Exhale - When Worlds Collide

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VÖ: 18.11.2013
Bandinfo: Exhale
Genre: Grind Core
Label: Pulverised Records
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Lineup  |  Trackliste

Es gab derer einmal von ROTTEN SOUND ein Shirt, auf dem fand sich am Rücken folgender Aufdruck: „Fast music for slow people“. Zweifelsohne inspiriert von dem durch MORBID ANGEL transportierten Sager, „Extreme music for extreme people“, wollte man hier mit etwas Witz und Verstand wohl den Kern des Grind herausauskristallisieren: „Schebban muss!“

Gescheppert hat es im Kessel der Vaasaraner über die Jahre hinweg gewaltig, kennt man das Schritttempo von hymnischen Kleinodien á la „Targets“ und „Corporate Fuck“, so weiß man, Zeit zum Verschnaufen findet sich im Angebot nicht. Onkel Doktor Nasobem untersucht genau, sein diagnostischer Rat lautet: „Zumindest einmal ein- und ausatmen sollte dann doch sein!“
„Inhale/Exhale“ – nicht nur ein vernünftiger Ratschlag, der förderlich auf die Lebenserwartung einwirkt, sondern auch Titel einer der bahnbrechendsten, elementarsten Veröffentlichungen des Genres. Was dereinst die ungestüme Psychotik von NAPALM DEATHs „Scum“ war, war ziemlich genau ein Jahrzehnt später dem Debüt der Herren aus Örebro anheim: NASUM. Zwei Jahre später schon sollten Mieszko und Crew nach „Human 2.0“ gieren, mit einer Biozapfanlage ins weiße Fleisch gebohrt, „Inhale/Exhale“ lieferte hierfür das wissenschaftlich-akustische Grundverständnis: „You breathe to live, you breathe – you die.“
Dass der Tod – nicht nur der bildliche, sondern manchmal, so wie im Falle von Mieszko, auch der tatsächliche – kein endgültiger ist, wissen selbst die „Slow People“ dank lehrreichem Bild-, Video- und Textgut, der „Re-Animator“ hat noch so manches wieder leben gemacht, Status „Braindead“ ist noch lang kein Grund dafür, nach Sarg und Loch Ausschau zu halten.
Denn mittlerweile ist die Wissenschaft gar so weit gedient, dass wenn am eigentlichen Objekt der Begierde nun gar nichts mehr zu rütteln ist – Sprengstoffattentäter oder all jene, die meinen, auf Frontalbuserer mit einem Lastzug zu gehen, wissen, wovon ich rede –, dann weiß man immerhin, sich mittels Duplikat zu helfen. „Klonen kann sich lohnen“, singt der großartige MAX RAABE näselnd, und wir leihen ihm gern ein Ohr, denn bei ihm kommt alles, „was sonst im Bad vergammelt“, in ein Gen-Labor. Basteln am Primaten, alles kein Problem – denn die DNA liegt vor. Geht nun das Objekt der Begierde (freiwillig oder durch Todesfall) verlustig, so bleibt einem zumindest immer noch der Griff zum Duplikat, vielleicht sogar mit verbesserten Charakteristika, die Umbrella Corp. und Weyland-Yutani helfen da auf Anfrage uneigennützig gern schon weiter.

Ein jenes Bäh-Schaf der Kategorie „Dolly“ stellen nun EXHALE dar, die nach dem „Prototype“ von 2006 nun noch ein wenig geschraubt, gebastelt und gepumpt haben und nach dem blinden Neumensch von 2010 sich nun mit Auguste Villiers de L’Isle-Adam auf ein Bankerl gehaut haben und einen Androiden über den Ladentisch wandern lassen, der gar „Metropolis“ und „Die künftige Eva“ vergessen machen. Die Schweden, sie wissen nicht nur, Bäume zu fällen und Fische zu fangen, sondern auch, stets einen distinktiven Sound vorzulegen – das war im Todesblei schon so und ist im Grind nicht anders.

Die Geschichte erzählt, dass zum legendären Forscher Thomas Alva Edison auf dessen abgeschiedenen Landsitz Manlo Park dereinst der englische Lord Ewald kam und sein Leid klagte: Er sei in eine Sängerin verliebt, die zwar das Aussehen von Venus ihr Eigen nennen durfte, aber ihre Seele so platt-gewöhnlich war, dass er diese Diskrepanz nicht ertragen konnte. Das abenteuerliche Experiment, einen „menschlichen Automaten“, wo Körper und Geist stimmen, zu erschaffen, begann …

Wenngleich auch an jenen Lebensformen, die auf die Namen NASUM und ROTTEN SOUND hören, nichts zu rütteln ist, so findet sich für den Klon EXHALE durchaus Berechtigung – „Frauen sind, nicht wie Klons, sondern Klos: entweder beschissen oder besetzt“, heißt ein Spruch, der (in einer Kurzform) gern auf Häuslwänden zu finden ist und wahrlich hocken auf den Vorvätern schon genügend Hörer drauf, dass aufgrund von zahlreicher Ohrgasmen jene bereits so ausgenudelt sind wie weibliche Wesen nach Jahren exzessiver Praktik des Gangbangs. Da ist ab und an der Griff zur kleinen, nicht minder hübschen Schwester schon eine Empfehlung wert – man kann ja beim Koitus ja doch immer noch an das versaute Pendant denken, während das um einen Tick unverdorbene Genmaterial für die nötige körperliche Sauberkeit sorgt.

Und während bei NASUM und Konsorten nun die Herren der Schöpfung wie im Disneyland Schlange stehen und schon ordentlich aufpassen müssen, sich keine Krankheit zu holen, da steht der Intelligente vor dem Türchen von Mademoiselle EXHALE und pocht mit der Bitte um Einlass – eingelassen sich freuend und mit der Dernière von „When Worlds Collide“ hoffend, er möge doch „Left Inside“ bleiben. Bei allen Möglichkeiten, die die Wissenschaft so bereithält – manchmal, aber nur manchmal, ist das bodenständig-Natürliche des Körperlichen immer noch einzig wahrer Grund zu hauchen: „Verweile doch, du bist so schön!“



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Stefan Baumgartner (21.01.2014)

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