12.07.2014, Balingen Messegelände, Balingen

Bang your Head 2014 - Tag 2

Text: Laichster | Fotos: Michelle
Veröffentlicht am 29.07.2014

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Unsanft vom fluchenden Nachbarn, welcher ein Werkzeug zum Öffnen seines Bierfasses sucht geweckt, erwacht man am frühen Morgen des letzten Tages des Bang Your Heads und stapft aus der Behausung Richtung zum Frühstück versammelter Meute. Ist die Morgenlaune des Schreiberlings doch berühmt-berüchtigt und würde selbst dem härtesten Black-Metal-Fuzzi das Fürchten lehren, so wird sie beim Blick zum Himmel gleich noch einmal getrübt. Dunkle Wolken und Aussicht auf eine Outdoor-Dusche zeichnen sich ab, nach Genuss von Kaffee mit einem dezenten Schuss Whiskey zum Erwachen findet man sich langsam mit der Wetterlage ab und packt Stiefel und Lederjacke aus, um für allfällige Unwetter, Überschwemmungen oder dem Worst Case eines Sharknados gerüstet zu sein. So marschiert man in voller Kampfmontur Richtung Truppentransporter der Balinger Verkehrsbetriebe und muss feststellen, dass sich MORE, HIRAX, MAD MAX und EKTOMORF zeitlich nicht ausgegangen sind, wobei besonders das Verpassen der zweitgenannten Band schwer am Heart Of Steel schmerzt. Angekommen geht es nach obligatorischen Zwischenstopp am ersten Getränkestand mit dem Blick direkt Richtung Bühne, wo ROB ROCK gerade loslegt.

ROB ROCK
Während sich die Wettergötter doch noch erbarmen und die Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen, legt der christlich angehauchte ROB ROCK eine erstklassige Leistung an den Tag. Fetter Sound mit einer Stimme in Topform überzieht das Gelände und der Protagonist zeigt sich höchst motiviert heute seinen Gig nach dem Gastauftritt bei der AXEL RUDI PELL-Show am Vortag zu präsentieren, der perfekte Einstieg in den heutigen Festivaltag ist somit geglückt und als der Sänger die Bühne räumt, ist man voller Erwartung und optimal eingestimmt auf das jetzt folgende erste große Highlight des Tages.

STRYPER: Der Schreiberling selbst sieht sich in seiner religiösen Ausrichtung als gläubiger Anhänger des Kultes des großen Cthulhu und trotzdem bezeichnet man sich als überzeugter STRYPER-Fan. Wie dies in Einklang zu bringen ist? STRYPER haben wie keine anderen den christlichen Heavy Metal geprägt und in ihrer Karriere zeitlose Nummern geschrieben und sich einen Kultstatus geschaffen, der irgendwo zwischen Anbetung und leicht ironischem Lächeln schwankt.

So ist man überzeugt, dass kein Gott die Protagonisten davor eretten kann von den Tentaklen des großen Cthulhu in seinen Schlund geworfen zu werden, doch die Mucke haut immer noch vom Feinsten in die Seele des Old-School-Metal-Maniacs und das letzte Album "No More Hell To Pay" (zum Review) konnte vollends überzeugen. Mein Theologie studierender Begleiter sieht das erwartungsgemäß etwas anders und wünscht mir sogleich, ich würde doch von einer von der Bühne geworfenen STRYPER-Bibel erschlagen werden, die Wurfattacke bleibt dann doch aus und so erfreut man sich trotz konträrer religiöser Ansichten an dem grandiosen Auftritt der Band. Die Klassiker werden in einer göttlich arrangierten Schallwellenwand auf das in Ehrfurcht erstarrende Publikum losgelassen und Michael Sweets Predigerstimme ist immer noch in Höchstform. Es sei angemerkt, dass der Stormbringer-Abgesandte sich niemals erträumen hätte lassen, dass es für ihn noch möglich sein würde, diese 80er-Jahre-Legenden live zu erleben und so kann er nach "Soldiers Under Command" und "To Hell With The Devil" beruhigt eine weitere Band von seiner "To Do"-List" streichen. Musikalisch gesehen stellen STRYPER mit dieser Live-Performance alles in den Schatten, was man in den letzten beiden Tagen gesehen hatte und in dieser Beziehung sind sich Verfasser und erwähnter Theologe dann doch noch einig. Somit haben STRYPER doch ihre Mission erfüllt und Frieden zwischen Kultist und Christ geschaffen, wobei sich das Wortspiel "Soldiers Under Cthulhu's Command" wohl noch länger halten wird.

Setlist:
- Sing-Along Song
- Loud 'n' Clear
- Reach Out
- Calling On You - Free
- Shout It Out Loud (KISS-Cover)
- Marching Into Battle
- All For One
- Soldiers Under Command
- To Hell With The Devil

OBITUARY:
Und als würde es der große Cthulhu dem Schreiberling übel nehmen, dass er zuvor den Predigern eines fremden Glaubens gehuldigt hat, beginnt es pünktlich zum Gig der Death-Metal-Götter OBITUARY aus allen Wolken zu schütten. Davon lässt man sich aber bestimmt nicht abhalten den genialen Groove-Prüglern aus Tempa, Florida an vorderster Front die Ehre zu erweisen und das Ausharren im kalten Nass sollte sich lohnen.

Die Tardy-Brüder und ihre Mitkämpfer sind an Brachialität wieder nicht zu überbieten und die Ansage an alle ins Trockene geflüchteten, welche Weicheier seien, lässt den Sympathie-Bonus beim durchnässten Volk in die Höhe schießen. "Slowly We Rot" stellt das erste fette Highlight der Setliste dar, alles wird niedergewaltzt und der Death-Metal-Panzer rollt! "Chopped In Half" und "Back To One" besiegeln die Vernichtung und pünktilich zum letzten Aufschlagen des Bass-Geschützes kehrt die Sonne zurück. OBITUARY haben mit ihrer Killer-Show die großen alten Götter wieder besänftigt und jeden anwesenden Death-Freak ein Lächeln ins von Wind und Wasser gepeitschte Gesicht gezaubert. Setlist: - The End Complete - Stinkupuss - Slowly We Rot - Inked In Blood - Immortal Visions - I'm In Pain - Chopped In Half - Back To One

UNISONIC:
Die Supergroup rund um Michael Kiske hat mit ihrem ersten Album "Ignition" (zum Review) im Jahre 2012 ordentlich Staub aufgewirbelt und dieses Jahr steht noch ein zweiter Longplayer zur Veröffentlichung an, jedoch konnten die Qualitäten des schwerkalibrigen Zusammenschlusses vom Verfasser noch nie live begutachtet werden. Mit dem titelgebenden Song "Unisonic" startet man voll durch, man muss jedoch leider schnell feststellen, dass heute nicht der Tag für geballte Starpower zu sein scheint. Kiskes Stimme folgt bei hohen Passagen eher einer Sinuswelle als einer exponentiell ansteigenden Scream-Kurve. Der Rest der Band werkt derweilen auch ein wenig asynchron, die Qualität der in Vinyl gepressten Songs kommt heute nicht richtig rüber. Man verzeiht der Band dann beim Gang zur Imbissbude den etwas vermurksten Gig und beschließt beim Verzehren eines Backfisches, sich trotz der gerade ein wenig erlittenen Enttäuschung das folgende neue Album "Light Of Dawn" wieder in die Sammlung zu stellen. Jedem sei ein schlechterer Tag verziehen.

Setlist:
- Unisonic
- Never Too Late
- For The Kingdom
- Star Rider
- My Sanctuary
- King For A Day
- Exceptional
- March Of Time (HELLOWEEN-Cover)
- We Rise
- I Want Out (HELLOWEEN-Cover)

Man bewegt sich nun gechillt in Richtung eines geeigneten Aussichtsplatzes, um ANTHRAX in aller Ruhe zu betrachten und übergibt die Berichterstattung an unseren Gastschreiber und Thrash-Metal-Fanatiker Hendrik, welcher euch direkt aus dem Moshpit berichtet.

ANTHRAX:
Die Thrash-Metal-Legende ANTHRAX ist bereit, uns eine ordentliche Dosis Kopfschütteln zu verabreichen. Da die Zeit recht knapp gesät ist, starten die Jungs motiviert wie immer gleich mit ein paar Klassikern. "Among The Living" eröffnet den Auftritt, gefolgt von "Caught In A Mosh", "Got The Time" und "Indians". Eine sehr hohe Belastung für das Metalhead-Genick gleich zu Beginn der Show. Der publikumsnahe Frontmann Joey Belladonna sorgt wie immer für die entsprechende Portion Spaß und schnappt sich kurzerhand eine Kamera von einem der Fotografen und nach ein paar emotionalen Bühnenimpressionen und Selfies, befindet sich besagtes Gerät auch wieder in der Hand des Besitzers.

Nach einer kurzen Gedenkrede zu Ehren von RONNIE JAMES DIO und Dimebag Darrell wird der ihnen gewidmete Song "In The End" angestimmt und da wir uns in diesem Moment schon in der zweiten Hälfte der Show befinden, werden bis auf den Song "Fight 'Em Til You Can't" auch die restlichen Pflicht - Titel gekonnt durch die Verstärker gehämmert. Das Schlusslicht der Show bildet wie immer das TRUST-Cover "Antisocial" vom "State Of Euphoria"-Album. Alles in allem ein sehr gelungener, leider recht kurzer Auftritt der New Yorker Thrash-Legionäre. Mein persönlicher Lieblingssong "Be All, End All" war leider wieder nicht in der Setlist zu finden, aber vielleicht wird’s beim nächsten War-Dance was.
[Hendrik "JJ II" Ripfl]

Setlist:
- Among The Living
- Caught In A Mosh
- Got The Time
- Indians
- Hymn 1
- In The End
- Madhouse
- Fight 'Em 'Til You Can't
- I Am The Law
- Antisocial

EUROPE
Groß war doch das Gejammer als verkündet wurde, dass EUROPE der Co Headliner des diesjährigen Bang Your Heads sein würden, doch die schwedische Band ist mehr als nur "The Final Countdown". Wer sich näher mit dem Schaffen der Band auseinandersetzt wird viele versteckte, nie aus dem Schatten des einen großen Hits getretene Songs entdecken und dies sollten die Musiker rund um Bandleader Joey Tempest am heutigen Abend eindrucksvoll unter Beweis stellen. Zu Beginn der Dämmerung startet man mit "Riches To Rags" durch und zelebriert daraufhin eine würdige Show im Sinne des klassischen Hard Rocks, welche nicht nur die Zuschauer älteren Semesters zum Abfeiern animiert. "Wasted Time", "Love Is Not The Enemy" oder "The Beast" stellen eindrucksvoll fest, welche Professionalität sich die Band über die Jahre erarbeitet hat und im Licht der Lightshow genießt man den Auftritt und als dann am Ende des Sets "The Final Countdown" erklingt, gibt es selbst für die erwähnten Nörgler kein Halten mehr und ganz Balingen singt im Chor die inoffizielle schwedische Nationalhymne. Cooler Gig und optimale Einstimmung auf den in wenigen Minuten auftretenden Kult-Headliner.

Setlist:
- Riches To Rags
- Firebox
- Superstitious
- Scream Of Anger
- No Stone Unturned
- Wasted Time
- Girl From Lebanon
- Drum Solo
- Sign Of The Times
- Demon Head
- Love Is Not The Enemy
- Let The Good Times Rock
- The Beast
- Rock The Night
-------------------------------------
- Last Look At Eden
- The Final Countdown

Doch zuvor schauen wir noch kurz in die Halle, wo sich unser Gastschreiber Tschak ATLANTEAN KODEX reinzog und uns vom Auftritt der Doom-Walze berichten wird.

ATLANTEAN KODEX:
Die White Goddess ist wahrlich unter uns! Während der Großteil der Festivalbesucher den Auftritt der SABATON-Intro-Komponisten vor der Open-Air-Bühne abfeiert, versammelt sich in der Halle dennoch eine beträchtliche Anzahl von Metalheads, um einen der nicht gerade häufigen Auftritte der deutschen Heavy/Doom Metaller ATLANTEAN KODEX zu genießen. Dass die Halle dennoch nicht ganz voll ist, wird von Sänger und Fronter Markus Becker mit ausreichend Humor genommen, was die Stimmung im Publikum gleich von Anfang an noch weiter hebt. Musikalisch wie stimmlich erwartungsgemäß perfekt, geben die Bayern ein ausgewogenes Set aus älteren und aktuelleren Nummern zum Besten, welches keine Wünsche mehr offen lässt. So werden sowohl Songs wie „Sol Invictus“ oder „Heresiarch“, beide von der 2013 erschienenen „The White Goddess“, als auch Titel des Vorgänger-Longplayers „The Golden Bough“ (2010) wie „The Atlantean Kodex“ oder auch „A Prophet In The Forest“ von der gleichnahmigen EP aus 2008 vom Publikum enthusiastisch und größtenteils textsicher mitgesungen. Vor dem wohl obligatorisch letzten Song „The Atlantean Kodex“ kocht die Menge bei „Twelve Stars And An Azure Gown“ („The White Goddess“, 2013) verständlicherweise endgültig über. Einzige Punkteabzüge in der B-Note geben die nicht gerade kreativen Outfits und das recht zurückhaltende Stage-Acting. Cthulhu sei Dank übertrug sich diese Zurückhaltung jedoch keinesfalls auf die ersten Publikumsreihen, welche offensichtlich versuchten durch erhöhten Körpereinsatz die fehlende Bewegungsfreude der Band auszugleichen. Alles in allem aus meiner Sicht jedoch eine der genialsten Bands am diesjährigen Bang Your Head. Hoffentlich sehen wir sie in Bälde auf den großen Bühnen. Verdient wäre es allemal!
[Tschak]

Setlist:
- Enthroned In Clouds And Fire
- Sol Invictus
- Pilgrim
- From Shores Forsaken
- Heresiarch
- A Prophet In The Forest
- Twelve Stars And An Azure Gown
- The Atlantean Kodex

TWISTED SISTER:
"Stay Hungry", das ist das Motto der folgenden 90 Minuten Headliner-Show von TWISTED SISTER zum 30-Jährigen Jubiläum ihres gleichnamigen Erfolgsalbums von 1984. Dementsprechend wird die Setliste des heutigen Abends gestaltet, was wohl den Großteil der anwesenden Rocker warm ums Herz werden lässt. Verzeichnet doch eben jener Kult-Longplayer nahezu alle wichtigen Nummern und größten Hits, für die sich Daniel "Dee" Snyder und Bandkollegen verantwortlich zeigen. Man will hier keinesfalls die anderen Werke der Band schlecht reden, jedoch sticht "Stay Hungry" als Meilenstein der Bandgeschichte hervor und jedes Kind kennt den Schlachtruf "We´re not gonna take it".

Mit dem Titelstück des Show-Mottos beginnt das Feuerwerk der Band und TWISTED SISTER sind jeden Cent ihrer Gage wert, denn ein Dee Snyder ist ein Unterhaltungstalent der Sonderklasse und gibt erst auf, wenn selbst der letzte Zuschauer in den hintersten Reihen seine Armee in den Himmel streckt. Der geniale Seitenhieb auf Castingshows und die Kurzlebigkeit des Musikbusiness in heutigen Tagen lässt das Flair der guten alten Zeiten der Hochblüte des Rock und Metals aufleben und gleichzeitig wird klar: Metal will never die! Mit "Born To Raise Hell" wird Lemmy Tribut gezollt, welcher sich bekannterweise momentan in schlechter Verfassung befindet und die Metal-Gemeinde stimmt im Chor den Klassiker an. Nach "I Wanna Rock" ist die Stimmung am Höhepunkt und die Band hat jeden einzelnen vor der Stage in ihren Bann gezogen. Die Zugabe stimmt mit "Come Out And Play" an und darauffolgend wird vom Fronter initiert Mark „The Animal“ Mendoza gemeinschaftlich ein Geburtstagsständchen gegrölt. Das großartige "S.M.F." beschließt den Abend und das Festival mit gleichzeitig einsetzendem Feuerwerk im Hintergrund der Kulisse und TWISTED SISTER haben gezeigt, welch Klasse noch immer in ihnen steckt.

Setlist:
- Stay Hungry
- Shoot 'Em Down
- You Can't Stop Rock'n'Roll
- Captain Howdy
- Street Justice
- We're Not Gonna Take It
- The Kids Are Back
- I Believe In Rock'n'Roll
- Born To Raise Hell (MOTÖRHEAD-Cover)
- The Fire Still Burns
- The Price
- Burn iÍn Hell (inkl. Drum-Solo)
- I Wanna Rock
-----------------------------------------
- Come Out And Play
- S.M.F.

Nach der Show wünscht man sich gegenseitig ein gutes neues Metal-Jahr, eine eingeführte Bang-Your-Head-Tradition, die nicht gebrochen werden darf und zieht etwas wehmütig mit dem Gedanken an die am nächsten Tag folgende Heimreise Richtung Metal-Camp. Nach drei Tagen voller Metal unter Gleichgesinnten darf wie folgt resümiert werden: Das Bang Your Head ist und bleibt eines der besten Festivals am Markt. Diese Veranstaltung braucht keine zehn Bühnen und 100.000 Zuschauer, um seine eigene Atmosphäre zu entwickeln. Hier treffen sich nur Metalheads vom gleichen Schlag, um friedlich ihre Musik zu feiern und jedes Jahr werden neue Bekanntschaften geschlossen, wobei man sich jetzt schon auf ein Wiedersehen am 20. Bang Your Head 2015 freut. Die ersten Bands fürs Jubiläumsfestival sind auch schon bestätigt: W.A.S.P., Y&T, PRETTY MAIDS, PRIMORDIAL, EXCITER, OMEN, TANK, MORGANA LEFAY, HIRAX, TYGERS OF PAN TANG und noch weitere hinzukommende Kombos, machen die nächste Auflage schon jetzt zu einem Pflichttermin. Stormbringer ist auf jeden Fall wieder dabei und der Schreiberling beginnt schon die Tage zu zählen bis es wieder heißt: "It´s time for Bang your Head!"

Thanks für die Pics an Michaela Schnell / Metal & Rock Impressions


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