07.10.2014, Weekender, Innsbruck

BLUES PILLS, THE VINTAGE CARAVAN

Text: Thomas Patsch | Fotos: Marion Punz
Veröffentlicht am 13.10.2014

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Nach dem Sensationsgig der BROILERS (zum Livereport) bahnte sich mit dem Bekanntwerden des Gastspiels der gerade voll durchstartenden BLUES PILLS die nächste kleine Sensation ihren Weg im Weekender. Bereits im Vorfeld mußten einige Dates der laufenden Tour in größere Hallen upgegradet werden, keine Selbstverständlichkeit im konkurrenzmäßig immer härter werdenden Touralltag, der mit vielen hochkarätigen Acts und Undergroundperlen in diesem Herbst auch Einzug in Tirol hält. Weekender gönnte dem bunt gemischten Publikum (vom gestandenen Metaller über den ergrauten Altrocker bis zum Hipster hatte sich alles unter einem Dach vereint) heute mit dem Gig der schwer angesagten BLUES PILLS eine volle Ladung Seventies-Gold, das gleichsam als Auftakt der anstehenden Seventies/Vintage/Retro-Rock-Konzerte von KADAVAR sowie SPIDERS und HORISONT ein vollgepacktes Haus garantierte.

THE VINTAGE CARAVAN
Das Milchgesicht-Trio zeigte sich nach dem britischen Opening-Act THE ARKANES, der zwar wie ein professioneller Anheizer, aber doch wenig mitreißend aufgeigte, schon von einer anderen, aufregenderen Seite. Vermochte schon das Debutalbum "Voyage" sehr zu gefallen, so drehten die Isländer auch auf der Bühne mächtig auf. Wuchtig dröhnte der Bass aus den Boxen, der vom minimalistisch-effektiven Drumming begleitet wurde. Die Band nahm uns mit auf ihren Trip, der uns gleichsam durch tiefe Stoner-Täler führte wie auch zu orgiastisch-bunten Höhenflüge einlud. Die BLUES PILLS-Labelmates zündeten ein bärenstarkes akustisches Seventies-Feuerwerk, das sich gewaschen hatte. Die Fast-Noch-Teenager scheinen den Schlaghosen-Spirit und die psychedelischen Farbenspiele jener Zeiten in der Wirkungsblüte von Combos wie LED ZEPPELIN, CREAM oder BLACK SABBATH im Blut zu haben, so spielerisch leicht und trotz aller Jugendlichkeit authentisch rüberkommend, intonierten sie ihr Set, wobei das tolle "Expand Your Mind" sehr zu begeistern vermochte. Wenngleich sich die eine oder andere Jam-Länge einschlich, hat die Band etwa mit dem an den "Paranoid"-Rhythmus angelehnten "Midnight Meditation" einige starke Trümpfe im Ärmel, die auch heute ausgespielt wurden. Man darf wohl davon ausgehen, dass man von den Jungs noch mehr hören wird, die Publikumsreaktionen waren am heutigen Abend jedenfalls mehr als amtlich. Die Tour im Vorprogramm der boomenden Headliner ist ideal gewählt und dürfte als Katalysator für die weitere Karriere der Isländer fungieren.

BLUES PILLS
Die Chartstürmer der deutschen Media Control Charts wählten den Einstieg in ihr Set geradezu perfekt. Der Opener des langerwarteten, gleichnamigen Debutalbums, "High Class Woman" polterte und drückte gleich ungestüm los, die Menge hing Wunderstimme Elin Larsson gleich von Beginn des 75minütigen Sets an an den wohlgeformten Lippen. Nahtlos ging es mit dem energetischen "Ain't No Change" weiter, der rauchfreie Club schien umgehend mit dicken Rauchschwaden verhangen zu wirken, so intensiv tönten die bluesigen Classic-Rocker, warm und berührend wie gleichsam packend und einfach cool betörten die zündenden Retro-Klänge den vollgepackten Club. Die BLUES PILLS machten zuletzt sowohl auf Metal-Events wie auch auf ausgewiesenen Stoner/Doom-Festivals eine mehr als nur eine gute Figur, vielmehr vermochten sie allseits für große Begeisterung zu sorgen, obwohl teils erst die Debut-EP sowie die "Rockpalast"-EP veröffentlicht waren. Kein Wunder bei den magischen Klängen, die auch heute wieder von der Bühne gezaubert wurden und die feinen akustischen Sensoren streichelten und stimulierten. Die reizende, charismatische und augenscheinlich gut gelaunte Sängerin stand ihre Frau und bezauberte die begeisterte Meute nicht nur mit ihrem Aussehen, sondern auch mit ihrer selbstsicheren, einschmeichelnd-bestimmenden Röhre, auch wenn ihr rhythmisches Gezappel mit dem Tamburin manches Mal etwas ungelenk wirkte.

Die Interaktion mit dem Publikum fand vergleichsweise wohldosiert statt, erfolgte allerdings mit einer großen Portion Charme, sympathisch-einladend wie gleichzeitig unnahbar. Doch auch wenn sich alles auf die in ein herausstechend rotes Kleid gewandete, bestrumpft-wohlgeformtes Bein zeigende Schweden-Blondine focussierte, vermochte auch die Instrumentalfraktion auf sich aufmerksam zu machen. Drummer André Kvarnström legte wuchtige Beats vor, der mit mächtiger Matte und Stirnband aufdeutende Basser Zack Anderson zupfte seinen Bass hart. Der eigentliche Dirigent war allerdings Gitarrist Dorian Sorriaux, der den introvertierten Saitenhexer zur Schau stellte und kaum von seinem Instrument aufsah. An seinem Orangensaft nippend dürfte der junge Franzose auch abseits der Bühne ein äußerst ruhiger und zurückhaltender bis schüchtern-fragiler Zeitgenosse sein. Auffällig die kaum vorhandene Interaktion der Band untereinander auf der Bühne. Während die beieinander stehende Rhythmusgruppe (das Schlagzeug mußte platzbedingt seitlich am Bühnenrand statt bühnenmittig platziert werden) eher miteinander zockte, zogen Gitarrist und Sängerin eher ein Soloprogramm durch. Musikalisch gab´s keinen Mangel.

"Bliss" und das "Elements And Things"-Cover rockten, während "No Hope Left For Me" oder "Astralplane" eher für wohlige SlowDown-Stimmung sorgten. Bei "Devil Man" zeigte die Meute mit ihrer Partizipation, welch großartiger Song sich da wohl einen ewigen Fixplatz in allen zukünftigen BLUES PILLS-Setlisten gesichert hat. Zugaben gab es auch, warum es allerdings das eher nichtssagendere "The River", bei dem auch VINTAGE CARAVAN-Frontmann Oskar auf die Bühne gebeten wurde und das ruhige "Black Smoke" sein mußten, sei zumindest hinterfragt. Schlußendlich Powidl, das Publikum war begeistert und gleichzeitig verzaubert, das französisch-schwedisch-amerikanische Konglomerat überzeugte heute mit seiner berauschenden und packenden Seventies/Classic Rock-Mischung, welche die Youngsters spielerisch und retrostyle im neuen Jahrtausend interpretieren. Ein denkwürdiger und memorabler Gig, den man bei dieser Band in dieser Dimension wohl nicht mehr erleben wird.

Setlist:
- High Class Woman
- Ain't No Change
- Dig In
- No Hope Left For Me
- The Time Is Now
- Astralplane
- Bliss
- Elements And Things (Tony Joe White-Cover)
- Devil Man
- Little Sun
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- The River
- Black Smoke

Dank an Marion Punz für die geilen Livepics, mehr seht ihr in unserer Gallerie


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