11.08.2014, Conrad Sohm

MACHINE HEAD + SORTOUT

Veröffentlicht am 16.08.2014

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Der heurige Summer Breeze-Festival-Headliner im überschaubaren Conrad Sohm. Wer nur halbwegs mit der Materie und den örtlichen Gegebenheiten vertraut ist, wußte was das heißen würde. "Ausverkauft" prangte unverwunderlicherweise seit längerer Zeit auf den einschlägigen Internetseiten und es dürften wohl über 500 Metaller gewesen sein, welche die abgelegene Venue außerhalb Dornbirns (eine ehemalige Fabrikhalle) aufsuchten, um metalmäßig kräftig eingeschenkt zu bekommen. Kräftig eingeschenkt bekam man übrigens auch an der Bar, wo der 0,3er "Kinder"becher mit 3,10 Euro doch recht saftig zu Buche schlug. Dem standen die MH-Merchpreise nicht nach, wo die mittlerweile leider fast schon üblichen 30 Eurodollar für ein schnödes Shirt zu berappen gewesen wären. Für STORMBRINGER wieder einmal Grund genug, das Headquarter West trotz tollem heimischen Konzertangebot wieder einmal in Richtung äußersten Westen der Alpenrepublik zu verlassen, um von einem denkwürdigen Konzert im Rahmen des Kultursommers, anläßlich dessen noch zahlreiche andere internationale Kaliber (u.a. ARCH ENEMY, SEPULTURA, HATEBREED) Xi-Berg beehrten, zu berichten.

SORTOUT aus Feldkirch hatten das Glück, den Supportslot bei diesem Konzert zu ergattern und machten ihre Sache am heutigen Abend gar nicht mal so schlecht. Musikalisch reif klingend, konnten sie ohrenscheinlich auf eine solide Fanbase bauen. Nicht ganz verwunderlich, durften sie doch allein heuer wohl jede Bühne bespielen, die in Vorarlberg Relevanz hat (Poolbar Festival in Feldkirch, Schlachthaus in Dornbirn, Szene Open Air in Lustenau). MeloDeath/Metalcore hatte sich der ambitionierte Vierer auf die Fahnen geschrieben und präsentierte sich als würdige Vorband mit zweifellos Potential, wenngleich man vieles schon mal gehört hatte, und das auch noch aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Quartetts...hat hier jemand THE SORROW gesagt?! Auch die Locals MOROS oder MACHINE GUN HORROR hätten hier als zusätzliche Supports auch keine schlechte Figur gemacht. MACHINE HEAD Im trotz mäßigen Wetters heißen Auditorium harrten die Hundertschaften auf "ihre" MACHINE HEAD aus, bis schließlich kurz nach 21 Uhr das Intro die Spannung löste und im "Imperium"-Kampfschrei "Hear Me Now" explodierte. Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, dass heute ein mächtiges Feuerwerk an Metalhits abgebrannt werden sollte. Als Zeremonienmeister fungierte Robb Flynn, der - unterstützt von seiner bestens eingespielten Band - durch den kurzweiligen und hochenergetischen Abend führte. "...Hear Me Now, Words I Vow, No Fucking Regrets..." schallte es aus hunderten Kehlen, hier standen echte Meister und gewachsene Headliner auf der Bühne, davon zeugte schon dieser Song! Das starke "Beautiful Morning" wurde umgehend nachgeschossen, bevor das nächste Intro das mächtige "Locust" einläutete. Das Publikum ging steil, brüllte sich die Seele aus dem schwitzenden Leib, und Mainman Flynn bekam seine heute fast inflationär geforderten "Fists In The Air", denen später auch Circlepits folgen sollten. Über dem Szenario thronte Dave McClain, der mit chirurgischer Präzision den Takt vorgab und sein geiles, rackumrahmtes Schlagzeug amtlich bearbeitete. Man durfte sich gerade wundern, wie Drumkit und Equipment auf der doch eher beengten Bühne Platz hatte, in der Höhe dürfte es zudem temperaturmäßig noch um einiges heißer als herunten gewesen sein.

Den Fans blieb kaum die Zeit, feuchtigkeitsgeschwängerte Luft zu schnappen, schon groovte der Klassiker "The Blood, The Sweat, The Tears" aus der P.A. Es war am heutigen Abend schier unglaublich, wie diese fette Packung aus All-Time-Metalbrechern in dieser Clubähnlichen Location zündete, so hautnah kann man seine Helden auf der (mit stilvollen Bannern geschmückten) Bühne selten erleben. Wer heute hier war, war gekommen, eine heftige und dynamische Metalsause zu zelebrieren und seinen Teil dazu beizutragen. Die krachig-röhrigen Gitarren waren ein wahrer Ohrenschmaus, "Bite The Bullet" und der Evergreen "Ten Ton Hammer", bei dem der Groovemotor kräftig ins Wackeln kam, machten dies deutlich. Zwischen den Songs intonierte der Mob die obligatorischen "MACHINE Fuckin´ HEAD"-Chöre, welche den Abend auch in den Pausen am Kochen hielten und der Band eine ansprechende Reaktion auf ihre tighte Bühnenperformance bot. Dass Flynn bei einer kurzen Ansprache die idyllische Location ob des vielen Grüns und des Fließgewässers mit einem "Campground" verglich, sorgte sowohl für Erheiterung als auch für Sympathiepunkte. "Darkness Within" begann mit Akustikgitarre und endete in packenden "Oh Oh"-Chören, welche auch die Band zu begeistern vermochten. Danach schleiften riesige Eisenkrallen über Stahlbeton...der mächtige "Bulldozer" bahnte sich seinen zerstörerischen Weg zum donnernden Abriß. Schier unglaublich, wie die Riffs heute wieder sägten, zu denen Köpfe im Takt gebangt wurden oder zumindest mitwippten. Die Crowdsurfer stiegen aus der Menge auf, die Securities hatten ihre Mühe, die im schmalen Fotograben landenden Diver ohne Gesundheitsbeeinträchtigung abzufangen. Mit dem logischerweise live bestens funktionierenden "Killers & Kings" bog die schweißtreibende Show in die Zielgerade, wo die Band mit der MH-Initialzündung "Davidian", bei dem es im Publikum logischerweise kein Halten mehr gab, als Sieger einlief. "Let Freedom Ring With The Shotgun Blast!!!" schallte es durch´s liebevoll "Sohm" genannte Veranstaltungszentrum.

Mochte man meinen, mit diesem Hit wäre alles gesagt, wurde man doch eines Besseren belehrt, schließlich holten die Vorarlberger die Band noch zwei Mal aus der Kabine. Das zackig gezockte "Aesthetics Of Hate" eröffnete noch Spielräume für Gitarreneskapaden von Flynn´s Uralt-VIO-LENCE-Kumpel Phil Demmel, der sein an Rhandy Rhoads erinnerndes Jackson Signature-Modell in Szene setzte und ebenso wie sein Viersaiter-Kollege Jared MacEachern mit dem Publikum interagierte, wenngleich der Focus (inklusive überflüssigem Plastikbecherwerfen) auf die Bühnenmitte bei Flynn lag. Der "Burn My Eyes"-Brecher "Old" beendete die erste Zugabenrunde, das Publikum gab noch einmal alles ("...Jesus Wept!") und selbst nach dessen Ausklingen mußten die Duschen noch auf den Oakland-Vierer warten. "Halo" markierte den finalen Schlußpunkt einer 90minütigen Headlinershow, die alle Erwartungen übertroffen hatte und als denkwürdiges Ereignis in diesem doch recht intimen Rahmen eingehen wird. Womit wir beim (außer dem subjektiven Unverständnis, "Halo" am Setende zu zocken) einzigen Kritikpunkt - neben dem fast schon inflationären Einpeitschen von Publikumsreaktionen - Stichwort: Circlepit, Fäuste etc. - des heutigen Abends wären, nämlich dass Robb die cleanen Töne, sagen wir, nicht ganz trifft, was dem Songrefrain in infernaler Kombination mit Backingvocalist Jared nicht gerecht wird. Doch dies ist wie immer Jammern auf hohem Niveau und soll die überragende Leistung der Band in keinster Weise schmälern.

MACHINE HEAD lieferten am heutigen Abend eine echte Machtdemonstration in Sachen Metal ab, zelebrierten ein Greatest Hits-Programm mit magischen Musikmomenten aus ihrer mittlerweile über 20jährigen Karriere und lieferten einen Parforceritt in Sachen großer Groove- und Riffkunst in idealer Kombination aus brachialer, neuzeitlicher Härte und dem spielerischen Selbstverständnis im Umgang mit Eingängigkeit und dem gewissen Etwas in puncto Hits. Dies alles in der kultigen Sohm-Atmosphäre und für die Fans (welche die Gitarrenplektren reihenweise einheimsten) zum Greifen nahe. Eine nicht alltägliche Situation bei einer Band vom Headlinerkaliber MACHINE HEAD. Ein bärenstarker, im Nu verflogener und unvergesslicher Abend, der aber gleichsam deutlich machte, dass für Bands der Größe MACHINE HEAD im Tiroler Land kaum entsprechende wie ansprechende Auftrittsmöglichkeiten im Großraum Innsbruck (früher stand zumindest der Hafen zur Verfügung) bestehen, ging leider viel zu früh zu Ende.

Setlist:

- Imperium - Beautiful Mourning - Locust - The Blood, the Sweat, the Tears - Bite the Bullet - Ten Ton Hammer - Darkness Within - Bulldozer - Killers & Kings - Davidian --- - Aesthetics of Hate - Old --- - Halo Fotos: Tina Burgstaller, mehr Pix seht ihr in der Gallerie


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