ISKALD - Nedom Og Nord

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VÖ: 10.01.2014
Bandinfo: ISKALD
Genre: Melodic Black Metal
Label: Indie Recordings
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Lineup  |  Trackliste

Um sich mit klirrender Kälte konfrontiert zu sehen, muss man derzeit lange suchen bzw. weit fahren. Der Großteil Mitteleuropas kennt Schnee nur noch aus wagen Erinnerungen, Minusgrade gibt es maximal in den sehr frühen Morgenstunden. Insofern ist der Veröffentlichungszeitpunkt der neuen ISKALD natürlich eine völlige Fehlplanung. Doch wer konnte schon damit rechnen? Eben. Das Power-Duo Simon Larsen und Aage Krekling gibt sich bei „Nedom Og Nord“ das insgesamt vierte Mal die Ehre auf Studiolänge und hat sich dabei ganze drei volle Jahre Zeit gelassen. Die Entscheidung, die Sache nicht zu überstürzen, fußte auf mehreren Überlegungen.

Einerseits wollten sich die Norweger ein bisschen wegbewegen von ihrem bisherigen Sound, andererseits hat das Tandem lange nach einem USP gesucht, die hervorstechenden Parallelen zu DIMMU BORGIR oder DISSECTION auf dem Vorgänger „The Sun I Carried Alone“ haben nicht nur wir hier im Stormbringer-Tempel erkannt – Eigenständigkeitsfindung stand somit ganz oben auf der Zielagenda. Mit „Nedom Og Nord“ überraschen die Jungs dafür schon im Titel – mit Norwegisch hat man die steigende Fanschar noch nie so früh konfrontiert. Lediglich sechs Kompositionen wurden auf Polycarbonat gepresst, sämtliche Stücke haben einen völlig eigenen lyrischen Hintergrund und die Produktion haben die Jungs im bitterkalten Norden, in Bodø, gleich selbst erledigt. Doch die größte Sensation ist die tatsächliche vollzogene Wandlung in der musikalischen Ausrichtung.

Vorbei sind die Zeiten des unfreiwilligen Kopistentums, „Nedom Og Nord“ schleppt sich nämlich nicht mehr im Windschatten von Shagrath und Konsorten, sondern projiziert die akustische Manifestation majestätischer Eislandschaften in die menschlichen Gehörtunnel. Natürlich könnte man jetzt die BATHORY-Karte ziehen, natürlich könnte man auf I, oder noch besser, die DEMONAZ-Soloscheibe verweisen – würde aber alles trotzdem nicht passen, denn ISKALD haben genug Ideen zusammengefasst, um sich aus sämtlichen Vorverurteilungsketten zu befreien. Das bedeutet genauer gesagt, dass sich kein Song unter der 7-Minuten-Grenze befindet und sämtliche Thrash-Referenzen endgültig ins Nirwana gejagt wurden. „Nedom Og Nord“ gefällt mit leidenden Krächz-Vocals, inflationär angebotenen, aber niemals faden Riff-Kanonaden und einem außerirdisch tighten Drumming – alles natürlich in ein hervorragendes, aber niemals künstliches Klanggewand gehüllt.

Anspieltipps zu nennen fällt schwer, weil kein einziger Track schlechter als wirklich gehobener Durchschnitt ist, man fairerweise aber auch anmerken muss, dass sich kein richtiger Burner für die Ewigkeit auf das opulente Scheibchen geschlichen hat. Der abschließende Titeltrack kratzt schon stark an einem Black-Metal-Evergreen der symphonischen Sorte, um dies aber auch zu schaffen, hätten ISKALD das Ding gut und gerne um zwei bis drei Minuten straffen können. Die feinsten Passagen findet man irgendwie in allen Songs, durchgehend hervorragend sind noch am ehesten das knüppelnde „A Fading Horizon“ und das progressiv angehauchte „Iskald“. „Nedom Og Nord“ ist aber das mit Abstand stärkste Album der bisherigen Bandhistorie, auch wenn es mir zeitweise noch am letzten Punch fehlt. Gut Ding braucht eben Weile und bislang hat sich der eingeschlagene Weg der beiden Jungs noch immer als Höchstpositiv herausgestellt. Fettes Ausrufezeichen zum Jahresbeginn.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (03.01.2014)

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