13.07.2013, Messegelände Balingen

BANG YOUR HEAD Festival 2013 (Tag 2)

Text: Thomas Patsch | Fotos: Michelle
Veröffentlicht am 05.08.2013

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Bereits der erste Spieltag des diesjährigen BANG YOUR HEAD-FESTIVALS hielt schon einige tolle Live-Leistungen bereit, der Samstag sollte dem in nichts nachstehen und weitere Höhepunkte aufbieten.

Samstag, 13.07.2013



ALPHA TIGER

Die Deutschen

REBELLIOUS SPIRIT

hatten bereits die undankbare Rolle übernommen, das noch spärlich anwesende und verkaterte Publikum anzuheizen, als ihre Landsmänner die Bühne enterten. Ein amtliches Metalbrett fegte so vor Mittag über die Metal-Lunatics hinweg. Und im gleißenden Sonnenlicht machte das Quintett seinem guten Ruf alle Ehre. Die Saitenfraktion hatte sich in bunt und fetzig anzusehende Hosen gezwängt, Sänger Stephan Dietrich hatte sich seiner eher unpassenden Dreadlocks entledigt, die Setlist präsentierte in den knapp 45 Minuten einen Querschnitt durch die beiden veröffentlichten Alben, der Gig ging mit „Karma“ zu Ende, auf das sonst obligatorische QUEENSRYCHE-Cover „Queen Of The Reich“ wurde heute verzichtet.

HELL

Die Engländer durften zwar nicht (so wie beim 2011er SABATON-Support-Gig in London) auf einen Heimvorteil hoffen, dennoch hat die Band wohl auch in deutschen Landen zahlreiche Anhänger. Das von Sänger David Bower geäußerte „We are not a sunshine band“ traf den Nagel und damit auch das heutige Dilemma auf den Kopf. Eine Band wie HELL braucht einfach die Dunkelheit, Düsternis, das Drama und die Theatralik. Der sehr agil über die Bühne fegende und via Headset singende Frontmann ist sowieso Sänger, Gestikulierer UND mit Dornenkrone geschmückter Schauspieler. Die gleichfalls bleich geschminkte Saitenfraktion gab ebenfalls Gas, Oberproduzent und Gitarrero Andy Sneap hielt sich sympathisch im Hintergrund, auf Gimmicks wie die Predigt-Kanzel musste wohl Open-Air-like verzichtet werden. Obwohl ich die Band für etwas überbewertet halte, vermochten die Briten mit den Tracks ihres „Human Remains“-Album auf ganzer Linie zu überzeugen und bei ansprechendem Livesound das Beste aus den Gegebenheiten herauszuholen.

ANGEL WITCH

Die Briten sind zuletzt irgendwie omnipräsent. Nach der heurigen Keep It True-Show kam ich ein weiteres Mal in den Genuß eines ANGEL WITCH-Konzerts. Zweifellos gute Nummern wie „Atlantis“, „White Witch“ und „Angel Of Death“ waren jedoch auch aus der Ferne recht gut anzuhören, der Grundtenor der meisten Befragten deckte sich jedoch mit der Meinung des Rezensenten: „langweilig“.



MORGANA LEFAY

Aber so eine Verschnaufpause hat auch so ihre Vorteile, schließlich konnte man Kräfte tanken für eine der Überraschungen des gesamten Festivals. Nach jahrelanger Abstinenz luden MORGANA LEFAY zur Audienz. Von vielen angesichts der starken Discographie mit großen Erwartungen bedacht, krachten die Schweden wie eine Granate mitten ins Metalfestival. Die amtliche Mischung aus wuchtig-stampfender Metalpower und thrashigen Gitarrenriffs vermochte auch jene mit der Discographie der Band nicht so Vertraute zu packen und nicht mehr loszulassen! Die Band funktioniert also nicht nur auf Tonträger, sondern vermochte auch live auf ganzer Linie zu überzeugen. Alle Protagonisten waren recht agil, die Saitenfraktion ließ irgendwie an eine Thrash-Band denken. Größtes As im Ärmel der Skandinavier war aber Sänger Charles Rytkönen, der über die Bühne schritt, das Publikum anstachelte, poste und sichtlich auch den Zuspruch der vorderen Reihen genoß. Krachernummern wie „The Rooms Of Sleep“ oder „In The Court Of The Crimson King“ wurden noch getoppt durch das endgeile “Hollow” und das abschließende “Maleficium”. Ein weiteres Festivalhighlight überraschte die Zuschauer bereits am frühen Nachmittag, mich erwischte diese präsente Darbietung und dichte Show eiskalt und eindrucksvoll!

SANCTUARY

Doch der nächste Höhepunkt sollte auf dem Fuße folgen. Die (nach der W.A.S.P.-Absage) größte Risikoband des Festivals machte so einige Besucher sichtlich nervös, schließlich wurde von disaströsen Klang- und Gesangserlebnissen (u.a. am Metal Assault-Festival) berichtet. Und so lauschte man merklich angespannt den Anfangsklängen des Openers „Taste Revenge“. Mit dem Anstimmen der ersten Töne von Warrel Dane hörte man so einige Felsbrocken von vielen Metal Hearts fallen. Meister Dane schien gut bei Stimme und auch sonst in ansprechender Laune und körperlicher Verfassung zu sein. In Army-Klamotten gewandet sang sich der Amerikaner in der Folge stark durch das Set und bereitete nicht nur mir mit der standesgemäßen Darbietung von Jahrhundertnummern die „Die For My Sins“ eine Riesenfreude. Selbst das stimmlich extrem fordernde „Battle Angels“ wurde mit Bravour gemeistert, zudem wurden noch zwei neue Songs („Frozen“? und „Wired“?) präsentiert, die naturgemäß in die NEVERMORE-Kerbe schlugen, aber sehr geil rüberkamen. Beschlossen wurde dieses starke und mit gutem Sound absolvierte Set mit „Future Tense“, danach konnten alle Beteiligten (u.a. Stammbasser Jim Sheppard und Gitarrist Lenny Rutledge) stolz das Feld räumen, die erleichterte Fanmeute hatte eine amtliche Rückkehr der Achtziger-Legende erleben dürfen, davon bitte in Zukunft mehr! Von den mit Heimvorteil spielenden RAGE berichtet euch unser Vorarlberger Legionär Heinz: Setlist: - Taste Revenge - Seasons Of Destruction - Die For My Sins - Battle Angels - Frozen (New Song) - Wired (New Song) - The Mirror Black - White Rabbit (Jefferson Airplane Cover) - Soldiers Of Steel - Future Tense



RAGE

Viele Leute vor der Bühne. RAGE ziehen immer noch. Kein Wunder, tourt die Band doch stetig ihre Kreise in Mitteleuropa und bringt regelmäßig Alben raus, die man auch heute noch hören kann. Und Peavy hat mit seinen beiden Sidekicks enorme Verstärkung – Andre Hilgers ist ein straighter Power Drummer, der um einiges band-dienlicher spielt als Mike Terrana, und Victor Smolski ist ein Gitarrren-Wiz vor dem Herrn, geile Leads im Stile eines Jake E Lee paaren sich mit spielerischer Leichtigkeit. Well done. Alt-Fans trauern zwar immer noch „Perfect Man“ oder gar alten AVENGER-Zeiten nach, aber RAGE haben halt ein riesiges Repertoire an Songs, um eine knappe Stunde Spielzeit zu füllen. Leider kein „Don´t Fear The Winter“, dafür „Soundchaser“, „Straight To Hell“, „Refuge“ und „Higher Than The Sky“ mit Publikums-Unterstützung. Ich habe zwar schon weit bessere RAGE-Gigs gesehen, vor allem Peavy schien nicht so ganz 100% bei der Sache, aber es wurde gute Unterhaltung geboten. Nice to have sozusagen. (Heinz Konzett)

AT THE GATES

Die optisch wie auch musikalisch unauffälligen Engländer

THUNDER

waren die erwartet ideale Festivalhintergrundbeschallung zum Essen, Trinken und Plaudern. Rekreationszeit war angesagt, Niedersetzen, Schatten genießen und Chillen lautete die wohlverdiente Devise, schließlich sollte in Bälde eine Legende die Bühne entern. Und niemand Geringerer als die Originatoren des Göteborg-Melodic-Death–Sounds sollten als Nächste um die Gunst des Publikums buhlen. Gemeinsam mit ihren Landsmännern ENTOMBED und FLESHCRAWL stellten die Göteborger das obere Ende der Härteskala dar, sodass sich nun die Melodic-Fraktion eine Pause gönnen konnte. „Slaughter Of The Soul“ war sodann der ideale Opener, fetter, harter und schneller Sche*ß fegte den Zuschauern um die Ohren. Und in dieser Manier ging es weiter. „Terminal Spirit Disease“ oder das SLAYER-Cover „Captor of Sin“ vermochten allen Krachrüpeln im Pit und im Auditorium zu gefallen. Das Um und Auf bei den Schweden ist der bewegungs- und kontaktfreudige Frontschreier Tomas „Tomppa“ Lindberg, der herumwirbelte und alles in Grund und Festivalboden kreischte, während die Band doch recht statisch und auch austauschbar wirkte. Es war eine wahre Ohrenweide, die Lauscher ordentlich durchgeblasen zu bekommen, das absolute Killerende mit Abrissbirnen wie „Blinded By Fear“, „Nausea“ und dem uralten „Kingdom Gone“ besiegelte einen starken Auftritt der Melo-Death-Legende, für den ich schweren Herzens den

RAVEN

-Gig in der Halle opfern musste! Nach den eher mäßig besuchten Gigs im schweizerischen Uster sowie in Innsbruck dürfte der Gig auf der amtlichen Bühne in der Halle mit äußerst wohlwollendem Zuspruch der zahlreichen Fans wohl Balsam auf den Seelen der NWoBHM-Recken gewesen sein. Die Chef-Powermetaller ICED EARTH wurden von Heinz begutachtet. Setlist: - Slaughter Of The Soul - Terminal Spirit Disease - Under A Serpent Sun - Captor Of Sin (Slayer Cover) - Windows - World Of Lies - Need - Blinded By Fear - Nausea - Kingdom Gone

ICED EARTH

Wer ein derart fantastisches Back-Programm im Rücken hat, wird den Co-Headliner-Slot doch mehr als verdienen, oder? Wer einen Granatensänger wie Stu Block in seinen Reihen hat, kann nur abr äumen, oder? Wer die beste rechte Hand im Metal spielt wie Jon Schaffer, wird der erklärte Favorit beim BYH sein, oder? Wer in den letzten zwei Jahren über hundert Gigs gespielt hat, wird der Metal-Welt zeigen, was Tightness bedeutet, oder? Well, nach so einem fabelhaften Gig ist eines klar: ICED EARTH haben ihre Krisen-Zeiten endgültig überwunden und sind live sogar wieder so stark wie bei ihrer grandiosen „Dark Saga“ Tour mit NEVERMORE. Den doch schwachen Headlinergig beim BYH zu „Gettysburg“-Zeiten darf man nun abhaken. Die Wucht und Power konnte keine Band an diesen drei feinen Tagen im Namen des Metals auch nur annähernd erreichen, in den Reihen vor der Bühne ging dem entsprechend die Post ab. „Dark Saga”, “Pure Evil”, “V”, “A Question Of Heaven”, “Burning Times”, “Watching Over Me”, “Iced Earth”…. eine Stunde pure Magie, die Definition des US Stahls ist wieder auferstanden und hat nun wieder Fahrt aufgenommen, dem grandios singenden und performenden Stu Block sei Dank. VOLBEAT können sich im Herbst auf ihrer Tour warm anziehen... (Heinz Konzett)



ACCEPT

Die Deutschen waren nach 2011 schon wieder Headliner auf dem BYH. Und wie schon zwei Jahre zuvor ließ die Teutonen-Metal-Armada mit amerikanischem Legionär nichts anbrennen. Als Ur-ACCEPT-Anhänger schlagen nun zwei Metal Hearts in meiner Brust und ich bin mir zwar nach wie vor nicht sicher, ob ich mir lieber einen U.D.O.-Gig oder einen ACCEPT-Konzert ansehen möchte, weshalb es mir zum zweiten Mal leicht fiel, meinen Focus auf die Band in der Halle (heuer EXUMER) zu richten. Dennoch kam ich in den Genuß der zweiten Hälfte des Gigs der deutschen Metal-Titanen, die ihr Programm mit den Spitzentracks der letzten beiden „Comeback“-Alben aufpeppten. Sänger Mark Tornillo tat sein Bestes (und das nicht schlecht), die ehemalige Frontsirene Udo Dirkschneider vergessen zu machen und der Gig durfte als absolut Headlinerwürdig eingestuft werden. Dennoch hätte der eine oder andere exklusive Classic (etwa von „Metal Heart“ oder „Russian Roulette“) die Setlist doch ein wenig aufgewertet, schließlich hatte man zuletzt noch „Aiming High“ oder „Starlight“ mit im Gepäck. Setlist: - Hung, Drawn And Quartered - Hellfire - Restless And Wild - Losers And Winners - Stalingrad - Breaker - Shadow Soldiers - Bucket Full Of Hate - Bulletproof - Pandemic - Princess Of The Dawn - Up To The Limit - Fast As A Shark --- - Metal Heart - Teutonic Terror - Balls To The Wall

EXUMER

(Halle) Die deutsche Thrash-Legende setzte dem ONSLAUGHT-Gig vom Vortag noch einen drauf. Bei bestem Sound und unter frenetischem Jubel der zahlreichen Fans der Deutschen sollte eine weitere geile Thrash-Show die BYH-Halle in ihren Grundfesten erschüttern. „Winds Of Death“ war der ideale Opener für die Metal Mania, die nun von Statten gehen sollte. Absolut tight und motiviert riffte und knüppelte sich die Band durch ihr mit Classics gespicktes Programm, dass den Lunatics das Thrash-Herz aufgehen sollte. Das geile „Fire And Damnation“ vom letzten Album gesellte sich geschmeidig zu alten Hadern wie „Sorrows Of The Judgement“ und „Xiron Darkstar“. Sänger Mem Von Stein fühlte sich augenscheinlich sehr wohl und vermochte mit seinen sympathischen Ansagen beim Publikum den Thrash-Funken zusätzlich zu befeuern. Über Nummern wie „A Mortal In Black“, „Fallen Saint“ und die finale Zugabe „Possessed By Fire“ (von einem der unterbewertetsten Thrash Metal-Classics ever) muß wohl sowieso kein Wort verloren werden. Dieser EXUMER-Gig unterstrich die Stärken der Band, die zwar zeitlebens hinter den großen teutonischen Thrashern in der zweiten Reihe stand, aber live ein wahres Inferno entfachte! Setlist: - Intro - Winds Of Death - Journey To Oblivion - Weakest Limb - Fallen Saint - Vermin Of The Sky - A Mortal In Black - A New Morality - Sorrows Of The Judgement - I Dare You - Xiron Darkstar - Fire & Damnation - Possessed By Fire



CREMATORY

(Halle) Nach dieser Galavorstellung von EXUMER und dem Headlinergig von ACCEPT konnten die Deutschen eigentlich nur verlieren. Überrascht von der recht vollen Halle lauschte ich doch eine lange Weile dem Gig der Band, die mit ihrem Dark/Electronic Metal ihre Erfolge feiern konnte. Mit Electronic-Riffern wie „Tick Tack“, „Sense Of Time“ oder „The Fallen“ ließ die Band ihre Muskeln spielen. Hin- und Hergerissen zwischen gut komponierten Songs und kompakter Darbietung einerseits bzw. optischer Langeweile, mangelnder Originalität des Dargebotenen und genrebedingter Klischeehaftigkeit andererseits, entschied ich mich nicht zuletzt aufgrund des Klassikers „Tears Of Time“ nicht am Thron der deutschen GothicMetal-Götter zu kratzen und strich nach einem heißen, anstrengenden und vollgepackten Festivaltag die Segel, während die Deutschen weiterhin ihr Stammpublikum glücklich machen durften.

Resüme:

Das BYH empfahl sich ein weiteres Mal als sichere Bank in puncto Open Air-Festival. Wenngleich das Programm schon recht „sicherheitsorientiert“ und klassisch ausgefallen war, bekamen Metaller jedweder Couleur ihre Metalpackung verabreicht, das Wetter war unübertreffbar, die kulinarische Verpflegung ebenfalls reichhaltig und abwechslungsreich, Wartezeiten waren auch kaum hinzunehmen und zu allem Überfluß präsentierte das noch recht überschaubare und fast famili äre Event einen amtlichen Metalmarket, der einigen Besuchern teils Hunderte Euros aus der Tasche zog. Lediglich die teils frühen Beginnzeiten bzw. späten Endzeiten der Konzerte machten einige Metal-Warrior müde. Meine persönlichen Gewinner des diesjährigen Festivals waren in der „Hart und Heftig“-Fraktion (AT THE GATES), in der Melodic-Ecke (PRETTY MAIDS, H.E.A.T.) sowie im Thrash Metal (EXUMER) zu finden, die Traditionalisten (und hier vor allem der Headliner SAXON) waren jedoch durchwegs verlässliche Fixgrößen und der Kern dieser Veranstaltung. Die größte Enttäuschung waren leider die heiß erwarteten CANDLEMASS, die größten Überraschungen MORGANA LEFAY und SANCTUARY. Mit der angekündigten STEELER-Reunion-Show legten die Veranstalter bereits ihren ersten Köder für die 2014er-Ausgabe dieser Institution aus. Danke für die Fotos geht wieder an Michaela Schnell, mehr ihrer Arbeiten seht ihr auf ihrer Seite.


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