dänen heuer die Hauptbühne gegönnt und viele der Anwesenden konnten ihre Vorfreude auf eine amtliche Melodic HardRock-Vollbedienung nicht verhehlen. Ganz taufrisch scheinen die Herren Ronnie Atkins und Ken Hammer (Gitarre) zwar nicht mehr zu sein, dies tat jedoch einem starken Auftritt keinen Abbruch, weder showtechnisch noch musikalisch gab es was zu mäkeln, vielmehr präsentierte sich vor allem Sänger Ronnie Atkins agil und äußerst bühnenerfahren. Die Setlist war ebenfalls für die knapp bemessene Spielzeit exzellent bestückt, „Future World“-Klassiker wie „Rodeo“ oder ein starkes „Yellow Rain“ wurden von Tracks der beiden tollen letzten Alben „Motherland“ und „Pandemonium“ geschmeidig ergänzt. „Red, Hot And Heavy“ beschloß schließlich noch einen auf ganzer Linien überzeugenden Auftritt der wiedererstarkten Hardrock-Legende! Heinz wird euch jetzt von den Finnen STRATOVARIUS berichten, bevor der Co-Headliner LORDI auf der Hauptbühne die großen Massen begeistern durfte. Setlist: - Mother Of All Lies - I See Ghosts - Needles In The Dark - Rodeo - I N.V.U. - Yellow Rain - Little Drops Of Heaven - Future World - Back To Back - Red, Hot And Heavy

STRATOVARIUS

Als Ersatz für die verhinderten W.A.S.P. engagiert, hatten STRATOVARIUS einen schweren Stand. Nach den PRETTY MAIDS zu spielen - die unglaublich gute Reaktionen vom Publikum erfuhren und das Gelände wie ein Headliner füllten - stellte auch eine zu hohe Bürde dar. Denn die Popularität ihres Sounds ist nicht mehr zu vergleichen, als die Finnen mit „Infinite“ und „Visions“ die Welt eroberten und auch ein großartiges Line-Up am Start hatten. Es scheint, als wäre die Gunst der Fans nicht mehr auf ihrer Seite seit die band-internen Streitigkeiten eskalierten. Das ist aber nun schon einige Jahr her und die Band hat wieder an Konstanz gewonnen. Das neue Album „Nemesis“ kann durchaus wieder überzeugen und Songs wie der Opener „Abandon“ passen auch gut in die Setlist. Der zu baß-lastige Sound mit einer arg mittigen Gitarre sowie die teilweise schiefen Gesangstöne von Timo Kotipelto erwiesen sich als weitere Dämpfer. So gelang der tapfer kämpfenden Band mit einer guten Setlist („Speed Of Sound“, „Black Diamond“) nur bei „Kiss Of Judas“ und natürlich „Hunting High And Low“ das Stimmungslevel auf ein ordentliches Maß zu heben. Es wird ein steiniger Weg für STRATOVARIUS, die ehemaligen Erfolge wieder zu erreichen. Dass sowas aber möglich ist, bewiesen die großartigen ICED EARTH am folgenden Tag eindrücklich. (Heinz Konzett)

SAXON

Ich darf eingangs gleich „Rock Hard“-Freelancer Bruder Cle zitieren, der meinte „Hast du schon jemals eine schlechte SAXON-Show gesehen?“ Ich denke die meisten werden diese Frage wohl mit einem klaren „Nein“ beantworten können. Aber dennoch war es eine Wonne, den Engländern bei einem weiteren Erfolg in der langen Bandgeschichte beiwohnen zu dürfen. Die Abgeklärtheit und Coolness, gepaart mit der immer noch unbändigen und spürbaren Spielfreude und der nie aufgesetzt oder einstudiert wirkenden Professionalität waren einfach wieder eine Wonne. Biff Byford beschritt die Bühne, jedoch nie arrogant, sondern immer sympathisch und würdevoll. Die Band präsentierte sich bei Headliner-Sound in bester Verfassung. Über die satte Lichtshow braucht wohl nicht viel referiert zu werden. Ein Blick auf die Setlist zeigt, wie sich der Bogen von den Anfängen bis zum letzten Album „Sacrifice“, also über 30 Jahre Metalgeschichte spannt, gerade die Classics zum Ende des Sets hin gehören zur Heavy Metal-Grundausstattung.

Als besonderes Schmankerl muß neben Feuersäulen und sonstigem Effektkram noch das Drumsolo von Nigel Glockler festgehalten werden, der Drumriser hob das Schlagzeug in die Höhe und in riesigen Leuchtlettern stand „Glockler“ geschrieben. Weiters hatte die Metal-Legende ihren (vorerst hinter Backdrops versteckten) von der Wacken-Show bekannten Adler mit im Gepäck, der mit seiner Beleuchtung mächtig viel her machte und dem ganzen Spektakel zusätzliche Wirkungskraft und Würde verlieh. Für mich pers önlich war es mehr als imposant, eine Band, die in meinen Metal-Anfangszeiten im grassierenden Poser/Thrash-Wahn bereits zum Altmetall gehörte, satte 26 Jahre später immer noch als triumphale und auch frische Headliner bewundern zu dürfen, allein dafür gebührt den Engländern Riesenrespekt! Ein mehr als amtlicher Headliner entließ ein mächtig beeindrucktes Publikum in die Nacht. Setlist (ohne Gewähr für die Reihenfolge): - Procession - Sacrifice - Wheels Of Terror - Power And The Glory - Heavy Metal Thunder - Motorcycle Man - I've Got To Rock (To Stay Alive) - To Hell And Back Again - Night Of The Wolf - The Eagle Has Landed - Conquistador - Drum Solo - Solid Ball Of Rock - Stand Up And Fight - Dallas 1 PM - And The Bands Played On - 747 (Strangers In The Night) - Wheels Of Steel --- - Crusader - Strong Arm Of The Law - Denim And Leather - Princess Of The Night

FLESHCRAWL

(Halle) Während draußen auf der Hauptbühne unter riesigem Zuschauerzuspruch die finnischen Klamauk-Horror-Hardrocker

LORDI

ihr Showeffekt- und Hitfeuerwerk zelebrierten und nicht mit Kostümen, Pyros und Smashern wie „Who´s Your Daddy“, „Would You Love A Monsterman“ oder „Hard Rock Hallelujah“ geizten, zog es mich zum ersten Hallengig des heutigen Abends, um mir eine weitere Death Metal-Genickwatschn abzuholen. Die einst schwedischste aller deutschen DM-Bands hatte bereits in der Halle angefangen zu spielen, derweil aufgrund der Sperre der Halle noch viele Fans draußen auf Einlaß warten mußten, was zwar verschmerzbar war, aber eine kleine organisatorische Schwäche darstellte. Vor allem Sänger Sven war gut motiviert und hätte sich augenscheinlich doch noch ein wenig mehr Zuspruch aus dem Publikum erwartet gehabt. Soundtechnisch gab es die volle DISMEMBER/ENTOMBED-Kelle, „Soulskinner“ oder „Beneath A Dying Sun“ kamen bei den Genrefans sowieso gut an, „Flesh Bloody Flesh“ hackte alles nieder und animierte einmal mehr zum Mitgrölen, bevor die CARNAGE-Verneigung „The Day Man Lost“ leider viel zu schnell einen Schlussstrich unter einen Spaß machenden, schnell runtergeholzten Set machte. So gern ich LAKE OF TEARS sonst mochte, hatte ich am heutigen Tag - vor allem nach der DM-Vorbedienung - keinen Bock auf diese Art von Sound, kam so in den Genuß der vollen SAXON-Show, und darf den Ball dankenswerterweise meinem Kollegen Heinz zuspielen. Setlist: - As Blood Rains From The Sky - Soulskinner - Dark Dimension - Structures Of Death - Damned In Fire - Into The Fire Of Hell - Slaughter At Dawn - Under The Banner Of Death - Beneath A Dying Sun - Written In Blood - From The Dead To The Living - Flesh Bloody Flesh - Made Of Flesh - The Day Man Lost



LAKE OF TEARS

(Halle) Hallengigs beim BYH haben immer Nachteile: die große Messehalle hat wenig Flair, hat schwierige Soundverh ältnisse und wird nur teilweise von den Leuten angenommen. Egal. LAKE OF TEARS spielten in der SAXON-Zeit, dem entsprechend war die Halle nur zu einem Drittel gefüllt, dafür aber mit vielen Die-Hards vor der Bühne, die alle die mittlerweile seltene Gelegenheit genossen, diese originelle Skandinavien-Band mit ihren großen Emotionen zu erleben. Und wie sich das gelohnt hat. Schon mal „Boogie Bubble“ oder „Devil`s Diner“ von der Göttergabe „A Crimson Cosmos“ gehört, oder „Last Purple Sky“ von „Moons And Mushrooms“? LAKE OF TEARS waren die beste Band am BYH-Freitag (Spötter würden meinen, dass das bei dem Tages-Billing nicht sooooo schwer war, SAXON-Anhänger das gar nicht verstehen, auch egal). Göttergaben aus dem reichen Fundus der Schweden wurden dargeboten, reich an Atmosphäre, überraschend energiegeladen, nicht überraschend exzellent gesungen von Mastermind Daniel Brennare, gar nicht überraschend mit genialen Hooks zuhauf versehen. Mind-fucking music, mates. Wer sich darauf einlässt, wird großes Kopfkino erleben dürfen, andere durften bei den immer noch starken SAXON auf der Hauptbühne das 1364mal „Wheels Of Steel“ hören. Der gute Sound trotzte der Halle, die intensive Atmosphäre umhüllte sogar die Stahlkonstruktion mit Plüschwatte. Bockstark. (Heinz Konzett)

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

(Halle) Die Deutschen ließ ich nach dem auf der Hauptbühne beendeten SAXON-Gig eigentlich eher nur als Überbrückung bis zu den Thrash-Veteranen ONSLAUGHT über mich ergehen. Dennoch kann den REITERn ihre Qualität nicht abgesprochen werden. Zur fast besten Festivalzeit füllte sich die Halle vor 23 Uhr amtlich, und bei einem amtlichen Sound (den etwa CANDLEMASS verdient gehabt hätten) und einer fetten Lightshow predigte Sänger Eumel seine tiefsinnigen und manchmal auch sinnbefreiteren Texte in deutsch gerockten Hits wie „Revolution“, „Seemann“ oder „Es wird schlimmer“. Der wie immer als Sklave verkleidete Keyboarder Dr. Pest wiegte sich in einer eigens aufgestellten Schaukel hin und her, Eumel schwang die obligatorische Fahne und der Drummer verdrosch derweil sein mit 3 Bassdrums ausgestattetes Schlagzeug. Für Erheiterung sorgten weiters noch die Gasmasken für die Saitenfraktion und so ging ein irgendwie unterhaltsamer Gig mit dem harten „Unter der Asche“ zu Ende.

ONSLAUGHT

(Halle) Mit dem späten Gig der Engländer vollendete ich nach dem Thrash - ALPHA (ARTILLERY) das OMEGA (ONSLAUGHT) des heutigen Tages. Eine ewig dauernde Umbau- und Soundcheckpause ließ nur mehr die „Härtesten“ übrigbleiben und den Klängen der Insulaner lauschen. Wenigstens hatte sich der Soundcheck gelohnt und der (man muß es ehrlicherweise so bezeichnen) „Zweite Reihe“-Thrash Metal briet amtlich aus den Boxen. Aber genau dieses Manko der Zweitklassigkeit machten die Herren um Gitarrist Nige Rockett und den sympathischen Frontmann Sy Keeler mit einer gehörigen Portion Charisma und Spielfreude, gutem Sound und der immer authentischeren Livesituation locker wett. Eine amtliche Lichtshow vervollständigte die Vorstellung und der Pit kreiste zu starken Tracks wie „Killing Peace“ und Standards wie „Shellschock“ oder „Let There Be Death“. Der erste Festivaltag war geschlagen, ähnlich wie EXODUS 2012 (zum Bericht) bestätigte sich wiederum, dass eine Thrash-Show in der Halle fast besser als auf der riesigen Open Air-Bühne zündet. Der erste Festivaltag war somit mehr als würdig zu Ende gegangen, wer an Tag 2 punkten konnte, könnt ihr HIER lesen. Danke für die Fotos geht an Michaela Schnell, mehr ihrer Arbeiten seht ihr auf ihrer Seite.


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