16.05.2014, Großer Rathaussaal, Telfs

PRETTY MAIDS & AXXIS & MIDRIFF

Veröffentlicht am 21.05.2014

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Telfs gilt mittlerweile in Tirol als die unangefochtene Hauptstadt in Sachen klassischer Hard Rock mit Gütesiegel "vom Ausschuss der Tyrolean Metalheads als besonders wertvoll bewertet". Erinnert man sich doch mit Freude an die vergangenen Gigs von Größen wie SKID ROW, BLACK STAR RIDERS, Ron BUMBLEFOOT Thal, L.A. GUNS oder die QUIREBOYS zurück, aber für die heutige Show haben die Veranstalter von "Telfs lebt" ein Package geschnürt, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Niemand geringerer als die 80er Ikonen PRETTY MAIDS headlinen den metallischen Freitag, supported von den Großmeistern des melodischen Hard Rocks AXXIS und den lokalen Groovern von MIDRIFF. Ein Fest für Hard Rock Fans und all jene die es noch werden möchten und so versammelt sich vom waschechten Kuttenträger, bis zum Durchschnittsrocker alles im Telfer Rathaussaal um eine fette Rockshow der Sonderklasse abzufeiern.

MIDRIFF
MIDRIFF, das ist die Interpretation von coolem, groovegeladenen Südstaatenrock auf Tirolerisch. Die Kufsteiner können schon 3 starke Alben in der Historie vorweisen und sollten mit ihrem treibenden Sound als heutiger Opener das Publikum so richtig für die darauffolgenden Hard Rock Granaten einstimmen. 20:15 Uhr und das Trio läßt seinen coolen Hard Rock/Stoner Sound Mix aus den Boxen ertönen und die Band zeigt sich heute in bester Spiellaune. Drummer Paul Henzinger prügelt sich spielerisch durchs Set und übernimmt gleichzeitig noch den Part des Vocalisten. Hut ab vor dieser an Schwerstarbeit grenzenden Kombination! Der Nackenbrecher "Pumping Iron" verführt schon am noch frühen Konzertabend zum rythmischen Kopfyoga und mit "Long Gone" wird ein Song vom kommenden Albums vorgestellt der es in sich hat. Eine wunderbare Midtempo Walze mit viel Spirit, der richtige Sound für eine Runde auf der Harley um den Häuserblock. Nach einer knappen halben Stunde ist Schicht im Rocker-Schacht und MIDRIFF haben wohl verdienter Weise neue Fans gewonnen, wobei sich der Verfasser mit einschließt.

Setlist:
- Hard Way
- Outcry (New Song)
- Pumping Iron
- Long Gone (New Song)
- Broken Dreams
- The Regime Falls
- Before I Wake

AXXIS
Seit ich zum ersten Mal vor Jahren zufällig "Kingdom Of The Night" am Plattenspieler eines bekannten gehört habe, war es um mich geschehen, das AXXIS Fieber hatte mich erfasst. Sämtliche Scheiben wurden angekarrt und in Dauerrotation gespielt. Für mich persönlich ist die Band rund um den charismatischen Fronter Bernhard Weiß so etwas wie der Inbegriff der perfekten metallischen Schnulze, ohne jemals ins wirklich Kitschige abzurutschen und soundtechnisch sind AXXIS stets dem klassischen Hard Rock treu geblieben und ihre Musik fesselt und funktioniert heute noch genau gleich gut wie vor 25 Jahren. Viele mögen behaupten bei AXXIS handle es sich um eine Zeltfestband, jedoch wurde mit dem heutigen Auftritt erneut bewiesen, dass diese Gerüchte nur dem Munde eines engstirnigen "alles muss dunkel und am besten tiefschwarz sein Puristen" entstammen kann.

Nachdem festgestellt wurde, dass der Schreiberling ein ausgewiesener AXXIS Anhänger ist, sollte es nicht verwundern, dass er sich mit seinem um über 30 Jahre älteren Begleiter in die vordersten Reihen kämpft, um generationsübergreifend das nun folgende Hard Rock Festival abzufeiern. Mit "Kingdom Of The Night II" vom gleichnamigen, erst vor kurzem erschienenen großartigen Doppelalbum (zum "Schwarz-Review") / (zum "Weiß-Review") geht es mit voller Power ins Headbangers Paradise. Sänger Bernhard Weiß zeigt sich sympathisch wie immer und weiß wie man das Publikum unterhält, und die hohe Stimmlage des Sängers hat selbst all den Jahren on Tour nichts an ihrer Einzigartigkeit verloren. Der Rest der Band werkt routiniert und setzt den Zuschauer einem Sound aus, der sich mit vollem Druck durch den Hörapparat zwängt und sich im musikalischen Zentrum des Gehirns einbrennt. Großartig! "Little War" führt zurück in vergangene Zeiten und nach "Heaven In Paradise" ist es Zeit für die obligatorische "Touch The Rainbow" Einlage. Diesmal trifft es die nette Dame direkt neben mir, welche von der Band auf die Bühne geholt wird und nun mit Tamburin bewaffnet den Beat für die zeitlose Nummer vorgibt. Nach anfänglicher Unsicherheit, macht die Dame mit Namen Carmen eine äußerst gute Figur bei ihrem Bühnendebüt und tänzelt gekonnt über die Bretter um anschließend vom Tamburin auf die Trommel umzusteigen und auch dort zu überzeugen. Der Aushilfsmusikantin sei gesagt: Solltest du das hier lesen, du hast den Saal gerockt!

Nach der unterhaltenden Einlage, welche gleichzeitig eine willkommene Verschnaufpause für den recht am Limit abfeiernden Schreiberling darstellt, geht es wieder mit Fullspeed weiter. "Heaven In Black" wird mit maximalen noch verfügbarer Stimmgewalt mitgegrölt und "Little Princess" wird mit meinem eingangs erwähnte Begleiter im Duett gefeiert, wobei durch die Lautstärke der Band niemand in den Genuss meiner dezent verkümmerten Gesangskünste gekommen ist und somit wohl einige froh waren, stattdessen den heute perfekt abgemischten AXXIS-Sound zu genießen. Mit "Kingdom Of The Night" wird am Setende der Bogen von den Anfängen der Band bis ins Heute geschlossen und der Brecher wird vom Publikum gebührend honoriert. Nach viel zu kurzen 90 Minuten gehen AXXIS für mich als die persönlichen Gewinner des Abends von der Bühne und räumen den Platz für die Hard Rock Legenden PRETTY MAIDS, von deren Auftritt euch freundlicher Weise im Folgenden mein geschätzter Herr Fachkollege Tom berichten wird.

Setlist:
- Kingdom Of The Night II
- Tales Of Glory Island
- Heavy Rain
- Little War
- Living In A Dream
- Hall Of Fame
- Heaven In Paradise
- Touch The Rainbow (Akustik)
- Heaven In Black
- My Little Princess
- Little Look Back
- Living In A World
- Kingdom Of The Night

PRETTY MAIDS
Den Veranstaltern "Telfs Lebt" rund um die Sound-Motoren Christian Santer und Arnie Wackerle ist ein wahrer Coup gelungen. Gab sich zuletzt schon die Creme de la Creme der internationalen Rockwelt die Klinke in die Hand und ließ das beschauliche Tiroler Städtchen zu "Telfs Rock City" mutieren, präsentierten die umtriebigen Telfer neben den deutschen Erfolgsrockern AXXIS mit den PRETTY MAIDS echtes "Danish Dynamite" in Österreich. Doch nicht genug, packten sie - nachdem in der Brust der Verantwortlichen trotz aller großformatigen Internationalität immer auch ein "Herz für Österreich" schlägt - gleich noch MIDRIFF mit drauf. Dank des Gigs mit den QUIREBOYS wurden die zuletzt mit SERENITY (zum Livereport)/(zum Tourblog) aufrockenden Unterländer quasi vom Stand weg eingeladen, das heutige Rockspektakel zu eröffnen. Freitag Abend war noch dazu, einer Megaparty im Zeichen des melodischen Hardrocks stand somit nichts im Wege! Und es sollte das erhoffte Spektakel werden, der um 22.30 Uhr erklingende Opener war dank des die Spannung zusätzlich anheizenden Intros zum mächtig daherschreitenden "Mother Of All Lies" (vom lässigen "Motherland"-Album) gut gewählt und mit einem derart starken und pfiffigen Einstieg konnten die MAIDS nicht viel falsch machen, schließlich schossen sie umgehend noch das fetzig-flotte "Nuclear Boomerang" hinterher. Die PRETTY MAIDS um das aus Sänger Ronnie Atkins und Gitarrist Ken Hammer bestehende Kernteam, konnten ihren legendären Ruf bereits mit ihrem Debutalbum "Red, Hot & Heavy" sowie dem überirdischen "Future World"-Album begründen und dürfen auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken, die zuletzt mit dem "Louder Than Ever"-Album (zum Review) dokumentiert wurde. Und genau von diesem Langholz zockte die Melodic Hardrock/Metal-Legende das neu eingespielte "Virtual Brutality" sowie das etwas schwächere "Psycho-Time-Bomb-Planet-Earth", das man ruhig durch den einen oder anderen Smasher aus dem umfangreichen Fundus ersetzen hätte können.

Wiederum überzeugend war das tolle "I.N.V.U.", das schon bei Tageslicht am Bang Your Head-Festival 2013 (zum Livereport) überzeugte, wo die dynamischen und auch sympathischen Dänen mit einem mitreißenden Auftritt zu einer der Gewinnerbands des gesamten Festivals zählten. Und auch am heutigen Abend zeigte das Quintett groß auf, dieses Mal aufgrund der lässigen Lichtshow im Saal noch stimmungsvoller als unter Tag, die Performance war ohnehin homogen wie eh und je. Dazwischen zockten die Dänen auch seichteren Stoff a la "Sad To See You Suffer", "Little Drops Of Heaven" oder "My Soul To Take", die jedoch als Melodic-Rock-Bomben auch über jeden Zweifel erhaben sind. Andere Bands würden was-weiß-ich-was für Hits solchen Kalibers geben. Frontmann Ronnie hatte den Rathaussaal voll im Griff, führte als Dirigent durch das Spektakel, bestach mit seinem geilen Rockorgan und bewies, dass er nicht nur den kernigen Frontmann drauf hat, sondern auch gefühlvollere und ruhigere Töne trifft. Klarerweise brauste der Jubel bei der Ankündigung der Classics auf, an uralten, aber gleichsam spritzigen Mitbrüllern wurden zwar nur "Back To Back" und "Red, Hot And Heavy" (vom gleichnamigen Debutalbum von 1984) aufgeboten, dafür wurde die in Würde gereifte, aber dennoch agile Band, mit ausreichendem Jubel bedacht. Über mangelnde Publikumsbeteiligung konnten die Dänen ohnehin nicht klagen, Telfs und Tirol war hungrig nach einer vollen Ladung großer Melodic-Kracher und zeigte sich mit entsprechendem Applaus bei der Band erkenntlich. Ken Hammer war mit seinem weißen Cowboyhut naturgemäß gleichermaßen ein Eyecatcher wie Basser Rene Shades (erinnerte mit seinem Hut irgendwie an ihre dänischen Landsmänner D.A.D.), die auch Backingvocals beisteuerten und die ohnehin voluminöse und passionierte Gesangsleistung von Atkins auffetteten. Für den ganz großen Erfolg hat es bei den Dänen leider nicht ausgereicht, am brillianten Songmaterial der Achtziger-Alben kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Dann kam Grunge und der Ofen für Bands dieser Stilrichtung war dann ohnehin nur mehr am Vor-sich-hinglimmen.

Die doch recht lange Durststrecke (teils auf der oben erwähnten „Louder Than Ever“-Compilation dokumentiert) fand 2010 mit dem furiosen "Pandemonium“ ihr Ende, seit dem dürfen die Skandinavier wieder auf der Welle des Erfolgs reiten. Und dieses Gefühl schienen die doch in die Jahre gekommenen Herren heute weidlich zu genießen. Keine Starallüren oder ähnliche Mätzchen waren zu beobachten, geboten wurde einfach großes und gleichsam bodenständiges Hardrock-Kino, auch wenn vereinzelt kritische Stimmen zum Thema Soundbild vernommen werden konnten. Die PRETTY MAIDS schöpften aus dem Vollen, bärenstarke Songs mit brilliantem Aufbau, Dramatik, Melodie und ergreifenden Stimmungsbögen haben sie zuhauf im Talon. Sehr toll etwa das vergleichsweise kernige "I See Ghosts" oder das geniale "Future World"-Doppel "Rodeo“ und der gemächlich eingeleitete Überfeger "Yellow Rain". Die heutige Zugaberunde leitete ein treibendes "Pandemonium" ein, bevor mit dem von Phil Lynott und John Sykes geschriebenen Cover "Please Don't Leave Me" ein wenig THIN LIZZY-Feeling aufkam und die Show mit dem Megafeger "Future World" leider ihrem Ende zusteuerte. Die Dänen fackelten ein Melodic Hardrock-Feuerwerk ab, das sich gewaschen hatte und welches das Publikum so schnell wohl nicht vergessen wird. Ein echtes Konzerthighlight des laufenden Jahres in Tirol, das den Status und erstklassigen Ruf der PRETTY MAIDS als tolle Liveband eindrucksvoll untermauerte, ging nach knapp über 90 Minuten zu Ende. Eines war klar: Telfs rockte, Tirol rockte!

Den Verantwortlichen war es gelungen, so manchen Stubenhocker und Couchpotatoe vor eine Bühne zu locken, sodaß schlußendlich über 500 Zuschauer zu dieser Hardrock-Extravaganza ihren Beitrag leisteten. Die Veranstalter hatten sich mit dieser Riesensause und einem solchen Paket die Latte für zukünftige Events mehr als hoch gelegt, man darf gespannt sein, welche Überraschung sie uns zukünftig bieten werden. Klar ist schon jetzt, dass Stormbringer die Veranstalter wieder amtlich supporten und gewohnt umfassend berichten wird!
[Thomas Patsch]

Setlist:
- Mother Of All Lies
- Nuclear Boomerang
- Final Day Of Innocence
- Virtual Brutality
- Red, Hot And Heavy
- My Soul To Take
- I.N.V.U.
- Drum Solo
- I See Ghosts
- Psycho
-Time-Bomb-Planet-Earth
- Sad To See You Suffer
- Yellow Rain
- Rodeo
- Little Drops Of Heaven
- Back To Back
- Pandemonium
- Please Don't Leave Me (Cover)
- Future World

Thanks für die pics an Alex Schrattenthaler!


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