Periphery - Clear

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VÖ: 24.01.2014
Bandinfo: PERIPHERY
Genre: Progressive Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Irgendwann im Laufe des Jahres werden PERIPHERY wohl noch das ursprünglich auf Ende 2012 angesetzte Konzeptalbum „Juggernaut“ veröffentlichen, doch bis dahin scheinen die Meister der Djent-Szene uns die Wartezeit mit einem netten Mini-Album versüßen zu wollen. „Clear“ heißt die Scheibe und ist mit seinen 7 Tracks und der 30-minütigen Laufzeit eigentlich gar nicht so mini. Das ganze sollte allerdings weniger als eine konventionelle EP sondern eher als Experiment der Band angesehen werden. Das Besondere ist nämlich, dass jedes der sechs Bandmitglieder für jeweils einen Song auf der Platte kompositorisch allein verantwortlich war und diesem seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat, wodurch die einzelnen Tracks stilistisch teils sehr weit auseinander gehen. Als wäre das nicht schon experimentell genug, soll auch noch jeder Song ein Thema aus der „Overture“ aufnehmen und verarbeiten, wodurch ein roter Faden geschaffen werde, der sich durch die gesamte EP zieht. Dies alles klingt zunächst sehr vielversprechend, aber geht das Konzept wirklich auf?

Relativ unspektakulär beginnt „Clear“ mit dem besagten Intro „Overture“. Man hört erst ein wenig Klavier, dann kommen Gitarre und Schlagzeug dazu und so schnell der Song angefangen hat, hört er auch wieder auf. Mit „The Summer Jam“ geht es dann endlich zur Sache und bietet einen sehr gelungenen Auftakt. Der Track reiht sich stilistisch noch recht gut in die bisherigen Songs der Band ein und hätte auch auf dem letzten Ableger „Periphery II“ zu hören gewesen sein können. Generell liegt hier jedoch der Fokus auf dem klaren Gesang und eingängigen Melodien. Ganz anders scheint „Feed The Ground“ Wert auf härtere Klänge zu legen und versucht sich dabei unter anderem an SLIPKNOT-artigen Knüppelriffs, welche dann mit einem einprägsamen Refrain abgerundet werden. Da der Song sich ausnahmsweise mit den sonst üblichen, rhythmischen Spielereien zurückhält, wird er sich hervorragend für Live-Auftritte der Band eignen. Das Instrumentalstück „Zero“ geht dagegen wieder komplett in die ursprüngliche Richtung der Band und glänzt mit reichlich Taktwechseln, anspruchsvollem Gitarrengedudel und dem typischen Djentsound. Das Highlight bildet meiner Meinung nach das anschließende „The Parade Of Ashes“. Das Stück überrascht an jeder Ecke mit neuen, verrückten Ideen und bietet innerhalb der 5 Minuten Laufzeit wahnsinnig viel Abwechslung, während der Refrain trotz oder vielleicht gerade aufgrund seines „Andersseins“ einen der besten Refrains der bisherigen Bandkarriere darstellt. Das zweite Instrumentalstück „Extraneous“ erinnert sofort an MESHUGGAH, die als Urväter der gesamten Djentbewegung gelten, während das ganze hier und da aber mit genug neuen Elementen garniert wird und so nicht zur bloßen Stilkopie degradiert werden kann. Den Abschluss bildet „Pale Aura“ und klingt stark nach dem Hause HAUNTED SHORES, deren Gitarrist Mark Holcomb seit 2012 Mitglied von PERIPHERY ist. So erinnert das letzte Lied der EP sehr an „Scarlet“ vom letzten Album, das ursprünglich ein HAUNTED SHORES Instrumentalwerk war, aber von PERIPHERY mit Gesang neu arrangiert wurde.

Das „Roter-Faden-Konzept“ geht in der Vielfältigkeit der Musik leider unter. Auch nach mehrmaligem Hören fällt es schwer, in jedem Lied auch nur einen Krümel aus dem Intro wieder zu erkennen. Auf dem letzten Album hat das ganze besser funktioniert, wenn man sich die Trilogie bestehend aus „Muramasa“, „Ragnarok“ und „Masamune“ anhört, in denen ein sehr prägnanter Part, leicht variiert, in jedem der Stücke wieder aufgegriffen wurde. Alles in einem ist „Clear“ jedoch ein sehr gelungenes Mini-Album geworden und zeigt, dass jedes der Bandmitglieder gute bis großartige Songs schreiben kann. Vielleicht darf auf dem kommenden „Juggernaut“ auch mal jeder ran, dann kann man sich garantiert auf ein ebenso vielseitiges, abgefahrenes und trotzdem klasse komponiertes Album freuen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Marco Frieborg (17.01.2014)

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