05.12.2014, Zenith, München

HEAVEN SHALL BURN + PARKWAY DRIVE + CARNIFEX + NORTHLANE

Veröffentlicht am 09.12.2014

» Hier gehts zur Galerie...

Unsere unerschrockene Fotografin Tina ist immer zur Stelle wenn die Tiroler Schreiberabteilung von Stormringer um Konzertbebilderung ruft und so kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass sich unsere Tina auch auf Konzerten herumtreibt, welche ihren musikalischen Vorlieben nicht gerade zusagen, und kommt dann noch die optische Folter, wie zuletzt beim Brazilian Overkill (zum Livereport) durch bauchfreien FARSCAPE Gitarristen Poisonhell, so muss einem Madame doch wirklich leidtun. Doch der Tag der Abrechnung für all diese, einer bekennenden Hardcore-Liebhaberin, auferlegten Qualen sollte schneller kommen als es dem Schreiberling lieb sein sollte, so wurde man heute um Reparation zu leisten nach München in die alte Stahlhalle des Zenith geordert und der Blutzoll sollte hoch sein, den als Buße wurde dem Verfasser ein besonderes Paket anständiger Musik, oder dessen was unsere Tina eben als solches ansieht, auferlegt. Die momentanen Granden des Metalcore PARKWAY DRIVE und HEAVEN SHALL BURN wurden auserkoren Vergeltung zu üben und auf dem Weg zum Schafott sollte der Schreiberling musikalisch von der Deathcore-Kapelle CARNIFEX und der Metalcore-Kombo NORTHLANE begleitet werden. Ausreden hätten sich als zwecklos erwiesen, zu groß ist die Schuld die zu begleichen ist und so rollt man in seinem babyblauen Panzer der Marke Ford in Richtung bayrischer Hauptstadt und bereitet sich psychisch auf den nun garantiert folgenden Kulturschock vor... der Credibility Einpeitscher und Old School Warrior im gleichen Tigel mit den bunt angezogenen Urban-Style Sportbekleidungsfetischisten, gnadenlose Trvness versus stilübergreifender Modernität, der ultimative Clash der Subkulturen!

Beim Eintritt in den stählernen Schlund des Zenith betritt der Büßer eine andere Welt, überall wimmelt es von knalligen Farben und Hemdenträgern, Lederjacken sucht man hier vergebens, wohl aufgrund der großteils tierliebenden bis hardcore-veganen Einstellung der Szene, so hofft der Schreiber nicht im Namen der Kuh, welche ihr Leben für sein geliebtes Stück Leder lassen musste durch eine aufgebrachte Peta-Aktivistin gelyncht zu werden. Lange Haare gibt es übrigens hier auch keine, es regiert der salonfähige Undercut bis zur Glatze, wenigstens hier muss ich mich nicht für meinen fortgeschrittenen Haarausfall schämen, welcher seit geraumer Zeit durch Vollbart ausgeglichen wird, doch auch Bärte sind hier nur vereinzelt aufzufinden und wenn dann der von der besseren Hälfte genehmigte Dreitagesbart. Dafür scheinen hier Earplugs, Nasenringe und Tättowierungen mit lustigen Mustern in allen Farben auf möglichst sichtbaren Stellen der letzte Schrei zu sein, mir aufgrund meiner angestrebten Berufswahl nicht vergönnt, kommt doch hier und dort Neid auf, auch wenn man sich vielleicht nicht gerade ein solches Street-Style Peckerl auf die Haut produzieren lassen täte und doch eher zur Symbolik des Gehörnten greifen würde. Groß auch der unterschied in Sachen Körperkult, statt Bierwampe findet man hier auftrainierte Muskelberge im Tank Top und kurzer Sporthose (Anm.: es ist Anfang Dezember und nicht gerade sommerlich warm). Aufallend ist auch der Anteil an jungen Publikum, vielleicht auch deswegen der geringe Anteil an Bartträgern? Trotz all dieser dem 80er Metal Maniac etwas suspekten Umständen stellt sich das Core-Volk doch spätestens an der Bar als mindestens gleich zuvorkommend und freundlich dar wie der Teil der Szene in dem der Stormbringer-Abgesandte sonst üblicherweise verkehrt. Somit wäre der erste Teil der kulturellen Weiterbildung abgeschlossen und es geht weiter mit dem schweren Brocken, der bevorzugten Musik der Metalcore Gemeinde und den Anfang machen im mittlerweilen gut gefüllten Zenith die Aussies von NORTHLANE.

NORTHLANE:
18:30 Uhr, das Licht geht aus und unter frenetischen Beifall betreten die Musiker aus dem Land der Kängurus und Koalas die Bühne, doch der Jubel sollte schnell vorbei sein. NORTHLANE scheinen heute nicht ihren besten Tag zu haben, das was aus den Boxen schallt lässt relativ wenig von einer Songstruktur erkennen und zeitenweise befürchtet man eines der Beschallungsgeräte wird wohl in Kürze explodieren. Schon ab dem zweiten Song ist es aus mit schallenden Applaus und der sich auf Metalcore-Expedition befindende Schreiber stellt fest: jeden Schwachsinn zieht sich diese subkulturelle Spezies also doch nicht blind rein und ist auch hier anspruchsvoll kritisch. Während Verfasser und Publikum darauf warten bis NORTHLANE ihr Set beenden, versucht Sänger Marcus Bridge die Sache noch einmal weniger erfolgreich durch Animationsversuche herauszureißen, man amüsiert sich aber eher über seine eigenwillige Frisurkombination aus Irokese und Undercut und kämpft sich während der letzten Songs der Band zur Bar. Eine spätere Überprüfung der LP-Qualitäten der Band am heimischen Soundsystem ergibt: Subjektiv gesehen ist die Band wenig überraschend für den Death- und Heavy-Metal Fetischisten nicht gerade sonderlich ansprechend, qualitätsmäßig hätte aber bei diesem Auftritt weitaus mehr drinnen sein müssen, die Band mit Ausnahme von Fronter Bridge hätte ambitionierter agieren können und bei einem solchen Boxenkrachen kann man sich auch nicht mehr auf die eher schalltechnisch unvorteilhafte Stahl-Fachwerksbauweise der Location herausreden. Schockiert vom Soundbild hofft man, dass der Mischer nicht betrunken ist und man bei den weiteren Bands nicht ebensolches hinnehmen muss, doch CARNIFEX sollten gleich darauf den Gegenbeweis antreten.

CARNIFEX:
CARNIFEX, der Scharfrichter aus dem sonnigen Kalifornien sollte heute nicht die eingangs erwähnte Strafe des Schreibers exekutieren, sondern sein vor sich hin rottendes Herz im Takt der Blastbeats erneut zum schlagen bringen. Egal ob man die Band jetzt als Modern Death-Metal, Deathcore oder was auch immer bezeichnen möchte, CARNIFEX verstehen ihr Handwerk. Mit voller Gewalt und im Vergleich zu NORTHLANE perfekten Soundbild, einige Abstriche aufgrund der erwähnten Bauweise der Location sind natürlich hinzunehmen, bläst man der Crowd das Hirn heraus. Fronter Scott Lewis wird nicht müde das Publikum zum "Fuckin Circle Pit" anzuheizen und der Aufforderung wird Folge geleistet und zu Songs wie "Dark Days" oder dem großartigen "Hell Chose Me" splittern die Knochen am Battleground. Als Wirklich nervig entpuppt sich jedoch die Lichttechnik während des Auftritts, durchgehendes Strobolight-Geblinke bringt einen an den Rande des Wahnsinns, gesegnet sei die immer griffbereite, vollverspiegelte Pornobrille im Top-Gun Design!

Setlist:
- Deathwish
- In Coalsece With Filth And Faith
- Hatred And Slaughter
- Dark Days
- Die Without Hope
- Lie To My Face
- Hell Chose Me

HEAVEN SHALL BURN / PARKWAY DRIVE
Nach der letzten Schonfrist mit CARNIFEX sollte nun der Weg zur Buße beginnen, knie nieder Sünder und bettel um Vergebung für die Verbrechen die du deiner stets zu Diensten stehenden Fotografin angetan hast, wie in der klassischen griechischen Tragödie folgt nun die Katharsis der Schreiberseele. Entgegen aller Trvness-Klischees muss der Verfasser zugeben, HEAVEN SHALL BURN zählen doch auch zu seiner frühmusikalischen Entwicklung, gerade "Whatever It May Take" und "Antigone" waren in den metalischen Anfangstagen durchaus auf dem Plattenteller verkehrende Alben bis sich das Trvness-Gen im Körper ausbreitete und alle Metalcore Tendenzen vernichtete. Mit PARKWAY DRIVE gab es bis zum heutigen Tage nicht sonderlich viele Verbindungen, gelegentlich gehört und nie als sonderlich reißerisch empfunden ist man doch auch gespannt, was die Band Live leisten wird und für die Show haben sich die beiden Bands, welche doch als momentan mächtigste Vertreter des Genre angesehen werden können etwas spezielles einfallen lassen, eine Co-Headliner Show bei welcher sich die Musiker gegenseitig auf der Bühne abwechseln werden. Zwei Schlagzeuge thronen erhöht auf der Bühne, flankiert von zusätzlichen Boxentürmen und Lightequipment, hier wird gleich mit allen Kalibern der Technik aufgefahren werden. Die Halle verdunkelt sich und der Schreiber steht, während sich unsere Tina im Fotograben vor der Bühne tummelt, reumütig zwischen zwei Higschool-Jacket tragenden Mädls, welche sich die Seele aus dem Leib kreischen und erwartet wie John Coffey in "The Green Mile" am elektrischen Stuhl den Stromschlag durch sein Hirn, ein "Unschuldiger" auf der Schlachtbank.

Ein lauter Knall und HEAVEN SHALL BURN prügeln sich im gleißenden Licht der Bühne mit "Voice Of The Voiceless" durch die Nacht. Ab jetzt seien alle subjektiven Vorurteile ignoriert, denn HEAVEN SHALL BURN wissen wie man vernichtet, hier gibt es keine Gnade. Im perfekten Soundbild, zumindest direkt am Mischpult wo sich der Verfasser befindet, lässt man ein Inferno über das Zenith hereinbrechen. Bei "Combat" torkeln schon die ersten an der Moshpit-Front aufgeriebenen Existenzen in die sichere Zone im hinteren Bereich der Halle und die Crowdsurfer fliegen im Minutentakt durch die Halle. Mit "Unrest" wird der zweite heutige Headliner gecovert und nach Feuerwerk und Papierschnitzelregen geht es nahtlos weiter im Programm. Unter "Ohohohooo-Chören" entert die australische Metalcore-Macht PARKWAY DRIVE die Bühne und wirft dem Publikum gleich mit "Wild Eyes" eines ihrer Aushängeschilder zum Circle Pit hin. Im Gegensatz zum Thüringer-Prügelkomando HEAVEN SHALL BURN sind die Herren aus Down Under durchaus melodischer orientiert, mehr Breaks und mehr Clean Vocals, was sich auch in der Live-Performance zeigt, der immense Druck den HEAVEN SHALL BURN vorlegen kann von PARKWAY DRIVE nicht gehalten werden. Die Fans stört es nicht und das verzückte Metalcore-Volk feiert bis zum umfallen und headbangt, oder wie man diese eigenartige Ganzkörperbewegung mit gleichzeitigen Armzucken auch nennen mag, bis zum umfallen. Auch PARKWAY DRIVE covern mit "The Weapon They Fear" einen Song ihres Co-Headliners und danach ist es wieder Zeit sich von eben jenem bedienen zu lassen. "Hunters Will Be Hunted" walzt die Kadaver durch und präsentiert den kämpferischen Tierschutz der Band, welche komplett aus Vegetariern bzw. Veganern besteht. Nach Aufforderung von Bandleader Marcus Bischoff verwandelt sich die gesamte Location einmal rund um das Mischpult zu einem riesigen Circle-Pit und es bleibt ein faszinierter Stormbringer Abgesandter zurück, so viel energiegeladene Interaktion zwischen Publikum und Band ist selten auffindbar und mit "Endzeit" zerlegt HEAVEN SHALL BURN begleitet von massig Pyros endgültig den Rest der Halle und geht als eindeutiger Sieger im direkten Headliner Vergleich von der Bühne.

Den Rest des Abends beschließen PARKWAY DRIVE mit einer starken Performance, die den Fans das bietet was man sich erwartet. "Dark Days", "Romance Is Dead" und als Abschluss "Carrion" lassen das Publikum noch einmal kochen und unter erneuten Papierschnitzelregen begleitet von ohrenbetäubenden Applaus verabschiedet sich die Band bis zum hoch und heilig versprochenen nächsten Besuch in München.

Setlist - HEAVEN SHALL BURN: Block "One"
- Voice Of The Voiceless
- Black Tears (EDGE OF INSANITY-Cover)
- Land of the Upright Ones
- The Omen
- Combat
- Unrest (Parkway Drive cover)

Block "Two"
- Hunters Will Be Hunted
- Trespassing The Shores of Your World
- The Disease
- Counterweight
- The Worlds In Me
- Like Gods Among Mortals
- Awoken
- Endzeit

Setlist - PARKWAY DRIVE: Block "One"
- Wild Eyes
- Sleepwalker
- Karma
- Dream Run
- Idols And Anchors
- The Weapon They Fear (HEAVEN SHALL BURN-Cover)

Block "Two"
- Dark Days
- Deliver Me
- Romance Is Dead
- Home Is For The Heartless
- Swing
- Carrion

Und nun die Fragen in Bezug auf den eigentlichen Grund der Reise, hat der Verfasser seine Schuldigkeit getan? Dies zu beantworten sei unserer Tina überlassen, die sich sicherlich demnächst wieder auf einem Konzert wiederfinden wird wo der Metal-Underground noch von unten betrachtet wird. Zum persönlichen Resümee des Abends: Metalcore wird niemals des Schreibers bevorzugtes Genre werden, zu bunt und zu wenig Nieten und Leder sind immer noch eine unüberwindbare Hürde. Doch musikalisch und showtechnisch gesehen hat sich die Reise auf jeden Fall rentiert, denn die Headliner haben gezeigt wie man ein fettes Feuerwerk inszeniert und seinen Fans ordentlich einheizt!

Thx für die Pics geht an Tina! Mehr Fotos könnt ihr wie immer in Tina´s Galerie sehen.


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: LAMB OF GOD - Lamb Of God
ANZEIGE