22.03.2015, TIPS Arena Linz

ROCK MEETS CLASSIC 2015

Text: Dragonslayer | Fotos: Michelle
Veröffentlicht am 28.03.2015

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Ein ebenso einfaches wie geniales Konzept steht hinter den ROCK MEETS CLASSIC-Touren: Man nehme einige manchmal mehr, manchmal weniger bekannte Sänger und Sängerinnen vergangener Rock-Epochen, stecke sie gemeinsam in einen Nightliner, nehme dazu noch ein talentiertes Orchester und eine feine Rock-Band mit und schicke alle gemeinsam auf große Europa-Tour. PRIMAL FEAR-Basser und Tausendsassa Mat Sinner hat eben genau dieses Projekt vor nunmehr fünf Jahren aus der Taufe gehoben und auch 2015 erfreuen sich die ROCK MEETS CLASSIC-Touren noch immer ungebrochener Beliebtheit. Und kein Wunder, konnte man doch in den vergangenen Jahren auf namhafte Headliner wie IAN GILLAN, ALICE COOPER und PAUL RODGERS zurückblicken und ebenso auf feine Künstler aus der vermeintlichen "zweiten Reihe". In diesem Jahr fand die Tour nach eher mäßig besuchten Shows in der Vergangenheit nun endlich auch wieder den Weg in die österreichische Hauptstadt und nachdem bereits Shows in Deutschland, wie etwa in München, restlos ausverkauft waren, ließ das natürlich auch etwas mehr Hoffnung für das ansonsten eher etwas träge österreichische Publikum zu. Und tatsächlich gastierte die Truppe diesmal wieder in der Wiener Stadthalle D und auch wenn beileibe nicht alle Ränge der doch 16.000 Leute fassenden Stadthalle geöffnet werden mussten (bei etwa 1.500 Anwesenden eine wirklich freundliche Schätzung, haha - Anm. d. Red.), enterte die ROCK MEETS CLASSIC-Crew dennoch bei guter Stimmung pünktlich um 19:30 Uhr die Bühne. Stilecht wird da mit einem vom Streicherquartett vorgetragenen Medley aus "Bohemian Rhapsody" und "Thunderstruck" begonnen, wobei dann bei letzterem die komplette Band und auch das Orchester einsetzen,

MARK STORACE

von KROKUS gleich mal die Vocals übernimmt und im Anschluss auch gleich seinen Klassiker "Long Stick Goes Boom" in die Menge feuert. Zugegeben, KROKUS waren vielleicht hierzulande nie die ganz großen Stars, aber das waren wohl auch ASIA nicht; und so dauert es auch ein wenig, bis der Funke beim nachfolgend von Mat Sinner vorgestellten

JOHN WETTON

überspringt. Der, vornehmlich eher Prog-Rock-Kennern als Sänger von KING CRIMSON und eben ASIA geläufig, betritt auch in eher gemäßigter Energetik die Bühne der Stadthalle, und singt sich zwar formidabel, aber fast etwas zu brav durch Werke seines Schaffens wie "Don't Cry" und "Only Time Will Tell"; beim abschließenden "Rocky IV"-Hit "Heat Of The Moment" freilich geht dann aber schon einigermaßen die Post ab. Ein etwas gemächlicher Start in den Abend, aber schließlich brauchen sowohl Publikum als auch Künstler bekanntlich ein paar Songs, um warmzulaufen. Mr. Wetton auf dem Fuße folgt dann kein geringerer als

ERIC MARTIN

(MR. BIG), der zuletzt auch durch seine Beteiligung an der jüngsten AVANTASIA-Platte samt zugehöriger Tour auch einem europäischen Rock- und Metalpublikum wieder mehr in Erinnerung gerufen wurde. "Take Cover" eröffnet sein Set, das CAT STEVENS-Cover "Wild World" darf natürlich ebensowenig fehlen wie der vielleicht größte MR. BIG-Hit "To Be With You", bevor die "Green-Tinted Sixties Mind" das Set beschließt, und dabei auch eine der musikalisch interessantesten Nummer an dem Abend darstellt. Eric Martin präsentiert sich dabei auch durchaus gut bei Stimme und vor allem Laune - zu späterem Zeitpunkt während des Sets von IAN GILLAN verirrt er sich dann sogar auch mal in den Publikumsbereich und spaziert erstaunlich unerkannt und unbehelligt an den (Sitz-)Reihen der Fanschaft vorbei. So geht Publikumsnähe auch! Die Überraschung des Abends ist aber klarerweise

GIANNA NANNIN

I. Zugegeben, als die italienische Rockröhre für die diesjährige Tour angekündigt wurde, konnte ich das zunächts so gar nicht wirklich glauben - aber die resche 58-Jährige, stilecht italienisch in knallroter Jogginghose gekleidet, legte die mit Abstand energiegeladenste Show des Abends aufs Parkett! Nach "America" gibt's gleich mit "Bello e impossibile" ihren wohl größten Hit zu hören, wobei das folgende "Dio è morto" die bislang rockigste Nummer des Abends darstellt. Originell wird's dann aber nochmal zum Ende hin, als Signora Gianna eine groovige, schon fast doomig angehauchte Version von "Nel blu dipinto di blu (Volare)" anstimmt und das Publikum auch lauthalts mitgrölt. Die Fans freuts und so bedankt man sich auch gleich mal mit den ersten (verdienten!) Standing Ovations des Abends! Ein Überraschungstreffer der quirligen Italienerin!

Nach der Pause ging's aber dann, auch laut Mat Sinner, in den "Legendenteil" des Abends; doch bevor

RICK PARFITT

von STATUS QUO in sein Set startet, geben zunächst Band, Orchester und die Background-Sänger rund um AMANDA SOMERVILLE und SASCHA KREBS gleich mal eine schöne Version von MEAT LOAFs "I Would Do Anything For Love" zum Besten, um das Publikum auch gleich mal wieder in Partylaune zu versetzen. Da muss dann RICK PARFITT eigentlich nur noch abkassieren und tut das auch standesgemäß, mit nur einem kleinen Schönheitsmakel: Denn wo natürlich "Whatever You Want" und "Down Down" grandios ankommen, da wird das unvermeidliche "In The Army Now" leider künstlich gar etwas in die Länge gezogen und der Refrain schon fast zum Erbrechen oft wiederholt. Da hätte man am Arrangement durchaus ein bisschen drehen können; so spannend ist der Song dann auch wieder nicht. Erfreulicherweise gab's aber auch noch "Rain" zu hören und bei "Rockin' All Over The World" passte auch die Stimmung wieder - nicht zuletzt deshalb, da auch Herrn PARFITTs Junior an der (allerdings nicht eingestöpselten) Gitarre fleißig mit der Band mitrockt. Aber wie heißt's so schön? "Früh übt sich", und Parfitt Junior macht schon eine ganz gute Figur auf der Bühne - auch wenn aktuell die Gitarre noch größer ist als er selbst. Und schließlich durfte auch wieder einer der ganz Großen ran: Bereits zum dritten Mal ist DEEP PURPLE-Sänger

IAN GILLAN

nun schon der Headliner bei ROCK MEETS CLASSIC und auch mit knapp 70 Jahren enttäuscht eine solche Legende einfach nicht. Klar, die ganz brutalen Screams kann er nicht mehr abrufen, aber für eine mehr als amtliche und gefühlvolle Perfomance reicht's auch im fortgeschrittenen Alter immer noch! Vielleicht für den ROCK MEETS CLASSIC-geprüften Rezensenten ein wenig enttäuschend, dass sich an der Setlist von IAN GILLAN seit der ersten Tour eigentlich nichts geändert hat, aber andererseits muss man natürlich im Rahmen so eines Konzepts auch einfach die größten Hits bringen. Da gibt's bei DEEP PURPLE ja glücklicherweise einige und so erfreuen sich die Fans auch heute an Klassikern wie "Highway Star", "Strange Kind Of Woman" und "Perfect Strangers", wobei das emotionale Highlight auch diesmal wieder "When A Blind Man Cries" ist, bei der sich die souligen Facetten von IAN GILLANs unnachahmlichem Organ richtig gut entfalten können. "Hush" und "Black Night" (mitsamt humoristischen Ansagen von Maestro GILLAN) bilden dann den Abschluss des regulären Sets und hier darf auch nochmal die brillante Gitarrenarbeit von Saitenzauberer Alex Beyrodt hervorgehoben werden, der sich bei den PURPLE-Nummern mal so richtig austoben darf. Wunderbare Einlagen! Abschließend gibt's dann als Zugabe natürlich noch einmal den berühmtesten Riff der Rock-Geschichte in Form von "Smoke On The Water" zu hören, bei dem auch nochmal alle Sänger (allerdings ohne "Special Guest" GIANNA NANNINI) auf der Bühne auftauchen und gemeinsam mit IAN GILLAN und diesem Rockklassiker der Rockklassiker ein zufriedenes Publikum in den Feierabend entlassen. Klar, man muss natürlich das Konzept von ROCK MEETS CLASSIC verstehen; der AMON AMARTH-geeichte Metal-Fanatiker wird's vielleicht etwas gar zu beschaulich empfinden, aber das adressierte Publikum - vornehmlich (damaligen) Mainstream hörende Damen und Herren im nunmehr mittleren Alter - wird einerseits eine ausschließliche Sitzplatz-Show, als auch den nicht ganz bis zum Anschlag hochgedrehten Lautstärke-Pegel sicher zu goutieren wissen. Wenn man aber weiß, worauf man sich einlässt, dann ist ROCK MEETS CLASSIC immer wieder ein Vergnügen und eine schöne Gelegenheit, die richtig großen Klassiker vergangener Tage noch einmal zu hören, noch dazu in originellem orchestralen Gewand und vorgetragen von den Original-Interpreten; das hat schon was für sich. Zwar haben mir frühere Touren unter dem RMC-Banner insgesamt besser gefallen; diesmal war das Line-Up der ersten Show-Hälfte doch nicht ganz so überzeugend, aber jeder Rock-Fan bekommt hier jedenfalls eine tolle Show für sein Geld geboten und es bleibt zu hoffen, dass ROCK MEETS CLASSIC auch 2016 wieder den Weg in unsere Hauptstadt findet.


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