22.05.2014, Backstage (Werk)

KROKUS + CRYSTAL BALL

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 24.05.2014

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Ein schwüler Donnerstagabend in München, und im Backstage Werk tropfte es bereits von der Decke als die ersten Besucher zögerlich eintrudelten. Die städtischen 34°C wurden von den ungemessenen aber nicht unangemessenen Temperaturen im Werk schon bei Einlass locker übertroffen - Tendenz steigend. So präsentierten sich die Zutaten für einen heißen Hardrock-Abend, bereitgestellt von den eidgenössischen Hardrockern KROKUS und CRYSTAL BALL.

Letztere legten dann auch gleich mit Elan los, aber mussten leider eine noch nicht einmal halb volle Halle bespielen. Eigentlich kein Wunder - es ist ein normaler Arbeitstag, wir sind in München, und die noch ungewohnte brütende vorsommerliche Hitze lähmt sowohl Körper als auch Geist. Doch im Verlaufe des energiegeladenen Auftrittes von CRYSTAL BALL füllte sich die Halle dann schön langsam, und der Großteil des Publikums ging auch richtig gut mit als die fünf Schweizer ihre melodischen Ohrwürmer zockten. Mit "Break Of Dawn" und "Walls Fall Down" starteten CRYSTAL BALL gleich einmal mit zwei Stücken vom aktuellen Album "Dawnbreaker" in ihr neun Songs starkes Set. Dann war es an der Zeit für Klassiker, zum Beispiel mit dem Ohrwurm "Dance With The Devil" der vom Publikum höchst gerne angenommen und mitgesungen wurde. Weit weg vom Boyband-Feeling eines zufälligerweise gleich betitelten Songs der amtliche Rocker "Back For Good", der lässigen tanzbaren Groove verbreitete. Nachhaltig in die Gehörgänge der Anwesenden fräste sich auch "Anyone Can Be A Hero", das nicht nur den Kennern des ultra-kitschigen Videos ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Als Abschlussgang servierten CRYSTAL BALL noch ihre Bandhymne "Hellvetia" - inklusive Jodel-Intro das für einige wunderbar verständnislose Gesichter bei Neuankömmlingen im Publikum sorgte. Mit der auf der Bühne geschwungenen schweizer Nationalflagge ging ein toller Auftritt zu Ende, der auch mit dem entsprechenden Applaus bedacht wurde.

Setlist:

- Break Of Dawn - Walls Fall Down - Dance With The Devil - He Came To Change The World - Powerpack - Back For Good - Powerflight - Anyone Can Be A Hero - Hellvetia

Bereits kurz nach 21h enterte dann die eidgenössische Erfolgsformation KROKUS die Bühne, und die Temperaturen im Backstage Werk machten noch einmal einen Sprung nach oben. Nicht mehr ganz taufrisch, aber deswegen um keinen Deut leiser hieß es sodann "Long Stick Goes Boom" - und das gleichfalls nicht mehr ganz junge, aber junggebliebene Publikum im inzwischen fast vollen Werk ging vom ersten Augenblick an mit. Die sechs Schweizer ließen sich auch nicht lumpen, und warfen ihre Hardrock-Granaten nur zu gerne der Meute zum Fraß vor. Apropos Meute: der Altersdurchschnitt des Abends lag relativ hoch, und wurde vermutlich durch die Anwesenheit der hier berichtenden Person (die noch nicht einmal ein schmutziger Gedanke war als KROKUS bereits auf der Bühne standen) kaum merklich nach unten korrigiert. Alleine störte das niemanden, denn zeitlose Rocker der Marke "American Woman" oder "Tokio Nights" verbinden die Generationen, und schlagen eine Brücke zwischen Damals und Heute.

Auf der Bühne wurde derweilen Hardrock zelebriert - mit einer satten Soundwand die aus gleich drei Gitarren ins Publikum geschmettert wurde. Leider kam das Equipment im Backstage mit dem breitwandigen, bis zum Anschlag aufgedrehten Sound nicht so gut zurecht, und lieferte stellenweise Übersteuerung sowie irgend ein nicht näher zu definierendes Störgeräusch. Diese kleineren Soundprobleme konnten KROKUS aber durch ihr mitreißendes Songmaterial locker kompensieren, und auch die an ein paar Stellen zu leise gemischten Vocals wurden von den abwechselnden launigen Ansagen von Sänger Marc Storace und Bassist Chris von Rohr problemlos wett gemacht. In dem etwas mehr als anderthalb Stunden dauernden Set reihte sich Ohrwurm an Ohrwurm, von "Screaming In The Night" über "Bedside Radio" und "Easy Rocker" bis hin zu "Eat The Rich" war für jeden etwas dabei. Das Publikum zeigte sich sowohl bei Klassikern als auch bei neuen Songs wie dem unverkennbaren "Hoodoo Woman" sehr textsicher, und ließ es sich nicht nehmen das auch akustisch mit Nachdruck zu unterstreichen. Auch der Eishockey-Song "Live For The Action" fand sich in der Setlist wieder, und wurde von der Meute entsprechend gut aufgenommen. Noch einmal richtig in die Vollen gingen KROKUS bei der Zugabe "Headhunter", bei der Schlagzeuger Flavio Mezzodi so richtig Gas gab. Zum Drüberstreuen gab es als Abschluss noch ein Cover des zeitlosen "Mighty Quinn" auf die inzwischen gehörig verschwitzten Häupter der Anwesenden, und mit einem finalen Drumsolo wurden die voll auf ihre Kosten gekommenen Zuseher schlussendlich nach Hause geschickt.



Setlist:

- Long Stick Goes Boom - Hallelujah Rock'n'Roll - Go Baby Go - American Woman - Tokio Nights - Fire - Rock Citty/Better Than Sex/Dög Song - Screaming In The Night - Hellraiser - Bedside Radio - Heatstrokes - Eat The Rich - Easy Rocker - Hoodoo Woman - Live For The Action - Headhunter - Mighty Quinn KROKUS und CRYSTAL BALL heizten dem Publikum so richtig ein, was aufgrund der Temperaturen an diesem Abend sogar wörtlich zu nehmen war. Ob man es nun durch die rosarote Fanbrille sieht, oder das Konzert gänzlich nüchtern betrachtet - KROKUS sind nach wie vor die Speerspitze des schweizer Hardrocks, und werden es (nicht nur mangels Nachwuchses) vermutlich auch noch einige Zeit bleiben. Und nächstes Jahr steht dann erst einmal das 40-jährige Bühnenjubiläum an, zu dem man die Schweizer bestimmt wieder auf der Bühne sehen wird - vielleicht auch erstmals in Österreich?


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