Deicide - In The Minds Of Evil

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VÖ: 22.11.2013
Bandinfo: Deicide
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Kinder, wie die Zeit vergeht. „In The Minds Of Evil“ ist bereits das elfte DEICIDE-Album und Oberhöllenfürst Glen Benton scheint immer noch genug diabolische Grütze im Gehirn herumschwimmen zu haben, um auch nach einer dreistelligen Anzahl von Songs locker satanische Texte aus dem Ärmel zu schütteln. Dass mit der mittlerweile 46-jährigen Death-Metal-Ikone nicht unbedingt gut Kirschen essen ist, wissen vor allem diverse Ex-Mitglieder (nachzulesen in unserem ausführlichen Interview). Abseits davon wirkt der einstige Provokateur aber ungewohnt entspannt – das Wort „altersmilde“ will ich im Kontext zu diesem akustischen Hassbatzen nicht verwenden.

Gleich mal vorweg – an das phänomenale, fast schon bahnbrechende „Wiederauferstehungs-Album“ „The Stench Of Redemption“ (2006) kommt „In The Minds Of Evil“ nicht an, die Frischzellenkur durch die Integration von ORDER OF ENNEAD-Gitarrist Kevin Quirion hat den Tampa-Bay-Prüglern aber mehr als gut getan. Ebenjener und Produzent Jason Suecof wollten nämlich unbedingt zurück zum legendären „Legion“-Sound anno 1992 und haben sich dabei ordentlich Mühe gegeben. In gewisser Weise klingt das neue und mit einem herrlich-gruseligen Cover-Artwork verzierte Album tatsächlich etwas älter. Man lausche etwa nur dem Beginn von „Misery Of One“ oder der Hyperspeed-Schlachtplatte „Fallen To Silence“ – das ist natürlich nicht das gleiche, kommt der gewünschten Richtung aber ziemlich nahe.

Glen selbst hat seine Vocals erneut „gedämpft“ und grölt sich mittlerweile nicht mehr Unterkeller-tief durch die gewohnt knappe Spielzeit, sondern lässt bei genauem Hinhören tatsächlich Textzeilen erkennen. Neben dem omnipräsenten Frontmann sind aber vorwiegend die halsbrecherischen Instrumental-Skills, die das Hörvergnügen ins Unendliche potenzieren. Dass „Mr. Oberarm“ Steve Asheim ein seit Lebzeiten unterbewerteter Drummer ist, braucht nicht mehr genauer erklärt werden, aber auch das Zusammenspiel von Quirion und Jack Owen an den treibenden Sechs-Äxten steht außer jeder Kritik. Die Songs knallen großteils furchtbar attraktiv aus den Boxen und haben zum Teil extreme Thrash-Referenzen, auch wenn Benton das weniger gerne hört. Allein schon das treibende Geshredder beim Titeltrack, der ins Mark hämmernde SLAYER-Gedenkbeginn von „Godkill“, das rasante „Beyond Salvation“ oder die rollenden Riff-Kanonaden in „Thou Begone“ zeigen die Amis rotziger denn je zuvor.

Aber keine Sorge, liebe Maniacs, auf derbes Death-Geschrote wird natürlich mitnichten vergessen. Ab Track fünf, „Misery Of One“, konzentrieren sich DEICIDE wieder verstärkt auf Knüppel aus dem Sack. Auch wenn in der zweiten Albumhälfte nicht mehr alle Tracks denselben hohen Qualitätslevel besitzen, gibt es noch genug morbide Deiblerei, mit der sich die Lunatics in den Schlaf bangen können. Besonders rasant dröhnt etwa das mit geschickten Soli veredelte „Even The Gods Can Bleed“, das „Serpents Of The Light“-artige „Kill The Light Of Christ“ und das flotte „Fallen To Silence“ aus den Boxen. Ein wahres Schmuckstück haben Benton und seine bitterbösen Spießgesellen aber ganz ans Ende gepackt. „End The Wrath Of God“ zeigt eine ungewohnte Melodieverliebtheit und kann vor allem mit den einprägsamen Intro- und Outro-Licks vollends überzeugen. Geile Sache ist das – bitte weiter so!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (22.11.2013)

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