ALKBOTTLE: Sperrstunde!

Text: adl
Veröffentlicht am 05.03.2021 um 09:17 Uhr

Sperrstunde! Nach 30 Jahren ist Schluß mit ALKBOTTLE.

In einem Facebook-Posting erklärt Roman Gregory an dessen 50. Geburtstag die Hintergründe der Auflösung:

 

Liebe Freund*innen! Liebe Bottleheads!

Viele von euch warten seit über drei Jahren auf ein Lebenszeichen von einer gewissen Band, die viele schon ihr ganzes Leben begleitet hat, deshalb nehme ich ausgerechnet meinen heutigen 50. Geburtstag zum Anlass, eine höchst überfällige Bekanntgabe zu veröffentlichen. Eigentlich wollten wir ja letztes Jahr zu unserem 30 Jahr Jubiläum am Nova Rock und auf einer fetten Christkindl-Tour noch einmal ordentlich auf den Putz hauen, aber schlussendlich hat dieses Virus nicht nur diese Pläne zunichte gemacht, und ich nehm’s gleich vorweg, sondern auch gleich die letzte Motivation abgetragen die Band aktiv weiter zu betreiben. Das hat einige Gründe, von denen ich euch die entscheidendsten nicht vorenthalten will.

Dazu muss zuerst einmal weit bis ins Jahr 1985 ausholen, als ich mir damals im zarten Alter von 14 Jahren mit einem Schulfreund die Idee in den Kopf setzte, mit einer Band namens „Alkbottle“ die musikalische Partyuntermalung aller österreichischen Rockrabauken und Trunkenbolde zu werden. Mit 14 ist das ja auch ein durchaus legitimes Lebensziel. Irgendwie ging dieser Plan knapp zehn Jahre später tatsächlich auf und wir hinterließen rückblickend betrachtet eine ganz schön tiefe Furche in der österreichischen Musiklandschaft. Der Name war Programm, die Fans bekamen das was draufstand und das war eine Menge Rock n Roll mit einer gehörigen Portion „Scheiß mi nix“ - Attitüde.

Jedoch hat sich in den vielen Jahren vieles verändert – eigentlich alles.

Nicht, dass es jetzt fad wäre, aber ich scheiß mich heute um eine ganze Menge. In erster Linie als Familienvater, nebenbei auch noch als Vereinspräsident, Moderator, Veranstalter und was weiß ich noch alles. Ich bau mein eigenes Gemüse an, engagiere mich für sozial Benachteiligte und eine gesunde Umwelt. Statt jeden Tag zum Wirtn geh ich lieber Fischen oder Schwammerlsuchen. Meine Welt dreht sich heute einfach um so viele andere Themen und so habe ich in den letzten Jahren erkennen müssen, dass ich dem Kapitel „Alkbottle“ einfach nichts mehr hinzuzufügen habe, was seinem Namen gerecht wird und die Erwartungen erfüllt. Es ist alles erzählt, alles erlebt, alles austherapiert und drüberverfliest. Dieses Lebensgefühl lässt sich auch nicht künstlich wieder herstellen, darum sind auch keine weiteren gemeinsamen Auftritte mehr geplant und wir müssen uns die Band so in Erinnerung behalten, als sie noch voll im Saft war und vor Energie nur so sprühte.

Die hat nämlich einiges hinterlassen, worauf ich sehr stolz bin. Wir haben mit unserem Wahnsinn einigen Generationen über ihren eigenen Wahnsinn hinweggeholfen, unzähligen jungen Menschen Mut gemacht ein Instrument zu lernen, eine Band zu gründen, Texte im Dialekt zu schreiben und selbst Musik zu machen. Durch unseren unkonventionellen Zugang zum Business haben wir vielen nachfolgenden Künstlern den Weg geebnet, wovon uns heute einige mit ihrem Erfolg mehrfach überflügelt haben. Für uns hat es halt nie zum großen Single-Hit gereicht, der uns vielleicht den kommerziellen Durchbruch beschert hätte, dafür erreichte jedes unserer Alben Kultstatus und wir hatten fast 30 Jahre hindurch die besten und treuesten Fans im ganzen Land. Dafür kann ich nur jedem Einzelnen von ganzem Herzen danken. Damit der Entzug nicht allzu hart kommt, werden wir nach und nach unsere Archive durchstöbern und den Alkbottle-Youtube Kanal ordentlich aufmagazinieren. Sogar neue Merchadising-Artikel sind geplant. Und wer weiß, vielleicht ereilt uns ja irgendwann in einer Art „Endlife-Crisis“ das Bedürfnis sich wieder mal als „Bottle-Bua“ zu blamieren, dann interessiert mich natürlich mein Geschwätz von heute soviel wie die ÖVP ein Untersuchungsausschuss.

Weida geht’s. Vor mir liegt nun das fertig gemischte Master meines persönlichen Neustarts, die Aufhebung meines schöpferischen Lockdowns und der Geschenkkorb an mich selbst. Selbst geschrieben, selbst gezeichnet und selbst produziert. Musikalisch „With a little help from my friends“ natürlich. Allen voran von meinem langjährigen Alkbottle-Kollegen und Freund Didi Baumgartner, der sich dieses gesamte, verfluchte 20er Jahr mit mir hat abquälen dürfen um meine Vorstellungen aufs Band zu kriegen. Mit Thomas Mora am Bass und Alex Schuster am Schlagzeug war das ja ein Kinderspiel. Aber auch meine geliebten Alkbottle Mitstreiter Chris Zitta, Marco Billiani und Chris Breier konnten meinem Raunzen nicht widerstehen, genauso wie meine Lieblingsweggefährten Birgit Denk (Chor), Sabine Stieger (Chor), Thomas Rabitsch (Keyb.), und H.G. + Rainer Gutternig (Blechgebläse) auch, und veredelten dankenswerter Weise die Wödscheibm mit ihrer Gastperformance.

Genau vor einem Jahr stand ich damit das erste Mal auf der Bühne und so gerne hätte ich heute mit euch ihr Erscheinen, inklusive mein halbes Jahrhundert gefeiert, doch leider hat dieses Virus auch hier alle Pläne über den Haufen geworfen. Auf dem steht jetzt ganz groß „Oktober“, denn da ist es dann wirklich soweit, wurscht was kommt.
Aber so ganz sang- und klanglos lasse ich mein Daseinsjubiläum natürlich nicht vorüberziehen, deshalb hab ich ordentlich in meinem Privatarchiv gegraben und aus einer Unzahl an Videoaufzeichnungen diverser identitätstiftender Maßnahmen einer Meidlinger Rockband das Video zur anlassbezogenen Single „A leiwande Zeit“ geschnitten und auf Youtube gestellt. In ein paar Wochen wird der Song auch auf allen gängigen Streaming-Plattformen und hoffentlich auch auf einigen Radiosendern zu hören sein.

Wenn mir wer was zum Geburtstag schenken und/oder private Härtefallzahlungen leisten möchte, dann kann er/sie sich das Album ab nächster Woche auf meiner neuen Homepage vorbestellen. Es ist so eine Art Crowdfunding-Kampagne, ohne dass ein US-Konzern mitschneidet. Es gibt verschiedene Varianten, von der einzelnen CD, dem „Wödscheibm“ Deluxe Package mit Vinyl LP und T-Shirt, bis zum Original Cover-Artwork oder den handgeschriebenen Texten. Ihr bezahlt per Sofortüberweisung und bekommt die Bestellung bereits Mitte September nach Hause geliefert. Damit helft ihr mir, mein Vorhaben zu verwirklichen und meinen Beruf als Musiker weiterhin ausüben zu können. Ich würde nämlich gern der Entertainer, die Rampensau und der Klassenkasperl bleiben, denn ich liebe außer meiner Familie nichts mehr, als Menschen zu unterhalten. Das, was ich kann – Das, wofür ich lebe.
Das war’s auch schon fast wieder. Bleibt nur noch zu betonen, dass ich ab Mai wieder für den Viktoria Music Club plane und mich freue, wenn wir uns wieder auf ein paar Meter nähern können.

Bitte bleibt’s stabil, passt auf euch auf und schaut auch auf die Anderen!

Alles Liebe,
Euer Roman


Danke Bottlebuam, es war uns ein Fest!

 

Weitere Infos: ALKBOTTLE

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