03.04.2015, PMK, Innsbruck

BLACK LUNG

Text: Laichster | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 06.04.2015

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Jeder kennt doch diese Spontanaktionen bei denen man nicht genau weiß auf was man sich eigentlich einlässt? Dem Verfasser geht es am heutigen Abend wieder einmal so, planlos in einen Konzertabend ohne zu wissen ob man gelangweilt sein würde oder echte Perlen präsentiert bekommt. Aber wie schon letzte Woche im ATLANTEAN KODEX - Live Report erwähnt, ist die Jagd nach unbekannten Überaschungen ein Steckenpferd des Schreiberlings und ihm nichts mehr überdrüssig als die Scheuklappen des ultratrven Langhaars. Also nichts wie los in die Innsbrucker p.m.k., wo heute die sich selbst als Doom-Blues bezeichnenden BLACK LUNG mit den Innsbrucker Desert-Rockern TRACKERS aufspielen. Beide Bands sind doch bis jetzt an einem spurlos vorbeigezogen, was sich im Laufe des Abends noch als schwerer Fehler herausstellen würde. Man betritt also kurz nach 20:00 Uhr die Location und muss feststellen, die alte p.m.k. Regel schlägt wieder gnadenlos zu. Komm niemals pünktlich zum angekündigten Beginn in die Venue, hier wird begonnen, wenn es Spaß macht und eine vorab veröffentlichte Running-Order gibts sowieso nicht. Ok, mehr Zeit zum Small-Talk mit den vereinzelt anwesenden Metalheads, der Rest des Publikums kommt heute eher aus dem Alternative und Hipster-Sektor. Nett diese Menschen im Metal-Shirt mit Hornbrille und Cordhose... Professor Possessor musste nur kurzeitig vom Poserkloppen abgehalten werden, beruhigte sich nach dem dritten Bier wieder und ließ die Blasphemie noch einmal durchgehen. Noch ein paar helle Blonde später und man glaubt es kaum, um 22:00 ist nun wirklich Spielbeginn.

TRACKER:
Die Innsbrucker Desert-Rock/Psychodelic Vereinigung hat schon einige Sampler, eine EP ("Man Made Noise") und sowie ein Album mit dem Titel "How I Became An Alien" veröffentlicht, feierten Erfolge auf fm4 und doch scheint sie nur ein ausgewählter Kreis zu kennen, oder ist der Sound der Kombo nur nicht bis ins Metaluniversum vorgedrungen? Den typischen Sound für Freunde des schweren Stahls fabrizieren die Musiker zwar auf keinen Fall, rein hören sollte aber jeder einmal. Schwere Riffs, psychodelische Solos und abgedrehte Samples, all das macht TRACKER zu einer cool groovigen Erfahrung, auch wenn man keine Flanellhemden trägt und nicht täglich KYUSS am privaten Stoner-Schrein mit unterschiedlichen Substanzen huldigt.

Live klingt das Ganze dann extrem fett und vereinnahmt den Zuhörer ziemlich schnell, den genialen Basslines von Martin Fuchs geschuldet. Abgerundet wird das Package dann noch durch dumpfes, aber bestimmt nicht stumpfes, Drumspiel von Daniel Walter und einem die Gitarre quälenden Fronter in Form von Max Mühlbacher, der auch an den Vocals alles ins stimmungsvolle Licht einer Stoner-Messe rückt. Nummern wie "Hitting A Wall" oder "Fuzz Factory" werden so zu ganzheitlichen Brechern und die Band lebt ihre Musik auf der Bühne mit wie ein Solo-Violinist beim großen Gala Abend, volle Sympathipunktzahl! Die üblichen p.m.k. Probleme als nicht gerade optimale Location für perfekten Sound werden ausgeblendet, denn TRACKER überzeugen den Schreiber heute trotz widriger Umstände, auch wenn Krawall-Girl Lila das ein wenig anders sieht und sich mit dem Possessor an die Bar verzieht. Bleibt unserer metalischen Stammleserschaft nur mehr zu sagen: Anspielen lohnt sich!

Setlist:
- Calibration
- Window Shopping
- Easy Friends
- Hitting A Wall
- Recommended Fool
- Fuzz Factory
- Elektrosmog

BLACK LUNG
Das BLACK LUNG ein Geheimtipp sind befand schon Kollegin Suzy in Ihrem "Black Lung" - Review zum ersten Output der Amis ohne Stilscheuklappen. Der Schreiberling hat es bis heute nicht geschafft sich die Mischung aus staubtrockenen Blues im BLACK KEYS-Stil mit der Traurigkeit eines NICK CAVE mit postulierten knallharten Stoner Riffs reinzuziehen und sieht somit heute eher dem Ungewissen entgegen. Wie versprochen eine Perle des Genre oder doch billiger Ramsch für die Biotonne? 23:30 und BLACK LUNG treten an um alle Befürchtungen vom Tisch zu räumen und nebenbei noch die Hütte abzufackeln. Energiegeladener Sound, emotional eingängig und bis auf Drummer Elias Mays Schutzman introvertiertes Stageacting lassen den Fokus ganz allein auf die Musik schwenken und die hat es in sich!

Nicht nur das Drummer Schutzman sein Mini-Drumkit zum Mörser umfunktioniert und die Zuschauer mit schweren Kalibern zudeckt, auch die Gitarrenkünste von Adam Bufano lassen so manchen erstaunen. Göttliche Riffs gepaart mit der Nachdenklichkeit eines tief in sich selbst gekehrten Künstlers versprühen viel Atmosphäre und genau das brauchen Songs wie "Mind Is Lost" oder "Black Rainbow". Es sollte nicht vergessen werden darauf hinzuweisen, dass BLACK LUNG ohne Bassisten antreten, Fronter Dave Cavalier bedient neben seinem Job als Sänger die zweite Gitarre und es ist kaum zu glauben welche Wucht eine Band ohne Bass entwickeln kann. Zuletzt konnte man dies bei den großartigen EAGLE TWIN (zum Livereport) beaobachten und war dort schon mehr als gebannt von der hierzu nötigen spielerischen Höchstleistung. Nach einer Stunde on Stage haben BLACK LUNG alle überzeugt, großartige Band befinden auch die sonst immer überkritischen Metalheads und sind sich ausnahmsweise mit der Hipster-Fraktion einig. Heute kann ohne Mord und Totschlag das Aftershow-Bier mit den Hornbrillenträgern genossen werden, vorausgesetzt Professor Possessor ist ein zweites Mal mildtätig...

Setlist:
- Nerve
- Mind Is Lost
- Use This Stone
- The Ghost
- Transmissions
- Sonder
- Strange Seeds
- Black Rainbow
- 8MM
- Move

Unterm Strich hat sich der Ausflug in andere musikalische Gefilde wieder einmal gelohnt, zwei großartige neue Bands wurden entdeckt und BLACK LUNG haben sich einen Ehrenplatz zwischen CANNIBAL CORPSE und der Abteilung für Porngrind im Plattenregal erspielt. Man blickt jedenfalls zuversichtlich in die Zukunft und ist gespannt welche Perlen des nicht präferierten Genre einem als nächstes entgegen kommen werden und wird natürlich wieder vom Ausflug in artfremdes Gefilde berichten. Die Fotoqualität bittet der Verfasser aufgrund dessen was sich in der p.m.k. Bühnenlicht schimpft zu entschuldigen. Mehr halbwegs gelungene Pics könnt ihr in der Galerie zum Event sehen.


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