10.12.2014, Gasometer

KREATOR, ARCH ENEMY @ Gasometer Wien

Veröffentlicht am 18.01.2015

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Gut, für meine Wenigkeit ist es vielleicht etwas unüblich, gerade zu einem Konzert dieser stilistischen Prägung zu pilgern, aber ob des Ausfalls unseres Thrash-Gurus Reini nutzte ich dann doch die Gelegenheit, um mir an diesem Mittwochabend eine amtliche Dröhnung Schwermetall zu gönnen. Und was für ein Lineup da geboten wurde! Allerdings stand die Show zu Anfang ja unter keinem allzu guten Stern: Produktionstechnisch bedingte zahlreiche zeitliche Verschiebungen und Vorverlegungen machten eine Planung und Anreise vor allem für Fans außerhalb Wiens schwierig, und sorgten wohl für einigen Unmut bei den potenziellen Gästen. Leider ist man als Veranstalter nicht immer vor solchen kurzfristigen Planänderungen gefeit; woran es diesmal genau gelegen ist, lässt sich natürlich als Außenstehender nicht sagen. In jedem Fall hatten die Vorverlegungen zur Folge, dass VADER bereits um 18.35, gerade mal 15 Minuten nach Einlass, die Bühne des Gasometer enterten. Aber bereits bei VADER wurde schnell klargestellt, dass man hier eine massive Tour mit eigentlich vier Headlinern vor sich hatte. Denn schon VADER konnten mit amtlicher Lightshow aufwarten, und der Sound groovte und drückte von Beginn an, und Songs wie "Hexenkessel" und "Wings" sorgten für reichlich geschüttelte Köpfe im Publikum. Den - bedingt durch den bereits aufgebauten Drumriser von SODOM - etwas spärlich bemessenen Spielraum für VADER ließ sich die Band aber nicht anmerken, und zockte sich mächtig durch ein kurzes, aber knackiges Set.

Im Anschluss durfte dann das Trio rund um Kultfigur Onkel Tom Angelripper zu Werke gehen, und schnell wird klar, dass die Deutschen bei uns natürlich eine besonders starke Fanbase haben. "My Final Bullet" und "Agent Orange" eröffnen, das originelle "Surfin' Bird"-Cover leitet dann mit "The Saw Is The Law" das erste richtige Highlight ein. Leider ist der Sound bei SODOM insgesamt etwas verwaschen, was angesichts der spärlichen Besetzung mit "nur" drei Instrumenten eigentlich etwas enttäuschend ist; da wäre mehr drin gewesen. "Ausgebombt" hatten SODOM deswegen aber noch lange nicht, auch "City Of God" bretterte mächtig aus den Boxen, und mit dem Doppelpack aus "Sodomy And Lust" und "Blasphemer" wurde eine mehr als zufriedene Menge in die nächste Umbaupause geschickt.

Die nunmehr durch ex-NEVERMORE Gitarrenheld Jeff Loomis verstärkten ARCH ENEMY sollten dann den Abend weiterführen, und wer die Band dieses Jahr im aktuellen Lineup mit Neo-Sängerin Alissa White-Gluz bereits erlebt hat, weiß, dass ARCH ENEMY auch weiterhin keine Gefangenen machen. Das Gitarrenballet Ammott/Loomis funktioniert selbstredend großartig, der Sound passt bei ARCH ENEMY ebenfalls fast immer - und das kleine Energiebündel am Mikrofon legt bei dem Opener-Doppelpack aus "War Eternal" und "Ravenous" auch gleich mal ordentlich los. Freilich mögen sich die Geister scheiden, ob man die rohe Brutalität einer Angela Gossow oder die etwas mehr "showhaft" inszenzierte Performance von Alissa White-Gluz besser findet; die neue Lady am Gesang macht auf jedenfalls einen amtlichen Job, und stellt das bei Tracks wie "You Will Know My Name" und "Bloodstained Cross" ebenso unter Beweis wie beim mächtigen "As The Pages Burn". Die großen Highlights sparen sich ARCH ENEMY aber natürlich für den Schluss auf: Sprungeinlagen beim hochmelodischen "No Gods, No Masters" und brachiale Gewalt bei "We Will Rise" und dem abschließenden obligatorischen "Nemesis" führen auch diese ARCH ENEMY-Show einem gelungenen Ende zu; die opulente Bühnen- und Lichtshow diente da nur mehr als Abrundung des perfekt inszenierten Melodeath-Spektakels.

Nach erneuter Umbaupause stürmten schließlich Mille Petrozza und seine KREATOR die Bühne, und nochmals wurde an der Lightshow draufgelegt, als die Band nach dem Intro "In The Year 2525" gleich mal mit "Violent Revolution" loslegt, und danach hieß es: Thrash-Feuerwerk der obersten Güteklasse. Zwar mit viel Hall auf der Stimme, aber dennoch gut bei Laune kreischt sich Bandchef Mille durch Tracks wie "From Flood Into Fire", "Extreme Aggression" und natürlich die unsterbliche Bandhymne "Phobia", und auch Songs des fulminanten "Enemy Of God"-Albums wie etwa der Titeltrack davon oder auch "Suicide Terrorist" wurden geboten. Umrahmt wurde die Show nun auch noch von opulenten Feuersäulen, und Songs wie "Phantom Antrichrist", "Impossible Brutality" und "Pleasure To Kill" sorgten erneut für Moshpits und viel rotierende Haarpracht.

Als Abschluss packten die Herren dann sogar noch ein IRON MAIDEN-Cover in Form des (vielleicht zu Tode gespielten) "Number Of The Beast" aus, ehe dann mit einem kackigen Tiple aus "Warcurse", "People Of The Lie" und natürlich "Flag Of Hate" das Set seinem Ende zugeführt wurde. Unterm Strich bleibt also ein hochklassiger Abend im Zeichen des härteren Metalls zu verzeichnen, bei dem vier absolute Headliner-Acts beweisen konnten, warum sie den Status innehaben, den sie im Augenblick halten. Hier gab's viel Metal ums - verhältnismäßig - kleine Geld, und wer Glück genug hatte, die Zeitenänderung hinsichtlich des frühen Beginns der Show rechtzeitig mitzubekommen, der wird an diesem Abend sicherlich nicht enttäuscht nach Hause gegangen sein.


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