Alcest - Shelter

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VÖ: 17.01.2014
Bandinfo: ALCEST
Genre: Black Metal
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

Alle True-Metal-Warriors und andere knochenharte Schwermetallherzen dürfen - sofern sie nicht über ein wenig gesunde Alltags- und Soundneugier verfügen - an dieser Stelle aufhören zu lesen. In der Folge geht es hier nämlich nur mehr sehr peripher um Metal im eigentlichen Sinne, den gibt es auf der neuen ALCEST nämlich nicht zu finden. Von Beginn an umschwebt den Hörer ein melancholisch-dichtes Geflecht, das ätherische Intro "Wings" greift den Hörer und hebt ihn auf seinen Schwingen sanft auf. Die musikalische Entdeckungsreise geht immer noch weiter weg von den raueren Anfängen der Band. Die Mitbegründer des Shoegaze/Post Black Metal bewegen sich immer noch weiter vorwärts in ihrer eigene Geschichte bzw. Zukunft und transferieren ihre klanglichen Vorstellungen in immer noch höhere, sentimentale Sphären, das dazugehörige Stichwort lautet wohl unbeirrte Weiterentwicklung.

Wo der Vorgänger "Les Voyages de l’Âme" noch konventioneller rockte, so drehte sich das Klangbild der scheinbaren spielerischen Leichtigkeit noch viel weiter – wie man anhand des Aufnahmeprozesses in Island unter der Ägide von Producer Birgir Jón Birgisson unschwer erkennen kann - in Richtung von Klangkünstlern wie SIGUR ROS und Pop/Wave, auf die zuletzt noch sporadisch vorhandenen Post-Black-Eruptionen wurde diesmal gänzlich verzichtet. Und genau dieser Einfluss der ätherisch schwebenden Soundgebilde der Isländer macht, abseits jeglicher Metal-Klischees, den besonderen Reiz am neuen Album aus. Zumindest für diejenigen, die ein wenig mit dem gefühlsbetonten Werk des Island-Kollektivs vertraut sind.

Das sphärische "Opale" sei als Referenzsong genannt, der den Hörer mit seinen leichten Melodien in Träumerei versetzt. Derart von der Muse geküsst, darf der Hörer auf dem vierten Album des französischen Duos um Bandkopf Stéphane “Neige” Paut dessen Ideen und der kongenialen Umsetzung der scheinbar schwebenden Arrangements, des sachten Berührens der Emotionen und des akustischen Erfahrens des Transzendenten folgen. Das Album wirkt wie ein stiller See in den dunstigen Schwaden des Morgennebels, über dem weißgekleidete Gestalten ihre magisch wirkenden, feinen Soundfäden spinnen und einen mit träumerisch anmutenden Gedanken becircen. Schon der Albumtitel „Shelter“ deutet die Fragilität und den emotionalen Tiefgang sowohl des neuen Werks wie wahrscheinlich auch der Person des inhaltlich Verantwortlichen an.

Das neue ALCEST-Album ist ein bezauberndes und fesselndes klangtechnisches Lustspiel für Hörer mit offenen Ohren für diese Art von Sound und feiner Empfindsamkeit, eine introspektive Reise, die über eine große Leuchtkraft verfügt und das nächste Kapitel in der Bandgeschichte aufschlägt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (14.01.2014)

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