22.11.2014, Weekender, Innsbruck

SÓLSTAFIR

Text: Laichster | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 28.11.2014

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Präsentierte uns Weekender Boss Andy in letzter Zeit hochkarätige Acts wie die BLUES PILLS (zum Livereport) oder zuletzt KADAVER in seinem kleinen aber feinen Club, so steht heute das nächste Highlight des sich dem Ende nähernden Konzertjahres an. Die Isländer SÓLSTAFIR werden ihre ganz eigene Mischung aus Rock und Post Metal auf ihrer ersten Headliner-Europatournee präsentieren, Atmosphäre und Gänsehautfaktor garantiert. Supportet werden die nordischen Insulaner von den Briten ESBEN AND THE WITCH und den aus wärmeren Gefilden kommenden Spaniern OBSIDIAN KINGDOM. Alles in allem ein anspruchsvolles Paket, das nicht gerade zum typischen Samstagabend betrinken passen mag und so ist die Befürchtung groß, dass es SÓLSTAFIR nicht schaffen werden die Halle des Weekender flächendeckend zu füllen... Doch falsch gedacht, der Hipstereffekt schlägt gnadenlos zu und so pilgern neben eingeschworenen Metalheads und den üblich bekannten Gesichtern der alternativen Szene auch unzählige vollbartige Hornbrillenträger und Studenten der Geisteswissenschaften im 15 Semester zum heutigen Konzertabend um sich von den tiefgründigen Klängen ergreifen zu lassen und die Location wird so gut gefüllt. Der hartgesottene Metaler findet sich trotz dem hohen Anteil von "Fremden" mit seinesgleichen an der Bar ein und pünktlich zum Beginn des Openers hält der Verfasser sein erstes und aufgrund des Umstandes seine Flugscheibe heute noch sicher in den heimischen Hangar fliegen zu müssen, auch das letzte Bier des Abends in seiner Hand, welches jedoch den nun folgenden Act auch um einiges erträglicher machen sollte. 

OBSIDIAN KINGDOM: OBSIDIAN KINGDOM, kann man nicht genau definieren, die Band bewegt sich irgendwo zwischen Sludge Doom, Progressive Rock und klassischen Metal Elementen und optisch gesehen erfüllen die Herren passend zur musikalischen Ausrichtung alle Hipster-Klischees, vom Undercut über den gezupften Vollbart ist alles vorhanden. Dem Schreiberling bisher absolut Unbekannt lässt man sich auf das Experiment ein und muss feststellen hier auf eine subjektiv betrachtet äußerst eigenwillige Band gestoßen zu sein. Zwar versuchen die Musiker durch exzessives herumturnen auf der Bühne das Publikum zu animieren, was auch bei einem gewissen Anteil gelingt, aber musikalisch schlägt OBSIDIAN KINGDOM in eine absolut gewöhnungsbedürftige Schiene.

Diese Band kann sich nicht für ein Genre entscheiden und switch sich quer durch die stilistische Weltgeschichte, Doom, Heavy und dann auch schon einmal fast punkig. Die Meinungen des Publikums sind gespalten, von Tirols Aushilfs-Abbath, welcher die Performance mit "Cool, das hat Potential!" kommentiert bis zum Verfasser der deprimiert bis verzweifelt am erwähnten Bier arbeitet. Nach 30 Minuten Show kommt man sich irgendwie so vor, als hätte man durchgehend den selben Song gehört, den trotz des krassen Genremixes ist keine eigenständige Struktur mit Wiedererkennungswert ersichtlich, aber vielleicht sind die Musiker aus Barcelona auch nur um Jahrhunderte voraus und es ist einem Humanoid aus dem Jahre 2014 einfach noch nicht möglich diesen musikalischen Stil zu verstehen.

Setlist:
- And Then It Was
- Last Of The Light
- The Nurse
- Awake Until Dawn
- Cinnamom Balls
- Endless Wall
- Fingers In Anguish
- Ball-Room
- And Then It Was

ESBEN AND THE WITCH:
Die drei Post-Rocker aus dem Englischen Brighton treffen dann wieder voll den Geschmack des Stormbringer-Abgesandten. Komplexe, nahezu anmutig wirkende Songstrukturen und die unglaublich starke Stimme von Fronterin Rachel Davies lassen zum ersten Mal diesen Abend eine ordentliche Atmosphäre aufkommen. Schon mit dem Einstieg "Press Heavenwards" wird eine 10 Minuten sprengende Nummer geboten die es schafft den Zuhörer in seinem Bann zu ziehen, man bewegt sich zwischen kämpferisch bis melancholischen Strukturen gemischt mit einem LSD Trip auf der Suche nach dem tieferen Sinn im Universum. Mit "No Dog" zeigt die Band dann auch noch, dass ihr härtere Riffs in Abwechslung zum meist eher ruhigen Ton auch sehr gut zu Gesicht stehen und "The Jungle" beschließt einen impressiven Auftritt der die Zuseher gut auf Temperatur für den den heiß ersehnten Hauptact gebracht hat.

Setlist:
- Press Heavenwards!
- Dig Your Fingers In
- No Dog
- The Jungle

SÓLSTAFIR:
Die aus der Isländischen Hauptstadt Reykjavík stammenden SÓLSTAFIR dürfen auf eine Geschichte im musikalischen Wandel zurückblicken. Begonnen als eher im Viking und Black Bereich angesiedelte Kombo entwickele man sich im Laufe der Zeit zur Post-Metal Band, die dem Genre ihren eigenen Stempel aufdrückt. Tiefgründig, atmosphärisch und schlicht ergreifend, das sind die Attribute mit denen das neuere Schaffen von SÓLSTAFIR am besten beschrieben werden kann und mit dem letzten Longplayer "Ótta" (zum Review) wurde wieder ein grundsolides Werk vorgelegt, welches leider die Überscheibe "Svartir Sandar" (zum Review) nicht toppen konnte, jedoch klar feststellt, dass die Band ihre Linie straight weiterverfolgen will. Hätte man sich bei "Ótta" vielleicht doch noch etwas mehr gewünscht, so kann man zumindest heute Gewiss sein in den Genuß einer Show zu kommen, die ihre Magie so verbreitet, wie die sich ausbreitenden Sonnenstrahlen im Namen der Isländer.

"Köld" vom gleichnamigen 2009er Album bietet hierzu den perfekten Einstieg, werkt man hier noch mit der vergleichsweise härteren Gangart und Fronter Aðalbjörn Tryggvason darf seine Stimme einmal warmkrächzen um mit "Lágnætti" von der erwähnten letzten Platte eine Atmoshphäre zwischen Isländischer Kälte und heißen Quellen im Weekender zu verbreiten. Die Band schafft es mit links den Zuschauer zu fesseln und die Musik alleine für sich sprechen zu lassen, das haben SÓLSTAFIR auch nötig, den Rampensäue sind die introvertierten Inselbewohner bei Gott nicht. Stoisches Stageacting steht am Programm, einzig Fronter Tryggvason bricht hin und wieder das Eis wenn er seine Gitarre zur Seite legt und sich alleine auf die Vocals stürzt. Trotz der Distanz kommen die Nordmänner absolut sympathisch rüber und vor allem wirkt hier ein authentisches Gesamtbild, hier wird keine Stangenware präsentiert sondern ernstgemeinter Gefühlsausdruck von vier Vollblutmusikern deren Musik es verlangt sich komplett auf sie einzulassen um eine Weltsicht zu entdecken die hinter dem grau unseres Betonjungles liegt. Trotz der fesselnden Atmosphäre im perfekten Klangbild geht es dann doch nicht ohne humoristischen Seitenhieb, so wird doch im Laufe des Sets festgestellt dass Gitarrist Sæþór Maríus Sæþórsson doch der eineiige Zwilling von Chuck Norris sein könnte, Bassist Svavar Austman mit seinen Zöpfen wohl ein heißer Anwärter auf die Hauptrolle im nächsten Pippi Langstrumpf Film ergeben würde und Aðalbjörn Tryggvason, welcher sich bei seinen Einlagen ohne Gitarre immer wieder eine Offiziersmütze auf den Kopf setzt wohl eindeutig der U96 entsprungen sein müsste, auch wenn keine einwandfreie Verwandschaft mit Herbert Grönemeyer nachgewiesen werden konnte.

Doch zurück zur Musik: Während SÓLSTAFIR einen für kurze Zeit in eine andere Welt getragen hat, vergeht die reale Zeit doch viel zu schnell und mit "Svartir Sandar" erreicht man das Ende des regulären Sets, nach frenetischen Jubel und Zugaberufen gibt es noch das großartige "Fjara" und Goddess Of The Ages" als Zugabe oben drauf, bevor SÓLSTAFIR nach einem eindrucksvollen Gig ein Publikum zurücklässt, welches wohl noch einige Zeit brauchen wird um wieder zurück in die Realität zu finden. Summa Summarum bleibt nichts anderes als von der Performance zu 100% überzeugt zu sein und jedem den Besuch einer SÓLSTAFIR Show wärmstens ans Herz zu legen um sich für 90 Minuten aus dem Alltag auszuklinken und von diesen Musikern gefangen genommen zu lassen, den wie sagt schon ein altes Isländisches Sprichwort - Der Mensch ist ein Gaul, der von einem Teufel namens Eile geritten wird!

Setlist:
- Köld
- Lágnætti
- Ótta
- Þín Orð
- Dagmál
- Náttmál
- Svartir Sandar
-----------------------------------
- Fjara
- Goddess of the Ages

Thx für die pics geht an Christoph Marberger! Mehr Fotos könnt ihr in der Galerie zum Event sehen!


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