21.07.2014, PMK, Innsbruck

POSSESSED - Curse over Europe 2014

Text: Thomas Patsch | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 28.07.2014

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An einem Montagabend gaben die 80er-Ikonen POSSESSED ihren infernalen Einstand in der Tiroler Landeshauptstadt. Die eigentlich angekündigte Vorband CATTLE DECAPITATION hatte ihre Euro-Tour anscheinend abgesagt, was allerdings verschmerzbar war, war mit TRIUMPHANT doch unser Thrash/Black-Export Nr. 1 als Gast geladen, von deren Gig Daniel berichten wird:

TRIUMPHANT
Das momentan wohl heißeste Szene-Eisen durfte heute die p.m.k. für Jeff Becerra und Konsorten auf Betriebstemperatur vorheizen und wer die Jungs von TRIUMPHANT auch nur ein bisschen kennt, der weiß wie wichtig der Einfluss von POSSESSED für die Bandmembers ist, welcher doch auch auf dem grandiosen Debüt-Album "Herald The Unsung" (zum Review) zur Geltung kommt. Schon im Vorfeld wurde verkündet eine extra mörderische Show zu inszenieren, um als Support den Vorbildern zu huldigen, denn in der eigenen Stadt mit den Urvätern des brachialen Gebolzes aufzutreten, hätte man sich vor einigen Jahren in seinen kühnsten Träumen wohl kaum vorzustellen gewagt. Nun genug der Worte, lasset Taten folgen und beobachten wir unsere lokalen Krieger beim Zerstören der trotz ungünstigen Konzertdatums am Wochenanfangstag überaus gut gefüllten Location. Mit "Full Moon Over Transylvania" prügelte man dem Ruf gerecht brachial und ohne Gnade in die beginnende Nacht im Zeichen des stahlschwarzen Metals. Frontbeast Bekim Leatherdemon zeigte sich wie immer von seiner besten Seite und zerriss mit seinen Screams die schnell stickig werdende Luft der p.m.k. Wie ein Besessener agierte das Gesangstalent auf der Bühne und würde man den Herren nicht kennen, könnte man sich doch glatt Albträume einfangen. Die neuen, modisch zum restlichen Outfit abgestimmten nietenbewehrten, roten Armschienen an der von Auftritt zu Auftritt erweiterten Lederrüstung komplettierten das Bild vom Aushilfs-Höllenfürsten. In der Mitte des Sets meinte es der Warrior dann doch etwas zu ernst mit der Gewalt und zerstörte zwei Mikrofone in Folge, was der Rest der Band gekonnt überspielte, während der Hobby-Zuschauer-Tontechniker in der ersten Reihe das Equipment wieder zum Einsatz zusammenbastelte. Pure Gewalt eben, nicht nur durch die Boxen.

Im Hintergrund durfte Drummer Altar Crusher am übermächtigen Drum-Kit werken und blickte gerade noch über den Rand der Hi-Hats hinaus, doch dem Prügler stand ein solches Luxusgeschütz nicht nur optisch, auch klanglich entzauberte er dem Mördergerät eine gnadenlos fette Atmosphäre, die sich durchs Publikum drückte wie das Artellerie-Dauerfeuer vor Verdun. Und dementsprechend wurde der Ruf nach einer metallischen Spendenaktion laut, um dem stets mittellosen Drummer doch auch so ein Werkzeug zu besorgen. Mastermind Persekutor zockte wie immer tadellos an seiner Sechssaitigen und keifte sich mit seinen Backing-Vocals direkt den Weg in die innere Hohlwelt frei. Basser Doomed Desolator und Zweitgitarrist Ephemer standen dicht gedrängt am Rande der Stage und glänzten mit technischer Präzision, wer einen Fronter wie den Leatherdemon sein eigen nennen kann, der überlässt die Zerlegung einer kleinen Bühne eben gern ihm, um nicht selbst zum unfreiwilligen Opfer zu werden. Der neu präsentierte Song "Chant Of Lost Souls" zeigte mit seinem NWoBHM-lastigen Intro wieder interessante Züge im Songwriting auf und prügelte dann noch das Letzte aus den Zuschauern heraus, so wurde die Band verdient vom Publikum abgefeiert und TRIUMPHANT hatten wahrlich die richtige Stimmung für den kultbelasteten Headliner im mittlerweile zur Sauna gewordenen Bogengewölbe verbreitet. Als mit der namensgebenden Nummer "Triumphant" das Set beendet wurde, hatte man seinen Status und den Anspruch auf die POSSESSED-Nachfolge eindrucksvoll unter Beweis gestellt! [Daniel Laich]

Setlist:
- Fullmoon Over Transylvania
- Zivot Ispod Obrnutog Krsta
- Herald The Unsung
- Chant Of Lost Souls (neue Nummer)
- Devotion
- Triumphant

POSSESSED
Manche Konzerte bleiben einem als starke Liveshows im Gedächtnis, bei manchen darf man von Kult sprechen. Der heutige Gig der legendären Metal-Urväter war beides... und zudem noch ein Nostalgietrip, wurde doch auch meine persönliche Zeitmaschine angeworfen, waren doch POSSESSED einer meiner ersten Kontakte mit "richtig hartem" Metal im Jugendzimmer des Jahres 1987. Eine DER Originatoren-Bands der gesamten Hartszene beehrte dank Roli / Bühne Innsbruck die metallische Alpenfestung und alles was auf Härtnersound steht und/oder auch nur in nostalgischen Gefilden wühlen wollte, hatte sich im p.m.k. versammelt, mit Leitwolf Jeff Becerra (dem leider einzig verbliebenen Originalmitglied) und seiner Backing-Band (allen voran Basser Robert Cardenas) ein infernales Fest im Zeichen des Gehörnten zu feiern. Dass der Prophet ab und an auch im eigenen Lande etwas gilt und es der Credibility grundsätzlich zuträglich ist, TRIUMPHANT zu mögen, nützte auch dem Headliner, war die Location doch mit fast 200 Leuten vollgepackt, denen der Scheitel zudem durch den Black/Thrash-Sturm der Vorband schon vorgezeichnet wurde. Vor der Show stellten sich einige Fragen. Wie finden sich die freiraum-gewöhnten POSSESSED (siehe etwa die Show am Keep It True-Festival 2013) auf der kleinen Bühne zurecht, wie ist der Rollstuhl von Jeff zu handeln... und vor allem: Werden die Verantwortlichen trotz der bekannt widrigen Soundverhältnisse im p.m.k. einen ansprechenden, vielleicht sogar guten Sound zaubern? Immerhin war der Sound bei der KIT-Show der Kritikpunkt bei manchen Anhängern. Alle Fragen lösten sich allerdings in Wohlgefallen auf. Die nietenbewehrte Saitenfraktion Daniel Gonzalez und Mike Pardi hatte sich zwar weitgehend auf das Bangen zu beschränken (die Angst, dass die Axtfraktion dem im Rollstuhl sitzenden Frontmann aufgrund der dichtgedrängten Raumverhältnisse förmlich ein Auge ausstechen könnte, war zum Glück unbegründet!) und der Bewegungsradius für den seit seiner Schussverletzung im Jahre 1989 an den Rollstuhl gefesselten Frontmann war doch recht beschränkt, dennoch ließ sich die Band nicht davon abhalten, ihre brachiale akustische Urgewalt zu entfesseln. Mit kernigem, fett krachigem, aber gutem Sound stürmten die Riffgewitter aus den vernebelt-feuerroten Schlünden des Purgatoriums herauf, herausgepresst von einem sich zwischen den Songs bestens gelaunt zeigenden und sympathisch rüberkommenden Jeff Becerra, der die Songs allerdings wie der entfesselte Höllenfürst himself heiser in sein Mikro keifte.

Das Erklingen des Intros zu "Pentagram" ließ die Horde kurz nach 22.30 Uhr in den Konzertsaal stürmen, ein Blick auf die Setlist ließ die der Band kräftig Applaus spendenden Fans die nächsten rund 75 Minuten im siebenten Kirchen-Himmel schweben, der stilprägende und einflussreiche Klassiker "Seven Churches", das als Referenzalbum in Sachen brutaler, schneller Thrash- bzw. früher Death-Metal bezeichnet werden kann, bildete den Kern des Sets, doch auch der gute Nachfolger "Beyond The Gates" sowie die "Eyes Of Horror"-EP wurden ausreichend bedacht. Am Schlagzeug hatte am heutigen Abend übrigens Trommel-Tausendsassa Nick Barker (u.a. DIMMU BORGIR, CRADLE OF FILTH) Platz genommen und machte auch keine schlechte Figur. Man konnte förmlich die Flammen unter der Bühne züngeln sehen und den beißigen Geruch von Schwefel inhalieren als stilprägende Nummern wie "The Exorcist" oder "Twisted Minds" gebolzt wurden. Technische Finessen waren ohnehin nie das Markenzeichen der Ziehväter des modernen Extrem-Metal, Hauptsache es knallt, und das tat es heute ordentlich. "Krawallalarm" wurde ausgerufen. Abseits des legendären Klassikermaterials bildete das bereits in der Vergangenheit gezockte "The Crimson Spike" einen Vorgeschmack auf ein zu erhoffendes Album. Zwar machte sich ein klein wenig Enttäuschung breit, dass nach Ende des Sets keine Zugaberufe ertönten, jedoch war mit dem Proto-Track "Death Metal" eigentlich eh alles gesagt. Ähnlich wie beim Begriff des Black Metal, kann bis heute nicht restlos geklärt werden, wer denn nun wirklich den Begriff Death Metal geboren hat. Klar ist aber, dass der Songtitel des letzten Tracks (bereits vom gleichnamigen 1984er Demo bekannt) von "Seven Churches" von vielen als Genre-stilprägend angesehen wird bzw. die begriffliche Geburtsstunde des Genres markiert. Ebenfalls 1985 bringen Noise Rec. den legendären "Death Metal"-Sampler (mit u.a. HELLHAMMER & RUNNING WILD) auf den Markt, auf dem Debütalbum der Thrasher ONSLAUGHT findet sich ebenfalls ein Song mit dem Titel "Death Metal". Der Gehörnte hatte heute Station in Innsbruck gemacht und sich sowohl der jungen, wie auch der zahlreich vertretenen älteren verlorenen Seelen bemächtigt, den Soundtrack lieferten der Veteran Jeff Becerra und seine Spießgesellen. Und hier wären wir auch beim einzigen Kritikpunkt angelangt, wenn man denn einen suchen wollte. Leider muss der Fronter auf Larry LaLonde (nunmehr PRIMUS) und die beiden Mike's (Torrao und Sus) verzichten, wenngleich die aktuelle Band dieses Manko mit tadellosem Gezocke im besten urtümlichen Spirit wettmachte!

Die Vorväter aus jenen grauen Metal-Tagen, als die späteren Genres noch nicht wirklich ausgeprägt waren, lieferten eine Lehrstunde sowohl in Sachen 80er-Flair als auch moderner Härte. Zu toppen wäre die optische Aufmunitionierung nur mehr durch Spikes in Jeff's Rollstuhl gewesen! Danke für die Fotos an Christoph Marberger - in der Galerie seht ihr mehr Pics, im Interview von Kollege FO erfährt ihr, was Jeff über ein kommendes Album, sein Leben abseits der Musik und die guten alten Zeiten zu sagen hat.

Setlist:
- Intro/Pentagram
- Beyond The Gates
- The Eyes Of Horror
- Evil Warriors
- Tribulation
- Seance
- Intro/The Heretic
- Twisted Minds
- My Belief
- Storm In My Mind
- Swing Of The Axe
- The Crimson Spike
- Intro/The Exorcist
- Satan's Curse
- Confessions
- Death Metal


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