05.09.2014, Großer Rathaussaal, Telfs

J.B.O. - 25/10 Tour

Text: Laichster | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 08.09.2014

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Die rosa Armee Frakton J.B.O. feiert ihr 25 Jähriges Bühnenjubiläum, veröffentlichte ihr zehntes Studioalbum unter dem Titel "Nur die Besten werden alt" (zum Review) und befinden sich unter dem Titel 25/10 Tour auf feierliche Jubiläumsreise durch die Lande. Im Zuge dieser wird auch der Rathaussaal der Tiroler Rock City Telfs angesteuert, um die unverkennbare Mischung aus Metal und brachialhumorigen, bis sinnbefreiten Texten unterm Bergvolk zu verkünden. Als Support für die selbsternannten Paradenarren dürfen am heutigen regnerischen Abend die Südtiroler Deutschrocker BAD JOKERS das Publikum auf Betriebstemperatur bringen. Zieht man vergleiche mit dem grandiosen PRETTY MAIDS / AXXIS Konzert (zum Livereport) vor einiger Zeit, so wird die Location heute nicht sonderlich voll, was wohl den Wetterbedingungen geschuldet ist, welche in vielen das Couchtier erwachen lässt und wohl auch der geteilten Meinung über J.B.O., welche sich von lächerlich verzichtbarer Kasperlband bis zu genialen Unterhaltern zieht. Der Verfasser selbst sieht sich in seiner musikalischen Ausrichtung doch eher zu ernsthafteren Formationen gezogen, muss bei J.B.O. jedoch eine Ausnahme machen, verbindet man doch viele Jugenderinnerungen mit der Spaßband und amüsiert sich noch heute köstlich über manch Parodien und so reist man mit seinem in babyblau gehaltenen stählernen Schlachtross zu den rosa Rittern.

BAD JOKERS:
Deutschrock aus Südtirol entwickelte seit dem gehypten Aufkommen von FREIWILD, mit welchen der heutige Opener gute Beziehungen führt, eine nicht vorhersehbare Eigendynamik. Die BAD JOKERS gibt es schon um ein paar Jährchen länger, genauer gesagt seit 1992, doch blieb ihnen der große Durchbruch bis heute verwehrt. Bedient wird von den Rockern rund um Bono-Verschnitt und Fronter Georg Kirchler ebenfalls die typische Deutschrock Schiene mit einem etwas groovigen Touch und viel Classic Hard Rock Einflüssen. Das Publikum zeigt sich bis jetzt noch etwas vom schlechten Wetter deprimiert und so hofft man, dass die Rocker gute Laune über den Brenner mitgebracht haben und diese gleich verbreiten werden.

On Stage zeigen sich die Südtiroler, trotz der eher verhaltenen Reaktionen des Publikums ambitioniert und lassen nichts unversucht um das Eis zu brechen, was auch gegen Ende des Auftritts zu funktionieren scheint. Anfangs ist man leider von Soundproblemen geplagt, was sich in einem etwas unsauberen Klangbild wiederspiegelt und die Kommunikation zwischen Mischer und Fronter scheint aufgrund der selbst für Nordtiroler etwas eigenwillig klingenden Muttersprache der Band nicht einfacher zu werden. Songs wie "Bastard", vom gleichnamigen Debütalbum, "Wölfe" oder "Unzertrennlich" kommunizieren die genretypische Deutsch Rock Attitüde der Band und mit dem AC/DC "Cover Rock ´n´ Roll Damnation" wird den auch im Riffing der Band unüberhörbaren Vorbildern gehuldigt. Im gesamten gesehen liefern die BAD JOKERS heute einen soliden und vor allem mit Herzblut hingelegten Auftritt, der nicht nur für eingefleischte Deutschrockfans einige Highlights enthalten haben sollte.

J.B.O.:
Der Wahnsinn in rosa startet pünktlich um 21:45 Uhr als das "James Blast..." sorry "James zensiert Orchester" die Bühne des Rathaussaals betritt. Die Erlangener machen auch kurzen Prozess mit der Ernsthaftigkeit und legen, die humoristische Niveaumesslatte mit "Im Verkehr" gleich zu Beginn an fest, zudem werden von den in billige Faschingsphalluskostümen gesteckten Roadies gleich hauseigene J.B.O.-Präservative im Publikum verteilt. Den Roadies kommt auch über die gesamte Show verteilt die Aufgabe als optischer "Aufputzes" zu, so sollte man sie noch als fränkische Dirndln bis zu fahnenschwingenden Soldaten der rosa Armee Fraktion sehen und hier liegt der eingangs erwähnte Grund warum wohl viele Old-School Metaler einem J.B.O. Konzert fern bleiben, mit Trvness hat das hier nichts zu tun. Der Schreiberling verzichtet heute ausnahmsweise auf die stets hochgehaltene Credibility und amüsiert sich mit den restlichen Anwesenden über den auf der Bühne abgezogene Irrsinn.

Das typische "Danke - Bitte" spiel von Gitarrist und Vocalist "Vito C" darf natürlich auch wieder nicht fehlen und wird vom Publikum willige mitgespielt und wenn wir gerade über Eigenheiten sprechen: das Outfit der Band zeugt am heutigen Abend wieder von besonderer Stilsicherheit. So zeigt sich Basser Thomas „Schmitti“ Schmitt in hellrosa Kutte mit pinker Krawatte, Vito C. trägt rosa Leggins und den Vogel schießt Gitarrist Hannes „G. Laber“ Holzmann mit seinen in Pink gehaltenen Schienbeinschonern ab, welche wohl eine Hommage an die golden Zeiten des 80er Thrash darstellen sollen. Im Gegensatz zu ihrem modischen Geschmack zeigen J.B.O. im Laufe des Abends, dass sie trotz des eigensinnigen Brachialhumors, der ihnen nicht nur Freunde einbrachte, eine Truppe mit äußerst professionellen Musikern sind.

Jeder Song wird bis zum letzten durch inszeniert und auch Platz für individuelle Interaktion mit dem Publikum findet man zu genüge, wie das sich vor dem Verfasser befindenden dauerknutschende Paar herausfinden muss, als es von der Band aufgefordert wird sich doch bitte in eine ruhige Ecke zu verziehen und wiederzukommen wenn sie fertig sind, was dann kurz darauf auch passiert und dem Schreiberling nur recht sein soll, ist doch nun die Sicht zur Bühne frei und lässt sich das rosarote Schauspiel nun ungestört betrachten. In der Setlist der Erlangener Narren fehlt heute nichts was der langjährige Fan der Band vermissen würde. Über "Ich will Lärm" zu "Death Is Death" vom 2014er "Nur die Besten werden alt" Longplayer mit besonderen Österreichbezug, handelt es sich doch um ein Cover der OPUS Kultnummer "Life Is Life", bis zum unverzichtbaren "Verteidiger des wahren Blödsinns" wird alles geboten. Nach gut 90 Minuten gehen J.B.O. unter den Klängen von "Fränkisches Bier" hinter einem riesigen aufblasbaren J.B.O.-Logo von der Bühne um direkt zum Merchandise-Stand zu starten und sich persönlich um ihre Fans zu kümmern.

Man kann von den Brachialkomikern halten was man will, jedoch haben sie heute wieder bewiesen, dass sie immer noch Stimmung in die verschlafenste Crowd bringen können und so einen herrlich sinnbefreiten Abend zelebrieren und beim Aufbruch in die Nacht nimmt man sich vor ab dem nächsten Tag wieder die stählerne Trveness zu praktizieren... zumindest bis zur nächsten J.B.O. Show.

Setlist:
- Im Verkehr
- Dr. met.
- Hose runter
- Medtl-Gschdanzl
- Death Is Death
- Wir ham ne Party
- Gänseblümchen
- I Don´t Like Metal
- 4 Finger für ein Halleluja
- Geh mer doch zu Slayer
- Der Hofnarr
- Bimber Bumber
- Arschloch und Spaß dabei
- Ein Fest - Drumsolo
- Allabätsch
- Bolle
- Ein guter Tag zum Sterben
- Verteidiger des wahren Blödsinns
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- Schlumpfozid im Stadtgebiet
- Mei Alde is im Playboy drin
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- Frauen
- Fränkisches Bier

Thx für die Pics an Christoph Marberger! Weitere Bilder könnt ihr in der Galerie zum Event sehen.


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